Bauers DepeschenMontag, 29. November 2010, 628. Depesche![]() NOTIZEN ![]() Der Untersuchungssausschuss behandelt jetzt die Vorfälle vom "Schwarzen Donnerstag", dem Wasserwerfer-Aufmarsch mit vielen Verletzten bei der Demonstration gegen Stuttgart 21 im Schlossgarten - meine Augenzeugen-Notizen findet man in der Depesche vom 30. September. ![]() ![]() Matinee im Maulwurf: ![]() FLANEURSALON MIT ZAM HELGA ![]() Weil Stefan Hiss wegen Terminproblemen absagen musste, begrüßen wir erstmals Zam Helga im Flaneursalon: Der Sänger und Gitarrist bereitet zurzeit seine Wiederkehr auf die Bühne vor. Am Sonntag, 19. Dezember, machen Zam, Dacia Bridges und ich eine Matinee in der Kneipe Maulwurf. Schöne Frühschicht-Atmosphäre. Stuttgart-Vaihingen, Möhringer Landstraße 9. Beginn: 11 Uhr. Telefon: 07 11 / 6 73 24 06. Reservierungen ab sofort. ![]() ![]() StN-Fußballkolumne: ![]() DIE EVOLUTION ![]() Ich habe keine Ahnung von Fußball, und das sage ich nicht nur, weil meine Wetten katastrophal und ruinös ausfallen. Das Innenleben von Fußballteams ist mir zu kompliziert geworden, ich blicke nicht mehr durch. Selbst wenn einem ein Trainer hie und da unter der Bedingung absoluter Verschwiegenheit etwas Einblick in sein Psycho-Labyrinth gewährt, hilft das nicht weiter. Die Chemie einer Mannschaft funktioniert nach undurchschaubaren Gesetzen. Man müsste Kindergärtner und Psychiater, Autoverkäufer und Stinkstiefel in einem sein, um den Teamgeist zu verstehen. ![]() Das Problem des Trainers, alle Spieler in die Spur zu kriegen und gleichzeitig alle Club-Maulwürfe auszuschalten, erscheint mir unlösbar. Die Lösung heißt auch nicht Mourinho. Die Dinge liegen schwieriger: Man braucht mehr Glück als Verstand. ![]() Viele Experten in meinem Umfeld grinsen hämisch, wenn ich ihnen meine erotische Neigung beichte, sonntags den Fußballstammtisch auf Sport 1 anzuschauen. Aber nirgendwo erfährt man präziser, dass kein Mensch weiß, was in Fußballteams abgeht. Der Stammtisch-Bruder Lattek weiß es nicht, der Moderator Wontorra nicht, und die Reporter-Gäste schon gar nicht. Die Reporter sagen: Der Nikolov hätte den Ball halten müssen. Genau. ![]() Ich habe einen Freund, der einen Freund hat, der Trainer in der Bundesliga ist. Damit hat mein Freund lange angegeben. Er wisse jetzt viel über Fußballmannschaften, hat er gesagt. Seit seine Studien allerdings etwas fortgeschritten sind, gibt er nur noch mit dieser Erkenntnis an: Ich weiß jetzt, hat er neulich gesagt, dass wir alle nichts wissen. Ich habe gesagt: Woher willst du das wissen? Der Freund hat gesagt: vom Trainer. Der weiß nämlich auch nichts. ![]() Der Trainer Magath wurde nach dem 0:5 von Schalke in Lautern gefragt, woran er jetzt arbeiten müsse. Magath hat gesagt: Ich arbeite zunächst daran, unfallfrei nach Schalke zurückzukommen (das ist ihm gelungen). Magath hat auch gesagt, er sei froh, dass sein Team so hoch verloren habe. Er wisse jetzt, wie schlecht es sei. Keiner hat das gewusst – nur der Sport-1-Stammtisch. Allerdings erst hinterher. ![]() Die Chemie menschlicher Kollektive ist unergründbar. Es gab Rockbands, die ihren altgedienten Schlagzeuger gefeuert und durch einen besseren ersetzt haben. Danach spielten sie so schlecht wie nie. Man kann sogar Slomka durch Magath ersetzen. Und dann gegen den Abstieg spielen. ![]() Enttarnen sich die Stinkstiefel nicht gleich im Dutzend selbst (wie beim 1. FC Köln), wird man den wahren vergeblich suchen. Haut man aber ersatzweise den Trainer raus, wächst die Chance, dass der wahre Stinkstiefel kurz stillhält, weil er eine rauchen muss. Das ist Psychologie. ![]() Ein Freund von mir hat kürzlich beobachtet, wie der Cheftrainer eines Erstligateams nach der Ankunft auf dem Frankfurter Bahnhof zwanzig Meter hinter seinen Spielern herging – und heimlich, in der hohlen Hand, eine brennende Zigarette hielt. Exakt so hat das früher auch mein Turnlehrer gemacht. Er hat die Schulmannschaft trainiert und uns zu manchem Sieg geführt. Er war ein großer Psychologe. ![]() Ein Trainer hat mir erzählt, er versuche einigen Spielern beizubringen, dass es gesünder sei, sommers im Freibad auch mal den Schatten aufzusuchen und winters auf dem Weg von der Disco zum Lamborghini eine Jacke anzuziehen. Wenn die Spieler das verstehen, hauen sie Schalke 5:0 weg. ![]() All dies bedeutet nicht, im Fußball habe nach meinem rauchendem Turnlehrer keine Evolution stattgefunden. Im Gegenteil: Am Wochenende ist Vater Edgar Kurz als Präsident der Stuttgarter Kickers zurückgetreten – vierte Liga. Sohn Marco Kurz hat als Trainer des 1. FCK mit 5:0 gewonnen – erste Liga. ![]() Nur eine Sache hat sich nicht verändert. Das könnte an der Psyche des Menschen liegen. Marica hat den Schiedsrichter ein „Arschloch“ geheißen. So hat mich mein Turnlehrer früher auch genannt ... wenn Sie wissen, was ich meine. ![]() SOUNDTRACK DES TAGES ![]() ![]() Vielleicht mal, wenn es S 21 erlaubt, einen Blick auf: ![]() GLANZ & ELEND ![]() ![]() KOMMENTARE SCHREIBEN: LESERSALON ![]() E-Mail-„Kontakt“ ![]() ![]() DIE STN-KOLUMNEN ![]() ![]() FRIENDLY FIRE: ![]() FlÜGEL TV ![]() VINCENT KLINK ![]() UNSERE STADT ![]() KESSEL.TV ![]() EDITION TIAMAT BERLIN (Hier gibt es mein Buch "Schwaben, Schwafler Ehrenmänner - Spazieren und vor die Hunde gehen in Stuttgart") ![]() www.bittermann.edition-tiamat.de (mit der Fußball-Kolumne "Blutgrätsche") ![]() ![]() |
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