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	<title>Joe Bauers Flaneursalon</title>
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	<description>Die Lieder- und Geschichtenshow</description>
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	<title>Joe Bauers Flaneursalon</title>
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		<title>2605. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/08/10/2605-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 11:25:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe alle und wenige, in der Trägheit der Monsterhitze eine kurze Homepage-Kolumne: Meine kleine Website StoryAM MEER Aus der Straßenbahn stieg ein Mann mit Wanderhut und Spazierstock. Der Stock hatte eine Metallspitze, die der Mann bei jedem Schritt so heftig auf den steinernen Boden stieß, dass es lauter und gefährlicher klackte, als es Nordic Walker hinbekommen. Mir<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe alle und wenige, in der Trägheit der Monsterhitze eine kurze Homepage-Kolumne:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>AM MEER</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Straßenbahn stieg ein Mann mit Wanderhut und Spazierstock. Der Stock hatte eine Metallspitze, die der Mann bei jedem Schritt so heftig auf den steinernen Boden stieß, dass es lauter und gefährlicher klackte, als es Nordic Walker hinbekommen. Mir schien, als wollte der Mann gehört oder erhört werden, bevor er die Welt mit dem Spazierstock angreifen wird. Auf seinem T-Shirt prangten die Buchstaben „Es ist vollbracht“. Dieses Zitat aus dem Johannesevangelium, sagt mir Gooogle, handelt von dem Moment, in dem Jesus sein Werk auf Erden vollendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag war es wie sehr oft in diesem Sommer so heiß, dass ich die Botschaft „Es ist vollbracht“ persönlich nehmen musste. Es roch nach Ende. Es ist nicht mehr der Winter, der vom Finale des Lebens erzählt. Es ist der Sommer, und die Klimaleugner und Umweltsäue können die Hitzetoten zählen und auf ihr T-Shirt schmieren: „Es ist vollbracht“. Bald wird uns nur noch die Nachricht trösten, dass die Menschheit untergeht. Es könnte ja schlimmer kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war nie ein Freund des Sommers, auch nicht, als ich den Begriff Klimakatastrophe noch nicht gekannt habe und noch nicht so viele Wälder brannten. Schon immer war ich ein Freund des Herbsts. Er ist ein Harlekin, ein Kerl im Flickengewand auf Tour. Und schon der Gedanke an den nächsten Sommer ist heute blanker Horror.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Stadtpalais, dem „Museum für Stuttgart“, haben sie sie ein ziemlich großes Planschbecken für Kinder aufgebaut und ein Schild daneben gestellt: „Stuttgart am Meer“. Die örtlichen Zeitungen meldete umgehend „Mittelmeer-Feeling“. Was für ein berauschendes Gefühl. Laut dem EU-Klimadienst Copernicus heizen sich zurzeit die Weltmeere auf Rekordniveau auf. Am Strand von Mallorca kannst du dir heiße Würstchen im Salzwasser zubereiten. In Zukunft werden wir also noch viel mehr Typen begegnen, die zu heiß gebadet haben. Auch die sind wahlberechtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass bei uns mit Blick auf ein Wasserbecken „Mittelmeer-Feeling“ ausgerufen wird, entspricht dem Geist der Stadt. Da erzählt der Oberbürgermeister auf dem CDU-Parteitag, Stuttgart sei das „deutsche San Francisco“. Wenn sich irgendwo ein Haus ein paar Meter über den Keller erhebt, verstrahlt es das Lebensgefühl New Yorks. Und wenn zwei Kneipen in einer Straße nebeneinander geöffnet haben, ist das wie in Berlin. Und so wähnt man sich beim Blick auf eine Pfütze am Mittelmeer. Den Soundtrack des Meeresrauschens liefert die Stadtautobahn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Verhältnis der städtischen Politik zu ihrem Wasser habe ich mich oft genug ausgelassen. Stuttgart am Meer ist seit Jahrzehnten zu dumm und zu ignorant, den Menschen den Neckar vor ihrer Haustür zugänglich zu machen. Stuttgart hat auch drei große Mineralbäder mit Wasser aus zahlreichen fantastischen Quellen und müsste eigentlich Bad Stuttgart heißen. Als während der Corona-Pandemie der Lockdown herrschte und der Kulturbetrieb ruhte, wurde mir klar, was ich einzig und allein vermisste in der Stadt: das Mineralbad, in meinem Fall das Bad Berg. Sich zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter in die Sauna zu setzen, um dann als Glühwurm ins kalte Mineralwasser zu tauchen und alles hinter sich zu lassen, ist das Beste, was diese Stadt zu bieten hat. Aber die weiß mit ihren einzigartigen Ressourcen nicht viel anzufangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bad Berg ist nach einem Rohrbruch und der Überschwemmung der Technik seit Mitte Mai geschlossen. Wie lange noch, weiß niemand genau. Kann passieren in einem Bad, das zwischen 2016 und 2020 für 35 Millionen Euro umgebaut und saniert wurde. Wie damals gehe ich jetzt ins Ausweichquartier Solebad Cannstatt, eine ebenfalls schöne Anstalt, mir angenehmer als die Nummer drei, das große Leuze mit seinen labyrinthischen Wegen und seiner Hajek-Kunst. Allerdings wird die komplette Saunalandschaft des Solebads im zweiten Obergeschoss zum Jahresende aus Spargründen an das Reha-Unternehmen Nanz medico vermietet werden. Damit ist die lebenswichtige Kombination Heiß &amp; Kalt zerstört und das Bad für unsereinen nichts mehr wert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es Pläne, in Cannstatt einen neuen Saunabereich neben dem Innenbecken zu bauen. Laut Bäderamt soll dort eine sogenannte Textilsauna eingerichtet werden. Man darf dann nur noch in Badekleidung schwitzen. Textilsaunen liegen bei uns im Trend. Anscheinend wäre eine solche Einrichtung in Cannstatt am einfachsten zu betreuen: für alle offen, ohne elektronische Schranke, freier Blick aufs Mittelmeer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum hatte ich im Bad beiläufig davon erzählt, gab es schon die ersten Schreie der Entrüstung: Alles nur wegen der Muslime! Deutschland wird endgültig islamisiert! Ich habe keine Zweifel, dass die Hetze richtig losgehen wird, wenn unsere Kartoffeln nicht mehr mit nacktem Arsch und bloßen Eiern auf ihrem Frottélappen sitzen dürfen. Und wieder haben sie einen Grund, die Rechtsextremen zu wählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nebenbei: Bedeckungspflicht für primäre/sekundäre Geschlechtsmerkmale in Saunen gibt es traditionell in typisch islamischen und muslimischen Saaten wie Frankreich, Italien, Dänemark, Spanien, Großbritannien, USA. Bei uns wünschen sich vor allem junge Besucherinnen und Besucher und Neulinge im Schwitzkasten Badeklamotten in der Sauna. Ein Grund dafür sind auch Gaffer. Sei’s drum. Ein Tigertanga in der Sauna wird mich nicht umbringen, zweifellos aber der Verzicht auf den Aufguss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings muss ich damit rechnen, dass irgendwann einer mit Wanderhut in die Sauna kommt, den Erstbesten