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	<title>Joe Bauers Flaneursalon</title>
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	<description>Die Lieder- und Geschichtenshow</description>
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	<title>Joe Bauers Flaneursalon</title>
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		<title>2592. Depesche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 09:24:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, gewissermaßen aus aktuellem Anlass habe ich ein paar Notizen über alte Zeiten zusammengestellt. Zuvor aber noch kurz der dringend notwendige Werbeblock: FLANEURSALON LIVEOpen Air am Freitag, 12. Juni,im Wirtshausgarten der RatzeEric Gauthier &#38; Nadia Krasnovid und Cemre Yilmaz &#38; Friends machen in diesem Sommer Musik bei unserem Flaneursalon am Freitag, 12. Juni, im<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, gewissermaßen aus aktuellem Anlass habe ich ein paar Notizen über alte Zeiten zusammengestellt. Zuvor aber noch kurz der dringend notwendige Werbeblock:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>FLANEURSALON LIVE</em></strong><br><strong>Open Air am Freitag, 12. Juni,<br>im Wirtshausgarten der Ratze</strong><br>Eric Gauthier &amp; Nadia Krasnovid und Cemre Yilmaz &amp; Friends machen in diesem Sommer Musik bei unserem Flaneursalon am Freitag, 12. Juni, im Garten der Ratze am Raichberg. Außerdem auf der Bühne: Kabarettist Jess Jochimsen aus Freiburg. Beginn 19 Uhr. Essen: 16.30 Uhr bis 18 Uhr. Reservieren kann man per Mail: ratzestr@gmail.com</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zum letzten Gefecht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit wird im Nationalheldenformat Udo Lindenbergs runder Geburtstag gefeiert. Am 17. Mai wurde er 80 Jahre alt, womöglich ein kleines biologisches Wunder. In den Siebzigerjahren und bis in die Achtziger hinein war ich großer Lindenberg-Fan. Dieser Mann mit seinen Liedern in deutscher Sprache war als Texter, Performer und politisch befruchteter Nuschler was Neues in der Republik. Regelmäßig hörte ich nächtelang seine Songs: „Cello“, „Der Malocher“, „Straßenfieber“ und so fort. Mit diesem Sound im Ohr war man endlich der Komiker und Asphaltpoet, der man sein wollte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als junger Zeitungsfritze habe ich ihn öfter getroffen, was seinerzeit völlig unkompliziert war. Einmal, Anfang der Achtzigerjahre, besuchte ich ihn in einem Hotel vor seiner „Odysee“-Show in der Böblinger Sporthalle (die es heute nicht mehr gibt). Als ich an seiner Zimmertür klopfte, meldete er sich sofort: Komm rein, ist offen. Drinnen lag er in Klamotten auf dem Bett und telefonierte. Er unterbrach kurz, hielt den Hörer zu und sagte: Sorry, ich hab da gerade ein Problem, sie wollen meine Schwester entführen und mich erpressen. Aber behalte es für dich. Ehrensache, sagte ich. So war das damals.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die frühen großen Lindenberg-Shows habe ich alle besucht, etwa 1979 die von dem Theater- und Filmregisseur Peter Zadek inszenierte „Dröhnland-Symphonie“, 1983 dann „Udopia“ usw. Irgendwann wurde nicht nur Lindenberg älter, sondern auch ich, und dann hörte ich nur noch selten seine Songs. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass ich die schlechtes Erlebnisse einer etwas wilden Ära hinter mir lassen wollte, auch wegen der, speziell für mich, extrem gefährlichen Abstürze, die ich vollständig erst 2007 einstellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2023 starb Harry Belafonte, und sein Tod erinnerte mich noch einmal an ein unvergessliches Ereignis 40 Jahre zuvor im Palast der Republik, Ostberlin. In einer Kolumne für die <em>Kontext:Wochenzeitung </em>erwähnte ich damals neben Harry Belafonte und anderen Dingen auch das DDR-Kapitel. Für meine Homepage habe ich diesen Textauszug jetzt ein wenig verändert und ergänzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1983,&nbsp;während&nbsp;der Proteste gegen den Aufrüstungswahn in Ost und West, war es eine politische Sensation, als der westdeutsche Rockstar Udo Lindenberg zum <em>Festival für den Frieden der Welt </em>in den Palast der Republik eingeladen wurde. Zuvor, nach langer erfolgloser Bettelei um eine DDR-Tournee, hatte er Erich Honecker mit der Hymne „Sonderzug nach Pankow“ ein Denkmal im Rock-’n&#8216;-Roll-Gewerbe gesetzt: „Erich,&nbsp;ey, bist du denn wirklich so ein Schrat / warum lässt du mich nicht singen im Arbeiter- und Bauernstaat &#8230;“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich damals schon ein paar Interviews mit Lindenberg gemacht und vermutlich keinen üblen Eindruck hinterlassen hatte, ließ mich der&nbsp;badisch-hessische&nbsp;Konzertmanager Fritz Rau, ein international erstklassig vernetzter Impresario, an der DDR-Expedition teilnehmen. „Der Schwabe darf mit“, sagte er. So landete ich als 29jähriger Provinzler, ordnungsgemäß akkreditiert und mit großen Augen, am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik, Ostberlin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den <em>Stuttgarter Nachrichten, </em>für die ich damals als Redakteur im Feuilleton arbeitete, war ich noch mit einem zweiten Thema beauftragt worden. Am Tag nach dem Friedensfestival spielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen die Türkei, und diese Partie in Berlin ist nicht aus sportlichen Gründen in die Geschichte eingegangen. Im Vorfeld hatten Neonazis bundesweit mit rassistischen Hetzparolen zur Gewalt gegen türkische Menschen und Einrichtungen in Berlin aufgerufen. Nicht nur die Polizei, mit einem ungewöhnlich großen Aufgebot im Einsatz, auch zivilgesellschaftliche Initiativen aus linken Stadtteilen wie Kreuzberg organisierten in jenen Tagen den Schutz der Bedrohten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende blieb die Eskalation aus (und das DFB-Team um Kapitän Karl-Heinz-Rummenigge gewann 5:1). Die Stimmung in Berlin allerdings sagte schon 1983 eine Menge über eine politische Entwicklung voraus, die wir heute nicht nur auf den Straßen zu spüren bekommen. Die Kontinuität des Wiederaufstiegs der Rechtsextremen in Deutschland wollten die meisten damals nicht wahrhaben. Daran hat sich bis heute wenig geändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich meinen Bericht über die Stimmungsmache der Neonazis gegen die türkische Bevölkerung und die antifaschistischen Reaktionen der Menschen in Berlin per Telefon aus dem Pressezentrum des Palasts der Republik an die heimische Redaktion durchgeben wollte, gab es ein kleines Problem. Es war nicht möglich, Nummern in der Bundesrepublik zu erreichen. Verbindung existierte nur nach Westberlin. Ein dort arbeitender Journalist, den ich kannte, half mir aus der Patsche: Ich solle rasch seine Frau in Westberlin anrufen, die wiederum solle die Stuttgarter Nachrichten benachrichtigen, dass es möglich sei, das Ostberliner Pressezentrum anzurufen. Dieser Trick funktionierte tadellos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bilder vom Festival für den Frieden der Welt, dieser im Westen weitgehend als „Propaganda-Show“ kritisierten Revue mit vielen Künstler:innen, sind bekannt: Draußen vor dem Gebäude skandierten junge Menschen „Wir wollen rein“, „Wir wollen Udo“, drinnen saßen FDJ-Blauhemden und SED-Funktionäre. Es ging an diesem Abend unter anderem gegen die <em>US-Pershings </em>und, dank Lindenbergs Statements auf der Bühne, auch gegen die <em>SS 20</em> der Sowjets (womit&nbsp;weitere Tourneepläne für das Panik-Orchester gestorben waren). Als nach etlichen Fehlversuchen endlich ein FDJ-Zögling im Saal bereit war, mit mir zu reden, sagte er: „Ich möchte das Ganze wie Lenin sehen. Um den Frieden zu verteidigen, muss man sich notfalls auch mit dem Teufel zusammentun.“ Klare Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Übrigen war ich seinerzeit nicht dogmatisch DDR-feindlich, vielmehr hoffte ich wie viele andere auf ein einigermaßen gutes Zusammenleben zwischen West und Ost mithilfe einer vernünftigen Diplomatie. Einer Diplomatie, wie es sie heute nicht mehr gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Publikumsliebling der bizarren Friedensparty mit internationalen Künstlern war allerdings nicht Udo Lindenberg mit seiner Lederhose, sondern Harry Belafonte. Der große US-amerikanische Sänger und Schauspieler, dieser verdienstvolle, großzügige und charismatische Aktivist der Bürgerrechtsbewegung wurde als wahrer Held im Saal gefeiert. Als im Finale der Show alle Mitwirkenden im Chor „We&nbsp;Shall&nbsp;Overcome“ anstimmten, setzte sich Uns Udo mit feinem Gespür für die Lage im Hintergrund ans Schlagzeug: „Er trommelt zum letzten Gefecht“, tippte ich in meine Reiseschreibmaschine. Lindebergs eigener Auftritt hatte nur fünfzehn Minuten gedauert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahre später erzählte mir sein Gitarrist Hannes Bauer, der eine Zeitlang wegen einer Liebe in Schorndorf lebte, wie sich die Musiker des Panik-Orchesters hinter den Kulissen gewaltige Joints reinzogen. Die Stasi-Schnüffler in „Erichs Lampenladen“, wie der Palast der Republik in der DDR genannt wurde, sahen zu und atmeten tatenlos durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;Rauchzeichen des Weltfriedens sind längst verweht. 2006 ließen die deutschen Herren mit historisch gut geübter Brutalität und ohne Sensibilität für die Menschen im Osten und die Geschichte den Palast der Republik abreißen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Erinnerung bleibt uns ein Vergnügungsort im fernen Stuttgart. 1989, im Jahr des Mauerfalls, wurde im Zentrum der&nbsp;Stadt eine Kneipe eröffnet.&nbsp;Ihr&nbsp;Name: Palast der Republik.&nbsp;Das Gebäude:&nbsp;eine ehemalige öffentliche Toilette.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SONG:</strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7XEvASE5xSo&amp;list=RD7XEvASE5xSo&amp;start_radio=1">Straßenfieber</a></p>
