Bauers Depeschen


Sonntag, 07. August 2022, 2312. Depesche


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Aktuell & Live

EIN ABEND FÜR DIE KICKERS.

Nach dem sensationellen 2:0-Sieg der Kickers im DFB-Pokal gegen die drei Klassen höher spielende SpVgg Greuther Fürth: Am Donnerstag, 11. August (19 Uhr), gibt es - je nach Wetter - im oder VOR dem Vereinsheim der Sportfreunde auf der Waldau die „Blaue Show“, einen Mix aus Kabarett und Live-Musik, Geschichten und Gesprächen. Das ist die zweite Veranstaltung für Fans in diesem Sommer nach dem atmosphärisch sehr schönen Abend zur Vorstellung der „Fußballfibel“. Stargast ist diesmal der Kabarettist Rolf Miller, in Satire-Kreisen als Halbsatz-Virtuose bekannt. Außerdem dabei: Ex-Kickers-Spieler Ralf Vollmer, Fußball-Autor Bernd Sautter, Sängerin Eva Letica Padilla (ich mach auch mit). Der Eintritt ist frei. Bitte anmelden per Mail: blaueshow@kickers-fanprojekt.de



DIE NUMMER 2:

FLANEURSALON IM RATZE-GARTEN.

Nach der großen Nachfrage ist der Flaneursalon am Freitag, 19. August, noch einmal im schönen Garten der Ratze am Raichberg, Stuttgart-Gaisburg. Diesmal mit der Sängerin Katalin Horvath, die von dem Wahnsinnsgeiger Sebastian Mare und dem Akkordeon-Virtuosen Vladimir Trenin begleitet wird (Gitarrist Frank Wekenmann musste absagen). Ein Trio, das Elemente der Balkan-Musik aufgreift und virtuos verarbeitet. Songs für diesen Abend steuern auch der Sänger/Musiker Eric Gauthier und sein Gitarrist Jens-Peter Abele bei. Erstmals tritt der Satiriker Cornelius WM Oettle ("Titanic", Autor "Die Anstalt") in meiner Lieder- und Geschichtenshow auf. Es gibt noch Karten per Mail: ratzestr@gmail.com



U & D

Am vergangenen Samstag habe ich beim Stuttgarter Festival UMSONST & DRAUßEN auf der Pfaffenwiese vor dem Auftritt der Ska-Band No Sports diese kurze Rede zur Kulturarbeit gehalten:



GUTEN ABEND BEIM 41. UMSONST UND DRAUSSEN,

liebe Freundinnen, und Freunde, dieses sehr schöne und wichtige Open Air hier ist mir nicht ganz fremd. Ich war bereits in den Achtzigerjahren dabei, und schon damals musste man vor Gericht dafür kämpfen, um dieses Festivals vor dem Verbot zu retten. Heute sind wir wieder ein einer ganz ähnlichen Situation.

Ich bedanke mich für die Möglichkeit, hier ein paar Sätze zur Kulturarbeit sagen zu können. Und ganz großen Dank allen, die dieses Festival solidarisch möglich machen.

Keine Sorge, es geht hier nicht um eine moralische Pfaffenpredigt. Mein Thema ist vielmehr: Wir brauchen mehr Freiräume wie diesen hier. Wir müssen uns mehr eigene Orte der Begegnung schaffen – abseits des großen Star-Geschäfts in einem Kulturbetrieb, dessen Events immer teurer werden und schon jetzt für viele unerschwinglich sind.

Damit komme ich zu den Aufgaben einer Kulturarbeit, die unseren Bedürfnissen gerecht wird. Dazu ein kleiner Rückblick: Zusammen mit einem Kollegen habe ich von März 2020 bis vergangenen Mai die Künstlersoforthilfe Stuttgart gemacht. In mehr als zwei Jahren haben wir über 1,5 Millionen Euro gesammelt und an Menschen in allen Bereichen der Kunst- und Kulturarbeit sowie an Studierende auf diesem Gebiet weitergeleitet.