in Badehose mit seinem Spazierstock aufspießt und weit hinaus aufs Mittelmeer brüllt: Es ist vollbracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PRÜF-Demo-Bewegung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen der ursprünglichen Planungen des Stuttgarter Teams wird jetzt doch für <strong>Samstag, 12. September</strong>, eine <strong>PRÜF-Kundgebung</strong> für Baden-Württemberg im Stuttgarter Schlossgarten oragnisiert. <strong>Beginn: 14 Uhr. </strong>Bühne wie gewohnt vor dem Schauspielhaus. Im September finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern statt. Da kann man nicht einfach nichts machen. Bei den bundesweiten Prüf-Veranstaltungen werden die Landesregierungen aufgefordert, ihre Stimmen im Bundesrat dafür abzugeben, den parlamentarischen Arm der Rechtsextremen endlich vom Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen. Bei der vergleichswiese etwas kleineren September-Kundgebung spricht u. a. der Schriftsteller <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Schorlau">Wolfgang Schorlau.</a> </strong>Musik machen die <strong><a href="https://maslband.bandarena.com/">Maslband </a></strong>mit ihren treibenden Balkan-Sounds &#8211; und die Jazz- und Popsängerin <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fola_Dada">Fola Dada</a></strong>.<strong><a href="https://maslband.bandarena.com/"> </a></strong>Es gibt also Gründe, zahlreich zu kommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NETZWERK <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Im Gespräch sind wir bereits mit <strong>Katja Sternberger</strong>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Rechtsextremismus mit den Schwerpunkten Politische und kulturelle Bildung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
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			</item>
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		<title>2604. Depeche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/08/03/2604-depeche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 05:30:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit im Sommer 2022 erstmals Zwergfledermäuse durch gekippte Fenster in meine Wohnung eingedrungen sind, besuchen mich diese Tiere Jahr für Jahr. Hier aus aktuellem Anlass eine Erinnerung: Meine kleine Website StoryVAMPIRE Überall in den Straße rieche ich verbrannte Erde. Womöglich hat es in diesem K.-o.-Schweißtropfen-Sommer noch weniger Sinn als sonst, sich an seinen Computer zu setzen und etwas<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Seit im Sommer 2022 erstmals Zwergfledermäuse durch gekippte Fenster in meine Wohnung eingedrungen sind, besuchen mich diese Tiere Jahr für Jahr. Hier aus aktuellem Anlass eine Erinnerung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>VAMPIRE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Überall in den Straße rieche ich verbrannte Erde. Womöglich hat es in diesem K.-o.-Schweißtropfen-Sommer noch weniger Sinn als sonst, sich an seinen Computer zu setzen und etwas aufzuschreiben. „&#8230; im Sommer hat ein Mensch mit einer minimalen Restsensibilität sowieso kaum eine Überlebenschance“, notierte der Schriftsteller Franz Dobler in einer Story mit dem richtungsweisenden Titel „Doof“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich will nicht ganz so weit gehen wie der Franz, der in seiner Geschichte bereits beim Blick auf einen Biergarten an Mord und Selbstmord denkt. Auch wenn ich dazu mehr Recht hätte als er. Als er „Doof“ geschrieben hat, gab es weder Corona noch den Krieg in der Ukraine und wahrscheinlich noch nicht mal so viele neue Nazis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsache aber ist, dass auch meine Überlebenschance in diesem Sommer des Jahres 2022 sinken, womit ich nicht großkotzig behaupten will, über eine minimale Restsensibilität zu verfügen. Es ist drei Uhr morgens, als mich wildes Geraschel in meinem Schlafzimmervorhang weckt. Scheiße, sage ich, ihr doofen Nachtfalter werdet immer doofer und fetter. Das beeindruckt sie aber nicht, weshalb ich mich aus dem Bett quäle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sommer meines Lebens ist längst vorbei, und an Geistergeschichten und gefährliche Begegnungen habe ich mich gewöhnt. Von dem Philosophen Charles Pépin habe ich gelernt, dass in dem Wort „Begegnung“ das Wörtchen „gegen“ steckt, es deute, sagt er, auf die Kollision mit einer „Andersheit“ hin. Dieses Aufeinanderprallen kann alles Mögliche auslösen, oft sogar Liebe, aber an diese Art Begegnung denke ich nicht, als mein Vorhang raschelt. Vermutlich ist nach dem Biergartenbesuch ein Mörder durch mein Fenster eingedrungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Fenster sind einladend gekippt, ich will die da draußen nicht ausgrenzen. Ich schalte die Deckenstrahler ein. Eine dumme Idee, denn augenblicklich schwirrt ein Geschwader mir unbekannter Kampfflugkörper durch mein Schlafzimmer, so schnell, dass ich nicht mal die Chance habe, sie zu zählen. Es sind verdammt viele, mit beängstigender Eleganz kreisen sie knapp über meinem Kopf, aggressiver als Hitchcocks Vögel. Einige scheren aus und zischen in mein Wohnzimmer, weil ja kein anständiger Single nachts seine Schlafzimmertür schließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltsamerweise versetzt mich diese Begegnung mit der Andersheit in eine Art Kältestarre, als hätte ich meine letzte Restsensibilität verloren. Mir fällt ein, wie mir vor Jahren eine Freundin von einer Fledermausplage im Süden der Stadt berichtete. Eine Fledermaus habe sie im Schlaf unsittlich gestreift und traumatisiert. Ich habe diese Geistergeschichte damals als sexuelle Fantasien Freud`scher Prägung abgetan, wurde aber bei meinen Ermittlungen eines Besseren belehrt. Tatsächlich waren Heerscharen von Fledermäusen in Wohnungen unserer Stadt eingedrungen. Was mich nicht wunderte. Stuttgart ist seit jeher ein Fressen für Vampire; die meisten dieser Spezies sind allerdings nicht den Fledermäusen, sondern den Immobilienhaien zuzurechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls sagt mir die Erinnerung an die alte Geschichte, dass ich es mit Fledermäusen zu tun habe, zum ersten Mal in meinem Leben. Ich denke nach, während die Geschosse fliegen. Dann habe ich eine Erleuchtung und hole sehr lässig eine LP von Black Sabbath aus dem Regal. Ich drehe „Paranoid“ voll auf und brülle in die Nacht: Hört mal zu, ihr verfickten Drecksmäuse, hier steht Ozzy Osbourne. Ich bin bereit für einen bestialischen Mord. Doch kein Flederschwein zieht das Genick ein. Die Eindringlinge sind anscheinend doof. Haben trotz ihrer phänomenalen Ohren nie davon gehört, dass Ozzy mal mitten im Konzert einer Fledermaus den Kopf abgebissen hat. Eine kulturelle Einverleibung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine häusliche Flugshow geht weiter. Vor Jahren habe ich mal eine Fliegenklatsche mit einem abgebildeten Fußball auf dem Lappen geschenkt bekommen und sie in einen Stiefelschaft