Joe Bauer
  • Bauers Depeschen
    • Archiv
  • Joe Bauers Flaneursalon
    • Kritiken
  • Termine
    • Archiv
  • Die Künstler*innen
  • Impressum
    • Datenschutz
✕
2608. Depesche
20. September 2026

2609. Depesche

Willkommen!

Liebe Treue, so ganz nebenbei darf ich heute darauf hinweisen, dass der einstige Grund für die Einrichtung dieser Homepage vor zwanzig Jahren immer noch exisitiert: der Flaneursalon, meine Lieder- und Geschichtenshow. Am Sonntag, 8. November, gibt es wieder einen, noch einmal im Tangoloft in der Stuttgarter Hackstraße: wie geschaffen für unsere kleine Mixed Show. Musik machen diesmal Eric Gauthier und Cemre Yilmaz, neu im Aufgebot ist eine Schauspielerin, die uns Lyrik vortragen wird. Näheres demnächst.

Netzwerk Gemeinsam gegen rechts – für eines bessere Demokratie:

Unsere Veranstaltung „Was – noch – tun gegen rechts?“ am Sonntag, 27. September, im Württembergischen Kunstverein war sehr gut besucht (wir danken dem Theaterhaus und unserem Freund Gerold Mayer für die Lieferung zusätzlicher Stühle). Eine viel beachtete Rede hielt der in Berlin lebende Theaterregisseur Volker Lösch – mit seinen 20 Anleitungen zum alltäglichen Aktivismus; heute, 28. September, spricht er auf der Montagsdemo gegen S 21 auf dem Schlossplatz. 18 Uhr.

WAS TUN GEGEN RECHTS?!
Von Volker Lösch

Liebe Anwesende – Was tun gegen rechts? Das ist keine theoretische Frage für die Zukunft. Das ist eine heutige, existenzielle, brennende Frage – die letzten Wahlergebnisse machen sie nur noch dringlicher.

Ich habe durch meine Theater- und Recherchearbeiten seit mehr als 30 Jahren tiefe Einblicke in rechtsradikale Kreise und Strukturen bekommen. Mit dem „Freischütz“ an der Oper Bonn habe ich vor kurzem eine Anti-AfD-Arbeit auf die Bühne gebracht. In Dresden, wo ich seit 2001 kontinuierlich am Staatsschauspiel arbeite, hatte ich in der Pegida-Zeit eine „mit Rechten reden“ – Phase. Ich war in Kneipen, habe Nazis zum Diskutieren ins Theater eingeladen, versucht, in argumentativen Kontakt zu kommen. Das Ergebnis: mit überzeugten Faschisten kann man nicht reden. Die muss man bekämpfen. Ich rede nicht von denen, die schwanken, die heute links, morgen die AfD und übermorgen gar nicht wählen. Ich spreche von rechtsextrem gefestigten Rassist*innen, Sexist*innen, Ausländerhasser*innen, Antisemit*innen, völkischen Nationalist*innen, Demokratie- und Menschenfeind*innen. Gegen die müssen wir konsequent vorgehen, weil sie als laute Minderheit die Werte einer zu passiven Mehrheit zerstören können. Und nichts anderes haben sie vor, als die demokratischen Strukturen zu vernichten. Dagegen müssen wir uns wehren – vehement, intensiv und vor allem: zahlreich! Denn die Mehrheit ist zu inaktiv und zu unpräsent. Die Mehrheit hat die Gefahr noch nicht erkannt: uns bleibt keine Zeit mehr.

Ich habe jetzt eine gute und und eine schlechte Nachricht. Die Gute: es gibt Hoffnung, wir können es schaffen. Noch sind wir eine Mehrheit. Vor allem viele der Jüngeren sind stabil antifaschistisch. Die Schlechte: es ist Arbeit. Verdammt viel Arbeit. Und: es gibt kein einfaches Rezept gegen rechtsradikal.

Ich würde gerne 2 Themenfelder ansprechen: unsere gesellschaftliche Organisation und ihr Verhältnis zum Rechtsradikalismus, und konkrete Aktionen, die jede und jeder machen kann.

Viele Menschen, die AfD wählen, haben das Gefühl, man habe ihnen etwas weggenommen. Die Philosophin Eva von Redecker beschreibt den Rechtsradikalismus als die Verteidigung von etwas, das den Verteidigenden eigentlich gar nicht gehört, als ein tiefes Gefühl des Bestohlenseins.

