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# 2981 | 08.12.2018 13:13:26 | Wilfried Harthan schrieb:
@ 2980

In diesem Sinne aus Dortmund:
AUF DIE BLAUE!
Natürlich nur die auf der Waldau.

# 2980 | 08.12.2018 12:59:05 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Zweifellos waren die Reutlinger Tage die schönsten der jüngeren Kickers-Vergangenheit. Ausgerechnet. In der Heimstatt des Schwimmvereins also, der auch – in gleich vielerlei Weise zutreffend - als „Sommerschlussverkauf“ bekannt ist. Gepflegteste Spielkultur mit beinahe eingebauter Sieggarantie. Mit behaglichem Vergnügen erinnert sich der getreue Kickersmann an die junge Dame hinter dem Tresen, bei der eine Stadionwurst zu ordern ein Vergnügen war, auf das man sich bereits auf der Heimfahrt erneut fürs nächste Mal gefreut hat. Auch das Stadion, so man es denn so nennen will, ist als Sonderbarkeit und Skurrilität eine weitaus längere Reise als die aus Stuttgart wert. Eine an den Rand der Alb gezimmerte Haupttribüne, die den Geist des Größenwahns atmet und aussieht, als hätte ein UFO Ballast abgeworfen, um Reutlingen, verständlich, schnellstmöglich wieder zu verlassen. Und sonst: nichts. Der Rest der Anlage wäre einem Bezirksligisten zu peinlich. Mittendrin während des Baus ist damals wohl der ganze Reutlinger Schwindel aufgeflogen und der Cash, der rechtens nie da war, war weg. Sommerschlussverkauf eben. Was nebenbei für uns zu dem kuriosen Ergebnis führte, dass sich der B-Block auf eben diese Haupttribüne bequemen musste. Das Schicksal ist unerbittlich: „Eugenie so gehts / so schwindet was wir schauen“, schreibt der große Andreas Gryphius. Ansonsten hat – oder hatte, ich war länger nicht da – Reutlingen eine 1A-Bahnhofswirtschaft, wie man sie in dieser Güteklasse kaum mehr findet und für die der Connaisseur eine lange Fahrt gerne mit wohliger Wehmut in Kauf nimmt. Darüber hinaus hat Reutlingen: genau, ebenfalls nichts. Keinem Menschen, der bei Sinnen ist, fällt zu Reutlingen irgendetwas ein. Wikipedia weiß immerhin, dass die Stadt auf einer geneigten Schotterterrasse liegt.
Ein lärmender Unfug, ein Desaster, eine Zwangsneurose, eine Katastrophe, gegen die in der Oberliga spielen zu müssen eine Zumutung ist. Dass sich die Fans des Schwimmvereins (solche gibt es, der Mensch als solcher ist zu allem fähig) als Filiale von Cannstatt verstehen, passt ungezwungen ins Bild. Als „Hochrisikospiel“ klassifiziert, weshalb mit ungefähr siebeneinhalb Hundertschaften an Polizeipräsenz zu rechnen ist (zahlen die eigentlich wenigstens Eintritt?): Stuttgarter Kickers vs. SSV Reutlingen
Sonntag(!), 09. 12. 2018, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

# 2979 | 07.12.2018 00:28:59 | Stuttgarter Bürger schrieb:
# 2977 | 16.11.2018 12:48:44 Ehrenmann, so man ein Ehrenwort gibt ? Also wie diese Figur aus Oggersheim.
Oggersmann wie Vito Corleone zu sagen pflegte. Unser Mann zu deutsch.