gestellt. Ich finde sie und bringe mich in Stellung. Ich ziele präzise und schlage hart, produziere aber nur heiße Luftlöcher. So muss sich King Kong gefühlt haben, als er auf dem Empire State Building versuchte, die angreifenden Kampfflieger vom Himmel zu holen. Ich bin noch erfolgloser als King Kong. Meine Überlebenschance in diesem Sommer sinkt auf Null, gut dreißig Grad unter der Zimmertemperatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setze mich aufs Sofa und denke nach. Dieser Krieg ist nur digital zu gewinnen, auch wenn die technische Überlegenheit von Armeen immer wieder sträflich überschätzt wird. Was zählt, ist nicht der Computer, sondern die Kampfmoral. Und ich habe keine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich greife zum Taschentelefon, beim Googeln erfahre ich, dass Fledermäuse vorzugsweise in großen Formationen in Wohnungen einfallen. Ein gekipptes Fenster reicht. Aber es interessiert sie einen Dreck, wenn du deine Fenster sperrangelweit öffnest, um sie loszuwerden. Offensichtlich habe ich es mit Zwergfledermäusen zu tun, in puncto Geschmeidigkeit sind sie unschlagbar. Es gibt für den Angegriffenen allerdings eine strategische Finte, auf die er nicht selber kommen kann, in einem Sommer, in dem dir beim Anblick eines Biergartens das Messer in der Tasche aufgeht, selbst wenn du keins hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Google muss ich das Licht löschen. Ein merkwürdiger Rat. Warum soll die Fledermaussippe zurück in die Nacht fliegen, wo sie doch aus der Nacht gekommen ist, auf der Suche nach einem besseren Leben in meinem weltoffenen Schlafzimmer. Und sie muss ja bemerkt haben, dass ich unfähig bin für einen Pushback. Inzwischen spiele ich sogar mit dem Gedanken, den Tieren meine Wohnung zu überlassen, selbst wenn es in der Stadt der Immobilienhaie unmöglich ist, eine neue zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fledermäuse verstehen etwas vom Überleben. Seit 50 Millionen Jahren herrschen sie über den Luftraum. Irgendwann haben sie ihre Aktionen vom Tag in die Nacht verlegt, um ihren Feinden aus dem Weg zu gehen. Die Fledermaus wird vierzig Jahre alt und schafft sechzig Kilometer in der Stunde. In meiner Schnarchbude sogar hundertachtzig. Zwar hat sie heute ein kleines Kopfproblem mit den Windrädern. Doch auch diese Gefahr wird sie eines Tages umsegeln. Und dann glaubt ein geistiger Flattermann wie unsereiner, er könne diese verflucht wandlungsfähigen Säugetiere mit der Fliegenklatsche stoppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu sagen bleibt, dass ich in der Nacht der Vampire nach langen Google-Studien so hoffnungslos das Licht ausknipste, als wäre es mein Leben. Die Fledermäuse flogen grußlos hinaus in die Welt, und ich begann zu singen: I am the Batman …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später kaufe ich mir in einem türkischen Allzweckladen einen kleinen Rollkoffer. Ich habe nicht vor zu fliegen, aber ich werde mein Leben ändern, vor allem nachts. Ich werde fliehen. Zu lange war ich zu doof zu begreifen, dass selbst im eigenen Bett das Leben lebensgefährlich ist in diesen verfluchten Zeiten. Wir müssen Banden der Sensibilität und des Widerstands bilden, um zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, verehrte Leser:innen, eine Fledermaus-Ballade bringt keine Klicks im blutigen Kolumnen- und Meinungsgeschäft. „Alle Geschichten“ aber, schreibt James Sallis in seinem Roman „Sarah Jane“, „sind Geistergeschichten, über verlorene Dinge, verlorene Menschen, Erinnerungen, Heimat, Leidenschaft, Jugend, über Dinge, die darum ringen, von den Lebenden gesehen und anerkannt zu werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünsche allseits eine gute Nacht, bevor man uns den Kopf abbeißt. Inzwischen trage ich eine Silver Bullet an einer Silberkette um den Hals. Sie schützt mich vor Dämonen. Aber nicht vor Fledermäusen..</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prüf-Demo-Bewegung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen der ursprünglichen Planungen des Stuttgarter Teams wird jetzt doch für <strong>Samstag, 12. September</strong>, eine <strong>PRÜF-Kundgebung</strong> für Baden-Württemberg im Stuttgarter Schlossgarten oragnisiert. Im September finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern statt. Bei den bundesweiten Prüf-Veranstaltungen werden die Landesregierungen aufgefordert, ihre Stimmen im Bundesrat dafür abzugeben, den parlamentarischen Arm der Rechtsextremen endlich vom Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen.  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NETZWERK <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Im Gespräch sind wir bereits mit <strong>Katja Sternberger</strong>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Rechtsextremismus mit den Schwerpunkten Politische und kulturelle Bildung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2603. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/07/25/2603-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jul 2026 07:18:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, Zeit für eine neue Homepage-Kolumne: Meine kleine Website StoryÜBERHAUPT NICHTS Vor zehn Jahren hat Lauren Elkin ihr Buch „Flâneuse. Frauen erobern die Stadt“ veröffentlicht. Die in New York geborene Essayistin, lese ich, sei „immer ausgestattet mit Papier und Stift“.Das bin ich auch, seit einiger Zeit allerdings sind die Blätter meines kleinen Notizbuchs immer<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, Zeit für eine neue Homepage-Kolumne: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>ÜBERHAUPT NICHTS</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor zehn Jahren hat Lauren Elkin ihr Buch „Flâneuse. Frauen erobern die Stadt“ veröffentlicht. Die in New York geborene Essayistin, lese ich, sei „immer ausgestattet mit Papier und Stift“.<br>Das bin ich auch, seit einiger Zeit allerdings sind die Blätter meines kleinen Notizbuchs immer leer, und der Stift taugt nur noch dazu, darauf herumzukauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich durch die Stadt gehe, wird daraus nicht wie einst ein Beutezug, sieht man davon ab, dass ich unterwegs oft überflüssigen Kram einkaufe, der hier nicht näher beleuchtet werden soll. Ich gehöre zu den Menschen, die immer einen Haufen Socken und Unterhosen zu viel im Schrank haben, immerhin frische. Jetzt also Homepage-Skizzen aus der Leere eines Mannes, der nichts auf dem Zettel hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lauren Elkin notierte in Paris: „Was sieht man von einer Revolution, nachdem sie vorbei ist? Vielleicht eine bessere Welt. Ein paar Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur. Aber nicht immer – manchmal verändert sich überhaupt nichts.