Und dieses Gefühl ist nicht einfach eingebildet. Die Menschen erleben ja reale Verluste: steigende Mieten und Lebenshaltungskosten, Reallohnverluste, unsichere Arbeitsverhältnisse, den Abbau öffentlicher Infrastruktur, eine immer größer werdende Ungleichheit und stärkere Konzentration von Vermögen. Sicherheit, Wohlstand, Kontrolle und Zukunftsperspektiven werden für viele Menschen prekärer.

Die Probleme sind also real. Falsch ist nicht die Wahrnehmung des Verlusts, sondern seine Erklärung. Und genau hier setzt die AfD an. Wo das Versprechen „Wenn du hart arbeitest, kannst du es schaffen“ zunehmend unglaubwürdig wird, bietet sie eine andere Erklärung: Nicht die gesellschaftliche Ordnung ist das Problem, sondern diejenigen, die angeblich etwas „wegnehmen“, die etwas „stehlen“ – Migrant*innen, Minderheiten, Eliten oder andere vermeintliche Außenseiter. Aus einem realen sozialen Verlust wird ein Kampf um ein vermeintlich bedrohtes „Wir“.

So wird der soziale Konflikt umgeleitet. Menschen spüren, dass sie weniger Kontrolle über ihr Leben haben, aber statt die ökonomischen Strukturen zu hinterfragen, sollen sie glauben, ihre Kontrolle ließe sich zurückgewinnen, indem man andere ausschließt. Aus Klassenkonflikt wird Kulturkampf. Aus materieller Unsicherheit wird Nationalismus. Aus Ohnmacht wird Ressentiment.

Die politische Funktion des Rechtsradikalismus im Kapitalismus ist also: Er kann reale Widersprüche aufnehmen, ohne ihre ökonomischen Ursachen anzugreifen. Die AfD verspricht eine Rückkehr zu Sicherheit, Ordnung und Besitz, ohne die Eigentums- und Machtverhältnisse anzutasten, die diese Sicherheit für viele Menschen überhaupt erst unerreichbar machen.

Die kapitalistische Gesellschaft produziert also Probleme, die sie selbst aber nicht lösen kann. Sie kann nicht Arbeitskraft möglichst billig halten und gleichzeitig allen ein sicheres und steigendes Einkommen garantieren. Sie kann nicht Wohnraum als Ware behandeln und gleichzeitg dafür sorgen, dass alle sicher und bezahlbar wohnen. Sie kann nicht Vermögen immer stärker konzentrieren und gleichzeitig allen Menschen gleiche materielle Teilhabe ermöglichen. Sie kann nicht Konkurrenz zum zentralen gesellschaftlichen Prinzip machen und gleichzeitig allen Menschen dauerhaft Sicherheit und soziale Anerkennung garantieren.

Diese Widersprüche sind nicht bloß politische Fehler, die sich mit einer besseren Regierung beheben ließen. Sie entstehen aus der Funktionsweise des Systems selbst: Eigentum muss sich verwerten, Unternehmen müssen konkurrieren, Arbeitskraft muss sich verkaufen, und gesellschaftliche Bedürfnisse werden der Logik von Profit und Markt untergeordnet.

Der Kapitalismus kann die Probleme, die den Rechtsradikalismus groß machen, nicht lösen. Er kann ihre Symptome verwalten, abmildern oder verschieben. Er kann Sozialleistungen erhöhen, Mieten regulieren, Mindestlöhne anheben oder Integrationsprogramme finanzieren. Aber die grundlegenden Erfahrungen von Abhängigkeit, Konkurrenz und Kontrollverlust bleiben bestehen, solange die gesellschaftlichen Lebensbedingungen selbst Waren und Eigentum sind.

Und hier kann man das zentrale Problem auf den Punkt bringen: Der Kapitalismus verteidigt genau die gesellschaftliche Ordnung, in der die sozialen Widersprüche entstehen, aus denen die extreme Rechte politisches Kapital schlägt. Die AfD ist deshalb nicht das Gegenteil der kapitalistischen Logik. Sie ist in zentralen Punkten ihre politische Zuspitzung: Konkurrenz, soziale Hierarchie, Ausschluss, Verwertbarkeit und das Recht des Stärkeren werden nicht überwunden, sondern national, rassistisch und autoritär aufgeladen und organisiert.

