Bauers DepeschenFreitag, 18. Mai 2007, 19. DepescheZwei Tage Brandenburg. Am Berliner Ostbahnhof musste ich umsteigen. Dort wartete, nach sechs Stunden Fahrt, der Regionalexpress nach Cottbus. Über Königs Wusterhausen.![]() Man gönnte mir nicht den Spaß, am neuen Berliner Hauptbahnhof Luft zu holen. Es ist außerdem ein komisches Gefühl, wenn der Zug durch den alten Bahnhof Zoo rollt, als hätte es diese Station nie gegeben. Wahrscheinlich gibt es nicht mal mehr die Kinder vom Bahnhof Zoo, weil es überhaupt keine Kinder mehr gibt. Für mich war der Zoo mal wichtiger Umschlagplatz. 17, 18 Jahre lang habe ich die Berliner Filmfestspiele besucht, immer vorne links im Zoopalast gesessen. Weil das Leben weiter geht, bin ich inzwischen auch etliche Male über das Festival-Gelände Potsdamer Platz gestiefelt, ganz in der Nähe steige ich aus Gründen der außerbetrieblichen Fortbildung gelegentlich im Hotel Stuttgarter Hof am Anhalter Bahnhof ab. ![]() In Cottbus ging es mir um die Lage auf dem erweiterten Fußballsektor. ![]() Die 100 000-Einwohner-Stadt in der Lausitz, 40 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, sieht aus wie alle Oststädte: einstürzende Plattenbauten neben renovierter Giebelhäuser-Idylle. Arm neben Reich, wie im Westen. ![]() Ich war in einem Live-Club namens Glad House. Zu DDR war das sein Spitzname: Glad, ostdeutsch ausgesprochen, bedeutet sturzbesoffen. Heute spielen dort Bands, es gibt ein Kino und eine Kneipe. Sieht aus wie 70er Jahre, aber reichlich größer als der Club Alpha Schwäbisch Hall, wenn Sie wissen, was ich meine. Es gibt viele Clubs in Cottbus, so viele, dass nicht einmal 30 000 Menschen seit der Wende weggezogen sind. ![]() Die Leute dort sind, wenn sie nicht zu den Neonazis gehören, aufgeschlossen und freundlich. Alle haben mit mir geredet, die ich etwas gefragt habe. Einmal habe ich einen Espresso bestellt, und die hübsche Bedienung hat gesagt: „Darf ich Ihnen auch einen Macchiato anbieten – der ist mit Milchschaum.“ „Oh, mit Milchschaum“, hab ich gesagt, „das ist fein.“ ![]() Das Cottbuser Stadion der Freundschaft erinnert an das Gazi-Stadion der Stuttgarter Kickers auf der Waldau. Zwar nicht auf der Höhe, sondern am Ufer der Spree gelegen, aber ebenfalls wunderschön im Grünen. Bäume stehen sogar noch zwischen der Tribüne. ![]() Ich besitze mittlerweile eine Kapuzenjacke des FC Energie Cottbus, 39,90 Euro. Schwarz mit rot-weißer Aufschrift. Sehr schön, unverkäuflich. ![]() Am Samstag feiern Cottbuser und Stuttgarter Fans gemeinsam den Titelgewinn des VfB. Ich wechsle nicht mehr den Verein. In meinem Alter tut man das nicht. Womöglich bin ich bald vereinsfrei, ohne Ablöse, was für ein Leben. ![]() |
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