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		<title>2591. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/05/15/2591-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 18:15:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, ich hab wieder eine Homepage-Kolumne fabriziert und wünsche guten Appetit: Meine kleine Website StoryWAS AUF DIE BREZEL Die Stadt Stuttgart steckt zurzeit in ihrer größten finanziellen Krise seit langem, weil die Profite der Fossilien-treuen Autoindustrie schrumpfen. Viele fragen sich, wo und wie sie in Zukunft noch ihre Brötchen verdienen sollen, und ob es<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, ich hab wieder eine Homepage-Kolumne fabriziert und wünsche guten Appetit:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>WAS AUF DIE BREZEL</strong><br><br>Die Stadt Stuttgart steckt zurzeit in ihrer größten finanziellen Krise seit langem, weil die Profite der Fossilien-treuen Autoindustrie schrumpfen. Viele fragen sich, wo und wie sie in Zukunft noch ihre Brötchen verdienen sollen, und ob es nicht am besten wäre, die Rechtsextremen mit ihrer Stimme zu füttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im städtischen Haushalt werden Mittel zusammengestrichen, vor allem dort, wo es dem gesellschaftlichen Klima am meisten schadet. Etwa im sozialen Bereich, in der Kunst und im bürgerlichen Engagement. Dinge, die unsere Kultur, unsere demokratische Lebensweise entscheidend beeinflussen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer solchen Situation ist es beruhigend, wenn ein Oberbürgermeister als Chef eines großstädtischen Verwaltungsapparats Ideen hat und Überlebensstrategien entwickelt. Bei uns in Stuttgart ist diese Position perfekt besetzt. Da sitzt einer mit Gefühl für die elementaren Probleme des Lebens. Mitten im Wonnemonat Mai hat der wichtigste Rathäusler des Landes mit der ihm eigenen Triebkraft nicht nur die frohe Botschaft verbreitet, dass das kostenlose Kurzzeitparken für den motorisierten Teil der Bevölkerung erhalten bleibt. Er verkündete auch, dass man es in seinen Kreisen „für charmanter und regionaltypischer&#8220; halte, wenn man die dafür eingerichtete <em>Brötchentaste</em> „zukünftig in Stuttgart Brezeltaste“ nenne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet nicht, dass beim Drücken der bisherigen Brötchentaste an Parkuhren neuerdings eine Brezel ausgespuckt wird. Vielmehr geht es darum, dem Kurzzeitparken im Sinne des amtierenden Oberbrezelmeisters einen „echt schwäbischen Namen“ zu geben. Hoch lebe die deutsche Heimatseligkeit!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Brötchentasten weisen seit je darauf hin, dass man sich gratis die Parkzeit für eine kleine Besorgung, etwa ein Laugen-, ein Mohn- oder Fischbrötchen, nehmen darf. Oder auch für die Entsorgung bereits vertilgter Brezel in einer öffentlichen Toilette. Ehrlich gesagt, wusste ich zunächst gar nicht, was eine Brötchentaste ist. Dachte, so etwas gibt es nur in automatisierten Fast-Food-Buden. Man könnte auch wie im Englischen <em>Brezel-Taste</em> lesen, wir haben ja Geschmack. Und sagen: voll läcker. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Was an dem Wort Brezel „echt“ schwäbisch sein soll, erschließt sich mir nicht, so wahr ich schon die eine oder andere gegessen und verdaut habe. Zwar bin ich kein Laugenteig-Ingenieur und an diesem Thema auch nicht sonderlich interessiert, habe aber gelesen, dass das Wort wahrscheinlich vom lateinischen <em>brachium</em> (zu Deutsch: der Arm) abstammt. Über altdeutsche Wörter wie <em>brezitella</em> oder <em>brezin </em>ergab sich der Name Brezel. Womöglich spielte auch die <em>Pratze</em> eine Rolle. Die Brezel-Form, eine virtuose Verschlungenheit, symbolisiert verschränkte Arme vor der Brust, was einer alten Gebetsgeste entspricht. Deshalb wird vermutet, dass ein Gebäck dieser Art in mittelalterlichen Klöstern entstanden ist. Und zwar als Fastenspeise. Dies wiederum nährt den Verdacht, dass allenfalls die halbe Butterbrezel, wie sie bei großen Feierlichkeiten in schwäbischen Rathäusern gereicht wird, von ausschweifenden Luxusschwaben erfunden wurde. Um keine Verluste zu erleiden, haben sie zuvor denen, die eh nichts haben, die Butter vom Brot genommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn ihr schon dabei sind: Auch Schimpansen und Gorillas verschränken ihre Arme vor der Brust. Anders als bei Politikern dient diese Haltung bei Affen ihrer Sicherheit und Ruhe. Und falls da jemand stört, gibt’s was auf die Brezel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Entstehung der Brezel kursieren etliche Legenden. Mal wird das Elsass, mal Bayern, mal Schwaben als Ursprungsregion genannt. Im Schwäbischen hält sich die Geschichte, wonach ein Bäcker aus Bad Urach, der seinen König beleidigt hatte, hingerichtet werden sollte – wenn er nicht in drei Tagen ein Gebäck zustande bringe, durch das dreimal gleichzeitig die Sonne scheine. Als er für die Herstellung nur noch einen Tag hatte, verschränkte seine Frau zornig ihre Arme vor dem mächtigen Busen und gab ihm Saures. Da sah er, wie das Licht dreimal durch ihre Arme schien und knetete seinen salzigen Hefeteig nach ihrem Vorbild. Das Ding fiel ihm zwar in die Seifenlauge, er buk es aber trotzdem, und dem König schmeckte dieses Zeug. Weil Königen halt so manches schmeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Anekdote ist zwar mit einiger Sicherheit purer Fake, erinnert aber daran, dass der heutige König von Baden-Württemberg wie der geplagte Bäcker aus Bad Urach stammt: Er trägt eine wichtig wirkende Gesichtsbrezel auf der Nase und heißt Cem Özdemir. Seifenlauge auf der Basis von Schmierseife und als Grundstoff für Seifenblasen wiederum erzählt uns etwas über die herrschend Politik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt zum Fachlichen:<br>Typisch für die schwäbische Brezel sind ihre dünnen, knusprigen Ärmchen und ihr dicker, eher weicher Bauch. Ähnlichkeiten mit schwäbischen Biertrinkern sind rein zufällig.<br>Bei den Bayern sind die Teile der Brezel alle gleich dick. Entspricht in etwa der Physiognomie des Bazis an sich.<br>Die badische Brezel wiederum bewegt sich irgendwo zwischen dem schwäbischen und dem bayerischen Modell. Mal dick, mal dünn. Da muss man durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pretzeln mit P und tz gibt es im Übrigen in den USA. Die Firma Prezel Pete beispielsweise behauptet, Pretzel-Snacks aus Hatboro bei Philadelphia verkörperten „echten amerikanischen Knabbergenuss mit Wow-Effekt“. Da die Brezel längst weltweit als Industriefraß mit gummihartem oder pappig-knatschigem Wow-Effekt verhunzt wurde, ist es ratsam, alle Beschreibungen und Deutungen des Klosterprodukts auch bei uns mit Vorsicht zu genießen. Sonst knabberst du unter Umständen auf dem letzten Loch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt könnte ich ein paar Bäckereien in Stuttgart nennen, in denen es noch gute Brezeln gibt, bevor diese ehrenwerten Läden aussterben. Aber deren finanziellen Angebote für meine Schleichwerbung waren so schwäbisch, dass ich aus reiner Willkür nur Weible in der Heusteig-Gegend, den Königsbäck in der Gablenberger Hauptstraße und Voß in Ostheim empfehlen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ungeachtet aller historischen Tatsachen hat der Stuttgarter Oberschultes die Brezeltaste an der Parkuhr als schwäbische Identitätsstifterin entdeckt. Er sollte diese geniale Idee zur patriotischen Pflege des heimischen Kesselhorizonts ausbauen. Am besten die ganze Stadt in seinem Geist aufbrezeln. Gemeinschaftsfördernd wäre es, das Großunternehmen Stadtverwaltung wäre fortan nicht mehr Brötchengeber, sondern Brezelgeber. Gemanagt vom großen Erbsenzähler. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Was den echt schwäbischen Namen an den Parkuhren betrifft, muss allerdings neu verhandelt werden. Da kannst du das Wort Brezel vergessen. Sprachwissenschaftlich korrekt wäre allein die <em>Bräzg. </em>Entsprechend also die Bräzgataste. Damit würde angesichts der Stuttgarter Weltläufigkeit auch die weitere Backnangisierung der Stadt ungebremst voranschreiten. Angesichts dieser kulturellen Entwicklung hat das charmante Kompliment „dumm wie Brot“ ausgedient. Es heißt jetzt regionaltypischer „blöd wie Brezel“.<br>Zu Ehren des OB könnte man den Knopf des Kurzzeitparkers auch Nopper-Gedächtnis-Taste nennen. Jeder Brezel, was ihr gebührt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SONG:</strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UBxZFadp9Pw">Pretzel Logic</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>FLANEURSALON LIVE</em></strong><br><strong>Open Air am Freitag, 12. Juni,<br>im Wirtshausgarten der Ratze</strong><br>Eric Gauthier &amp; Nadia Krasnovid und Cemre Yilmaz &amp; Friends machen in diesem Sommer Musik bei unserem Flaneursalon am Freitag, 12. Juni, im Garten der Ratze am Raichberg. Außerdem auf der Bühne: Kabarettist Jess Jochimsen aus Freiburg. Beginn 19 Uhr. Essen: 16.30 Uhr bis 18 Uhr. Reservieren kann man per Mail: ratzestr@gmail.com<br><br></p>
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		<title>2590. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/05/09/2590-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 May 2026 14:34:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, bei der 3. Stuttgarter PRÜF-Kundgebung am Samstag, 9. Mai, im Schlossgarten habe ich diesen Text vorgetragen: Schönen guten Tag bei den dritten Prüf-Festspielen im Stuttgarter Schlossgarten. Wer schon mal bei uns war, weiß, was gleich kommen wir, denn Rituale müssen wir pflegen, so wahr wir jetzt unsere ABC-Kenntnisse prüfen: Gebt mir ein PGebt<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, bei der 3. Stuttgarter PRÜF-Kundgebung am Samstag, 9. Mai, im Schlossgarten habe ich diesen Text vorgetragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Schönen guten Tag </em><em>bei den </em><em>dritten </em><em>Prüf-Festspielen im Stuttgarter Schlossgarten.</em><br><br>Wer schon mal bei uns war, weiß, was gleich kommen wir, denn Rituale müssen wir pflegen, so wahr wir jetzt unsere ABC-Kenntnisse prüfen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gebt mir ein P<br>Gebt mir ein R<br>Gebt mir ein Ü<br>Gebt mir ein F</em><br><br>Das war fast schon gut. P wie Power, R wie rastlos, Ü wie überragend und F wie viel Vergnügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe Freundinnen &amp; Freunde,</em><br>gut dass ihr heute dabei seid, bei unserer Mai-Ausgabe des Prüf-Jahres 2026.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Monat hat es in sich: Der <strong>1. Mai </strong>ist der Tag der Arbeit, er geht zurück auf einen Generalstreik im Jahr 1886 in den USA &#8211; im Kampf um den Acht-Stunden-Tag. Heute, 140 Jahre später, gibt es Politiker und Unternehmer, die am liebsten die Zeit zurückdrehen und den Acht-Stunden-Tag wieder abschaffen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gestern war der <strong>8.