# 2978 | 21.11.2018 16:12:04 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Erektile Dysfunktion. So viel steht wohl fest (sofern das der in diesem Zusammenhang glücklich gewählte Begriff ist) und ist gesicherter Forschungsstand. Ich selbst schließe auch nicht vollends aus, dass die delikate Andeutung einer gepflegten ejaculatio praecox („schow, wie naß ist mir min claid!“, Vers 304) vorliegt, möchte aber keine vorzeitigen Schlüsse ziehen: Ich war einfach nicht auf der Hut. Damals, in der mittelhochdeutschen Unterweisung. Die Rede ist natürlich vom Spiel gegen Bissingen am Samstag. Bissingen gehörte im späten Mittelalter zur Hälfte den Herren des heute noch angrenzenden Sachsenheim. Einer dieser Herren war Hermann von Sachsenheim, 1366 (-1369) bis 1458, Staatsmann und Dichter. Und Verfasser sogenannter „Minnereden“, wie jener „Von der Grasmetzen“, wohl um 1450 entstanden (als also Hermann selbst schon, zumal in jener Epoche, ein mächtig alter Sack gewesen).
Inhalt, in Kürze: Ritter, alter Bock, will sich im Mai an eine junge „Grasmetze“ (Grasschneiderin) ranwanzen, mit allerhand Großsprecherei, zuletzt mit Gewalt, aber sein wohl eher ehedem edelstes Teil spielt da nicht mehr mit („ich muost eht wider uff stän, / dann mir das tier zuo wild was“, Verse 294/295).
Denkbar, dass die Ur-Szene zu diesem Abenteuer in Bissingen selbst gespielt hat, wer will das heute schon wissen. Freilich fängt hier die Sache an, ungemütlich zu werden. Mit wem wollten wir, die Stuttgarter Kickers, uns im Spiegel dieser Minnerede vergleichen? Ritterlich sind wir ja wohl selbstverständlich ... aber von derart trauriger Gestalt? („di gieng ich von ir als ain steuem / und hett verlörn min zuo versicht“, Verse 320/321). Oder finden wir uns in der unbezwungenen, übrigens recht derb-koketten Jungfer wieder? Auch irgendwie blöd. Nun ja.
Entscheidend ist aufm Platz, bzw. im Klee: „ich warff sie nider in den cle.“ (Vers 284).

Von Einfluss und Vermögen derer von Sachsenheim zeugte das Sachsenheim-Haus in Stuttgart, ein prachtvolles Doppelgebäude in der Gegend von Turmstraße / Schmale Straße, nach jahrhundertelanger wechselnder Geschichte im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Stuttgarter Kickers vs. FSV 08 Bissingen
24. 11., 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

Erste Annäherungen in Wikipedia
- Hermann von Sachsenheim
- Von der Grasmetzen (hier auch Link zum vollständigen Stück)
- Sachsenheim-Haus

# 2977 | 16.11.2018 12:48:44 | nesenbacher schrieb:
@2032. Depesche
Passend zur Kolumne "Schwarzer Magier" lautet das Jugendwort des Jahres "Ehrenmann/Ehrenfrau". Das kann sich eigentlich keiner ausdenken. Ich fress meinen Langenscheidt.
Joe:Ehrenmann: Seit jeher mein Lieblingwort. Als junger Kerl gelernt in Mafiafilmen - und im Rotlichtmilieu der Altstadt.

# 2976 | 10.11.2018 15:41:35 | Wilfried Harthan schrieb:
@ Depesche 2029

Eine große Rede zum 80. Jahrestag der Pogromnacht! Schön auch das Lied zun Tag: Boulevard St. Martin von Hannes Wader. Es erzählt von dem Juden, Kommunisten und Résistance-Kämpfer Peter Gingold aus Frankfurt. Bis zu seinem Tod ist er ein unermüdlicher Mahner gegen alte und neue Nazis geblieben. Er hat einmal gesagt:

„1933 wäre verhindert worden, wenn alle Gegner der Nazis ihren Streit untereinander zurückgestellt und gemeinsam gehandelt hätten. Dass dieses gemeinsame Handeln nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jeder wissen, was Faschismus bedeutet. Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern!“

Ein großes Wort, passend zu einer großen Rede.
Joe:Danke Dir, Wilfried. Hauptrednerin bei unsere Veranstaltung war Silvia Gingold, die Tochter von Ettie und Peter Gingold, die beide in der Résistance kämpften. Den Abend beendeten wir mit der Einspielung von Hannes Waders Lied.

# 2975 | 03.11.2018 00:11:01 | Gerhard Friedel schrieb:
Julia Schröders Beitrag vom 03.11.2018

Lieber Joe Bauer, haben Sie was gegen Beutelsbach? Laden Sie doch mal Pfr. Köpf samt Akkordeon zu einem Flaneursalon ein ;-)

Viele Grüße

# 2974 | 31.10.2018 11:26:12 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Schwenningen wäre super. Schwenningen weckt wärmende Erinnerungen. Am 19. März 1977 gewann Bayern Hof gegen den BSV Schwenningen in der damaligen 2. Bundesliga Süd mit 10:1. Einer der ca. 2.000 Zuschauer war ich, und zwar, in beiden Halbzeiten, hinter dem Tor der Schwenninger. Stets auf Augenhöhe, wenn man so sagen will, mit dem Arsch des Schwenninger Torwarts. Spiele, wie es so schön in einschlägigen Kreisen (Lothar Matthäus et. al.) heißt, „die wo man nie vergisst“. Aber alles ist schwieriger geworden. Man kann nicht ausweichen. Es geht nicht um Schwenningen, sondern um Villingen, und Villingen ist sterbenslangweilig. Kein Mensch interessiert sich für Villingen. Niemand. Villingen? Ach was! (Regieanweisung: weit wegwerfende Handbewegung!)

