Bauers Depeschen
Donnerstag, 16. Mai 2019, 2089. Depesche

WIGLAF DROSTE IST TOT

Der Dichter, Satiriker, Sänger, Entertainer Wiglaf Droste ist im Alter von 57 Jahren in Franken, wo er zuletzt mit seiner Partnerin gelebt hat, an Organversagen gestorben. Einige Dinge haben wir zusammen gemacht, noch 2015 ist er im Flaneursalon am Fluss im Hafen aufgetreten. Wir haben oft über seine Alkoholkrankheit gesprochen. Leider war nichts zu machen. Keine Chance.

Vor einigen Jahren saßen Wiglaf und unsereiner, wie öfter mal, bei Sauerbraten und Spätzle im Brunnenwirt am Stuttgarter Leonhardsplatz. Tags darauf schickte er mir dieses Gedicht:


RICHTIG SPACHTELN GEGEN NAZIS

Von Wiglaf Droste

Hitler vegetierte arisch,

lebte vulgo vegetarisch.

Fleisch? Niemals, nicht einen Happs!

Auch kein Bier und keinen Schnaps,

und auch niemals Zigaretten,

denn es galt, die Welt zu retten:

Vor den Bolschewiken, Juden,

allem Schönen, Wahren, Guden

also vor den Großgenüssen.

Deshalb schrieb der Mann „Mein Kampf“.


Junge deutsche Antifaschen

Ähneln oft den Hallimaschen:

Fahl sind sie und mickrig und

magersüchtig ungesund.

Denn ihr Leben ist, ich ahn es,

jederzeit ein vollveganes.

Und ihr Tierschutz-Übereifer

ähnelt Adolfs Vegi-Geifer.

Das wird sich rasch ändern müssen.

Deshalb sag ich euch: Kein Mampf!


Und zum guten Futtern taugen

Tiere, die nun einmal Augen

haben, Nase und auch Mund,

isst man sie, lebt man gesund.

Selbstverständlich gilt die Pflicht:

Quältierware frisst man nicht.

Fröhlich muht die Bio-Kuh:

„Macht doch mal McDonald’s zu!

Esst mich auf, von meinem Saft

kriegt ihr Anti-Nazi-Kraft!“


Und dann wird euch zügig klar:

Fleisch ist ein Stück Antifa!



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