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2609. Depesche
28. September 2026

2610. Depesche

Willkommen!

Liebe Treue, der nächste und letzte Flaneursalon in diesem Jahr ist unter Dach und Fach: Sonntag, 8. November, Tangoloft, 19.30 Uhr. Der Veranstaltungsort in der Hackstraße, direkt an der Stadtbahnhaltestelle, bietet eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre – wie geschaffen für die intime Lieder- und Geschichtenshow. Musik machen diesmal Eric Gauthier und Cemre Yilmaz, die Schauspielerin Charis Hager vom Theater der Altstadt wird erstmals als gewitzte Lyrik-Interpretin im Flaneursalon auftreten. Der Vorverkauf beginnt demnächst.

Netzwerk Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie

Nach unserer jüngsten Veranstaltung habe ich diesen Newsletter verfasst, war mir ein Bedürfnis:
Rückblick

Liebe alle,

unsere Aktion „Was können wir – noch – tun gegen rechts“ am 27. September im Württembergischen Kunstverein haben wir bewusst umfangreicher gestaltet als unsere sonstigen Veranstaltungen. Dass sie mehr Zeit in Anspruch nahm, war geplant und hatte keineswegs mit Überlängen in den Beiträgen der Mitwirkenden zu tun.

Unsere Intention war, mitten im zunehmenden Rechtsruck Institutionen, Initiativen, Menschen vorzustellen, die sich gegen die rechtsextreme Bewegung engagieren. Unser Ziel ist es, Mitstreitenden unserer Sache zu eigenen Aktivitäten zu motivieren und anderen zu helfen, falls sie es nicht schon tun. Wir danken euch allen für euren Besuch und die Unterstützung.

Da es nach einer solchen Veranstaltung kaum Resonanz gibt, keine offen und direkt an uns gerichtete Kommentare und keinerlei Mails, möchten wir in diesem Newsletter ein wenig über die Praxis informieren. Das mag etwas ungewöhnlich erscheinen, weil innere Abläufe nicht sonderlich interessieren. Beispielsweise ging es diesmal darum, einer Wissenschaftlerin vom Institut für Rechtsextremismusforschung der Universität Tübingen (IRex), Katja Sternberger, die Gelegenheit zu geben, auf die Arbeit ihrer noch jungen, staatlich geförderten Einrichtung aufmerksam zu machen. Das Gleiche gilt für die Leuchtlinie, die ebenfalls staatlich geförderte Stuttgarter Beratungsstellung für die Opfer von rechtsextremer Gewalt in BW, vertreten durch Kerstin Müller.

Eine Unternehmung wie unser zurückliegender „Ratschlag“ erfordert einigen Aufwand. Neben unseren fünf festen Netzwerk-Mitgliedern waren sechs Mitwirkende mit Wortbeiträgen beteiligt, außerdem der hervorragende Musiker Ekkehard Rössle, der mit seinem Auftritt im Kunstverein unsere Verbindung zur künstlerischen Arbeit signalisierte. Es ist nicht einfach, so kompetente Leute für einen gemeinsamen Termin zu finden.

Nun ist uns nicht unbekannt, dass jede Art Ehrenamtlichkeit organisatorische Leistungen erfordert, die in der Regel nicht gesehen werden. Dennoch wollen wir das mal anschaulich machen. Für diese Veranstaltung musste etwa ein zusätzliches Stuhlkontingent und ein entsprechender Lkw besorgt werden. Wir brauchten eigenes qualifizierter Thekenpersonal und entsprechende Einkäufe, außerdem geschulte Helfer:innen im Security-Bereich. Die AfD hatte im Vorfeld in einer Pressemitteilung gegen die Teilnahme unserer Wissenschaftlerin gestänkert mit der Behauptung, Wissenschaft und Aktivismus seien unvereinbar. Dass wissenschaftliche Arbeit für jede seriösen politische Arbeit unverzichtbar und der Demokratiebeförderung verpflichtet ist und nichts mit Aktivismus zu tun hat, kann im Denken der AfD keinen Platz finden. Die kommt mit Lügenpropaganda aus und fordert, das IRex aufzulösen.Angesichts dieser Vorzeichen waren wir im Interesse der Mitwirkenden verpflichtet, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, u. a. eine dafür zuständige Organisation und auch die Polizei zu informieren – was die Polizei für richtig hält.