Das bedeutet nicht, dass Kapitalismus und Faschismus dasselbe sind. Aber es bedeutet, dass der Rechtsradikalismus auf Widersprüche zurückgreifen kann, die der Kapitalismus selbst produziert und nicht grundsätzlich auflösen kann. Wer nur die rassistische Oberfläche bekämpft, ohne die materielle Grundlage des Ressentiments zu verändern, bekämpft deshalb immer wieder die Symptome eines Problems, dessen Ursachen bestehen bleiben.

Antifaschismus muss deshalb mehr sein als die Verteidigung des Bestehenden. Er muss eine gesellschaftliche Alternative formulieren. Eine Gesellschaft, in der Wohnen kein Mittel zur Vermögensbildung, Arbeit nicht primär Ware, und Sicherheit nicht von privatem Eigentum abhängt. Eine Gesellschaft, in der Menschen nicht gegeneinander um die Bedingungen ihrer Existenz konkurrieren müssen, sondern gemeinsam über diese Bedingungen verfügen. Denn solange der Kapitalismus für eine Mehrheit Probleme produziert, die innerhalb seiner eigenen Logik nicht lösbar sind, wird die extreme Rechte immer wieder ein politisches Angebot machen können: Sie nimmt die reale Ohnmacht, gibt ihr einen Schuldigen und verspricht die Wiederherstellung einer verlorenen Ordnung.

Rechtsradikalismus lässt sich nicht besiegen, indem man die kapitalistische Ordnung gegen ihre radikalste politische Form, eben diesen Rechtsradikalismus, verteidigt. Man muss die Bedingungen verändern, die diese Form immer wieder hervorbringt. Antifaschismus muss deshalb antikapitalistisch sein.

Ich weiss, das ist für viele hier schmerzhaft, Stuttgart ist definitiv keine Hochburg der Antikapitalist*innen. Aber wir können die AfD nur von links bekämpfen, und wir müssen ihr die Basis entziehen. Und da heißt konkret, wir müssen anfangen, antikapitalistisch zu denken. Ganz nebenbei ist das natürlich auch der Schalter, den man gegen die Klimakatastrophe umlegen kann. Nun wird der Kapitalismus nicht morgen weg sein, selbst wenn wir uns alle dafür einsetzen würden. Aber wir können anfangen, ihn in Frage zu stellen. Wir müssen anfangen, über andere Modelle der gesellschaftlichen Organisation nachzudenken. Konkret: wir müssen endlich richtig wählen. Ja, ihr habt richtig gehört: Wählt endlich richtig! Wählt nur Parteien, die es wirklich ernst meinen mit Klimaschutz, mit Umverteilung, mit Menschenrechten. Da gibts nicht viele, das gebe ich zu – aber ihr findet schon eine!

Ok. Daran arbeiten wir jetzt. Ist ja nicht so einfach – antikapitalistisch zu werden. Und das im Schwabenland! Aber was machen wir so lange, bis es soweit ist? Nach dem „Antikapitalisitsch-Werden“ kommt die zweite Maßnahme gegen rechts, die mir essentiell scheint: es müssen viel mehr Menschen politsch aktiv werden, also auch Sie. Das einfache Dagegen-Sein reicht nicht mehr aus. Ein kollektives politsches Engagement für den Erhalt der Demokratie ist die Basis unserer Gemeinschaft. Und ich meine wirklich alle. Und ich meine wirkliches Engagement, nicht einmal im Jahr zu einer Veranstaltung „gegen rechts“ in den Kunstverein gehen, sondern konstantes Engagement. Engagiertes Engament! Das meinte ich vorhin mit Arbeit – ja, es ist Arbeit, aber wann, wenn nicht jetzt, sollten wir diese kollektive Anstrengung leisten?

Ich haue euch jetzt mal ein paar Vorschläge um die Ohren, die jede und jeder sofort umsetzen kann. 20 Möglichkeiten, wie man gegen rechts aktiv werden kann. Nein, 21 Vorschläge, und der letzte ist der wichtigste.