</strong> Mai, der Jahrestag der Kapitulation von Hitlers Wehrmacht 1945. Wenn heute von der Befreiung vom Faschismus geredet wird, dannviel  zu wenig darüber, wie sich überlebende Nazis nach dem Kriegs sehr schnell wieder organisieren konnten und kontinuierlich an ihrem Wiederaufstieg gearbeitet haben. Die rechtsextreme Bedrohung in unserer Gegenwart ist kein Phänomen, das vom Himmel fiel, sie hat eine Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am <strong>8. </strong>Mai <strong>1949 </strong>wiederum wurde vom Parlamentarischen Rat in Bonn das Grundgesetz für die Bundesrepublik beschlossen und am <strong>23. </strong>Mai <strong>1949</strong> verkündet. Wir können also hier und jetzt den 77. Geburtstag unseres Grundgesetzes feiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist der<strong>9. Mai, </strong>und das ist der Europatag. Am 9. Mai 1950 hat Frankreichs Außenminister Robert Schuman mit seinem Plan zur Kooperation der Nationen die spätere EU auf den Weg gebracht. Blicken wir heute auf Europa, haben wir wenig Grund, Schillers <em>Ode an die Freude</em> zu singen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir, liebe Freundinnen und Freunde, sind heute, am 9. Mai 2026, im Schlossgarten, um uns für die Einhaltung und Verteidigung unserer im Grundgesetz verankerten Rechte einzusetzen. Gegen rechtsextreme Angriffe. Und damit für den Rechtsstaat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So, das war die kleine Mai-Andacht. Ich habe mir angewöhnt, die Gegenwart immer im Zusammenhang mit der Geschichte zu betrachten, auch mit der vor unserer Haustür. Es ist die unmittelbare Konfrontation mit den Verbrechen der Vergangenheit, es ist der verstörende Blick auf die Tatorte, die mich motivieren, Aktionen gegen die rechtsextreme Bedrohung zu unterstützen. Zu diesen Tatorten zählt auch da drüben der Landtag, wo Rechtsextreme seit zehn Jahren ihr Unwesen treiben – und ihren Kader immer stärker ausbauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute sind wir zum zweiten Mal vor den Staatstheatern. Im April habe ich erzählt, wie Nazi-Truppen 1930 in Stuttgart die Vorstellung eines antirassistischen Stücks gestürmt haben. Diesmal habe ich eine andere Geschichte. Viele von euch kennen den international berühmten Theater- und Filmschauspieler Armin Mueller-Stahl. Er ist 95 Jahre alt und sagte einmal: Alles, was ich als Schauspieler gelernt habe, habe ich Fritz Wisten zu verdanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Fritz Wisten spielte ab 1919 auf Stuttgarter Bühnen. Im Württembergischen Landestheater stieg er zum gefeierten Publikumsliebling auf und wurde 1928 zum Staatsschauspieler gekürt. Er wohnte in der Reinsburgstraße. 1933 warfen ihn die Nazis vor die Tür, weil er Jude war. Mit viel Glück überlebte er die Diktatur und machte nach dem Krieg eine einzigartige Karriere als Bühnenintendant und Regisseur in Berlin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Geschichten fallen mir ein, wenn ich vor dem Theater stehe. Ich stelle mir vor, was passieren wird, wenn morgen in einem Bundesland die Rechtsextremen die Macht übernehmen. Wie sie unsere Kultur, unsere Lebensweise zerstören werden. Der mächtige parlamentarische Arm der Rechtsextremen in Sachsen-Anhalt hat bereits die „patriotische Wende“ anusgerufen. Theater sollen dann nur noch deutsche Stücke spielen, kritische Töne auf den Bühnen verstummen. Gegen diesen nationalistisch-völkischen Wahnsinn müssen wir etwas tun. Geschichte ist Gegenwart. Und Meinungsfreiheit hört da auf, wo der Rechtsstaat propagandistisch angegriffen wird mit dem eindeutigen Ziel, ihn zu zerlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also müssen wir dringend unsere Handlungsmöglichkeiten prüfen. Uns organisieren, vernetzen. Stark sind wir nur, wenn wir über parteipolitische Grenzen und kontroverse Meinungen hinweg gegen die Feinde der Demokratie zusammenarbeiten. Es gibt nicht nur Parteisoldaten und Vereinsmeier, sondern in allen Organisationen auch Menschen ohne Scheuklappen und Berührungsängste. Die bereit sind, sich gegen die rechtsextreme Bedrohung zu engagieren. Und wenn wir hier heute gemeinsam singen, dann sollten wir daran denken: In jedem Chor gibt es grundverschiedene Stimmen. Aber in diesen Unterschieden erkennen wir das Gemeinsame. Die Kraft des Miteinanders.<br><br>Und wir müssen prüfen, welche Art Demokratie wir wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit werden demokratische Werte nicht nur von den Rechtsextremen angegriffen, sondern auch von Verantwortlichen der herrschenden Politik. Sie scheuen sich, den Wohlstand endlich gerechter zu verteilen. Stattdessen werden Bildungs-Institutionen, zivilgesellschaftliche Initiativen und Aktivist:innen als zu grün, als zu links oder sonst was verdächtig. Die Förderung demokratischer Projekte wird gestrichen. Immer wieder mithilfe des Verfassungsschutzes. Das sogenannte Haber-Verfahren erlaubt es staatlichen Instanzen, Betroffene nicht einmal über den Grund der Schikanen zu informieren. Und nicht selten stecken als Anstifter Medien aus dem stramm rechten Milieu dahinter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies alles öffnet Rechtsextremen Tür und Tor. Die Demokratiefeinde müssen mit ihren autoritären Forderungen nicht einmal mehr offene Türen bei Regierenden <strong><em>einrennen</em></strong>. Sie können in aller Ruhe auf dem Sofa sitzen und zuschauen, wie ihnen der Teppich ausgerollt wird, und der ist nicht rot, sondern blau und braun. Der Leiter der <em>Bildungsstätte Anne Frank </em>in Frankfurt am Main, Meron Mendel, hat neulich gesagt: „Wir sehen gerade eine Kultur des Misstrauens, das geschürt wird. Es werden Überprüfungen gemacht, schriftliche Bewilligungen zurückgenommen. Ich frage mich, was dahintersteckt. Ist die Zivilgesellschaft der Feind der Regierung?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anlass für diese Aussage ist der miese Umgang der Vielfalt-feindlichen Bundesbildungsministerin mit dem Förderprogramm <em>Demokratie leben</em>. Verdammt noch mal, wenn wir Demokratie leben wollen, dürfen nicht deren Grundlagen zerstört werden. Zu diesen Grundlagen gehören die Bildung ebenso wie Versammlungsfreiheit, die Kunstfreiheit, die Meinungsfreiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rechtsextremen werden auch profitieren, wenn durch die Kürzungen kommunaler Mittel, wie auch in Stuttgart, die Arbeit im sozialen Bereich, in der Bildung, in der Kultur enorm erschwert wird. Parteipolitiker:innen beschwören zwar gern die Brandmauer. Ihr Verhalten erinnert aber nicht selten an den Brandbeschleuniger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Freundinnen und Freunde, wir sind Teil der Zivilgesellschaft, ohne die es keine Demokratie gibt. Wir wollen zum Erhalt und zur Verbesserung demokratischer Errungenschaften beitragen. Und da stellen sich uns Fragen: Warum wirft ein Bundeskanzler ihm unbekannten Menschen vor, sie würden nicht genügend arbeiten? Warum werden Menschen als Schmarotzer unter Generalverdacht gestellt, wenn sie finanziell vom Rechtsstaat unterstützt werden? Und wieso eigentlich verbreitet der Kanzler nicht mal diese Botschaft: 37 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik engagieren sich zurzeit ehrenamtlich, das sind mehr als 27 Millionen Menschen.<br>Es gibt also ein solidarisches, demokratisches Denken und Handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle haben beim Blick auf unsere demokratischen Rechte viele wichtiger Dinge zu prüfen. Wir wollen das weiterhin mit Freude, Humor und guter Stimmung tun. Und weil Rituale gepflegt werden müssen, auch heute der Hinweis:<br>Wir erwähnen hier nie <strong><em>das</em> <em>A-Wort.</em></strong> Aber nur dieses eine A-Wort haben wir auf den Abfallhaufen befördert. Allenthalben gibt es absolut angenehme Ausdrücke mit <strong>A,</strong> sogar ohne abwertende Anspielungen auf armselige Antidemokraten und andere A-Geigen. Und so sagen wir: Alle Achtung vor allen, die in Anbetracht der allseits anfallenden antifaschistischen Arbeit für eine anständige Lebensart aktiv sind und es auch bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allseits Respekt vor allen, die unsere dritten Stuttgarter Prüf-Festspiele zu einer allmächtig guten Sache machen. Organisiert euch, vernetzt euch – prüfen wir Tag für Tag, was wir tun können, um die demokratische Lebensweise zu verteidigen.<br><br>Und auch heute, wo wir den 77. Geburtstag unseres Grundgesetzes und auch den 75. Geburtstag unseres Bundesverfassungsgerichts feiern können, schließe ich mit meinem Motto: <br><em>Wir haben Grund zur Hoffnung, solange wir handeln.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLANEURSALON LIVE</strong>:<br><strong>Open Air am Freitag, 12. Juni,<br>im Wirtshausgarten der Ratze</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eric Gauthier</strong> &amp; Friend und <strong>Cemre Yilmaz</strong> &amp; Friends machen in diesem Sommer Musik bei unserem Flaneursalon am Freitag, 12. Juni, im Garten der Ratze am Raichberg. Außerdem auf der Bühne: Kabarettist <strong>Jess Jochimsen</strong> aus Freiburg. Beginn 19 Uhr. Essen: 16.30 Uhr bis 18 Uhr. Buchen kann man per Mail: ratzestr@gmail.com</p>



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		<title>2589. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/05/04/2589-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 May 2026 06:28:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute, Samstag, 9. Mai 2026: 3. Stuttgarter Prüf-Demo BW im Oberen Schlossgarten (vor dem Schauspielhaus). Bei dieser Veranstaltung helfe ich organisatorisch mit &#8211; und trage auch einen Text vor. Beginn 12 Uhr. Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, am Freitag, 12. Juni, ist der Flaneursalon wieder im Wirtshaus-Garten der Ratze am Raichberg. Meine Bühnengäste sind Eric Gauthier (voc, g)<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Heute,</strong> Samstag, 9. Mai 2026: <strong>3. Stuttgarter Prüf-Demo BW</strong> im Oberen Schlossgarten (vor dem Schauspielhaus). Bei dieser Veranstaltung helfe ich organisatorisch mit &#8211; und trage auch einen Text vor. Beginn 12 Uhr. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, am Freitag, 12. Juni, ist der Flaneursalon wieder im Wirtshaus-Garten der Ratze am Raichberg. Meine Bühnengäste sind Eric Gauthier (voc, g) &amp; Nadia Krasnovid (Cello), Cemre Yilmaz (voc) &amp; Friends und Jess Jochimsen (Kabarett.). Eine Erinnerung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>BUDDHA-KÖPFE, GARTENZWERGE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Natur hatte ich nie viel am Hut, was daran liegen muss, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin. Zwar gehöre ich heute nicht unbedingt zu denen, die beim Gang durch den Wald &#8222;nichts als Brennholz&#8220; sehen, wie der Dichter Tolstoi gefrotzelt hat. Aber hin und wieder habe ich schon Bock, einem Specht Feuer unterm Arsch zu machen, weil er zu laut trommelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kindheit und Jugend auf dem Dorf schürten später meinen Drang, alles, was an Ackerbau und Viehzucht erinnerte, zu verfluchen wie eine böse Krankheit. Noch Jahre später roch für mich schon ein Obst- und Gemüsegarten nach Ackerbau und ein Hühnerstall nach Viehzucht. Hin und wieder hat mein Vater in unserem Garten ein Huhn auf dem Holzblock mit der Axt hingerichtet. War es auch bedauerlich, wenn eine glückliche Henne für unser Sonntagsmahl sterben musste, so war ein totes Huhn doch ein gutes Huhn. Ich musste es nicht mehr füttern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das dörfliche Gefängnis weckte in mir den Wunsch, so schnell wie möglich nur noch auf Asphalt zu leben. An Obst- und Gemüsefelder durften allenfalls noch Pfirsiche in Hemingway-Daiquiris und Selleriestangen in Bloody Maries erinnern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den