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beruhigend. So muss ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich zurzeit keine Revolution plane, auch wenn sie dringend nötig wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren“, hat Goebbels 1928 gesagt, vier Jahre vor der Machtübergabe an die Nazis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">98 Jahre später, im Sommer 2026, sieht es endgültig so aus, als ob nur noch ein Verbot des parlamentarischen Arms der Rechtsextremen in der Bundesrepublik die faschistisch beeinflusste Revolutionierung des Zustands von heute verhindern könne. Dummerweise aber sieht es überhaupt nicht so aus, als sei die herrschende Politik zurzeit gewillt, diese Partei mit einem juristischen Prüfverfahren gegen die Verfassungsfeindlichkeit an der Machtübernahme zu hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bundesweit gibt es seit Ende vergangenen Jahres die sogenannten <em>Prüf-Demos</em> mit der Forderung an die Landesregierungen, im Bundesrat ihre Stimmen für entsprechende Maßnahmen abzugeben. Bisher hat das noch keine Landesregierung gemacht. Und die Prüf-Veranstaltungen, vom Hamburger Satiriker Nico Semsrott initiiert, werden bisher nicht massenhaft besucht, was allerdings nicht viel bedeutet: Soziale Bewegungen sind immer Phänomene, unberechenbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis vor Kurzem habe ich mich in Stuttgart, wo mein Notizbuch seit einiger Zeit leer bleibt, daran beteiligt, diese Art Kundgebungen mit ihrer Feelgood-Stimmung in Gang zu bringen und zu etablieren. Dass ich seit Jahren bei politischen Aktionen mitmache, hat dazu beigetragen, Papier und Stift zu oft im Sack zu lassen. Zum Schreiben braucht man gelegentlich einen freien Kopf, erst recht auf der eher finalen Strecke eines alternden Spaziergängers. Organisationskram gepaart mit inhaltlichen Überlegungen nimmt einem Schreiber-Hirn die Bewegungsfreiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lauren Elkins Erkenntnis „… manchmal verändert sich überhaupt nichts“ zerstört aber keineswegs die Hoffnung. Das Umstandswort „manchmal“ lässt Spielraum. Und manchmal läuft es auch anders, sofern man etwas tut: sich zusammen mit andern engagiert. Hoffnung ist nur dann naiv, wenn du nicht handelst. Handeln ohne Hoffnung wiederum mag zynisch sein, ist mir aber sympathischer als etwa das modische Worthülsen-Geplapper, das der liebliche Zuversichts-Aktivismus den gewinnorientierten Motivationsabteilungen der Wirtschaft entlehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer als Greenhorn im richtigen Kino saß, hat gelernt: Ein Mann reitet in die Stadt, und dann tut sich was. Das steht auf einer vergilbten Seite meines Notizbuchs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufforderung „etwas tun“ lässt sich leicht hinschreiben. Niemand weiß, welches Tun in diesen Tagen tatsächlich etwas verändern könnte – außer einem Parteiverbot. Von der Bundesregierung können wir nicht erwarten, dass sie irgendwann doch noch eine Politik macht, die nicht der Partei zugute kommt, die verboten werden müsste. Ich muss hier nicht die Scherben des Sozialstaats zusammenkehren, es reicht ein Satz des Armutsforschers Christoph Butterwegge: „Die Politik tut so, als ginge es den Armen zu gut und den Reichen zu schlecht.“ Und über die brandgefährliche Militarisierung mit ihren Wahnsinnskosten hierzulande wird in weiten Kreisen der Bevölkerung erst gar nicht gesprochen. Überhaupt nicht. Der Russe ist gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neulich war ich ein paar Tage am Schluchsee im Schwarzwald. Die Anfahrt mit der Bahn wäre für einige sicherlich Grund genug gewesen, die rechtsextreme Partei zu wählen. Ich wunderte mich dagegen, wie es nach zwei schicksalhaften Vorfällen (Entgleisung eines Güterzugs auf der Strecke vor uns, später nicht befahrbare Gleise wegen Geröllschlags) per Ersatzbahn und Bus erstaunlich zügig weiterging. Und die Wettervorhersagen auf meiner Taschentelefon-App, am Schluchsee würde es pissen, blitzen und donnern, waren falsch. Ich hatte schöne Tage, der See war warm und klar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlockend an diesem kurzen Ausflug war der Gedanke, den Rest meines Lebens auf Ausflügen zu verbringen: Raus aus der Stadt, die sich nicht verändert, solange die Revolution nicht begonnen hat. Und die Stadt ist noch lange nicht das größte Problem. In Gegenden, die noch mehr dem „ländlichen Raum“ zugerechnet werden als Stuttgart selbst, sind mehr Rechtsextreme unterwegs als vor der Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich diese Zeilen aufgeschrieben hab, hörte ich mir am frühen Morgen eine Seite von Ringo Starrs neuem Album „Long Long Road“ an. An dieser Platte mit Country-Songs war maßgeblich T. Bone Burnett beteiligt, schon deshalb kann daran nichts falsch sein. Im ersten Song, „Returning Without Tears“, singt der Trommler:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tell me a story</em><em>. / And I don&#8217;t care if it&#8217;s true. / Just tell me everything I want to hear.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit lässt sich gut leben, solange das Notizbuch leer ist. Und keine Angst: Ringo Starr gibt mir mehr Kampfkraft als Danger Dan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lauren Elkin schreibt in ihrem Buch „Flâneuse“: „Wenn ich in den Straßen von Paris nach Spuren der Zeit suche, nach Narben von Revolutionen und Umbrüchen, suche ich nach Beweisen dafür, dass die Pariser gegen das angekämpft haben, was ihnen aufgezwungen wurde, und nicht nur versuchten, ein möglichst ungestörtes Leben zu führen. Zwischen 1789 und 1871 erlebten diese Menschen etwa alle zwanzig Jahr einen Aufstand.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anscheinend schon eine ganze Weile her, aber nicht mehr als heutzutage zwei übliche Menschenleben. Jetzt lege ich noch die zweite Seite von „Long Long Road“ auf und denke darüber nach, wie ich mein scheinbar ungestörtes Leben stören kann. Wenn ich dann aufstehe, ist das noch kein Aufstand. Womöglich aber Zeit, meinen Arsch zu bewegen. Auf der Straße sind die Spuren. Und wie vor hundert Jahren riechen sie nach einem kotzüblen Gemisch aus Bösartigkeit und Dummheit..</p>



<p class="wp-block-paragraph">NETZWERK <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Im Gespräch sind wir bereits mit <strong>Katja Sternberger</strong>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Rechtsextremismus mit den Schwerpunkten Politische und kulturelle Bildung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