1. Geh auf Demos! Je mehr Öffentlichkeit gegen rechtsextrem, desto besser. Unsere Demokratie verteidigt sich nicht von allein. Wir alle sind gefragt, sie dort zu verteidigen, wo der beste Ort dafür ist – auf der Straße.

2. Informiere dich! Dauernd und ständig! Damit du argumentieren kannst! Über die Dimensionen der Ungleichheit! Deutschland ist inzwischen keine Leistungsgesellschaft mehr, sie ist eine Erbengesellschaft. Von ca. 400 Milliarden vererbten Euro im Jahr 2023 wurden nur 9 Milliarden Steuern fällig! Die mangelnden Steuern, die oben nicht erhoben werden, tragen zum Verfall öffentlicher Strukturen bei. Argumentiere das! Informiere Dich über die zunehmende Chancenungleichheit, ungleiche Einkommensentwicklung, die Marginalisierung und den Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen von Wohlstand, sinkende soziale Mobilität. Und erkläre, wo auch immer Du bist, dass wirtschaftlicher Abstieg meistens nicht selbstverschuldet ist, sondern systemimmanent! Erkläre, dass es nicht um die Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländer*innen geht, sondern um den Großkonflikt zwischen Oben und Unten! Zwischen Demokraten und Antidemokraten! Zwischen Arm und Überreich! Werde sachkundig und kompetent in politischen Fragen. Hilf mit, den gesellschatftspolitischen Diskurs wieder nach links zu schieben! Entwickle eine Recherchekompetenz. Suche Primärquellen! Lies Wahlprogramme tatsächlich! Betrachte Aussagen immer im Kontext! Prüfe Statistiken auf Quelle, Zeitraum und Definition! Baue eine persönliche Sammlung belastbarer Quellen auf!

3. Leiste noch mehr diskursive Arbeit. Widerspreche im Freundes- und Familienkreis! Arbeite mit Zahlen, Fakten, Zitaten. Schreib Dir Dinge auf, die Du recherchierst! Mach zum Beispiel Frauen darauf aufmerksam, wie frauenfeindlich die AfD ist. Mach sozial Schwache darauf aufmerksam, dass es ihnen mit der AfD noch schlechter gehen wird. Erzähle von deren Wissenschaftsfeindlichkeit! Hör nicht auf damit, menschenfeindlichen Positionen vehement und überall entgegenzutreten! Und bleib immer klar beim Argumentieren. Mach deutlich, dass es sich bei der AfD um eine Partei handelt, die die Demokratie abschaffen will. Immer wieder, und relativiere das nie!

4. Wenn du eine Partei des linken Spektrums unterstützen willst – mache bei Haustürgesprächen mit. Rechte Parteien machen keine, was sollen Sie auch erzählen. Das ist ein extrem gutes Mittel, um mit Menschen in direkten Kontakt zu kommen. Frag nach, höre zu, sei empathisch. Und bekämpfe den Normalisierungsanspruch der Nazis, sag immer wieder: das sind keine normalen Politiker*innen, das sind Antidemokraten!

5. Argumentiere, dass es die Brandmauer mehr denn je braucht. Um unsere demokratischen Institutionen zu schützen. Denn die Politik der AfD zielt darauf ab, das Grundgesetz zu entkernen, indem sie die Unantastbarkeit der Menschenwürde ebenso wie Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip aufgegeben werden. Auch wenn Wahlsiege der AfD, ihre Präsenz in Parlamenten und Talkshows uns etwas anderes vormachen: Die AfD ist keine demokratische Partei!

6. Positioniere Dich im öffentlichen Raum. Setz Dich ein für Menschenrechte, für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft und für ein demokratisches Miteinander. In einem lokalen Verein, in Nachbarschaftsinitiativen – Demokratie lebt von unten. Stärke die Arbeit von Initiativen vor Ort, es gibt schon so viele! Häng Dich einfach dran. Und werde selbst aktiv. Im Sportverein, Elternbeirat, in der Freiwilligen Feuerwehr, solidarischen Nachbarschaften: überall dort, wo Demokratie täglich gelebt wird. Eine langfristige Unterstützung, insbesondere im ländlichen Raum, wirkt extremistischen Vereinnahmungen entgegen.