betörenden Duft von frischem Gras sorgten Songs wie &#8222;Octopus&#8217;s Garden&#8220; von den Beatles, <em>Empty Garden</em> von Elton John und vor allem &#8222;In-A-Gadda-Da-Vida&#8220;. Diese Iron-Butterfly-Nummer mit ihrem nächtelangen Schlagzeugsolo machte mächtig Eindruck. Ihr Schöpfer Doug Ingle, so die Legende, hatte ursprünglich &#8222;In The Garden Of Eden&#8220; getextet, war dann aber beim ersten Vorspielen des Songs so zugedröhnt, dass er nur noch &#8222;In-A-Gadda-Da-Vida&#8220; stammeln konnte. Seine Kollegen indes waren so schlau, an dieser psychedelischen Wunderzeile festzuhalten. Im Mai 2024 ist Doug Ingle mit 78 Jahren in den Garten der Ewigkeit eingezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Landei-Traum, der Dörflichkeit zu entkommen, erfüllte sich leider nicht. Ich landete in Stuttgart. Und irgendwann bin ich in eine Kleingartenkolonie auf den Hügeln über der Stadt hineingestolpert. Immer mehr Zeitgenossen begreifen solche Oasen mit ihren göttlichen Ritualen wie Säen, Gedeihen und Ernten als wahren Garten Eden. Ich konnte auf die Stadt herunterschauen, die von oben immer wie eine gute Stadt aussieht. Und um mich herum war es so verdammt still, dass ich Angst bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sehnsucht, gewissermaßen in der Stadt aus der Stadt zu flüchten, herrscht allenthalben. Das gilt auch für das Urban Gardening, dessen Öko-Philosophen heute selbst dann die &#8222;essbare Stadt&#8220; versprechen, wenn sie ihr Glas- und Beton-Kaff zum Kotzen finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gärtnern insgesamt ist ein so komplexes Feld, dass ich mich jetzt besser vom Acker mache. Eine Sache aber muss ich noch klären. &#8222;Wenn du einen Garten und dann noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen&#8220;, hat einst Cicero bemerkt. Davon hält der Stuttgarter Schriftsteller Wolfgang Schorlau rein gar nichts. Er besitzt am Raichberg einen Garten im Format &#8222;Hanglage Mehrblick&#8220; und schildert mir diese Erfahrung: &#8222;Mein ursprünglicher Plan für den Garten lautetet etwa so: Ich fahre morgens hin, schöpfe ein paar Stunden Weltliteratur, zupfe dann erschöpft an dem einen oder anderen Blatt, bis die Energien sich wieder eingefunden haben. Dann schöpfe ich erneut Literatur, zupfe noch ein bisschen, und gegen Abend radle ich erschöpft, aber glücklich nach Hause. Dazu habe ich mir als Laie eine Menge Literatur gekauft. Mein Lieblingsbuch heißt: &#8218;Lazy Gardener&#8216;, der faule Gärtner. – In Wirklichkeit aber habe ich in meine Garten noch keinen einzigen Satz geschrieben. Ich habe völlig unterschätzt, wie schnell das Unkraut wächst und wie viel Arbeit er macht.&#8220;<br>In diesem Sinne: Finger weg von der Natur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLANEURSALON LIVE:</strong><br><strong>2. Abend mit Vincent Klink im Tangoloft</strong><br>Wegen großer Nachfrage gibt es am <strong>Sonntag, 28. Juni,</strong> auf Wunsch der Veranstalter einen<strong> zweiten Abend</strong> im Stuttgarter <strong>Tangoloft</strong> in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: <strong>Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez, Stefan Hiss </strong>– und Ehrengast <strong>Vincent Klink</strong>, der vom Gitarristen <strong>Lorenzo Petrocca</strong> begleitet wird. Hier der Link zu Infos und <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/joe-bauers-flaneursalon-sonntag-28-juni-2026.html">Vorverkauf</a></p>



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		<title>2588. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/04/27/2588-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 05:27:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 27. März hat unser Netzwerk Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie im gut besuchten Stuttgarter Gewerkschaftshaus ein Podiumsgespräch über politische Repression in der Bundesrepublik veranstaltet. Das Thema ist brandaktuell und erhält ständig neue Nahrung. Mitwirkende war u. a. Netzwerk-Mitglied Annette Ohme-Reinicke. Im Nachhinein hat die Soziologin auf Wunsch von Freunden in den USA einen Beitrag<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Am 27. März hat unser Netzwerk <em><a href="http://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</a></em> im gut besuchten Stuttgarter Gewerkschaftshaus ein Podiumsgespräch über politische Repression in der Bundesrepublik veranstaltet. Das Thema ist brandaktuell und erhält ständig neue Nahrung. Mitwirkende war u. a. Netzwerk-Mitglied <strong>Annette Ohme-Reinicke</strong>. Im Nachhinein hat die Soziologin auf Wunsch von Freunden in den USA einen Beitrag zum Thema verfasst, der für ein US-Magazin ins Amerikanische übersetzt wurde:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zivilgesellschaft unter Druck – <br>Wie die Regierung den Rechtsextremen die Tür öffnet</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Organisationen und Aktivisten der Zivilgesellschaft geraten in Deutschland zunehmend unter Druck. Einige Engagierte erhalten Berufsverbot, mehreren Initiativen wird das Bankkonto gesperrt. Beobachtungen durch den Verfassungsschutz nehmen zu und die Meinungsfreiheit wird eingeschränkt. Außerdem werden Fördergelder demokratiepolitischer Initiativen gestrichen oder Räumlichkeiten für öffentliche Veranstaltungen nicht zur Verfügung gestellt. Dies alles geschieht, während die deutsche Regierung immer wieder betont, sie würde eine „Brandmauer“ gegen die rechtsextreme AfD errichten und auf keinen Fall mit ihr zusammenarbeiten. Durch die Schwächung der Zivilgesellschaft bereitet sie jedoch den Rechtsextremen den Boden und fördert deren Einfluss. Hatte der heute amtierende Kanzler im Jahr 2018 angekündigt, er würde die Ergebnisse der AfD halbieren – sie lag zu dieser Zeit bei unter 20 Prozent –, ist deren Stimmenanteil in Wirklichkeit stark gewachsen: Zurzeit liegt die Partei laut repräsentativer Umfragen einen Prozentpunkt vor der regierenden konservativen CDU.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Handlungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft wurden in den letzten Jahren immer wieder eingeschränkt: Die Einspruchsmöglichkeiten beim Bau technischer Großprojekte etwa wurden erschwert, die Bürgerräte abgeschafft. Als der deutsche Kulturstaatsminister Weimer im Frühjahr 2026 drei linke Buchläden ohne Begründung von der Verleihung des jährlich zu vergebenden Buchhandlungspreises ausschließen ließ, titelte die&nbsp;<em>Süddeutsche Zeitung</em>, am 12. März: Dahinter „steckt ein größerer Plan“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich führt die Regierung verschiedene Instrumente gegen die Zivilgesellschaft ins Feld, die offensichtlich das Ziel haben, jede kritische Öffentlichkeit zu unterdrücken. So wächst die Furcht vor der Entwicklung zu einem autoritären Staat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betroffen ist beispielsweise das bundesweite Förderprojekt „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Im Rahmen dieses Programms verteilt die Bundesregierung seit 2015 jährlich rund 100 Millionen Euro. Bürgerinitiativen, Jugendbildungsstätten, Gruppen für Gewaltprävention und Aussteigerprogramme für Rechtsextremisten erhalten Beträge. Darunter Gruppen wie die „Bürgerinitiative bunt statt braun“ oder der Verein „für Vielfalt und Demokratie“. Die für dieses Projekt zuständige CDU-Ministerin Prien hat kürzlich angekündigt, dass Mittel gestrichen und neu verteilt werden sollen. Anstatt das Bewusstsein für Rechtsextremismus zu schärfen und demokratische Initiativen zu unterstützen, sollen die Mittel künftig in Projekte fließen, die deutsches „Brauchtum“ und Einrichtungen wie die Freiwillige Feuerwehr fördern. Absurderweise beruft sich die Ministerin auf „den Schutz der Demokratie“, während sie Demokratieprojekten das Geld entzieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angriffe auf die Zivilgesellschaft dauern schon länger an. So wurde 2025 bekannt, dass zwischen 2020 und 2024 rund 1230 zivilgesellschaftliche Organisationen und 1300 Einzelpersonen vom Verfassungsschutz überprüft worden waren. Bei etwa 200 Organisationen wurden „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ gemeldet. In der Regel war die Folge, dass staatliche Fördergeld nicht gezahlt wurden. Betroffen waren Organisationen wie&nbsp;<em>Omas gegen Rechts</em>. Diese Angriffe lösten breite Empörung aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage dafür war das sogenannte <em>Haber-Verfahren</em>. Emily Haber, die damalige Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, hatte 2017 anderen Ressorts der Bundesregierung angeboten, Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zu nutzen, um über die Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen zu entscheiden. Sogenannte <em>Extremisten</em> dürften kein Geld bekommen. Die Anfragen an den Verfassungsschutz sollten ausdrücklich geheim erfolgen. Allerdings darf der Verfassungsschutz keine konkreten Informationen weitergeben, sondern nur bestätigen, ob „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ vorliegen oder nicht. Das ist der Grund dafür, dass Kulturstaatsminister Weimer nicht beantworten konnte, warum genau die drei linken Buchläden von der Preisverleihung ausgeschlossen wurden. Und deshalb erfahren Betroffene meist nicht, welche „Erkenntnisse“ der Verfassungsschutz (angeblich) hat. Folglich ist auch kein formaler Widerspruch möglich. Es finden keine öffentlichen Gerichtsverfahren statt, und für das Haber-Verfahren gibt es keine gesetzliche Grundlage. Es ist rechtswidrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit zehn Jahren wird auch die allgemeine Meinungsfreiheit verstärkt angegriffen, wie der Jurist und Journalist Ronen Steinke nachweist. „Der Staat“, schreibt er, „definiert heute etliche Aussagen als strafbar, die noch vor zehn Jahren ganz klar unter die Meinungsfreiheit fielen.“ Ermittlungen wegen „Äußerungsdelikten“ haben sich mindestens verdreifacht, und inzwischen finden Razzien statt, weil jemand das Delikt der Beleidigung begangen haben soll. „Noch nie hat es hierzulande so viele Ermittlungen wegen bloßer Worte gegeben“, so Steinke in seinem aktuellen Buch „Meinungsfreiheit“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sanktionen richten sich auch gezielt gegen einzelne Aktivisten. Der aus dem Iran stammende Stuttgarter Gewerkschafter Damial Bamdadi engagiert sich gegen rechtsextreme Entwicklungen in den Gewerkschaften. Mit der Begründung „linksextremer Aktivismus“ wurde ihm die Einbürgerung verweigert; er lebte zu diesem Zeitpunkt seit 13 Jahren in Deutschland. Die junge Lehrerin Lisa Pöttinger aus München erhielt wegen ihres Engagements bei <em>Fridays for Future</em> Berufsverbot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu einem weiteren Instrument gegen die Zivilgesellschaft ist das sogenannte Debanking geworden. Hier werden, oft ohne dass die Betroffenen es vorher wissen, Bankverbindungen gekappt. Das heißt, Kreditkarten funktionieren plötzlich nicht mehr, man kann kein Geld mehr abheben, nichts elektronisch kaufen. Es bleibt nur ein Grundbetrag von etwa 500 Euro zu Verfügung. In einigen Fällen ist es den Betroffenen bei Strafe verboten, Hilfe von anderen Personen anzunehmen. Das Debanking wurde angewandt gegen Autoren, Verlage, Vereine, Radiostationen – und auch gegen die Deutsche Kommunistische Partei (DKP).