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		<title>2602. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/07/17/2602-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2026 06:45:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, bei der 5. Stuttgarter Prüf-Kundgebung am Samstag, 11. Juli, im Schlossgarten habe ich in einem kurzen Gespräch mit dem Moderations-Duo auf der Bühne noch einmal etwas über die Notwendigkeit eines Parteiverbots des parlamentarischen Arms der rechtsextremen Bewegung gesagt &#8211; und daran erinnert, wie wir uns in Stuttgart schon 2023 mit dem Thema auseinandersetzten.Im<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, bei der 5. Stuttgarter Prüf-Kundgebung am Samstag, 11. Juli, im Schlossgarten habe ich in einem kurzen Gespräch mit dem Moderations-Duo auf der Bühne noch einmal etwas über die Notwendigkeit eines Parteiverbots des parlamentarischen Arms der rechtsextremen Bewegung gesagt &#8211; und daran erinnert, wie wir uns in Stuttgart schon 2023 mit dem Thema auseinandersetzten.<br>Im Dezember vergangenen Jahres besuchte ich in München eine Prüf-Kundgebung, anschließend begann ich auf Wunsch des Hamburger Teams um den Satiriker und Prüf-Initiator Nico Semsrott, Kundgebungen auch bei uns zu organisieren. Dazu trommelte ich im Januar Leute für ein Stuttgarter Prüf-Team zusammen. Mithilfe unseres <em>Netzwerks Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</em> stellten wir dann im Februar die erste Veranstaltung in der Königstraße auf die Beine. <br>Inzwischen, nach sieben Monaten Mitwirkung in allen möglichen Bereichen, bin ich aus dem sog. Kernteam der Stuttgarter Prüf-Demos ausgestiegen, um mich wieder mehr auf andere Dinge zu konzentrieren (siehe unten auf dieser Seite). Nach meiner Auffassung müssten die Inhalte der Prüf-Demos mit ihrem Feeldgood-Charakter dringend diskutiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kurzes Gespräch am 11. Juli, Prüf-Kungebung, Schlossgarten: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Frage:</em></strong><em> Joe, kannst du uns kurz mitnehmen, wie das mit </em>Prüf<em> in Stuttgart angefangen hat?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das geht schon alles verdammt lang, eigentlich zu lang. Die Forderung, den parlamentarischen Arm der rechtsextremen Bewegung juristisch zu prüfen, haben wir in Stuttgart schon Ende 2023 diskutiert. Ich bin ja Mitglied des Netzwerks <em>Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie, </em>und wir konnten damals den CDU-Bundestags-Abgeordneten <strong>Marco Wanderwitz</strong> für eine Veranstaltung zu diesem Thema zu gewinnen – die fand im Theater Rampe statt. Wanderwitz ist Jurist und war u. a. Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Er hatte im Bundestag mit großer Courage eine Initiative für ein Prüfverfahren gegen die extrem rechte Partei gestartet. Bei uns in Stuttgart saß auch der Landtagsabgeordnete Oliver Hildenbrand von den Grünen als Wanderwitz-Unterstützer mit auf dem Podium. Er ist inzwischen Sozialminister. 113 Abgeordnete des Bundestages aus verschiedenen Fraktionen haben seinerzeit einen Antrag auf eine Prüfung zwecks Parteiverbot unterschrieben. Das war zu wenig. Wanderwitz lebte mit seiner Familie in Sachsen und war üblen Bedrohungen ausgesetzt. Er wurde von Rechtsextremen regelrecht terrorisiert. 2025 kandidierte er nicht mehr, er sagte, er müsse er sich und seine Familie „körperlich und seelisch schützen“. Das sagt uns, wie gefährlich und mächtig die Partei der Rechtsextremen längst ist. Zweieinhalb Jahre sind seit unserer Veranstaltung vergangen – zum Glück gibt es heute immerhin die Prüf-Demos.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen für unser Engagement um ein Prüfverfahren?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen Druck auf die Landesregierung machen – das können wir, wenn wir über die Grenzen von Parteien, Organisationen und Institutionen hinweg zur Zusammenarbeit und zur Abwehr der rechtsextremen Bewegung und deren Partei aufrufen. Wir müssen aus der Geschichte des deutschen Widerstands lernen und Demokratinnen, Demokraten ohne Rücksicht auf Parteisoldatentum und Vereinsmeierei mobilisieren. Und wir müssen Unentschlossenen aus der sogenannten Mitte immer wieder klarmachen, dass eine demokratisch gewählte Partei noch lange keine demokratische Partei ist. Vielmehr kann sie mit den Mitteln der Demokratie den Rechtsstaat kaputtmachen. Das hat Goebbels schon mit der NSDAP verbrochen. Und das müssen wir verhindern. Es steht jetzt alles auf dem Spiel, das wird von vielen verdrängt. Nicht allein Mehrheiten zählen in einer Demokratie, sondern die Gesetze des Rechtsstaats. Vor allem angesichts der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September müssen wir deutlich machen, wie groß die Gefahr der Zerstörung demokratischer Errungenschaften inzwischen ist &#8211; das gilt selbstverständlich nicht nur für den Osten, sondern auch für uns. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht scheuen, auch über die sozialen, die politischen Ursachen für den Rechtsruck zu reden. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat neulich gesagt, die Bundesregierung mache eine Politik, als ginge es den Reichen zu schlecht und den Armen zu gut. Zu oft wird im Sinne der Rechtsextremen geredet und Politik gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wie schätzt du die Chancen ein, die Landesregierung von Baden-Württemberg noch rechtzeitig von einer Prüfung zu überzeugen?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin kein Prophet, aber Hoffnung ist immer dann berechtigt, wenn wir handeln. Wenn wir aktiv sind. Es gibt auch in unserem Landesparlament demokratisch überzeugte Politikerinnen und Politiker, die bereit sind zu handeln. Nicht die Parteiapparate zählen jetzt, sondern das Bewusstsein einzelner in diesen Parteien. Im Moment sieht es so aus, dass die baden-württembergische Koalition beim Prüfverfahren nicht bundesweit vorpreschen will. Aber offensichtlich wäre sie bereit, sich einer Initiative in einem anderen Bundesland anzuschließen. Jetzt müssen wir darauf drängen, dass einzelne Landesregierungen miteinander verhandeln, damit eine den ersten Schritt macht. Und wir als Zivilgesellschaft müssen alles tun, um die absolute Notwendigkeit eines baldigen Prüfverfahrens ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Wir müssen so vielen wie möglich klarmachen, dass dieser Schritt womöglich unsere letzte Chance ist, die Demokratie zu retten. Zu wenige haben auf dem Schirm, was uns blüht, wenn eine Partei mit Nazis, Völkischen, Rassisten in ihren Reihen Regierungsmacht bekommt. Worauf die Rechtsextremen dann Zugriff haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>VORSCHAU:</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit organisieren wir als Netzwerk <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</a> ein offenes Treffen für Engagierte und all jene, die es werden wollen. Unterstützt wird die Sache von der Initiative <em>Die AnStifte</em>r und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>. Der Termin steht bereit: <strong>Sonntag, 27. September</strong>, <strong>Württembergischer Kunstverein, ab <strong>17 Uhr</strong>. </strong>In größerem Kreis soll über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten werden:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WAS KÖNNEN WIR – <em>noch</em> – TUN GEGEN RECHTS?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist.