Bauers Depeschen


Freitag, 11. Januar 2019, 2057. Depesche


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EMPFEHLUNG.

Die Kabarettistin und Liedermacherin Uta Köbernick zeichnet sich mit einer Eigenwilligkeit aus, hinter der künstlerische Haltung steckt. Ihre Lieder und Nummern zwischen poetischer Kraft und subversiver Pointiertheit machen sie auf der Bühne unberechenbar. Ihre Show heißt folgerichtig „Ich bin noch nicht fertig“: Man weiß ja nie ... Am Mittwoch, 23. Januar, gastiert sie in der Rosenau. (Uta war mehrfach im Flaneursalon zu Gast. In diesem Jahr tritt sie auch bei der „Nacht der Lieder“ auf.)



Notizen von unterwegs

NAZIS RAUS ODER SO

Zurzeit zeigen viele mit der solidarischen „Nazis raus“-Forderung und ähnlichen eingängigen Verlautbarungen ihre Überzeugung im Internet. Und viele in den sogenannten sozialen Medien liken solche Inhalte - ohne zu bedenken, dass solche Auftritte in Wort und Bild nicht selten heldenhafter wirken, als es ihre Absender sind. Alles schön und gut.

Große Zweifel habe ich allerdings, dass genügend Menschen gegen Rechts organisiert und deshalb im Zweifelsfall in der Lage sind, praktische Arbeit außerhalb der sozialen Medien zu leisten.

Sicher ist, dass wichtige Organisationen aufgrund ihrer radikalen Strategien gegen Rechts von Anti-Rechts-Bekennern abgelehnt oder geschmäht werden. Der Mut der Aktiven antifaschistischer Bündnisse wird nicht gesehen - ihr Tun oft ohne Einblick in die politischen Auseinandersetzungen pauschal als undemokratisch verurteilt.

Facebook-Likes z. B. dienen naturgemäß auch dazu, das eigene Gewissen zu beruhigen. Oft genug frage ich mich beim Blick auf die „Gefällt mir“-Klicks, wo, wie und von wem praktische Arbeit im Alltag gegen Rechts geleistet wird - und auch, wo wer bei Interesse und Bereitschaft Anschluss finden kann. Zum linken Engagement - das Wort „Kampf“ vermeide ich noch aus gutem Grund - gehört der Einsatz für die kleinen Gerechtigkeiten vor der eigenen Haustür: Arbeit, Wohnen usw. - das alltägliche Leben, dessen Bedingungen oft genug den Rechtsruck fördern. Und immer wieder begegnen mir Menschen, die etwas tun wollen - und ziemlich ratlos Anschluss suchen. Das Tun ist das Problem. Das fängt bei uns schon bei den bevorstehenden Kommunal- und Europawahlen an, wenn es darum geht, die rechtsnationalen Provokateure von den Parlamenten fernzuhalten. Parolen gegen Rechts gehen einem leicht über die Lippen und Tasten, solange man dem Gegner in gebührendem Abstand oder nur im Internet gegenübersteht. (In diesem Zusammenhang erlebe ich regelmäßig peinliche, aufschneiderische Selbstinszenierungen.)

Nach meinem Eindruck sind viel zu wenige organisiert. Es hilft nichts gegen Rechts, eine demokratisch gefärbte „Meinung“ zu haben. Das gilt vor allem für die, die mit erstaunlicher Naivität demokratische Fairness gegenüber der AfD fordern. Als hätten wir es mit einer x-beliebigen Partei zu tun, die halt etwas zu oft die „falsche Meinung“ äußert. So werden die Goebbels-Methoden der AfD-Propaganda - Präsenz durch Provokation um jeden Preis - weiterhin als Fehltritte verharmlost. Und immer noch wird viel zu selten begriffen, dass diese Partei Völkische und Nazis nicht nur in ihren eigenen Reihen hat - sondern als parlamentarischer Arm von einem gefährlichen braunen Sumpf umgeben ist und diesem dient. Der (gedankenlose) Hinweis, die AfD sei nun mal demokratisch legitimiert, darf doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch noch der schlimmste Feind der - ohnehin wackeligen - liberalen Demokratie demokratisch gewählt werden kann. Es muss endlich klar sein: Für die AfD-Köpfe taugt der Begriff „Menschlichkeit“ nur noch als Vorlage für Hohn und Spott - und zur rassistischen Hetze. Der AfD-Fraktionschef im BW-Landtag, Göbel, wettert gegen „totalitären Humanismus“. Es ist ratsam, sich Aufmärsche der AfD samt Umfeld aus der Nähe und die Auftritte der Rechtsnationalen live im Landtag anzuschauen. Das wirkt anders als am Bildschirm.

Dies alles, was ich hier in simplen Sätzen notiere, ist vielen bekannt - ohne dass sie sich dagegen in Parteien (Ortsvereinen), Initiativen und Bündnissen organisieren, in denen antifaschistische Arbeit möglich ist oder bereits gemacht wird. Das Motto „Wir sind mehr“ ist ohne praktische Folgen nicht viel wert. Wir sind zu wenige.





 

Joe Bauer: Im Staub von Stuttgart - Ein Spaziergänger erzählt
 

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