7. Baue eine digitale Gegenöffentlichkeit auf. Nicht nur einzelne Posts teilen. Bau ein lokales Medienprojekt auf. Erkläre kommunalpolitische Entscheidungen, visualisiere Zahlen, dokumentiere AfD-Anträge, überprüfe Aussagen, stelle lokale Initiativen vor, lass Betroffene zu Wort kommen, kündige Veranstaltungen an, produziere kurze Videos. Damit entsteht über Monate und Jahre eine eigene demokratische Informationsinfrastruktur. In der neuesten Wochen-TAZ steht ein bemerkenswerter Artikel eines Netzaktivisten, seine These: „Die AfD ist das Trash TV der Politik. Der Faschismus gewinnt, weil er unterhaltsamer ist.“ Verstehe: Es gibt keine Wahlkämpfe mehr, es ist immer Wahlkampf! Veröffentliche mehrere Videos pro Tag, berichte über jede noch so kleine Sache, so wie Zoran Mamdani, der Bürgermeister von New York. Fasse dich kurz, formuliere verständlich, mach es unterhaltsam, spitze zu und setze auf Masse! Versuche auf Insta und Tiktok immer alle zu erreichen!

8. Fordere wirtschaftliche Verantwortung. Motiviere Unternehmen und Konsument*innen, Position gegen Rechtsextremismus zu beziehen und Vielfalt zu fördern. Boykottiere Unternehmen wie Müllermilch von Theo Müller – das ist der mit den mit AfD-Kontakten. Lass einfach kein Geld bei Nazis.

9. Baue solidarische Gegenstrukturen auf. So entziehst Du den Rechten das wichtigste Werkzeug: die Instrumentalisierung der Abstiegsangst. Rechtsradikalismus gedeiht dort, wo der Staat sich zurückzieht und Menschen sich isoliert fühlen. Werden diese Lücken durch solidarische Netzwerke gefüllt, verliert die AfD ihre Basis. Engagiere Dich bei kulturellen Organisationen, bei NGOs, bei zivilgesellschaftlichen Institutionen jedweder Art. „Zusammen gegen rechts“ vernetzt alle. Stärke den Interkulturellen Dialog. Fördere Austausch und Begegnungen, um Vorurteile abzubauen und gemeinsame Kräfte gegen Rechtsextremismus zu bündeln. Bearbeite soziale Probleme konkret. Sorge dafür, dass Menschen praktische Solidarität erfahren: durch Mietberatung, Sozialberatung, Hilfe bei Behörden, Sprachcafés, Hausaufgabenhilfe, Tafeln und Lebensmittelverteilung, Nachbarschaftshilfe, Unterstützung von Geflüchteten, Jugendclubs, Rechtshilfe, Begleitung älterer Menschen, gemeinsame Kinderbetreuung, lokale Genossenschaften, solidarische Landwirtschaft usw.Überall da, wo Du eine Expertise hast und Du dich einbringen kannst, verändert sich der politische Raum: Menschen erleben Demokratie und Solidarität nicht als abstrakte Werte, sondern als etwas, das ihnen konkret hilft.

10. Engagiere dich für ein AfD-Verbotsverfahren! Aufgrund der inzwischen über Tausend gesammelten verfassungsfeindlichen Zitate und Schriften aus dem Umfeld der AfD – schaut euch einfach nur die website „afd-verbot.de“ mit über 5.600 Beweisen von Verfassungsfeindlichkeit an – ist das Nicht-Prüfen eine Gefährdung der Demokratie. Von verschieden Gerichten ist bestätigt worden, dass die AfD die Demokratie vernichten will – Verbotsverfahren jetzt, die Verfassung verlangt es!

11. Spende Geld! In Sachsen-Anhalt will die AfD Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus kaputtsparen: Ihr 100-Tage-Programm sieht vor, die Landesmittel für diese Stellen zu streichen. Das bedeutet: Für Demokratieprojekte, Beratungsstellen oder Jugendzentren vor Ort wird es deutlich schwerer, an Geld zu kommen. Ende 2026 verlieren 200 Demokratie-Projekte ihre Förderung aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!”. Mit Deiner Spende machst Du diese Arbeit aber möglich! Und das geht vor allem hier. Gerade im Schwabenland liegt soviel Geld auf Konten herum oder unter den Kopfkissen. Und spende regelmäßig! Jeder noch so kleine Betrag hilft!