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage des Debanking sind sogenannte „Terrorlisten“. Die erste dieser Listen wurde Ende September 2001 von George Bush jr. im Zuge des „War on Terror“ beschlossen. Wenige Monate später erstellte auch die EU eine Sanktionsliste. Sie wird in unregelmäßigen Abständen aktualisiert. Den Sanktionen liegen keine Gerichtsbeschlüsse zugrunde, keine Anklagen. Eine öffentliche juristische Verteidigung ist meist nicht möglich. Diese Form existenzgefährdender Entrechtung erinnert historisch an „mittelalterliche Ächtung und Verbannung“, so der Autor Hannes Hofbauer. Es macht sich ein „gerichtsloses Rechtssystem“ breit, in dem ein kluges, grundlegendes Prinzip jedes demokratischen Staates, außer Kraft gesetzt ist: die Gewaltenteilung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf welche der Listen – die amerikanische oder die europäische – gerade zurückgegriffen wird, ist oft nicht klar. So kündigte die GLS-Bank, die mit ihrem sozial-ökologischen Anspruch wirbt, 2025 der DKP die Konten. Eine genaue Begründung gab es nicht. Vermutlich war der Auslöser eine Spendenaktion für Kuba. Der traditionsreichen Initiative <em>Rote Hilfe</em> kündigte ebenfalls letztes Jahr die Sparkasse Göttingen das Konto. Es kam zu einem Gerichtsverfahren, und die Sparkasse erklärte, die Rote Hilfe habe für ein „von der US-Regierung als Terrororganisation eingestuftes Netzwerk“ zu Spenden aufgerufen. (Norddeutscher Rundfunk, 6. 3. 26) Die Bank habe das Konto gekündigt, weil sie „Nachteile am Finanzmarkt“ befürchtete. Offenbar wird seitens der USA damit gedroht, die deutschen Banken aus dem SWIFT-Abkommen auszuschließen, sollten sie die Konten nicht kündigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der europäischen Sanktionsliste landete auch der in Belgien lebende Schweizer Jacques Baud, ehemaliger Mitarbeiter des Schweizer Nachrichtendienstes. Er bekleidete einen der höchsten Rängen im Schweizer Militär und wurde sanktioniert, weil er anhand ukrainischer Quellen die Mitverantwortung ukrainischer Politiker an der Fortdauer des Krieges belegte und die Europäische Union (EU) für ihre Voreingenommenheit und einseitige Unterstützung der Ukraine kritisierte, sich für Verhandlungen einsetzte und die Meinung vertrat, militärisch sei Russland nicht zu besiegen. Alle Bankverbindungen wurden gekappt und ein Reiseverbot verhängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Richter am Internationalen Strafgerichtshof Nicolas Guillous und einigen seiner Kollegen wurden im August 2025 ebenfalls die Konten geschlossen. Der Grund: Sie hatten Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Netanjahu und den damaligen Verteidigungsminister Gallant erlassen. Auch die italienische Juristin und UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechte in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten, Francesca Albanese ist betroffen. Ebenso der Journalist Hüseyin Dogru aus Berlin. Er hatte auf seiner Website <em>Red</em> über den Gaza-Krieg und Repressionen gegen Aktivisten berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere Aktivitäten, die sich mit der Situation der palästinensischen Bevölkerung öffentlich auseinandersetzen wollen und Kritik an der israelischen Regierung üben, werden kriminalisiert. So wurde ein Palästina-Kongress, der im April 2024 in Berlin stattfinden sollte, gewaltsam von der Polizei aufgelöst. Rednern wie Yanis Varoufakis, ehemaliger griechischer Finanzminister, und Francesca Albanese wurde die Einreise nach Deutschland verboten. Oft werden keine Räumlichkeiten für geplante Diskussionen zur Verfügung gestellt. Der Philosophin Nancy Frazer wurde eine zugesicherte Gastprofessur in Deutschland wieder entzogen. Zahlreichen Aktivisten, die keinen deutschen Passe haben, wurde das Aufenthaltsrecht in Deutschland entzogen, manche verloren ihren Job. Die jüdische Aktivistin Iris Hefets wurde dreimal in Berlin festgenommen, als sie für Rechte der Palästinenser demonstrierte. Während der Berliner Bürgermeister forderte, dass jüdische Studierende ohne Angst studieren können müssen, ging die Berliner Polizei mit Schlagstöcken gegen jüdische Studierende vor, die die Universität besetzt hatten. Selbst Vertreter des UN-Menschenrechtsrates zeigten sich im Oktober 2025 „alarmiert über die Unterdrückung von Solidaritätsaktionen für Palästina durch Deutschland“. Sie kritisierten die Polizeigewalt gegen Aktivisten und forderten die Bundesregierung auf, das Recht auf friedliche Versammlung zu achten. Das „Transnational Institute“ aus Amsterdam sieht Deutschland in einem ausführlichen Bericht hinsichtlich der Palästina-Solidarität als „Labor der Repression“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die rechtsextreme AfD nutzt legale Möglichkeiten, um gegen die Zivilgesellschaft vorzugehen. Schon kurz nach ihrem Einzug in den Bundestag im Jahr 2017 stellte sie eine Anfrage zu dem schon erwähnten Förderprogramm „Demokratie leben!“. Der Bundestag ist auskunftspflichtig und veröffentlichte auf 68 Seiten sämtliche Geldempfänger des Programms in ganz Deutschland. Die AfD baut die Zivilgesellschaft, vor allem in Gestalt der NGOs, seither zum Feindbild auf. Sie spricht von einem „NGO-Komplex“ und verkündete im Mai 2025 einen „Aktionsplan“, um den „NGO-Sumpf trockenzulegen“. Dies zielt darauf, öffentliche Kritik an Rechtsextremismus, Klimapolitik, Rassismus und anderen Themen auszulöschen. Dabei nutzt diese Partei die Instrumente des demokratischen Parlamentarismus – letztlich um diesen abzuschaffen. Vor Kurzem, im Januar 2026, schrieb die AfD eine Stelle aus, die explizit der Beobachtung und Auswertung zivilgesellschaftlicher Organisationen dient. Dafür soll auch eine Datenbank über zivilgesellschaftliche Organisationen und Aktivisten aufgebaut werden – und zwar mit den Daten, die der Bundestag geliefert hat.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Visier der Rechtsextremen sind insbesondere Organisationen wie die renommierte Amadeu Antonio-Stiftung, deren Namensgeber 1990 von Rechtsextremen in Brandenburg ermordet wurde. Sie bietet unter anderem finanzielle Hilfe, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit für Opfer rechtsextremer Gewalt, dokumentiert rechte Gewalt, unterstützt Betroffene und bietet Weiterbildung über demokratisches Handeln. Die AfD beantragte, die staatliche Unterstützung der Stiftung zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige der repressiven Maßnahmen entfalten ironischerweise Wirkungen, die Betroffene durchaus begrüßen: Einer der sanktionierten Buchläden erklärte Kulturstaatsminister Weimer zum „Mitarbeiter des Jahres“: Seit dem Ausschluss von der Preisverleihung ist der Umsatz des Ladens in die Höhe geschnellt. Der Schweizer Generaloberst freut sich ebenfalls über einen rasant gestiegenen Verkauf seiner Bücher. Für ein Symposium der 250 Jahre alten Institution <em>Württembergischer Kunstverein</em> unter dem Titel „Zur Kritik der Freiheit und ihrer Repression“, dem nach der Intervention der Deutsch-Israelischen Gesellschaft („Antisemitismus“) die städtische Förderung von 15.000 Euro wegen angeblicher Abweichungen von Antrag und finalem Programm entzogen wurden, kam bei einer Spendenaktion innerhalb einer Woche mehr Geld zusammen als nötig: fast 20 000 Euro. Das Symposion fand statt. Und: Viele Leute wissen jetzt auch, dass es immer noch eine Deutsche Kommunistische Partei in Deutschland gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch: Die Sanktionen bereiten nicht nur rechtem Extremismus den Boden und verschlechtern die Bedingungen zivilgesellschaftlichen Handelns. Die aktuelle Regierungspolitik widerspricht auch den Prinzipien demokratischer Gesellschaften, die sie zu schützen vorgibt. Um der Rechtsentwicklung entgegenzuwirken müssen Bedingungen für demokratisches Handeln verbessert und öffentliche Auseinandersetzungen, Informations- und Meinungsfreiheit gefördert – und nicht kriminalisiert – werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLANEURSALON LIVE</strong>:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Open Air am Freitag, 12. Juni,<br>im Wirtshausgarten der Ratze</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eric Gauthier</strong> &amp; Friend und <strong>Cemre Yilmaz</strong> &amp; Friends machen in diesem Sommer Musik bei unserem Flaneursalon am Freitag, 12. Juni, im Garten der Ratze am Raichberg. Außerdem auf der Bühne: Kabarettist <strong>Jess Jochimsen</strong> aus Freiburg. Beginn 19 Uhr. Essen: 16.30 Uhr bis 18 Uhr. Buchen kann man per Mail: ratzestr@gmail.com<br> <br><strong>Zweiter Abend im Tangoloft</strong><br>Wegen großer Nachfrage gibt es am <strong>Sonntag, 28. Juni,</strong> auf Wunsch der Veranstalter einen<strong> zweiten Abend</strong> im Stuttgarter <strong>Tangoloft</strong> in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: <strong>Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez, Stefan Hiss </strong>– und Ehrengast <strong>Vincent Klink</strong>, der vom Gitarristen <strong>Lorenzo Petrocca</strong> begleitet wird. Hier der Link zu Infos und <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/joe-bauers-flaneursalon-sonntag-28-juni-2026.html">Vorverkauf</a></p>
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		<title>2587. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/04/20/2587-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 08:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://joebauer.de/?p=3429</guid>

