Bauers Depeschen


Montag, 12. August 2013, 1155. Depesche



 



Betr.: Flaneursalon live

WERTE GÄSTE,

in diesem Jahr halte ich mich mit Flaneursalon-Terminen etwas zurück. Zum Jubiläum unserer Lieder- und Geschichtenshow müssen wir allerdings noch mal ran: Am Montag, 4. November, 15 Jahre nach dem ersten Auftritt im Gustav-Siegle-Haus, machen wir unseren Geburtstagsabend im Theaterhaus. Mit einer Premiere, auf die ich mich freue: Unsere amerikanische Sängerin Dacia Bridges tritt zusammen mit dem großen Pianisten Wolfang Dauner auf - das Duo interpretiert Lieder von Marlene Dietrich. Außerdem: Los Santos (mit Stefan Hiss), Roland Baisch, Toba Borke & Pheel - und als Gast Uta Köbernick. Der Vorverkauf läuft via THEATERHAUS - Kartentelefon: 07 11 / 4020 720



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LIED DES TAGES



Nach meinem etwas längeren Text vom Samstag über die Befindlichkeiten des Fußballfans heute noch die aktuelle StN-Bundesliga-Kolumne - und danach kehren wir zum Spiel des Lebens ohne Ball zurück:



O TANNENBAUM

Schon lange vor Saisonbeginn haben uns die Fernsehsender gewohnt demütig auf „die stärkste Liga aller Zeiten“ eingeschworen, wenn nicht mit üblicher deutscher ­Bescheidenheit „die beste Liga der Welt“ verkaufen wollen. Zwischendurch unkten ein paar Spielverderber, womöglich sähen die Fans auch die am schärfsten gedopte Liga, und zwar in so vielen bunten Digital-Bildern, wie sie die Kundschaft bisher nur aus den Filmen LSD-erfahrener Holly­wood-­Regisseure kannte.

Rauschgift im Fußball, das wissen wir, gibt es nicht, seit Daums Nase sauber ist. Wenn ehemalige Profis und Physiotherapeuten heute von auf­getürmten Captagon-Schachteln in der Kabine erzählen, handelt es sich um die lustigen Geschichten greiser Märchen­onkel. Auch wenn sie sich erstaunlich präzise erinnern, wie das Fenetyllin-haltige Aufputschmittel aus der Apotheke in den Siebzigern und Achtzigern nicht nur gestresste DJs und Kellner über die Nacht rettete, sondern auch trainingsfaule Fußballstars zu ungeahnten Laufübungen antrieb.

Das Kapitel Captagon gilt in der Drogen­geschichte des Fußballs als eher harmlose Anekdote. Wozu aber sollte man sich heute die Frage des Dopings im Fußball stellen, wo doch alle wissen, dass schon jeder bessere Freizeit-Jogger bei seinen Stadtläufen alles Greifbare schluckt, um anzukommen?

Die Floskel, Herr X und der Club Y seien in der größten Liga der Welt „angekommen“, wurde pünktlich zum Saisonstart 2013/14 in hoher Dosis verbreitet. Das ­machen Poeten wie Lothar Matthäus und Stefan Effenberg im Bezahlsender Sky. Effenberg törnte uns mit seiner Analyse der „Tannenbaum“-Taktik des späten Liga-Rückkehrers Eintracht Braunschweig besser als eine Ladung Captagon. Für Nichtein­geweihte: Der Christbaum versinnbildlicht ein 4-3-2-1-System. Wenn man die Zahlen addiert, kommt man auf etwa zehn Feldspieler; zeichnet man deren Positionen auf einen Bierdeckel, wird daraus die Effenberg’sche Tanne.

Welche Taktik indes einen ausgewachsenen Gruselwald symbolisiert, weiß nur, wer das 1:1 der Stuttgarter ­Kickers gegen Holstein Kiel gesehen hat.

Damit sind wir bei den Trainern. Die Ankunft des spanischen Weltmanns Josep Guardiola in der Münchner Bayernliga hat den Blick auf das Spiel komplett verändert. Nach dem 3:1 seines Teams gegen Gladbach und dem 4:0 des Dortmunder Rivalen in Augsburg zog „Bild am Sonntag“ schon mal Saison­bilanz: „Klopp vor Pep im Duell der Zauberer“. Dass Dortmunds gabunisch-französischer Neuzugang Aubameyang zum Einstand drei Tore schoss, war nur eine Fußnote.

Trotz all seiner ehrenwerten ­Mühen, bescheiden und bodenständig aufzutreten, ist Guardiola nach seiner New Yorker Kunst-Pause auf dem besten Weg, die Star­rolle des Trainers hierzulande über die des Spielers zu erheben. Da ist es nur konsequent, wenn sich sein Rivale Klopp Kopfhaare implantieren lässt, um nicht in der biederen Geheimratsecke der Liga zu stehen. Der glatzköpfige Megastar aus Spanien erreicht mit seinem Gespür für Stil und Style schon jetzt eine Star-Dimension, wie man sie nur aus der Ferne kennt, etwa von amerikanischen Hip-Hop-Giganten wie Kanye West oder Jay-Z.

uardiola hat zwar den schönen Satz gesagt: „Ich bin nicht der beste Trainer der Welt. Ich habe nur die beste Mannschaft der Welt trainiert.“ Trotzdem wird überall die Erwartung formuliert, der neue Fußball-Messias werde die besten Bayern aller Zeiten noch besser machen. Als Laie kann man sich das nur schwer vorstellen. Die große spanische Fußballkunst der jüngeren Vergangenheit, heißt es allenthalben, sei das Resultat jahrzehntelanger Arbeit gewesen. Spaniens Trainer hätten ihren Spielern schon im Kindesalter alles beigebracht: neue Methoden beim Koordinationstraining für die bessere Motorik, eine neue Technik bei der Ball­annahme, die schneller und schärfer den Blick auf die Spielsituation öffnet. Nur so habe das virtuose Kurzpassspiel entstehen können.

Guardiola wird Ribéry oder Robben kaum eine neue Ballbehandlung lehren. Er könnte sie allerdings mit einem Zauber dopen, wie ihn die Weihnachtsmänner aus der Baumschule nicht kennen.



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