Bauers Depeschen


Freitag, 21. Februar 2020, 2179. Depesche


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Kleiner Wortbeitrag am Donnerstag bei der Kundgebung „Stoppt den rechten Terror“ auf dem Stuttgarter Schlossplatz, organisiert von Stuttgart gegen Rechts:



GUTEN ABEND, liebe Freundinnen und Freunde,

großen Dank an alle, die heute da sind.

Nicht erst seit gestern sind wir an einem Punkt der rassistischen Bedrohung und des rechten Terrors angelangt, der keine Wahl mehr lässt: Wir müssen zusammen etwas tun. Wir müssen überall, auch auf den Straßen, Zeichen setzen gegen die faschistischen Angriffe und Verbrechen der Gegenwart. Für jeden halbwegs anständigen Menschen muss dieser Einsatz gegen die Machenschaften der Rechten Teil seines alltäglichen Lebens werden. Und wir müssen den herrschenden Politikern so viel Druck machen, dass sie begreifen: Sie haben die verdammte Pflicht, die bedrohten Minderheiten in dieser Republik zu schützen. Und diese Politiker, die nichts tun, müssen wir fragen: Wollt ihr denn Muslime, Juden, Sinti, Roma und Schwarze in diesem Land? – Oder fühlt ihr euch mit den Faschisten wohler? Und wir fragen euch: Warum schaut ihr zu, wie die völkische Propaganda zu Hass und Vernichtung führt? Und warum kommen die Betroffenen nicht zu Wort? Die Wahrheit ist: Sie werden allein gelassen.

Die vergangenen Tage haben es bewiesen: Fusionen zwischen Faschisten und ihren Gesinnungsfreunden in den Parteien der sogenannten Mitte sind möglich. Jede Kumpanei namens Koalition zur Erhaltung der Macht ist denkbar. Und möglich sind jederzeit rechts-terroristische Morde wie die in Hanau. Das ist unsere Gegenwart.

Und diese Gegenwart heißt für uns nicht etwa nur Halle, Thüringen oder Hanau. Hier unten in diesem Stuttgarter Schlossplatz hat sich die AfD eingenistet. Und seit Jahren verbreiten 18 Abgeordnete dieser rechtsextremen Partei mit ihren Rassisten ihre widerliche Propaganda vor unserer Haustür. In diesem Landtag formuliert die AfD Anträge und Anfragen, die nur dazu da sind, unsere internationale Kultur zu attackieren und zu zersetzen, um so unsere halbwegs freiheitliche Lebensart zu zerstören.

„Die Anstalt“ im ZDF hat erst neulich eine Sendung zum rechten Terror gemacht, und ihr Autor Dietrich Krauß hat mich heute Nachmittag noch darauf aufmerksam gemacht, wie uns der Terror quasi überholt.

Kurz nach nach Thüringen stellte die „Zeit“-Autorin Mely Kiyak angesichts der Verharmlosung der AfD noch die Frage: „Hat der nicht-deutsche und nicht-christliche Teil der Bevölkerung eine Zukunft in Deutschland?“ Und sie schrieb weiter: Von der Antwort hängt ab, ob es sich für die ethnischen und religiösen Minderheiten lohnt, weiter in die Deutsche Rentenversicherung einzuzahlen. Ob es sich für sie lohnt, Eigentum zu erwerben. Ob es Sinn ergibt, weiterhin im Inland in einem Beschäftigungsverhältnis zu bleiben, oder ob sie anfangen sollten, sich um Arbeit und Visa im Ausland zu bemühen.

Für die Ermordeten von Hanau, liebe Freundinnen und Freunde, kommen diese Überlegungen zu spät.

Und in dieser Situation meldet sich heute Vormittag der SPD-Versager Sigmar Gabriel auf Twitter mit diesen strunzdummen, aber typischen Parteifunktionärsworten: „Der Feind der Demokratie steht rechts: Es lässt sich nicht abstreiten, dass linke Chaoten auf Polizisten eindreschen, Autos und Mülltonnen in Brand setzen und immer wieder hohe Sachschäden verursachen. Alles schlimm genug und nicht zu verharmlosen.“

Dazu dies: Die wahren Chaoten in diesem Land sind die, die solchen gedanklichen Müll absetzen. Die mit einer solchen Gesinnung und ihrer schwachsinnigen Hufeisen-Theorie auf die Menschlichkeit eindreschen.“ Zum Abschluss: Wer Sachschäden und Mülltonnen gegen zehn Menschenmorde aufrechnet, ist selbst ein Brandstifter. Ein geistiger.

Und deshalb: Wir hier müssen tun, was geht. Informiert euch bei Stuttgart gegen Rechts. Organisiert euch – bevor es schon wieder zu spät ist.

(Joe Bauer)











 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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