<br>Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Mit entsprechenden Expertinnen sind wir im Gespräch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte ausgezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SONG:</strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64&amp;list=RDGg-SCpXba64&amp;start_radio=1">Danger Dan</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>2601. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/07/04/2601-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 15:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, in den vergangenen Wochen war einiges zu erledigen. Drei Flaneursalon-Shows im Mai und Juni, die Prüf-Demo vor drei Wochen (meine letzte als Mitwirkender) und unsere Netzwerk-Veranstaltung am 2. Juli: das sehr gut besuchte Podium zum Thema „Wofür hat Stuttgart noch Geld?“. Jetzt riecht es nach Pause, und so habe ich mich hingesetzt, um<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, in den vergangenen Wochen war einiges zu erledigen. Drei Flaneursalon-Shows im Mai und Juni, die Prüf-Demo vor drei Wochen (meine letzte als Mitwirkender) und unsere Netzwerk-Veranstaltung am 2. Juli: das sehr gut besuchte Podium zum Thema „Wofür hat Stuttgart noch Geld?“. Jetzt riecht es nach Pause, und so habe ich mich hingesetzt, um mich beim Tippen einer Hobby-Kolumne ein wenig zu entspannen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine Kleine Website Story</em><br>ALTER LÖWE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich noch Stadtspaziergänger-Texte als bezahlter Kolumnist geschrieben habe, bin ich nie ohne ein paar Seiten voller Kritzeleien in meinem Notizbuch nach Hause gekommen. Ich trug es immer bei mir, und wenn ich es mal samt Stift vergessen hatte, besorgte ich mir unterwegs in irgendeinem Geschäft neues Schreibzeug. Zwar lassen sich Beobachtungen auch leicht ins Taschentelefon eintragen. Das Mobile allerdings nahm ich nur zum Knipsen, auch weil es einfacher ist, unterwegs Augenfälliges zu fotografieren als abzuschreiben oder zu beschreiben. Mit dem Stift etwas im Notizbuch einzutragen, fühlt sich noch heute so ähnlich an, wie eine Vinylscheibe aufzulegen, statt das Album aus dem Internet herunterzuladen. Eine Marotte, aber womöglich nicht die dümmste. Und in der Ferne singt Neil Young „Walkin’ On The Road (To The Future)“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach wie vor ist es ein gutes Gefühl, herumzugehen. Selbst an den erschreckend heißen Tagen dieses Sommers, an denen es zur sportlichen Herausforderung wird, Schattenkurse zu erorbern, um nicht zu kollabieren. Und jetzt hoffe ich mal, dass man mir nicht gleich einen Sonnenstich mit Größenwahn als Folge unterstellt, wenn ich angesichts meiner Beinarbeit samt hobbymäßiger Auswertung Rousseau zitiere: „Niemals habe ich so viel gedacht, nie bin ich von der Tatsache meines Daseins, meines Lebens und, wenn ich so sagen darf, meines Ichs so erfüllt gewesen als auf meinen einsamen Fußwanderungen. Das Gehen hat etwas, was meine Gedanken erregt und belebt; wenn ich mich nicht bewege, kann ich kaum denken, mein Körper muss gewissermaßen in Schwung geraten, um auch meinen Geist zum Schwingen zu bringen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Zufußgeherei ist keineswegs immer eine einsame Sache, da ich meist tagsüber durch die Stadt wandere (oder durch das, was sich für eine Stadt hält). Und allmählich neige ich dazu, merkwürdig belebte, vielleicht sogar erregende Orte und Räume anzusteuern: Einkaufszentren. Diese Hoch- und Tiefbunker des Konsums sind soziale Biotope mit dem Vorzug, klimatisiert zu sein, bieten uns also Hitzeschutz, den uns die Politik fahrlässig verweigert. Das internationale Labyrinth-Leben zwischen Kita und Seniorenheim ohne direkten Kaufzwang erregt und belebt durchaus die Gedanken, wenn auch nicht zwingend auf dem Level Rousseaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer gastronomischen Sammelstation eines Shoppingcenters zu sitzen ist kein schlechtes Kino. Ich sehe vier junge Frauen mit langen, bis zum Boden reichenden Kopftüchern am Nachbartisch essen, sie sprechen abwechslungsweise Deutsch und eine Sprache, die ich nicht kenne. Selbstverständlich ist auch mein vom Gehen halbwegs bewegtes Hirn nie frei von Klischees. Das fällt mir auf, als ich ein wenig erstaunt bin (es mir dank meiner coolen Sonnenbrille aber nicht anmerken lasse), wenn aus der Frauengruppe pausenlos „fuck“ und „fucking“ zu mir herüberdringt. Die sogenannten „Kulturen“, die im Sprachgebrauch oft genug als Ersatzbegriff für „Rassen“ herhalten müssen, unterscheiden sich im Alltagsleben weniger, als die fucking rechten Kulturkämpfer den fucking weißen Kartoffeln weismachen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein favorisiertes Einkaufszentrum, ich habe es früher schon erwähnt, ist der Stuttgarter Königsbau. Ich scheue mich aber keineswegs, auch im Cannstatter Carré Platz zu nehmen – eine, stadtplanerisch gesehen, entschieden schärfere Nummer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt stelle ich aus Gewissensgründen klar, dass ich mir meines Fehlverhaltens als Herumgeher beziehungsweise Herumsitzer einigermaßen bewusst bin. Und will mich auch nicht mit der Ausrede retten, hässliche Räume nur deshalb aufzusuchen, um irgendwelche „Studien“ zu betreiben. Denn interessant finde ich diese Biotope auf jeden Fall, wenn auch nicht „spannend“, wie man heute jeden Scheiß bezeichnet – sogar Menschen, sobald sie nur ein wenig wichtiger erscheinen als der ganze uninteressante Scheiß um einen herum. Was soll denn beispielsweise an einem Klingbeil „spannend“ sein? Spannend wäre allenfalls, eine Summe darauf zu setzen, an welchem Tag die von ihm geführte SPD untergeht, während ich in der Fress-Etage des Einkaufszentrums rote Grütze verdaue und auf dem Taschentelefon entspannt Fußballnachrichten schaue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die von mir oft zitierte US-amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit schreibt in ihrem Buch „Wanderlust“ (Originaltitel): „Die Straße ist öffentlicher Raum, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Versammlungsrecht aus dem Ersten Verfassungszusatz gelten. Dasselbe lässt sich von einem Einkaufszentrum nicht sagen. Die demokratischen emanzipatorischen Möglichkeiten des Versammelns in der Öffentlichkeit existieren nicht an Orten, an denen für Versammlungen kein Platz ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun reizt mich der Gedanke, an solchen Orten heimliche, subversive Versammlungen einzuberufen. Man könnte klassenbewusst einen Kassensturz planen. Womöglich aber bin ich dafür nicht mehr fucking fresh genug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass ich immer noch relativ, äh, leichtfüßig unterwegs bin, sofern die Lendenwirbel gut aufgelegt sind, verdanke ich vermutlich einer gewissen Disziplin im Leibesübungsbereich. Zweimal die Woche trainiere ich je eine Stunde im spartanischen Muskelmaschinen-Gehege der Firma Kieser. Jeden Sonntag gehe ich, je nach Strecke, zwischen 60 und 80 Minuten joggen. Und einmal die