12. Organisiere den zivilgesellschaftlichen Druck. Schreib Petitionen, Bürgerinitiativen und offene Briefe – insbesondere auf kommunaler Ebene, wo konkrete Entscheidungen beeinflusst werden können. Beobachte die Kommunalpolitik: besuche Sitzungen, lese Anträge, schreibe Abgeordnete an, stelle Anfragen und dokumentiere öffentlich, wie Parteien bei konkreten Abstimmungen votieren. Organisiere öffentliche Veranstaltungen: Podiumsdiskussionen, Lesungen, Filmabende, Vorträge, Ausstellungen oder politische Kneipen. Baue lokale Bündnisse auf: Gewerkschaften, Kirchen, Vereine, migrantische Organisationen, Jugendverbände, Kulturinitiativen. Konfrontiere Abgeordnetenbüros mit Bürger*innenanliegen: nicht nur online kommentieren, sondern regelmäßig persönlich den Kontakt suchen. Es schafft dauerhafte lokale Strukturen.

13. Schaffe Räume für Jugendliche. Hilf ihnen, politisch handlungsfähig zu werden.

Unterstütze Jugendparlamente, Schüler*innenvertretungen, politische Workshops, ihre Medienkompetenz, antifaschistische und demokratische Bildungsarbeit, Jugendzentren, Musik-, Kunst- und Kulturprojekte. Schaffe kostenlose Räume für Jugendliche. Das ist langfristiger als eine einzelne Kampagne.

14. Verteidige die Demokratie dort, wo man arbeitet. Gründe oder unterstütze einen Betriebsrat. Tritt einer Gewerkschaft bei. Beziehe im Betrieb Stellung gegen rassistische und menschenfeindliche Äußerungen. Unterstütze Kolleg*innen, die wegen Herkunft, Religion, Geschlecht angegriffen werden. Mache in der Ausbildung oder Hochschule politische Bildungsarbeit. Arbeitswelt und Gewerkschaften können sehr große soziale Räume erreichen, die klassische politische Aktivist*innen nicht erreichen.

15. Begreife Kultur als politischen Raum. Organisiere oder unterstützeKonzerte gegen Rechts, Theater, Lesungen, Poetry Slams, Dokumentarfilmabende, Ausstellungen, lokale Geschichtsprojekte, Gedenkveranstaltungen, antifaschistische Kunst, Podcasts, unabhängige Medienprojekte. Mit Zeit, Geld oder durch Mitwirkung. Und: schließe eine Abo für ein Qualitätsmedium ab! Unterstütze den Journalismus, der gegen rechtsextrem arbeitet. Vor allem mit Geld. Auch hier: regelmäßig!

16. Mach nicht alles alleine. Organisiere dich politisch auch in Gruppen. Eine organisierte Gruppe kann Räume mieten, Veranstaltungen durchführen, Spenden sammeln, Rechtshilfe organisieren, Medienarbeit machen, Wahlbeobachtung durchführen, neue Aktivist*innen ausbilden, kommunalpolitisch arbeiten, langfristige Kampagnen führen. Tritt in Gewerkschaften, Parteien, Vereine, Bürgerinitiativen, antifaschistische und demokratische Bündnisse, Wohlfahrtsverbände, migrantische Organisationen, Jugendorganisationen und lokale Kulturvereine ein. Es gibt immer eine Gruppe in Deiner Nähe, die Unterstützung braucht.

17. Übe zivilen Ungehorsam. Das können symbolische Sitzaktionen, Mahnwachen,

Besetzungen von öffentlichen Orten oder Parteiveranstaltungen, „Die-ins“, Menschenketten, massenhafte öffentliche Briefe oder Protestanrufe, Flashmobs, künstlerische Protestaktionen, Sitzblockaden oder andere Verweigerungsaktionen sein – bewusste Regelüberschreitungen jedweder Art. Stelle Dich Faschist*innen in den Weg, blockiere AfD-Veranstaltungen. Bleibe dabei gewaltfrei. Erfinde selber Aktionen, motiviere andere, mitzumachen.

18. Bereite Dich auf den Ernstfall vor. Tausche Dich aus, baue langfristige Netzwerke auf. Frag Initiativen vor Ort, was sie benötigen oder wie du unterstützen kann. Bereite Dich auf potenzielle Bedrohungsszenarien – z.B. unter einer rechtsextremen Landesregierung – vor, um handlungsfähig zu bleiben. Teile dein Wissen und mach Dich krisenfest.

