Bauers DepeschenSamstag, 19. Januar 2008, 107. DepescheIn den Stuttgarter Nachrichten gibt es mittlerweile ein Blog (blog.stuttgarter-nachrichten.de), irgendwie bin ich da auch mit drin. Mitgegangen, mitgehangen. Das Depeschen-Original aber gibt es nur auf der Flaneursalonseite. Und mit meiner Kolumne hat das auch nichts zu tun. Da verrutscht nichts. Ich stell hier mal eins meiner StN-Blogs zur Ansicht rein, dann habe ich auch gleich die Sache mit dem Hänger hinter mir:![]() ![]() LEDERFINGER ![]() ![]() Donnerstag, ein schöner, luftiger Morgen. Im Schlossgarten arbeiten Männer an den Bäumen, sie bereiten die Ankunft des Frühlings vor. ![]() Die Bauern auf dem großen Schachfeld stehen gelangweilt um die Dame herum. ![]() Manche Wege sind gesperrt, ich muss beim Joggen zwischen Charlottenplatz und Bad Berg ein paar Umwege laufen, die übliche Dreiviertelstunde ist voll, als ich am Bahnhof ankomme. 45 Minuten sind genug. ![]() Eigentlich habe ich Urlaub. Im Brunnenwirt, der Altstadtzentrale, lasse ich mir von einer Kollegin die Architektur des Leonhardviertels erklären. Nicht jeder Puff ist Barock. ![]() Ich übe heute Tippen, weil der Ringfinger meiner linken Hand in einer schwarzen Lederhülle steckt. Beim Fußballspielen ist mir im vordersten Fingerglied die Sehne gerissen. Warum, weiß ich nicht. Als ich meine Torwarthandschuhe auszog, hing das vorderste Fingerglied schlaff herunter. Als ich es mit der anderen Hand nach oben bog, senkte es sich sofort wieder nach unten. ![]() Der virtuose Handchirurg im Marienhospital hat eine kleine Plastikschiene angelegt. Mindestens sechs Wochen lang bin ich der Mann mit dem Lederfinger. Zum Glück tippe ich seit jeher nur mit zwei Fingern. Könnte ich es richtig, wäre ich geliefert. ![]() Der verehrte Blog-Kommentator N. Ervend schreibt, er könne meine StN-Kolumne immer schon im Netz lesen, bevor sie anderntags in der Zeitung stehe. Das bereite ihm ein (ärgerliches) „Déjà-vu“-Erlebnis. Hm. Meine Kolumnen stehen vorher gar nicht im Netz. Und nachher auch nicht, höchstens ich schmuggle mit meinem schwarzen Lederfinger eine alte, vergessene rein. ![]() Die Blog-Bühne ist voller Wunder: Jeder, der schon immer gern mal auf einer Bananenschale ausgerutscht wäre, ist auf einmal Charlie Chaplin. Und jeder Trampel, hoch lebe die Buchstabensupppe, ein Tramp: Hey Komikaze, spül mir das Glied vom Todesfinger. ![]() Der Lederfinger liegt blöd auf der Tastatur. Ständig erwische ich die linke spitze Klammer und muss sie löschen. So wie eine spitze Klammer sieht ungefähr mein schwarzer Lederfinger aus. Es ist Zeit, dass es Frühling wird. Die schwarze Dame im Schlossgarten wartet auf Bauernopfer. ![]() ![]() Nachtrag: Der kleine Unfall, den ich zunächst nicht bemerkte, passierte beim Hallenfußball im Theaterhaus. Als ich frühzeitig gehen musste, hielt der Theaterhausfußball-Vorsitzende Schretzmeier zum Abschied demonstrativ seine linke Hand hoch: Ihm fehlen am kleinen Finger und Ringfinger die vorderen Glieder. Humor, wie man ihn im Blog nicht findet. ![]() ![]() „Kontakt“ ![]() Die Flaneursalonseite ist verlinkt mit dem Internet-Magazin Glanz@Elend www.glanzundelend.de ![]() |
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