Bauers DepeschenMontag, 23. April 2012, 896. Depesche![]() NOTIZ - WANTED ![]() Im Schuhgeschäft meines Vertrauens, bei Boots by Boots in der Gerberstraße, hat ein unbekannter Verbrecher vergangene Woche das Wahrzeichen des Ladens gestohlen: den Riesenstiefel vor der Tür. Diesem traurigen Ereignis gilt als kleiner Trost der folgende Text: ![]() ![]() SOUNDTRACK DES TAGES ![]() ![]() AUF STIEFELN IN DIE EWIGKEIT ![]() 2008 hat der Country-Musiker Randy Houser, 36, aus Mississippi seinen Stiefeln eine Hymne gewidmet. In „Boots On“ singt er von einem hart arbeitenden Mann, von einer schönen Frau und von Gott, der den Mann eines Tages problemlos finden wird, weil der Mann wie immer seine Stiefel trägt. Zwei Jahre später, auf seinem Album „They Call Me Cadillac“, zierte die durchgebrochene Sohle eines Stiefels das Cover. Wie in einem 3D-Film ragt sie aus dem Bild. Man kann das gute Leder riechen, und die Risse stempeln den Mann wie ein Tattoo. ![]() Randy Housers Songs hauen mich nicht um, aber die Platte mit dem Cowboystiefel habe ich ohne zu zögern gekauft. Das Cover gehört neben jeden zeitgenössischen Plattenspieler. Countrymusik, auch Country & Western genannt, gibt dem Stiefelmann bis heute den Rhythmus vor. Diese Musik hat sich ständig erneuert, so wie der Cowboystiefel Mode blieb. Heute gibt es eine großartige Countryszene, und vielen Stars dient der Cowboystiefel wie eh und je als Statussymbol. Rindsleder? Okay. Weit vorne aber trägt man Schlange und Krokodil. ![]() Die gleichzeitige Erwähnung von Vinylplatten und Cowboystiefeln hat nichts damit zu tun, wie ein verwundeter Held in Hollywood-Filmen symbolisch der Zeit hinterherzuhinken. Das Herz seiner Stadt erkennt man an der Existenz eines guten Platten- und eines guten Stiefelladens. Wer auf Stil und Würde achtet, wird seine Tüte mit Vinyl auf Cowboystiefeln nach Hause tragen. Eine Frage der Ehre. ![]() Ich weiß, die Figur des Cowboys wird heute kaum noch gebraucht. Ein Mann, der einsam zwischen den Fronten des Bösen tut, was ein Mann tun muss (bevor er eine Frau verlässt und ihn Gott in die untergehenden Sonne begleitet), findet nicht mehr viele Männerjobs. Moderne Helden sind androgyn, keine Stiefeltypen. ![]() Das Schuhwerk des Cowboys aber bleibt (wie die Vinyl-Platte) ein Gesamtkunstwerk. Handarbeit. Ornamente. Reliefs. Kein Reißverschluss! Stiefeletten nur im Notfall! Am besten hohe Absätze, je nach Feeling: schräg oder gerade. Vorne extrem spitz, nur bei Schmerzen leicht abgerundet. Solche Schuhe dienen der Haltung, der Sinnlichkeit, der Revolte gegen die Knechtschaft des Individuums. In guten Stiefeln reitet ein Mann auch ohne Pferd zwischen Himmel und Erde. Seine Nähe zu Gott und Ewigkeit sollte er dennoch nicht überschätzen. Anders als Tattoos lassen sich Stiefel abstreifen. Wenn nicht von eigener Hand, so mit dem Stiefelknecht (Alma, you know). ![]() ![]() FLANEURSALON IN OSTHEIM ![]() Der nächste Flaneursalon findet am Mittwoch, 9. Mai, im historischen Wirtshaussaal der Friedenau in der ehemaligen Arbeiterkolonie Stuttgart-Ostheim statt. Mit Stefan Hiss, Roland Baisch, Anja Binder & Jens-Peter Abele. 20 Uhr. Karten: 07 11 / 2 62 69 24. ![]() ![]() FLANEURSALON bittet zum HAFEN-PICKNICK ![]() HIER GEHT ES ZUM VORVERKAUF ![]() ![]() KOMMENTARE SCHREIBEN IM LESERSALON ![]() DIE STN-KOLUMNEN ![]() ![]() FRIENDLY FIRE: ![]() NACHDENKSEITEN ![]() FlUEGEL TV ![]() RAILOMOTIVE ![]() EDITION TIAMAT BERLIN ![]() Bittermanns Fußball-Kolumne Blutgrätsche ![]() VINCENT KLINK ![]() KESSEL.TV ![]() GLANZ & ELEND ![]() ![]() ![]() |
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