					<description><![CDATA[20. April 2026 FLANEURSALON LIVE:Zweiter Abend im TangoloftWegen großer Nachfrage gibt es am Sonntag, 28. Juni, auf Wunsch der Veranstalter einen zweiten Abend im Stuttgarter Tangoloft in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: Eva Leticia Padilla &#38; Dany Labana Martínez, Stefan Hiss – und Ehrengast Vincent Klink, der vom Gitarristen Lorenzo<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">20. April 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLANEURSALON LIVE</strong>:<br><strong>Zweiter Abend im Tangoloft</strong><br>Wegen großer Nachfrage gibt es am <strong>Sonntag, 28. Juni,</strong> auf Wunsch der Veranstalter einen<strong> zweiten Abend</strong> im Stuttgarter <strong>Tangoloft</strong> in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: <strong>Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez, Stefan Hiss </strong>– und Ehrengast <strong>Vincent Klink</strong>, der vom Gitarristen <strong>Lorenzo Petrocca</strong> begleitet wird. Hier der Link zu Infos und <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/joe-bauers-flaneursalon-sonntag-28-juni-2026.html">Vorverkauf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, heute (ohne Schuld der Bahn) mit leichter Verspätung die neue Homepage-Kolumne, die normalerweise immer schon am Wochenende auf dieser Seite auftaucht:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine Kleine Website Story</em><br>FINK &amp; GÖTTERFUNKEN</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hie und da stelle ich mir mir, irgendwo mit einem Laptop herumzusitzen und befreit von allem ins Blaue hineinzutippen. Meinetwegen auch ins Trübe oder Schwarze. Frei von Fakten, die man recherchieren oder prüfen muss. Einzige Krücke vielleicht ein Notizbuch, in das ich unterwegs was Unlesbares gekritzelt habe. Ja, und dann müsste nur noch was draus werden. Aber ich bekomme es nie hin. Zu wenig Fantasie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war Ende der Neunzigerjahre, als ich mit meinem ersten eigenen Laptop unterwegs war, genaugenommen mit einer Dauerleihgabe meiner Zeitung, bei der ich angestellt war. Ich erinnere mich, wie ich einmal, in der Eisenbahn von Berlin nach Stuttgart, ohne irgendeinen Plan in das Gerät tippte, einfach nur Zeug, das mir beim Blick aus dem Zugfenster einfiel. In Berlin hatte mich der Dichter und Satiriker Wiglaf Droste, mit dem ich öfter zugange war, auf eine deutsche Country-Band namens Fink aufmerksam gemacht, und weil mir deren melancholischen, lakonischen Songs gefielen, taufte ich am Ende meines Eisenbahn-Textes den Leih-Laptop „Fink“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Ding baute ich dann immer wieder in meine Kolumnen ein. Fink diente mir als eine Art sprechender Prügelknabe, ich behandelte ihn wie der Herr den Knecht, und bei einem Stuttgarter Konzert der Gruppe Fink im kleinen Kulturzentrum Merlin kaufte ich mir ein Abziehbild mit dem Logo der Band und klebte es auf den Laptop-Deckel. So erwachte die Maschine zum Leben. Tatsächlich bekam ich damals nicht wenige Leserbriefe, die sich über meinen miesen Umgang mit Fink beschwerten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gelegentlich erklärte ich der Leserschaft, dass man im Amerikanischen einen Streikbrecher als „Fink“ brandmarkt. Ein Fink ist auch einer, der Freunde ans Messer liefert, indem er bei den Bullen „singt“. Art Buchwald, der berühmte Kolumnist der „New York Herald Tribune“, hat in einem Interview Frank Sinatra gefragt, wer oder was ein Fink sei. Der Sänger antwortete: „Ein Fink ist ein Verlierer. Fink kommt von einem Streikbrecher namens Fink, der während eines Streiks seinen Freund umgebracht hat. Deshalb ist Fink für mich ein Kerl, der seine eigenen Freunde töten würde.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer regelmäßig Kolumnen schreibt oder je dieser Tätigkeit gegen Bezahlung nachgegangen ist, weiß vielleicht, dass es schlafraubend sein kann, ständig Stoff zu finden. Hängt natürlich auch von der Art der Kolumne ab. Es gibt Kolumnisten, die verarbeiten ihre Meinung über die Welt zu Texten, indem sie sich bemühen, die politisch <em>analytischste</em> aller politischen Analysen zu fabrizieren. Andere sind damit beschäftigt, die lustigsten Sätze aller lustigsten Kolumnisten zu schreiben, indem sie den Horrorclown als wahren Hanswurst und den Hanswurst als wahren Horrorclown entlarven. Für solche Erkenntnisse müssen diese Weltendeuter nichts erleben, solange sie einen Internetzugang haben. Das Internet hat die Welt kolumnentauglicher gemacht. Von den Podcasts der Meinungsbären zu schweigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsereiner, der sich mit der Kolumnenfigur Fink öfter mal über einen gewissen Stoffmangel und sonstige Blackouts hinwegmogeln konnte, hat sich dummerweise Spaziergänge in Stuttgart als Sujet ausgesucht, gerade so, als garantierten Spaziergänge verwertbare Erlebnisse. Diese Hoffnung ist natürlich Quatsch, denn oft ist es besser, die Erlebnisse eines Spaziergängers in Stuttgart für sich zu behalten, um sich seine Restwürde als Hanswurst zu bewahren. Du bist ja nicht der Oberbürgermeister.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt bin ich einige Tage in Leipzig herumspaziert, und wenn ich eine Rast einlegte, las ich in Harry Rowohlts Buch „Pooh’s Corner“. Diese Kolumnensammlung mit „Meinungen eines Bären von sehr geringem Verstand“ hatte ich mir zwar schon früher mit Freude angetan. Das Werk aber stand halt in einer Leipziger Buchhandlung vor meiner Nase und machte mir Lust, damit die Zeit zu vertreiben und Leipzig zu verdauen. In einem seiner Texte schildert Harry seinen großen Auftritt als Redner bei einer Hamburger Demonstration im Mai 2008 für Mumia Abu-Jamal. Dieser Mann saß damals seit 25 Jahren in der Todeszelle in Philadelphia, „weil er einen Polizisten erschossen haben soll“. Und da er früher Black Panther war und erfolgreicher linker Journalist, so Harry, war er „mithin nicht nur schwarz, sondern noch dazu ein roter Schwarzer“. Auch im Gefängnis schrieb er Kolumnen (die bei uns in der <em>jungen Welt</em> zu lesen waren). Und weil Harry in meinen Augen der beste aller Weltanalytiker aller Zeiten war, sagte er ohne Rücksicht auf die Kampfmoral des Demo-Publikums: „Am meisten bewundere ich an Mumia Abu-Jamal, dass er jede Woche eine Kolumne raushaut. Ich kann immer nur eine Kolumne schreiben, wenn ich vorher was erlebt habe, und auch dann nur selten. Aber Mumia Abu-Jamal kommt ja so gut wie nie vor der Tür.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Demo-Redner Harry Rowohlt war seinerzeit 62 Jahre alt und schrieb nach diesem Erlebnis in seiner Kolumne, dass er so was nur alle 62 Jahre mache. Dazu wird es nicht mehr reichen, weil er 2015 im Alter von 70 Jahren gestorben ist. Mumia Abu-Jamal lebt noch, er ist 72, und als Mann in seinem Alter empfehle ich, seine Geschichte im Internet oder in einem Buch nachzulesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Geschichte aus „Pooh’s Corner“ wollte ich darauf aufmerksam machen, wie wichtig es fürs Kolumnieren ist, was erlebt zu haben. Selbstverständlich habe ich zuletzt während meiner Leipzig-Visite was erlebt, beispielsweise im Speckgürtel der Stadt als Gast einer familiären Zusammenkunft von fünf durch und durch sächsischen Menschen, die alle in der DDR groß geworden sind und die Wiedervereinigung bei bestem Wohlergehen bis heute überlebt haben. Zwar bin ich Schwabe und vom schwäbischen Dialekt, den ich spreche, schwer gezeichnet. Aber das sächsische Mundart-Bombardement war dann noch mal eine andere Nummer, mei Gudsdorr. In der Stadt selbst habe ich nur selten Sächsisch gehört, der heimische Dialekt verschwindet nach und nach, wie das Bayerische in München oder das Schwäbische in Stuttgart. Und wie wir alle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich habe ich als Tourist das Schillerhaus in Leipzig-Gohlis aufgesucht, das älteste Bauernhaus weit und breit, in dem der Dichter sehr wahrscheinlich die Ode <em>An die Freude</em> geschrieben hat, zumindest Teile davon. Friedrich Schiller war bekanntlich 1782 vor dem Herzog Carl Eugen aus Stuttgart nach Mannheim geflohen, ehe er in Leipzig landete. Und hätte ich eine Spaziergänger-Ehre, wäre ich längst zu Fuß den Spuren seiner Kutsche gefolgt, von Stuttgart bis Leipzig, wo die Stadt viel städtischer und lebenswerter ist als zu Hause. Und einen Bahnhof haben die, so betörend, dass du darin eine Ode an die Wonne schreiben könntest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Schiller im Frühjahr 1785 in Leipzig ankam, „wurde er <em>empfangen</em> wie ein <em>Popstar</em> und konnte sich vor Bewunderern kaum retten“, heißt es im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. Endlich frei – vor allem auch von Schulden – dichtete er sein später von Beethoven vertontes Trinklied „An die Freude“. Dieser berauschende Song hat eine erregende Geschichte. Dirigierte ihn Wilhelm Furtwängler 1942 noch zu Hitlers Geburtstag, so erhielten Mitglieder des Staatstheaters Mainz 2015 eine Strafanzeige, weil sie die „Götterfunken“ aus den Fenstern sangen, als die AfD auf dem Platz vor dem Theater gegen die Asylpolitik der Regierung demonstrierten: „grobe Störung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit“. Was für eine Oper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwas muss dran sein an diesem Lied. Und höre ich heute die Zeile „Alle Menschen werden Brüder“, denke ich mir: Besser wäre, all die braunen Brüder würden Menschen. Aber man kann nicht alles haben. Es gibt den ehrbaren Vogel Fink, der uns ein Lied der Freude singt, es gibt den Schmutzfink, der gegen Asylanten demonstriert, und es gibt den Schmierfink, als der ich als Hauptberuflicher gar nicht so selten bezeichnet wurde. Nun ja, ein Vogelschiss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt hebt feuertrunken euer Glas, nutzt euer Recht auf Kunstfreiheit und singt sie in Grund und Boden, sobald sie unter dem Dach unserer Versammlungsfreiheit aufmarschieren und geschützt von der Meinungsfreiheit ihre Klappe aufreißen: <em>Seid umschlungen Millionen! / </em><em>Diesen Ku</em><em>ss</em><em> der ganzen Welt! / Brüder – überm Sternenzelt / Mu</em><em>ss </em><em>ein lieber Vater wohnen …<br></em>Und dann soll sie der Teufel holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SONG</strong>:<a href="https://youtu.be/hmN5YGiIQMQ?si=3wFg1r2QZA_p3oP7"> Fink</a></p>