Woche gönne ich mir die göttliche Mischung aus Sauna und kaltem Wasser im Mineralbad: das Beste, was Stuttgart zu bieten hat. Das alles erzähle ich nicht, um irgendwem zu imponieren. Tatsächlich wundere ich mich immer wieder, was einem 72-jährigen Rentner noch möglich ist. Naturgemäß gehört da eine Menge Glück dazu, denn trotz gehörigen Raubbaus und durchaus lebensgefährlicher Eskapaden in früheren Phasen meines Lebens bin ich von bleibenden körperlichen Schäden verschont geblieben. Zum Glück war es früher noch möglich, sich rechtzeitig krankschreiben zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neulich habe ich einem Fitness-Kollegen gesagt, ich sei immer wieder verblüfft, wie ich es als alter Sack noch schaffe, die gar nicht so unstrapaziösen Gewichte meiner Übungen zu steigern. Der Fitness-Kollege ist um einiges jünger als ich und trainiert in einer Liga, dass einem schon beim Zuschauen angst und bange wird. Er sah mich ein paar Sekunden streng an wie Doktor Eisenbart und sagte dann: „Das menschliche Alter wird falsch eingeschätzt.“ In der freien Natur gehe selbst ein schon verdammt alter Löwe noch am Tag vor seinem Tod erfolgreich auf die Jagd. Erst danach falle er um. Diese Geschichte imponierte mir, bis mir einfiel, dass ich kein Löwe, sondern Zwilling bin, alter Falter. Erschwerend kommt hinzu, dass ich schon lange nicht mehr auf der Jagd gewesen bin. Das Nötigste finde ich ja im Einkaufszentrum, solange Klingbeil nicht auch noch die Rente kippt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute, da ich diese Zeilen bei offenem Fenster in meinen Laptop tippe, habe ich mich geistig im klimatisierten Shoppingcenter verkrochen. Heute ist der 4. Juli 2026. The Fourth of July. Die USA unter der Führung von Donald Trump und seinen extrem rechten und extrem reichen Steigbügelhaltern feiern heute, am Unabhängigkeitstag, das 250jährige Bestehen der Vereinigten Staaten von Amerika. Und in Erfurt/Thüringen hält die AfD als parlamentarischer Arm der rechtsextremen Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland ihren 17. Bundesparteitag ab, genau 100 Jahre, nachdem in Weimar/Thüringen der zweite Reichsparteitag der NSDAP stattfand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oben auf meinem Plattenregal steht mit verschränkten Armen der tönerne Sitting Bull. Als warte er auf einen Song von Neil Young. Hey, Häuptling, sage ich, es ist Zeit, hinauszugehen. Der Körper muss in Schwung geraten, damit der Restgeist das alles verkraftet. Und dann lassen wir die Löwen los.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SONG:</strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=M4pF5toyrYA">Neil Young</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2600. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/07/02/2600-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 08:19:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, schon wieder Juli, Deutschland wird nicht Fußballweltmeister, aber die USA 250 Jahre alt. The 4th of July. Born down in a dead man&#8217;s townThe first kick I took was when I hit the groundEnd up like a dog that&#8217;s been beat too much&#8218;Til you spend half your life just to cover it up<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, schon wieder Juli, Deutschland wird nicht Fußballweltmeister, aber die USA 250 Jahre alt. The 4th of July.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Born down in a dead man&#8217;s town<br>The first kick I took was when I hit the ground<br>End up like a dog that&#8217;s been beat too much<br>&#8218;Til you spend half your life just to cover it up now<br><br>Born in the USA<br>I was born in the USA …</em><br>(Bruce Springsteen)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute, am Donnerstag, 2. Juli, kehrt unser kleines Netzwerk-Team namens <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie</a> wieder vor der eigenen Haustür: Die Podiumsdiskussion im WKV zum Thema „Wofür hat Stuttgart noch Geld?“ behandelt das soziale Klima in der Stadt. Beginn 19.30 Uhr. Der Veranstaltungsraum im Kunstgebäude heute Abend ist klimatisiert, und der Begriff „Klimaanlage“ geht einem schon lange nicht mehr unbefangen und gedankenlos über die Lippen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Freitag, 3. Juli, soll im Stuttgarter Gemeinderat übrigens mehrheitlich für den Bau einer neuen &#8222;Schleyerhalle&#8220; für etwa 19.000 Besucher gestimmt werden (CDU, Grüne u. a.) &#8211; ein Projekt, das angesichts der Entwicklungen im internationalen Entertainment-Business völlig daneben ist. Wieder mal ein typische Beispiel für eine provinziellen Mischung aus Größenwahn und Ahnungslosigkeit. In Zukunft werden z. B. auf Tourneen große Show mehrere Tage lang nur noch in wenigen großen Städten stattfinden, und Stuttgart wird da keine Rolle spielen. Branchenfachleute halten den Hallenplan nahezu einstimmig für Unsinn. Aber man will halt mal wieder mitgeigen im hinterwäldlerischen Glauben, man könne München oderf Frankfurt überbieten und den Rest der Welt sowieso.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rückblick: </strong>Der kleine <strong>Flaneursalon</strong> am Sonntag, 28. Juni, im <em>Tangoloft</em> in der Hackstraße, einem sympathischen, idealen Ort für sogenannte Kleinkunst, war eine schöne, eine berührende, eine humorvolle Sache – das Publikum trotz beinahe identischem Programm auffallend lebendiger als bei unserem ersten, ebenfalls keineswegs müden Tangoloft-Abend im Mai. Hinterher dachte ich mir wieder mal im Gestank des Eigenlobs: Auf seine Weise ist es schon ein einzigartig abwechslungsreicher Mix, den das Publikum für vergleichsweise günstiges Eintrittsgeld erlebt. Meine Gäste waren: Meisterkoch Vincent Klink als Vorleser und Querflötenspieler, begleitet vom Jazzgitarristen Lorenzo Petrocca; das Song Duo Eva Leticia Padilla &amp; Dany Labana Martínez; der Sänger und Akkordeon-Virtuose Stefan Hiss und als Überraschungsgast Abdul, ein Autodidakt am Klavier. Jetzt ist erst mal Flaneursalon-Pause, ich mache ja keine Jahresplanung mehr. Vielleicht ergibt sich wieder was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und damit wieder zur politischen Aktivität – von unserem Netzwerk in Planung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird ein Referent/eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Mit entsprechenden Expert:innen sind wir im Gespräch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2599. