Bauers Depeschen


Samstag, 27. März 2010, 473. Depesche



Kickers - Großaspach 2:0. Zehn Punkte in vier Spielen!

Tore: 1:0 Tunjic (54.), 2:0 Jung (78.)



NÄCHSTER FLANEURSALON am Mittwoch, 28. April, mit Stefan Hiss, Michael Gaedt, Dacia Bridges & Alex Scholpp in der ROSENAU. Beginn: 20 Uhr.



Achtung, ab sofort wieder auf dieser Seite:

JOE BAUER IN DER STADT - DIE STN-KOLUMNEN

(Jetzt wieder auf dem aktuellen Stand)



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Das Theaterhaus feiert an diesem Montag mit einer Marathon-Show seinen 25. Geburtstag. Hier nostalgische Notizen aus den Wangener Tagen:



ACHTUNG, BRENDLE



Der Frühling war schon wieder weg, er hatte nur einen Tag gastiert, und ich dachte, es sei besser, die Stadt zu verlassen.

Ich räume Startschwierigkeiten ein. Wusste nicht, wohin. Zur Leichenschau „Körperwelten“ in die Schleyerhalle oder zu „Kasperle im Zauberland“' auf den Wasen. Ich schaute nach Osten. Okay, dann eben wieder zu den alten Säcken.

Letzter Besuch im Theaterhaus Wangen, 2003. Ich erinnere mich, wie der Laden 18 Jahre zuvor eröffnet wurde, in Wangen. Damals wusste ich nicht mal, wo Wangen ist. Am Gaskessel rechts. Wenn man mit der Stadtbahn hinfährt, darf man nicht an der Haltestelle Brendle aussteigen. Zu früh. Mir ist das oft passiert. Die richtige Haltestelle heißt "Im Degen". Ich bin Im Degen – tut weh. Wohl deshalb bin ich oft im Brendle ausgestiegen, von mir aus auch am oder beim Brendle. Wie um Gottes willen kann man eine Haltestelle Brendle nennen?

Eine Zeit lang habe ich nicht nur nicht gewusst, wo Wangen ist, sondern auch nicht, wie man Brendle schreibt. Ich schrieb Brändle. Erschien mir logischer als Brendle. Aber die Station Brendle ist nach dem Wirtshaus Brendle getauft, nicht nach dem postwirtshausbedingten Brand, und das Wirtshaus Brendle heißt Brendle wie sein Gründerwirt.

Lustig, dass das alte Theaterhaus direkt gegenüber der Polizeiwache lag. Einerseits war das immer gut wegen der Einbrecher. Andererseits galten Einrichtungen wie das Theaterhaus anfangs als politische Vollzugsanstalten, als linke Zellen. Warum, weiß ich nicht, es war so. Anfang der Achtziger beschmierte man normalerweise Polizeiwachen: „Haut die Bullen platt wie Stullen!“. Jedenfalls eröffnete man keine alternativen Bühnen gegenüber der Schmier. Ja, so hieß das: alternativ; das Theaterhaus nahm kurz nach seiner Eröffnung eine zugelaufene Katze auf; ich glaube, das war alternativ.

Das Theaterhaus wurde unter Eingeweihten bald nur noch ehrfurchtsvoll „das Haus“ genannt. „Das Haus hat beschlossen“, und zwar alternativ.

Bald darauf, nachdem ich gelernt hatte, das Brändle richtigerweise vorne und hinten mit e zu schreiben, wurde das hohe Haus geschlossen. Die Hausherren zogen um, nach Norden auf die Prag. Jetzt wusste ich wieder nicht, wie die Haltestelle dort richtig heißt. Wieder zu früh ausgestiegen. Irgendwann werde ich den Norden so gut kennen wie das oder den Brendle.

Man wird behaupten, ich sei absichtlich im oder beim Brendle ausgestiegen, um mehr von der Straße zu haben, die zum Theaterhaus führte. Dort standen Wohnmobile mit Damen; bei brennendem Rotlicht geöffnet. Früher habe ich nicht so darauf geachtet. Womöglich die Nummer mit der Kultur zu ernst genommen. Würde gerne wissen, wie viele Herren Wangen unter dem Vorwand angefahren haben, das Theaterhaus heimzusuchen. Und sich statt der Kultur den Damen hingegeben haben.

In den Gründerjahren war das Theaterhaus alles andere als ein Freudenhaus. Wenn dort einer pfeifend aufs Klo ging, sprach man von einer Orgie. Partys in Wangen waren weniger lustig als Beerdigungen auf dem Pragfriedhof.

Kulturhäuser waren früher überhaupt eine ernste Angelegenheit. Zuständig für Verzicht. Deutsche Kultur, auch die so genannte alternative, hatte früher immer mit Verzicht zu tun. Das war wegen der Moral. Nur ein armer Mann war ein guter Mann. Man durfte schon mal lachen, aber dann musste man einen sauguten Grund dafür haben. Lachen war nur erlaubt, wenn Lachen richtig Geld einspielte. Da war man nicht mehr so moralisch. Erst kam das Fressen.

Lange her. Es war ein seltsames Gefühl, als der Laden nach 18 Jahren schloss. Die zugelaufene Katze war schon mausetot. Und die Damen im Brendle-Bereich waren ziemlich traurig.


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