Bauers DepeschenSamstag, 09. Oktober 2010, 594. Depesche![]() Wir haben die zweifelhafte Ehre, weiterhin für uns selbst zu trommeln: ![]() FLANEURSALON am Sonntag, 7. NOVEMBER (19.30 Uhr), im THEATERHAUS mit: HÄUPTLING SITTING KÜCHENBULL - Außerdem im Aufgebot: Eric Gauthier Trio, Dacia Bridges Duo, Michael Gaedt solo als The Master Of The Universe... ![]() Raging Bull: VINCENT KLINK ![]() ![]() Die StN-Kolumne von heute: ![]() ![]() ES STINKT ![]() Ich vergebe mir nichts, wenn ich Ihnen heute gestehe, dass ich nichts verstehe. Ich bitte Sie dafür bereits in Zeile drei dieses Textes um Vergebung, sage Ihnen aber gleich, dass Vergebung und Vergabe zwei Paar Stiefel sind. Wenn Sie Vergebung mit Vergabe verwechseln, hat die Kommunikation nicht funktioniert, ähnlich wie bei den Stuttgarter Kickers: Die vergaben zuletzt eine Chance nach der anderen. Das vergebe ich ihnen nicht. ![]() Was „kommunizieren“ heute bedeutet, will ich an einem Beispiel erklären: In der Karlspassage bei Breuninger habe ich neulich beleuchtete Tannenbäume gesehen, sie standen neben Plastikpuppen mit dicken Klamotten. Mit dieser Deko kommuniziert das Kaufhaus: Es ist gut, Wintermode schon im sonnigen Oktober zu kaufen. ![]() Bei uns darf man das. In London etwa gibt es die „Bewegung zur Eindämmung von Weihnachten“. Wenn ein Laden vor dem 1. November Weihnachtsartikel anbietet, kleben ihm Mitglieder des Widerstands nachts die Türschlösser zu. Das kann zu Verkaufsstopp und Vergabestopp führen. ![]() Kommunikation ist eine Phrase. Die eigentliche Bedeutung des Wortes ging verloren. Meine Lehrer haben Kommunikation erst gar nicht kommuniziert. Unsere Kommunikation verlief wie heute die zwischen Mappus und Schuster und Regierung und Volk: Halten Sie die Schnauze, Bauer! Sie haben hier nichts zu sagen! Deshalb verstehe ich heute nicht mal Baustopp. ![]() Kommunikation, das habe ich nicht in Latein gelernt, weil ich kein Latein hatte, rührt von „communicare“ her und bedeutet in etwa „mitteilen, gemeinsam machen“. Man kann es auch einfacher sagen: „Kommunikation ist ein Prozess, innerhalb dessen ein Kommunikator (Sender) eine Botschaft, welche in sprachliche oder nichtsprachliche Zeichen verschlüsselt wird, über spezifische Kommunikationskanäle an einen Kommunikanten (Empfänger) sendet, der diese Botschaft entschlüsselt.“ Claro. Falls Sie, verehrter Empfänger, diese Sätze entschlüsseln konnten, wissen Sie: Ursprünglich gehörten zur Kommunikation mindestens zwei – einer, der was sagt, und einer, der zuhört. „Communis“ bedeutet „gemeinsam“. ![]() Gemeinsam kommuniziert haben zuletzt Herr Geißler und Herr Mappus und danach eine gemeinsame Erklärung verbreitet. Die klang so: „Grundstoppmanagement dicht am Bauschlichtungswasser.“ ![]() Weiß doch jeder, was damit kommuniziert wird: Alles wird gut! ![]() Allerdings haben Neuroradiologen erst diese Woche bei ihrer Tagung in Köln eine Sensation enthüllt: Eine viel wichtigere Rolle in der Kommunikation als bisher bekannt spielt der Körpergeruch. Menschlicher Mief sendet Signale – und hat das Reden ersetzt. So erklärt sich das Chaos im Fall S 21: Die Sache stinkt. Auch die Dialog-Desaster im Alltag gehen auf politische Ausdünstung zurück: ![]() Minister: „Na Kollegin, Bock auf Kommunikation?“ – Kollegin: „Verpiss dich, ich werde lieber mit jemandem reden.“ ![]() Seit die Buschtrommel und die Zeitung nicht mehr so modern sind und es immer mehr Kommunikationsmittel, immer weniger Politiker und immer mehr Marketingfritzen gibt, braucht es für die Kommunikation nicht mehr Sender und Empfänger. Heute klebt ein Werbefuzzi ein Plakat mit der Aufschrift „Es stimmt aber auch . . .“ an die Toilettenwand und kommuniziert damit: „Stuttgart 21 ist das Geilste. Wir auch. Mappus, Rech & Söhne.“ ![]() Ob dies der Plakatleser versteht, spielt keine Rolle. Das ist nicht das Ziel des Kommunikators. Das Ziel des Kommunikationsunternehmers heißt: Ich kommuniziere und kassiere. Der Rest ergibt sich: Wenn Herr Geißler „Baustopp“ kommuniziert, versteht Herr Mappus „Grundwassermanagement“ und der Kommunikator „Vergabestopp“. Das Gemeinsame an Baustopp, Vergabestopp und Grundwassermanagement liegt, wie der Volksmund kommuniziert, auf der Hand eines blinden Schreiners: Man will den Bahnhof vollends kaputt und einem Immobilienzirkus Platz machen. Das begreift nicht nur Geißler, der große Schlichter. Das kapiert auch ein ganz Schlichter wie ich. ![]() SOUNDTRACK DES TAGES ![]() ![]() KOMMENTARE SCHREIBEN: LESERSALON ![]() ![]() DIE STN-KOLUMNEN ![]() E-Mail-„Kontakt“ ![]() ![]() FRIENDLY FIRE: ![]() FlÜGEL TV - Alle Schandtaten vom Bahnhof live ![]() UNSERE STADT ![]() KESSEL.TV ![]() EDITION TIAMAT BERLIN (Hier gibt es mein aktuelles Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart") ![]() www.bittermann.edition-tiamat.de (mit der Fußball-Kolumne "Blutgrätsche") ![]() GLANZ & ELEND ![]() ![]() |
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