Zentral im Herzogtum Alamannien gelegen, dürfte so mancher Villinger Alt-Alamanne im Blutgericht zu Cannstatt(sic!) von 746 eine Pechsträhne gehabt haben. Abgabenpflichtig dem Kloster St. Gallen, wie wir aus einer Urkunde Ludwigs des Frommen von 817 wissen. Beute der Alaholfinger, die sich gar zu gerne Herzog von Schwaben genannt hätten, was aber dem Erchanger recht übel ausgegangen ist, denn der wurde 917 bei Spaichingen, der Heimat des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, einen Kopf kürzer gemacht. Alles ziemlich fatal, alles ein spezifisch schwäbisches Desaster, wirr und verquollen, wobei, um das alles noch mehr zu verknoten, Villingen ja dem badischen Landesteil angehört. Immerhin stammt aus Villingen der Georg Pictorius (1500-1569), ein Lichtblick:

„Pictorius veröffentlichte in seinem Werk als eine von drei Abhandlungen auch eine Stellungnahme zur Frage, ob Hexen verbrannt werden sollten (,An sagae punienda … ‘). Er widersprach darin der Ansicht des Augustinus, dass Hexen sich mit Dämonen nicht so vereinigten, dass sie Nachkommen hätten, sondern schloss sich der Ansicht eines ‚Marcus Cherrhonesus’ an, wonach Dämonen überaus fruchtbar seien und Geschlechtsteile und fruchtbaren Samen besäßen. Dies führe zu Nachkommen, die zwar keine Ähnlichkeit mit menschlichen Kindern hätten, sondern fast affenartige Missgeburten seien. Der weiteren Verbreitung von Hexen könne nur Einhalt geboten werden könne, wenn diese verbrannt würden.“(1)
Als Gewährsmann für die „Fertilität des Dämonenspermas“ taucht Pictorius denn auch im Roman „Melodien“ des 1964 in Esslingen geborenen Helmut Krausser auf (2).

Es nützt aber alles nix. Villingen, Spitzenreiter der Oberliga Baden-Württemberg, ist ein Elend, eine Strafe, ein Untergang.
Angucken – Dämonen hin, Dämonen her – müssen wir es trotzdem.

Stuttgarter Kickers vs. FC 08 Villingen
03.11. 18, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau (1) historicum.net. Geschichtswissenschaft im Internet
https://tinyurl.com/ybyluexe

(2) Helmut Krausser, Melodien. (Neufassung) Köln 2014
Zit. nach:
https://tinyurl.com/yavukjuf

# 2973 | 22.10.2018 21:27:25 | Timo schrieb:
Bester Jubiläums Flaneursalon seit 20 Jahren..... von allem ebes....s ogar eine Standman einlage..... unfreiwillig, sah aber denoch sehr Professionel aus...
Gut gemacht alter Mann.... :)

# 2972 | 22.10.2018 09:10:07 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
@2970

Lieber Wilfried,

wie wahr, wie wahr! Das samstägliche Desaster auf der Waldau neigte sich bereits dem ersehnten Ende zu, als mein langjähriger Nebensitzer meldete, dass es unten in Cannstatt bereits 0:1 stünde. Ein Quantum Trost, wie wir Geheimagenten sagen.
Auf der Heimfahrt vermeldete das Radio dann ein vorweihnachtliches Klingeln nach dem anderen, das sich mir süß in die Ohren träufelte. Was einen sehr ge- und verbrauchten Waldaunachmittag natürlich nicht vollends aufwiegen kann. Aber man nimmt diesbezüglich, was man kriegt. (Sagte der Boxer, als er auf den Brettern lag).
Sei’s drum, immer noch Spitzenreiter in der Oberliga Baden-Württemberg. Wer kann das schon von sich sagen. Im Spieleparadies Ravensburg wird neu gewürfelt...

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