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		<title>2586. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/04/16/2586-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 11:13:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, zwecks Luftveränderung habe ich mich für ein paar Tage nach Leipzig abgesetzt, um in mir eher fremden Kulissen herumzustiefeln. Die nächste Homepage-Kolumne, meine Kleine Website Story, folgt in den nächsten Tagen. Weil der Flaneursalon am 10. Mai im Stuttgarter Tangoloft sehr schnell ausverkauft war, haben wir auf Wunsch der Veranstalter einen zweiten Abend<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, zwecks Luftveränderung habe ich mich für ein paar Tage nach Leipzig abgesetzt, um in mir eher fremden Kulissen herumzustiefeln. Die nächste Homepage-Kolumne, meine <em>Kleine Website Story</em>, folgt in den nächsten Tagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil der <strong>Flaneursalon</strong> am 10. Mai im Stuttgarter <strong>Tangoloft</strong> sehr schnell ausverkauft war, haben wir auf Wunsch der Veranstalter einen zweiten Abend als Wiederholung angesetzt &#8211; auch dafür läuft der Vorverkauft bereits ziemlich gut. Termin: <strong>Sonntag, 28. Juni.</strong> Hier der Link zu <strong><a href="https://www.tangostuttgart.de/events/loftaffairs.html">Infos &amp; Karten. </a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>2585. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/04/11/2585-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 16:27:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Samstag, 11. April 2026 Willkommen! Bei der 2. Stuttgarter Prüf-Kungebung an diesem Samstag im Schlossgarten habe ich mitgeholfen &#8211; und im Rahmen eines bunten Bühnneprogramms diesen Text vorgetragen: Schönen guten Tag, willkommen bei den zweiten Prüf-Festspielen im Stuttgarter Schlossgarten. Wer beim ersten Mal dabei war, erinnert sich, dass wir zuerst unsere ABC-Kenntnisse prüfen müssen:Gebt mir ein PGebt mir<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Samstag, 11. April 2026 </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em><br><br>Bei der 2. Stuttgarter Prüf-Kungebung an diesem Samstag im Schlossgarten habe ich mitgeholfen &#8211; und im Rahmen eines bunten Bühnneprogramms diesen Text vorgetragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Schönen guten Tag, willkommen bei den zweiten Prüf-Festspielen im Stuttgarter Schlossgarten.</em><br><br>Wer beim ersten Mal dabei war, erinnert sich, dass wir zuerst unsere ABC-Kenntnisse prüfen müssen:<br>Gebt mir ein P<br>Gebt mir ein R<br>Gebt mir ein Ü<br>Gebt mir ein F<br>Das war gut. P wie Power, R wie rasant, Ü wie überragend und F wie fucking viel Vergnügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe Freundinnen und Freunde,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">es ist immer gut zu wissen, wo wir gerade sind. Jeder Ort hat eine Geschichte, und Vergangenheit vergeht nicht: Sie wirkt hinein in unsere Gegenwart. Das Stuttgarter Landestheater erlebte im Oktober 1930 den größten Bühnenskandal der Weimarer Republik. Nazi-Trupps stürmten die Aufführung von „Schatten über Harlem“, ein anti-rassistisches Stück des jüdischen Autors Ossip Dymow. Der rechtsextreme Terror zeigte Wirkung, die Politik ging in die Knie: Nach nur einer Woche wurde das Stück abgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon vor der Machtübergabe an die Nazis begann die Zerstörung der Kultur und Kunst. Heute erinnern Gedenktafeln an die Opfer. Erinnerungskultur allerdings hat vor allem dann Sinn, wenn sie uns an die Parallelen von Vergangenheit und Gegenwart erinnert. Und wir müssen prüfen, was Geschichte mit Gegenwart zu tun hat – und es ist unsere Aufgabe, auch die herrschende Politik daran zu erinnern. Wir müssen etwas tun gegen Organisationen, die mit rechtsextremen Ideologien in erneuerter Form die Errungenschaften der Demokratie angreifen &#8211; mit dem Ziel, unsere Grundwerte zu zerschlagen. Sie wollen Platz schaffen für ein autoritäres System, wo Kunstfreiheit, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit eingeschränkt oder abgeschafft werden. Dann sind wir hier weg von der grünen Wiese.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon am morgigen Sonntag sind Wahlen in Ungarn, und wir alle wissen, warum der US-Vizepräsident JD Vance den Autokraten Viktor Orban mit Propaganda-Auftritten unterstützt. Derselbe Vizepräsident Vance, der wie seine US-amerikanischen Gesinnungsfreunde von rechtsextremen Anführern bei uns in der Bundesrepublik hofiert wird. Und nicht nur von denen, sondern auch von Politikern anderer Parteien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Prüf-Bewegung hat ein klares Ziel: Wir fordern unsere Landesregierung auf, als rechtsextrem eingestufte Parteien vom Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen.<br>Das deutsche Verb <em>prüfen </em>kommt vom lateinischen <em>provare</em>. Provare bedeutet: etwas auf seine Brauchbarkeit zu untersuchen. Etwa den Riemen eines Fahrradhelms oder die Ausdünstung eines Hühnerstalls im Garten des Nachbarn.<br>In unserem Fall geht es darum, gewisse Parteien auf ihre Unbrauchbarkeit im Sinne unserer Verfassung zu untersuchen. Und das habe ich jetzt sehr höflich ausgedrückt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir alle hier erfüllen heute unsere demokratische Pflicht. Wir machen von unserem Recht Gebrauch. Im Artikel 20 unseres Grundgesetze heißt es unter anderem: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus … Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.“ Und jetzt Achtung: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Widerstand“ ist beim Blick auf unsere Geschichte ein großes Wort. Noch sind wir gesund und munter. Erinnert aber sei wieder an den oft zitierten Satz von Erich Kästner, den er 1958 angesichts der Gefahr des Faschismus sagte: „Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“ Spätestens 1928, sagte er, hätten die Nazis gestoppt werden müssen.<br>Und wir müssen heute das politische Gift zurückdrängen, sonst hält den braunen Sumpf niemand mehr auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun folge ich nicht der These, Geschichte wiederhole sich. Aber die Parallelen von Vergangenheit und Gegenwart und vor allem die ähnlichen politischen Strategien von damals und heute sollten wir vor Augen haben. Von Hitlers Propagandaminister Goebbels gibt es dieses berühmt-berüchtigte Zitat, das wohlgemerkt auch von 1928 stammt:<br>„Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns aus dem Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahm zu legen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sollten nicht nur die Landesregierung zum Prüfen auffordern. Wir sollten auch prüfen, was zurzeit tatsächlich von Staats wegen und vom Verfassungsschutz überprüft wird. Etwa auf Geheiß des Kulturkampfministers linke Buchläden – was lustigerweise sehr gute Umsätze zur Folge hatte. Vielen Dank. Überprüft werden vom Verfassungsschutz regelmäßig auch zivilgesellschaftliche Initiativen, die zurecht vom Staat unterstützt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vermutlich, liebe Freundinnen und Freunde, sollten wir deshalb auch uns selbst und unsere Sicht der Dinge prüfen – etwa das Vorgehen des Verfassungsschutzes, der nachweislich immer wieder falsche Beweise und fragwürdige Belege anschleppt. Anzeigen und Schikanen gegen engagierte Menschen nehmen in jüngster Zeit rasant zu. Das ist statistisch bewiesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es geht nicht nur um die Geheimdienste. Der Bundesinnenminister beispielsweise will die Mittel für Sprach- und Integrationskurse prüfen und kürzen – was fatale Folgen haben wird. Und wir hier sollten auch vor unsere Haustür die Lage prüfen. Hier im Schlossgarten sehen wir regelmäßig den Bus der Mobilen Jugendarbeit. Dieses wichtige soziale Projekt wird künftig weniger kommunale Mittel erhalten. Das sind nur zwei Beispiele von vielen, die der Demokratie schaden und den Rechtsextremen nützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nebenbei: Die staatliche Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen geht auf die Alliierten zurück. Im Potsdamer Abkommen von August 1945 verpflichteten sie die Deutschen zur Demokratie-Nachhilfe. Dafür wurde unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung gegründet. Und heute brauchen wir in diesem Land wieder dringend Demokratie-Nachhilfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hat das alles mit unser Prüf-Sache zu tun? Die Antwort ist einfach: Wir müssen prüfen, warum immer mehr ihre Stimmen Rechtsextremen geben. Deren obskuren Programme sind kein Grund, sie zu wählen. Es sind die wirtschaftliche Verunsicherung und die Verlustängste in der Bevölkerung, die den Rechtsextremen den Nährboden bereiten. Das das hat etwas mit der Verteilung in unserer Gesellschaft zu tun. Hinzu kommen die Normalisierung und Akzeptanz rechtsextremer Gesinnung und Sprache in anderen Parteien und wichtigen Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so spüren wir heute wieder das „Anwachsen und Bedrohlichwerden des Dummen und Bösen in Deutschland“, wie es der Schriftsteller Sebastian Haffner in seinem Buch „Eine deutsche Geschichte“ über die Zeit von 1914 bis 1933 beschrieben hat. Hinzufügen möchte ich: Hinter dem Dummen und Bösen steckt gerissene Propaganda. Und wie in den USA eine Mischung aus strategischem Intellekt, religiösem Fanatismus und ungeheuerlichem Reichtum politischer Unternehmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies alles, liebe Freundinnen und Freunde, kann uns nicht hindern, uns mit Leidenschaft, Freude und Humor gegen die Feinde der Demokratie zu wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und zum Schluss: Ihr wisst, dass wir hier das <em>A-Wort </em>nicht erwähnen. Wir sind ja keine Werbefritzen. Aber nur dieses eine A-Wort liegt im Abfalleimer. Denn es gibt allenthalben absolut angenehme Ausdrücke mit A, auch ohne abwertende Anspielungen auf armselige Antidemokraten und andere A-Köpfe. Und so sagen wir mit hellem A, aha: Alle Achtung vor allen, die in Anbetracht der allseits notwendigen antifaschistischen Arbeit für eine anständige Lebensart aktiv sind.<br>Und damit allseits Respekt vor euch allen, die ihr hier die zweiten Stuttgarter Prüf-Festspiele zu einer schönen und guten Sache macht. Organisiert euch, vernetzt euch – prüfen wir gemeinsam, was wir tun können, um unsere demokratischen Rechte zu verteidigen. Noch haben wir einen großen Trumpf, nämlich unsere Hoffnung, dass wir etwas ändern und verhindern können. Und diese Hoffnung ist berechtigt, solange wir handeln!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLANEURSALON LIVE</strong>:<br><strong>Zweiter Abend im Tangoloft </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen großer Nachfrage gibt es am <strong>Sonntag, 28. Juni,</strong> auf Wunsch der Veranstalter einen<strong> zweiten Abend</strong> im Stuttgarter <strong>Tangoloft</strong> in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: <strong>Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez, Stefan Hiss </strong>– und Ehrengast <strong>Vincent Klink</strong>, der vom Gitarristen <strong>Lorenzo Petrocca</strong> begleitet wird. Hier der Link zu Infos und <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/joe-bauers-flaneursalon-sonntag-28-juni-2026.html">Vorverkauf</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>2584. