Bauers DepeschenDienstag, 16. Februar 2010, 446. Depesche![]() Nächster Flaneursalon: Mittwoch, 24. Februar, Theater Rampe ![]() Es gibt noch Karten: 0711 / 620 09 09 - 16. ![]() ![]() Kolumnen in den Stuttgarter Nachrichten ![]() (Baustellenhinweis: Wegen Relaunch-Arbeiten kommt es derzeit zu Verzögerungen) ![]() Leserbriefe zu den StN-Kolumnen bitte an: j.bauer@stn.zgs.de ![]() ![]() Friendly Fire: ![]() www.kessel.tv ![]() www.bittermann.edition-tiamat.de ![]() u. a. mit der famosen Fußballkolumne "Blutgrätsche" ![]() ![]() BETR.: NEUE KOLUMNE ![]() Da zurzeit meine aktuellen Kolumnen nicht via StN oline zu finden sind, reiche ich sie in meinem eigenen Netz-Laden nach: ![]() ![]() 16. 2. 2010 / "Joe Bauer in der Stadt" ![]() FRAUENTAG IM WESTEN ![]() ![]() Der lange Winter ist ein Ärgernis, weil die Fußball-Regionalliga und mit ihr die Stuttgarter Kickers in der Versenkung verschwunden sind. Die Welt geht unter. In einer Stadt wie Stuttgart leidet man schlimmer unter dem Schnee als in München, wo die Dinge geregelt sind: München ist flach, und erst dahinter beginnen die Berge. Bei uns ist überall Berg & Tal, und bei all dem Schnee weiß man manchmal nicht, ob man noch lebend im Tal festhängt oder schon tot in der Heslacher Wand klebt. ![]() Stuttgart ist die ewige Ausnahmesituation. Oft frage ich mich, ob wir vom Gemüt her eher flach oder hügelig veranlagt sind. Seit Mappus regiert, erscheint einem auch die Flachheit hügelig. ![]() Wie gesagt, es ist der häreste Winter seit Menschengedenken, und der Schnee macht einen mürbe. In diesen Tagen bringt mich auch der Blick durch mein gummiertes Taschenfernglas von Nikon nicht weiter. Es gibt keinen Horizont. Früher habe ich mir jedes Wochenende einen Tritt gegeben, und dann bin ich losmarschiert, hinaus in die Ebene und die Hügel eines sagenhaften Berg-und-Tal-Gebildes namens Stuttgart. Bei diesem Wetter aber habe ich keine Lust, auf den Feldwegen von Rohracker die Geheimnisse dieser Stadt zu erkunden. ![]() Neulich bin ich durch den Dachswald getrabt und bei jedem zweiten Schritt im harschen Schnee eingebrochen, als sei ich in einen Fettnapf getreten. Stilistisch hat das verheerend ausgesehen, und ich habe gesagt: Wenn du schon im Dachswald so elegant daherkommst wie Oettinger, was blüht dir dann erst in Rohracker? ![]() Es sind die Rohracker-Regionen dieser Stadt, die nicht beachtet werden. Rohracker ist mein Synonym für Ignoranz. Von Rohracker spricht keine Sau. Selbst Botnang ist weltbekannter. ![]() Das Mineralbad Berg ist über 150 Jahre alt, doch kaum einer hat je davon gehört. Neulich haben FDP-Stadträte – Westerwelles Filialleiter spätrömischer Impertinenz – im Rathaus irgendwas für die Mineralbäder gefordert. Sie tun so scheinheilig, als seien sie je dort gewesen. Es war aber, außer dem ruheständlerischen Ex-Bürgermeister Beck, nie ein FDP-Freischwimmer im Berg zu sehen, das weiß ich hundertprozentig. Zeitgenössische Provinzlerdekadenz kann ich nicht nur in der Sauna, ich kann sie sogar unter Wasser riechen. ![]() Neoliberal stinkt anders als Mineral. ![]() Habe ich Beck erwähnt? Ich meine nicht den, der in den Faschingssendungen des Fernsehens sitzt. Den schärfsten Humor produziert Südwest-TV, er geht so: Irgendein Sexualneurotiker mit Backenbart zwängt sich in Altweiberklamotten, zückt zwei Stricknadeln und drückt eine Altmännerzote nach der anderen aus dem Buch „1000 Saunawitze für 1,50“ ab. Tä-tä. ![]() Die fidelen FDPler wiederum fordern eine „Konzeption zur Betriebsentwicklung der Bäder Stuttgart“, und ihr Antrag beginnt saisongerecht so: „Manchen Badeurlaub kann man sich als Stuttgarter sparen – dank der Quellen in Bad Cannstatt und Berg. Stuttgarts Quellen zu loben, wäre Wasser in den Neckar tragen.“ ![]() Zu sagen, dieser Vergleich hinke, wäre eine Beleidigung für jeden Behinderten. Klar muss sein, dass Leute, die solche Sätze schreiben, die Stadt mitregieren. Ihnen ein Flussbad zu verordnen hieße, Wasserköpfe zum Neckar zu tragen. ![]() Alarmieren Sie meinetwegen die Gleichstellungsstelle, ich verwahre mich gegen den Vorwurf der Transvestiten- und Frauenfeindlichkeit. Ich bin nicht der Mann, der diese Tafel an den Eingang einer Kneipe im Westen gehängt hat: „Frauentag – Bier und einen Kurzen 3,50“. ![]() Dahinter kann nur die FDP stecken. Wer sich zum Schrecken aller ehrbaren Besucher im Berg den Badeurlaub sparen will, belästigt auch Frauen mit seinem Kurzen. Tä-tä. ![]() KOMMENTAR: LESERSALON ![]() ![]() |
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