Willkommen!
Liebe Besucherin, lieber Besucher, am Freitag, 12. Juni, ist der Flaneursalon wieder im Wirtshaus-Garten der Ratze am Raichberg. Meine Bühnengäste sind Eric Gauthier (voc, g) & Nadia Krasnovid (Cello), Cemre Yilmaz (voc) & Friends und Jess Jochimsen (Kabarett.). Eine Erinnerung:
BUDDHA-KÖPFE, GARTENZWERGE
Mit der Natur hatte ich nie viel am Hut, was daran liegen muss, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin. Zwar gehöre ich heute nicht unbedingt zu denen, die beim Gang durch den Wald „nichts als Brennholz“ sehen, wie der Dichter Tolstoi gefrotzelt hat. Aber hin und wieder habe ich schon Bock, einem Specht Feuer unterm Arsch zu machen, weil er zu laut trommelt.
Kindheit und Jugend auf dem Dorf schürten später meinen Drang, alles, was an Ackerbau und Viehzucht erinnerte, zu verfluchen wie eine böse Krankheit. Noch Jahre später roch für mich schon ein Obst- und Gemüsegarten nach Ackerbau und ein Hühnerstall nach Viehzucht. Hin und wieder hat mein Vater in unserem Garten ein Huhn auf dem Holzblock mit der Axt hingerichtet. War es auch bedauerlich, wenn eine glückliche Henne für unser Sonntagsmahl sterben musste, so war ein totes Huhn doch ein gutes Huhn. Ich musste es nicht mehr füttern.
Das dörfliche Gefängnis weckte in mir den Wunsch, so schnell wie möglich nur noch auf Asphalt zu leben. An Obst- und Gemüsefelder durften allenfalls noch Pfirsiche in Hemingway-Daiquiris und Selleriestangen in Bloody Maries erinnern.
Für den betörenden Duft von frischem Gras sorgten Songs wie „Octopus’s Garden“ von den Beatles, Empty Garden von Elton John und vor allem „In-A-Gadda-Da-Vida“. Vor allem diese Iron-Butterfly-Nummer mit ihrem nächtelangen Schlagzeugsolo machte mächtig Eindruck. Ihr Schöpfer Doug Ingle, so die Legende, hatte ursprünglich „In The Garden Of Eden“ getextet, war dann aber beim ersten Vorspielen des Songs so zugedröhnt, dass er nur noch „In-A-Gadda-Da-Vida“ stammeln konnte. Seine Kollegen indes waren so schlau, an dieser psychedelischen Wunderzeile festzuhalten. Im vergangenen Mai ist Doug Ingle mit 78 Jahren in den Garten der Ewigkeit eingezogen.
Mein Landei-Traum, der Dörflichkeit zu entkommen, erfüllte sich leider nicht. Ich landete in Stuttgart. Und irgendwann bin ich in eine Kleingartenkolonie auf den Hügeln über der Stadt hineingestolpert. Immer mehr Zeitgenossen begreifen solche Oasen mit ihren göttlichen Ritualen wie Säen, Gedeihen und Ernten als wahren Garten Eden. Ich konnte auf die Stadt herunterschauen, die von oben immer wie eine gute Stadt aussieht. Und um mich herum war es so verdammt still, dass ich Angst bekam.
Die Sehnsucht, gewissermaßen in der Stadt aus der Stadt zu flüchten, herrscht allenthalben. Das gilt auch für das Urban Gardening, dessen Öko-Philosophen heute selbst dann die „essbare Stadt“ versprechen, wenn sie ihr Glas- und Beton-Kaff zum Kotzen finden.
Das Gärtnern insgesamt ist ein so komplexes Feld, dass ich mich jetzt besser vom Acker mache. Eine Sache aber muss ich noch klären. „Wenn du einen Garten und dann noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen“, hat einst Cicero bemerkt. Davon hält der Stuttgarter Schriftsteller Wolfgang Schorlau rein gar nichts. Er besitzt am Raichberg einen Garten im Format „Hanglage Mehrblick“ und schildert mir diese Erfahrung: „Mein ursprünglicher Plan für den Garten lautetet etwa so: Ich fahre morgens hin, schöpfe ein paar Stunden Weltliteratur, zupfe dann erschöpft an dem einen oder anderen Blatt, bis die Energien sich wieder eingefunden haben. Dann schöpfe ich erneut Literatur, zupfe noch ein bisschen, und gegen Abend radle ich erschöpft, aber glücklich nach Hause. Dazu habe ich mir als Laie eine Menge Literatur gekauft. Mein Lieblingsbuch heißt: ‚Lazy Gardener‘, der faule Gärtner. – In Wirklichkeit aber habe ich in meine Garten noch keinen einzigen Satz geschrieben. Ich habe völlig unterschätzt, wie schnell das Unkraut wächst und wie viel Arbeit er macht.“
In diesem Sinne: Finger weg von der Natur.
FLANEURSALON LIVE:
2. Abend mit Vincent Klink im Tangoloft
Wegen großer Nachfrage gibt es am Sonntag, 28. Juni, auf Wunsch der Veranstalter einen zweiten Abend im Stuttgarter Tangoloft in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: Eva Leticia Padilla & Dany Labana Martínez, Stefan Hiss – und Ehrengast Vincent Klink, der vom Gitarristen Lorenzo Petrocca begleitet wird. Hier der Link zu Infos und Vorverkauf