Das war keine Heldentat. sondern im Blick auf die Lockdowns und die existenziellen Probleme in der Kulturszene zwingend nötig. Womöglich war unser Einsatz ein Tropfen im Ozean. Und politisch betrachtet auch nicht konfliktfrei. Man könnte sagen: Wir bettelten Geld und verteilten Almosen in einem Land, in dem prekäre Verhältnisse in der Kunst- und Kulturarbeit auch ohne Corona seit jeher gang und gäbe sind. Die große Mehrzahl der 1,2 Millionen Selbstständigen im Kulturbereich musste sich schon vor Corona mit Hungerlöhnen von etwa 1200 Euro im Monat durchschlagen. Frauen oft mit noch weniger.

Wir machten das, was man beim Finanzamt als ehrenamtliche Arbeit mit mildtätigem Zweck einstuft. Die Wahrheit aber ist: Die Folgen der herrschenden Pandemie werden wie in anderen kapitalistischen Wirtschaftskrisen auf dem Rücken der ohnehin schon Benachteiligten und Verletzlichen abgeladen. Die Reichen werden unterdessen immer reicher.

Das Motiv für unsere Initiative war aber nicht primär die Wohltätigkeit, sondern der politische, der solidarische Gedanke. Von Anfang an wollten wir mit unserer Aktion in unserer Umgebung auf die gesellschaftliche Unverzichtbarkeit der Kulturarbeit hinweisen.

Kunst und Kultur, liebe Freundinnen und Freunde, sind für die herrschende Politik nicht machtrelevant – und gelten ihnen deshalb viel zu oft als luxuriöses Freizeitvergnügen oder als reines Unterhaltungsgeschäft.
 Kunst- und Kulturarbeit aber ist für uns so wichtig wie Bildungsarbeit oder medizinische Versorgung. Kultur bedeutet NICHT Veranstaltungsbetrieb. Unsere Kultur ist unsere Lebensart. Und weil unsere Lebensweise internationalen, antirassistischen und antifaschistischen Charakter hat und der Vielfalt dient, wird sie permanent von Rechtspopulisten und Nazis angegriffen. Die Faschisten führen seit Jahren einen strategischen Kulturkampf gegen fortschrittliche Kräfte und Einrichtungen. Sie wollen die demokratischen Hindernisse für ihre Umsturz-Pläne aus dem Weg räumen. Und zwar mit allen Mitteln – mit nervenden Anfragen der Nazi-Partei AfD in den Parlamenten oder auch mal mit Gewalt.

Die schon herrschende Krise wird jetzt mit ihrer gefährlichen Mischung aus Corona, Krieg, Energienot, Wirtschaftseinbrüchen und der drohenden Klimakatastrophe noch viel schlimmer werden.

Und leider zeigen zu wenige Betroffene in der Kulturszene das notwendige Bewusstsein. Mit Bewusstsein meine ich nicht, dass man politische Lieder singen und Bilder mit politische Botschaften malen soll. Das ist Quatsch. Was wir brauchen, ist Zusammenhalt, Solidarität – auch bei Aktionen gegen Rechts.

Wir müssen uns schon jetzt auf verschärfte Angriffe von rechts vorbereiten. Das Zusammenspiel von Konservativen und Rechtspopulisten, Rechtsextremen und Querdenkern treibt faschistische Prozesse voran, bei uns und in anderen Ländern. Dagegen müssen wir uns wehren – auch mit weltoffener Kulturarbeit.

Dazu brauchen wir spartenübergreifende Bühnen für Musik aller Art, für Filme, für Tanz, für Literatur, für Spoken-Word-Performances. Diese Orte der Begegnung, an denen es keine Ausgrenzung gibt, helfen uns, Freiheiten zu verteidigen, etwa die Meinungs-, die Kunst und die Versammlungsfreiheit.

Wir müssen uns kulturelle Treffpunkte schaffen, die für alle ohne teure Eintrittskarten offen sind. Nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land, in den Dörfern, wo im Übrigen viele Rechte ihr Unwesen treiben. Ich weiß aus Erfahrung nur zu gut, dass man auch dafür etwas Geld braucht. Aber es gibt auch vernünftige Menschen, die welches haben und bereit sind, etwas zu tun.

Und natürlich, dies zum Schluss, geht es nicht nur um politische Arbeit: Wir haben auch ein Recht auf Spaß und schöne Events, und wir haben das verdammte Recht auf Humor. Dafür mache ich wie hier im Wald der Pfaffen gern auch mal den Affen. Vielen Dank - und jetzt wieder Musik: No Sports ....





 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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