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/04/09/2584-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 06:20:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Donnerstag, 9. April 2026 Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, heute zwei Veranstaltungshinweise: PRÜF-KUNDGEBUNG An diesem Samstag, 11. April, findet im Oberen Schlossgarten in Stuttgart die zweite PRÜF-Kundgebung BW statt. Diese Art Veranstaltungen werden an jedem zweiten Samstag im Monat bundesweit in vielen deutschen Städten durchgeführt. Diesmal steht die Bühne vor dem Schauspielhaus der Staatstheater. Ab 11 Uhr Plakate<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Donnerstag, 9. April 2026</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, heute zwei Veranstaltungshinweise: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PRÜF-KUNDGEBUNG</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem <strong>Samstag, 11. April</strong>, findet im Oberen Schlossgarten in Stuttgart die zweite PRÜF-Kundgebung BW statt. Diese Art Veranstaltungen werden an jedem zweiten Samstag im Monat bundesweit in vielen deutschen Städten durchgeführt. Diesmal steht die Bühne vor dem Schauspielhaus der Staatstheater. Ab 11 Uhr Plakate malen und andere Dinge. Kundgebungsbeginn 12 Uhr. Buntes Programm mit Musik, Comedy, Aktionen, organisiert von einem Team, das vorwiegend mit Aktiven aus der Kulturszene besetzt ist und inzwischen immer mehr Zulauf hat. Auf Wunsch der Hamburger Initiatoren um den Satiriker Nico Semsrott wurden die Stuttgarter Veranstaltungen von unserem Netzwerk <a href="http://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie </a>auf den Weg gebracht. Wir sind auch diesmal an der Organisation beteiligt. Auf die Bühne gehen: das Moderations-Duo Bastian Sistig &amp; Lola Merz Robinson, die Opernsängerin Fine Feiler, die Kabarettistin Dagmar Schönleber, das Song-Duo Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez, der Comedian Sebastian 23, das Schauspiel-Duo Stephan Moos &amp; Dahab Paulos, das Volks*theater, Joe Bauer (Wortbeitrag).<br>Sinn und Zweck der PRÜF-Reihe: „Alle Parteien, die als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.“ Die Landesregierungen werden aufgefordert, diese Prüfungen einzuleiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>FLANEURSALON LIVE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen großer Nachfrage gibt es am <strong>Sonntag, 28. Juni,</strong> einen zweiten Abend im Stuttgarter <strong>Tangoloft</strong> in der Hackstraße. Der erste am 10. Mai war sehr schnell ausverkauft. Flaneursalon mit: <strong>Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez, Stefan Hiss </strong>– und Ehrengast <strong>Vincent Klink</strong>, der vom Gitarristen <strong>Lorenzo Petrocca</strong> begleitet wird. Hier der Link zu Infos und <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/joe-bauers-flaneursalon-sonntag-28-juni-2026.html">Vorverkauf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2583. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/04/03/2583-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 06:34:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, der Karfreitag ist ein guter Tag für eine neue Homepage-Kolumne: Meine Kleine Website StoryDANN SIND WIR FERTIG MIT EUCH Sicher ist, dass sogenannte chinesische Glückskekse nicht aus China kommen. Erst in den 1990er Jahren tauchten sie im Reich der Mitte auf, wo sie zuvor niemand gekannt hatte. Wie alles Glück, das bekanntlich eine<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, der Karfreitag ist ein guter Tag für eine neue <strong>Homepage-Kolumne:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine Kleine Website Story</em></strong><br><strong>DANN SIND WIR FERTIG MIT EUCH</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher ist, dass sogenannte chinesische <em>Glückskekse</em> nicht aus China kommen. Erst in den 1990er Jahren tauchten sie im Reich der Mitte auf, wo sie zuvor niemand gekannt hatte. Wie alles Glück, das bekanntlich eine Hure ist, kommt auch das Süßgebäck mit seinem eingelagerten Sinnspruch auf Glanzpapier aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Vermutlich haben es japanische Einwanderer Anfang des 20. Jahrhunderts in Kalifornien verbreitet. Nicht so wichtig. Einer der eingebackenen Sprüche, den ich zuletzt aus einem Fortune Cookie zog, lautete: „Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.“ Verstehe ich gut als ewiger Anfänger. Eine weitere Weisheit, die ich wenig später im Keks eines vietnamesischen Restaurants fand, ging so: „Geduld! Ihre Vorschläge werden noch aufgegriffen.“ Auch diese Prophezeiung irritierte mich nicht, weil ich mich an Vorschläge meinerseits nicht mehr erinnern kann. Wer heute politische Vorschläge verbreitet, wird auch schnell mal aufgegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gebe zu, lange nicht gewusst zu haben, dass diese kleinen, krummen Dinger zum Essen nicht aus China kommen, auch wenn ich mir hätte denken können, dass sich die großen, uns in allen Belangen überlegenen Chinesen nicht mit solchem Quatsch abgeben. Du zerrst einen Keks aus einer Folie und zertrümmerst ihn für Prophezeiungen wie diese: „Ein unerwartetes Ereignis wird dir bald Freude bringen.“ Verzehrst du dann den Glückskeks, weißt du, dass es keine Freude ist, wenn du ihn isst. Typisch, dass dieses Zeugs heute in großem Stil in Gondelsheim hergestellt wird, einem badischen Kaff bei Karlsruhe, wo sonst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Komisch an meiner oberflächlichen Betrachtung dieses Cookiekrams ist, dass mir das Ganze einfiel, als ich neulich die 55. „Grundgesetz“-Auflage der Beck-Texte im dtv für 10,90 Euro im Buchladen Erlkönig abholte. Kaum eingepackt, erinnerte mich das Buch an einen Jahrhundertsatz: „Die Beamten können nicht den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumlaufen.“ Der deutsche Innenminister Hermann Höcherl (CSU) ließ diesen Spruch 1963 fahren, weil herauskam, dass der Verfassungsschutz unter Verstoß gegen das Telefongeheimnis des Grundgesetzes Abhörmaßnahmen durch alliierte Dienste hatte vornehmen lassen. 63 Jahre später kann ich es mir leisten, den ganzen Tag mit dem Grundgesetz im Rucksack herumzulaufen. Bin ja Rentner und mache regelmäßig Muskeltraining.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Tagen habe ich ungewöhnlich viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Sehr tapfer, seit uns Meldungen über die Invasion <em>Asiatischer Nadelameisen</em> in Stuttgart das Fürchten lehren. „Denn diese Ameisenart kann stechen und über ihren Stachel ein Gift abgeben, das nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch heftige allergische Reaktionen auslösen kann“, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Stechameisen sind eine große Gefahr für Mensch und Umwelt. Schlimmer als Wölfe. Epi-Zentrum des Angriffs ist der Rosensteinpark, eine meiner bevorzugten Jogging-Routen. Womöglich war Stuttgart schon immer Hauptstadt der Ameisen: Es gibt hier den Ameisenberg und die Ameisenbergstraße. Und bald noch einen Nadelameisenpark, falls die Invasion nicht gestoppt werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Telefonabhörmaßnahmen nützen gegen diesen Überfall ürigens nichts, sind eh ein alter Hut. Ein amtierender CDU-Innenminister namens Strobl lässt, geduldet von den Grünen, die baden-württembergische Polizei apokalypsebewusst mit der US-amerikanischen Datenkrake <em>Palantir Gotham</em> ausrüsten. Den liebenswürdigen Namen <em>Gotham City</em> kennen wir als korrupte Schurkenstadt aus „Batman“. Und hinter dem gigantischen Schnüffelprogramm steckt unter anderem der Unternehmer und Trump-Vertraute Peter Thiel. Der plant mit seinen Kumpanen aus dem Milliardärsmilieu eine neue Weltordnung &#8211; und die „humane Transformation“ bis hin zur Unsterblichkeit des Menschen. CEO des Unternehmens ist Alex Karp, ein US-Amerikaner, der unter anderem Philosophie bei Jürgen Habermas in Frankfurt studierte. Unter der Führung von Monsterreichen soll der endgültige menschliche Glückskeks auf KI-Basis entstehen, selbstverständlich jenseits jeder idiotischen demokratischen Verfassung. Aber erst muss die Welt brennen. Alle Wege führen ins alte Rom.<br>Kurzer Schwenk zur Realität: Am Samstag, 11. April, findet auf dem Stuttgarter Rotebühlplatz eine Aktion gegen das Polizei-Softwareprogramm von Palantir statt. Beginn 14 Uhr. Darauf ein Fuckin’ Fortune Cookie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allseits bekannt ist, dass in der Präambel der Unabhängigkeitserklärung der USA von 1776 das „Recht auf Streben nach Glück“ <em>(pursuit of happiness)</em> verankert ist. Einer der maßgeblichen Verfasser der Deklaration ist Thomas Jefferson, der dritte Präsident der Vereinigten Staaten. Er sympathisierte einst mit der Französischen Revolution, sprach sich irgendwie gegen die Sklaverei aus, besaß aber selbst Hunderte von Sklaven. Amis sind gelegentlich etwas ambivalent. Zu Jefferson gäbe es viel zu erzählen, mir scheint allerdings, dass ich in dieser Kolumne ohnehin schon so hemmungslos abschweife wie schon lange nicht mehr. Meine übliche Ausrede, Gedankensprünge seien die natürliche Folge des Herumgehens, steht diesmal auf schwachen Füßen. Eigentlich will ich als Spaziergänger ja mit beiden Füßen auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Womöglich ist der so stabil wie ein Glückskeks. Und <em>Happiness IS A Warm Gun.</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">In meiner Grundgesetz-Ausgabe findet sich eine Einführung von Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Richter des Bundesverfassungsgerichts a. D. Im Kapitel III über „Die Grundrechte: Leitbild des freien Menschen“ las ich die Sätze, die mich dazu brachten, die Herkunft der Glückskekse zu ermitteln: „Die Pflicht, die Menschenwürde zu achten und zu schützen (Art. 1 Abs. 1 Satz 2 GG) darf nicht missverstanden werden als Auftrag an den Staat, jedem Menschen ein gutes Leben zu garantieren. Das Menschenbild unserer Verfassung ist von der Vorstellung bestimmt, dass jeder Mensch seinen Weg zum Glück findet. Auch wenn jeder weiß, wie schwer es sein kann, Arbeit zu finden und gut davon zu leben, so wird doch zu allererst auf jeden Einzelnen vertraut, dass ihm dies gelingt. Das Leitbild lautet: Der Mensch ist eine mit der Fähigkeit zu eigenverantwortlicher Lebensgestaltung begabte Persönlichkeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mensch als &#8222;begabte Persönlichkeit&#8220; wozu auch immer: Eine Behauptung, die mich nervös macht. Man kennt doch auch Menschen wie Klingbeil (SPD), Prien ( CDU) und Nagelsmann (DFB). Von begabten Persönlichkeiten wie Kulturkampfminister Weimer (parteilos), Innenminister Dobrindt (wie Höcherl CSU) und Kanzler Merz (CDU) zu schweigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle will ich mal alles zusammenfassen, was ich angesichts des Grundgesetz-Gewichts in meinem Rucksack kaum mehr schaffe, ohne auf meinem <em>Weg zum Glück</em> stolpernd auf die Fresse zu fliegen. Deshalb ziehe ich hier verlässliche Worte des geschätzten Publizisten Max Czollek vor, sie sind mir beim Streunen auf Social Media begegnet: „Weimer lässt Kultur überwachen &amp; disziplinieren, Prien lässt Zivilgesellschaft überwachen &amp; disziplinieren, Dobrindt ordnets an, Merz findets genau richtig. Der SPD ist es egal. D (Deutschland) hat eine autoritäre Regierung. Die Antwort muss doch sein: Ihr wollt uns fertig machen? Dann sind wir fertig mit euch!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit habe auch ich fertig und verbleibe mit einem weiteren Spruch, den ich in einem Asia-Lokal aus einem Glückskeks gefischt habe: „Eine gute Nachricht wird dich in Kürze erreichen.“ Ich hoffe, sie trifft ein, bevor mich im Rosensteinpark die asiatische Killerameise harpuniert. Gotham City ist überall. </p>
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