19. Pass auf andere auf. Engagement hilft, Ohnmachtsgefühle abzubauen. Du hast Freund*innnen oder Bekannte in Sachsen-Anhalt? Dann melde Dich bei ihnen. Frag, was sie brauchen. Lass diejenigen nicht allein, die von rechtsextremen Strukturen umgeben sind. Mache Mut, gib Kraft.

20. Schütze Menschen, die besonders exponiert sind. Begleite bedrohte Kommunalpolitiker*innen. Unterstütze Journalist*innen. Unterstütze Beratungsstellen. Begleite Menschen, die rassistische Angriffe erlebt haben. Dokumentiere rechtsextreme Aktivitäten, melde Bedrohungen und Übergriffe, unterstütze Betroffene. Schalte bei konkreten Straftaten Polizei bzw. zuständige Stellen ein. Sichere Kommunikationskanäle, stelle gegenseitige Notfallkontakte her. Gehe nicht allein zu Veranstaltungen, wenn eine konkrete Bedrohungslage besteht. Demokratische Arbeit gegen rechtsextrem darf nicht bedeuten, dass einige wenige Menschen sich dauerhaft aufreiben.

21. Betrachte dieses Maßnahmen als Startrampe. Ich komme zum Anfang zurück: werde Antikapitalist*in! Rechtsradikalismus lässt sich im Kapitalismus langfristig nicht bekämpfen. Denn der Kapitalismus produziert seine Bedingungen. Man muss diese Bedingungen verändern. Antifaschismus muss antikapitalistisch sein!

Liebe Anwesende,es gibt nicht die eine Maßnahme gegen rechts, die funktioniert. Die Summe machts! Deshalb ist das Engagement jeder und jedes Einzelnen mit allen möglichen Mitteln auf allen möglichen Ebenen so wichtig. Irgendetwas tun, und wenn es noch so klein ist. Je verschiedener die Menschen und Institutionen sind, die sich beteiligen, desto wirkungsvoller ist der Widerstand gegen antidemokratische Kräfte, gegen Nazis, gegen Faschist*innen, gegen die Afd!

Und es gehört das Bewusstsein dazu, dass es in nächster Zeit um alles geht. Um freie Meinungsäußerung, um Menschenrechte, um die Gleichberechtigugung aller, die hier leben, um vieles andere mehr – es geht um das Leben, welches wir bisher gelebt haben. Und jetzt verknote ich das Ganze mit Worten meiner Freundin und Mitstreiterin Marlene Engelhorn, aus ihrem Schlussmonolog der Theater-Produktion „Geld ist Klasse“:

Ok, nehmen wir mal an, wir tun jetzt alle etwas. Aber das ist anstregend. Und es nervt auch, weil soviele unterschiedlicher Meinung sind. Und dann will man nicht mehr, macht sich Vorwürfe, weil man wieder keine Zeit hat. Und dann droht das burnout, es frustriert, dass sich so schnell nichts ändert. Aber wir machen trotzdem weiter. Wir machen es ja nicht für uns allein. Allein hat niemand eine Chance. Niemals alleine, immer gemeinsam! Soziale Bewegung ist Arbeit, viel Arbeit. Und es dauert. Wir werden die Ergebnisse vielleicht nicht einmal erleben. Aber so geht es jeder Bewegung, und es ist nichts entschieden! Alles ist möglich. Es ist nicht 1933! Wir wissen: es ist einfacher, für die Demokratie zu kämpfen, solange es sie noch gibt. Und wir stehen auf den Schultern all jener, die sich vor uns für Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt haben. Und deswegen vielleicht erschossen worden sind, die bis zum Schluss gekämpft haben. Und wir werden die nächsten Schultern sein! Und je mehr wir werden, umso besser kriegen wir das hin.Denn es ist die verdammte Mühe wert!

Comments are closed.

  • Alles auf Anfang
  • Bauers Depeschen
  • Joe Bauers Flaneursalon
  • Termine
  • Die Künstler*innen
  • Kritiken
  • Impressum
  • Kontakt
  • Datenschutz

© Joe Bauer

Website Support 2006-2026
· AD1 media / Ralf H. Schübel ·