Solche Dinge müssen wir erledigen, um eine gute Veranstaltung zu garantieren. Aus Erfahrung wissen wir, dass bei Aktionen mit unterschiedlichen Inhalten und Mitwirkenden oft weniger die Zusammenhänge beachtet, als vielmehr einzelne Beiträge nach persönlichem Gefallen bewertet werden. Das läuft so ähnlich auch bei nicht politischen Unterhaltungs-Events mit gemischten Programmen: Bei der Betrachtung einzelner Auftritte dominiert der Privatgeschmack der Besucher:innen, das große Ganze rückt in den Hintergrund. Logisch deshalb, dass eine dynamisch, wortstark und und gewitzt vorgetragenen Motivationsrede eines professionellen Regisseurs und Schauspielers wie Volker Lösch mehr Leuten gefällt als ein wissenschaftlicher Beitrag mit wichtigen Informationen.

Nicht ganz so schön, dass einige nach Volker Löschs Vortrag die Pause nutzten, um sich zu verabschieden, nachdem sie gewissermaßen ihren „Star des Tages“ gehört hatten. Schade, weil deshalb der eigens aus Zwickau/Sachsen angereiste Autor und Aktivist Jakob Springfeld – ein mutiger, unermüdlicher, hochtalentierter junger Mann, nicht mehr die Aufmerksamkeit des vollen Saales hatte. Zuvor hatten wie noch die jungen Aktiven Alicia (antifaschistische Bewegung) und Karimael (Legal Café, Cannstatt) im Gespräch über ihren Einsatz berichten lassen.

Das Argument, eine Veranstaltung wie diese sei „zu lang“, erscheint uns etwas simpel: Politisches Engagement sollte nicht nur kurzweiliges Dienstleistung auf Spendenbasis für Unterhaltungsbedürfnisse sein. (Nebenbei: Umgerechnet wandern – trotz etlicher großzügiger Beträge – im Schnitt drei Euro pro Kopf in die Sammelbüchse.) Wir befinden uns in einer politischen Entwicklung, in der wir uns verdammt anstrengen sollten, um das Schlimmste zu verhindern. Das ist nicht immer ein Vergnügen. Engagement braucht auch Kraft, Hartnäckigkeit und Geduld. Dann geht es uns besser.

All diese hier angesprochenen Dinge kann man selbstverständlich unterschiedlich sehen und diskutieren. Was wir vermissen, sind Auseinandersetzungen und Reaktionen, wohl wissend, dass viele unter uns genügend anderes zu tun haben und entsprechend in den Alltag eingespannt sind. Dennoch müssen wir uns überlegen, wie der Austausch intensiviert, wie Dialoge generell zwischen Veranstalter und Publikum inspirierend geführt werden können. Wie wir Kontakte und Vernetzung im Blick auf neue Aktivitäten verbessern können.
In der Hoffnung, mit diesem Newsletter für Anregungen zu sorgen, jetzt noch ein kurzer Ausblick:

Am Mittwoch, 17. November (19 Uhr), spricht für uns der Hamburger Sozialwissenschaftler Journalist Sebastian Friedrich („Panorama“/NDR, „Der Freitag“ etc.) im Württembergischen Kunstverein zum Thema:

Was erhofft sich die Wirtschaft von der AfD?
Eine Veranstaltung in Kooperation mit de Rosa-Luxemburg-Stiftung BW

Herzliche Grüße
Netz-Team

Video von Eberhard Linckh über unsere Veranstaltung (die Auftritte von Katja Sternberger und Kerstin Müller haben wir aus Sicherheitsgründen nicht gefilmt): Link zu Youtube
Buchhinweis: Jakob Springfeld: „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist“
Volker Löschs Rede in der 2609. Depesche

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