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/06/22/2599-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 05:23:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, mitten in der Hitze habe ich eine neue Homepage-Kolumne, meine Kleine Website Story, getippt. Man kann sich ja nicht einfach aufgeben und nur noch Fußball schauen. Schon kommenden Sonntag, 28. Juni, findet der letzte für dieses Jahr geplante Flaneursalon statt, im Tangoloft (ausgebucht). Dass ist gewissermaßen die Wiederholung des Abends vom 10. Mai<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, mitten in der Hitze habe ich eine neue <strong>Homepage-Kolumne</strong>, meine <em>Kleine Website Story</em>, getippt. Man kann sich ja nicht einfach aufgeben und nur noch Fußball schauen. Schon kommenden Sonntag, 28. Juni, findet der letzte für dieses Jahr geplante <strong>Flaneursalon</strong> statt, im Tangoloft (ausgebucht). Dass ist gewissermaßen die Wiederholung des Abends vom 10. Mai mit Vincent Klink, der (zu) schnell ausverkauft war. Und nach dem Kolumnentext findet sich auf dieser Seite die Ankündigung der nächsten Veranstaltung unseres <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Netzwerks Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie, </a>die am Donnerstag, 2. Juli, im WKV stattfindet &#8211; und ein lokales Thema behandelt, das uns alle angeht. Und jetzt zur Kür &#8211; ich wünsche kühlen Kopf:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine Kleine Website Story</em></strong><br><strong>ARSCHTRITT FÜR GEISTER</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Faschismus steht schon vor der Tür, und wir reden übers Wetter. Alles läuft wie immer. Zwar weiß ich nicht, ob gewisse Schweißgerüche den rechten Stinkern Auftrieb geben. Womöglich aber stärkt Hitze nicht zwingend die Kampfkraft der antifaschistischen Abteilung. Jedenfalls ist dieser Juni 26 eine harte Nummer, die Tage, in denen die Fußball-Weltmeisterschaft als Multi-Milliarden-Dollar-Spektakel in den USA, in Kanada und Mexiko ausgetragen wird. Also in Amerika. Daran ändert auch nichts, dass der Reporter Johannes B. Kerner der verdutzten Sportwelt verkündet, Kanadas Fußballteam habe einen „amerikanischen Trainer“, obwohl es doch einen Konflikt zwischen Kanada und Donald Trump gebe. Bekanntlich will der sich Kanada als weiteren Bundesstaat einverleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um die Verwirrung nicht anzuheizen, gebe ich zu Protokoll, dass das Team Canada bei dieser WM den US-amerikanischen Trainer Jesse Marsch beschäftigt. Und im Moment noch ein amerikanischer Kontinent existiert, der nicht allein aus den USA besteht. So gesehen trainiert in Kanada ein Amerikaner Amerikaner. Aber wer soll das bei dieser Hitze verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich in meiner Nachbarschaft in den kleinen, für alle Grundbedürfnisse des Lebens sortierten <em>Al Sendiebad Markt</em> Proviant einkaufe, sagt mir Yousif am Tresen, im Irak habe es zurzeit 50 Grad. Der Strom falle aus, und ums Wasser sei es auch nicht gut bestellt. So gesehen bin ich mit meinem läppischen 35 Grad nicht schlecht bedient. Ich nehme mir eine Dose Ölsardinen, eine Zwiebel und eine Zitrone in der Gewissheit, damit zu überleben, falls ich zum Verzehr etwas Country-Musik höre. Ein Transistorradio und Batterien besitze ich bereits, falls der Strom ausfällt und der Russe vor der Tür steht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Neugierde erkundige ich mich auf dem Heimweg nach dem heißesten Stuttgarter Tag im 21. Jahrhundert, und weil ich Kachelmann nicht persönlich kenne, frage ich KI. Demnach wurde „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ am 25. Juli 2019 mit 37,2 Grad Celsius die größte Stuttgarter Hitze des bisherigen Jahrtausends gemessen. Daran kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, vermutlich waren auch seinerzeit die Temperaturen für die Kapazitäten meiner Hirnspeicher zu hoch. Kein Wetter für Kolumnen. Freundlicherweise liefert mir KI eine weitere Information: „Noch eine kleine Besonderheit zu Stuttgart: Wegen der Kessellage können die gefühlte Belastung durch Hitze und die nächtlichen Temperaturen deutlich extremer sein als die die offiziellen Höchstwerte allein vermuten lassen.“ Kann nur heißen: In Wahrheit haben wir gerade Irak-Verhältnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Homepage-Gemeinde, meine ellenlange meteorologische Erörterung lässt darauf schließen, dass ich gerade nichts Bessere auf der Pfanne habe. So wahr ich Bauer heiße. Bei diesem Sauwetter, das am Ende was mit dem Klima und dessen Wandel zu tun haben könnte, kann kein Mensch von mir verlangen, einen Text auf der Basis meiner üblichen Stadtspaziergänge zu fabrizieren. Ich halte es in diesen Tagen wie ein Rennfahrer, dem der Sprit ausgeht: Es geht nur noch ums Ankommen. Mein zunehmendes Alter verführt mich oft dazu, nur ausgetrampelte Pfade zu wählen. Ich will ja wieder zurück nach Hause finden, aus weiser Voraussicht: „Daheim sterben die Leut“ hat uns der Regisseur Klaus Gietinger mit seinem gleichnamigen Film gelehrt. Gut, das war 1985, aber da ging es hierzulande auch schon ziemlich heiß zu: Die gut befeuerte Anti-Atomkraft-Bewegung, scharfe Proteste gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen namens Pershing II und so fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In jenen Achtzigern war ich Redakteur im Kulturteil der „Stuttgarter Nachrichten“, wurde zwischendurch aber auch losgeschickt, um fern der langweiligen Heimat über Hausbesetzungen und ähnliches Treiben in der Protest- und Gegenkultur der Republik zu berichten. Für einen Bewohner des Kesselkaffs Stuttgart war etwas außerbetriebliche Fortbildung von Vorteil, und dass Reisen in meinem Fall eine leichte Übung war, hatten mir Kabarettisten beigebracht: „Wer es in Stuttgart aushält, dem gefällt es überall.“ Dieser Gag funktioniert bis heute auch in Wiesbaden, Wuppertal und Waiblingen, aber nirgendwo so gut wie in Stuttgart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und heute gehe ich durch den Schlossgarten, wo wir in den Achtzigern noch nicht den Rasen betreten durften, und sehe brandneue Stuttgart-Botschaften, die allesamt kein bisschen weniger geistreich ausfallen als die alten. Weil man in der unteren Königstraße, wo es manchmal beinahe ein bisschen zugeht, wie es in Bahnhofsvierteln zugeht, Gebäude abreißt, wurden Transparente an die Bauzäune der Wiese gehängt: Hier entstehe das „Schlossgarten Quartier“, „Das neue Eingangstor zur City“: „Wir gestalten das schönste Stück Stuttgart“. Was sonst. Mit üblichem Feingefühl für Ort und Zeit haben die Reklamefritzen auf einem Transparent über zwei Pfeile die weithin sichtbaren Wörter gesetzt: „Kultur“ und „Bahnhof“. Das liest sich nicht nur mit überhitzter Matschbirne wie „Kultur Bahnhof“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Stuttgarter Bahnhofskultur muss ich nichts mehr sagen. Irgendwann, lange nach meinem Ableben, wird am Brunnen vor dem City-Tore eine alte Hymne aus tausend toten Kehlen erklingen: „Auferstanden aus Ruinen“. Wie das dann gemeint sein wird, lasse ich offen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als halbwegs trainierter und damit noch relativ aufrechter Herumgeher bin ich nach wie vor auch politisch in Bewegung, nur weiß ich nicht mehr so genau, wo es sinnvoll ist, sich einzureihen. Vielleicht überall dort, wo sich Menschen herumtreiben, die angesichts der immer intensiveren rechtsextremen Aufmärsche in allen gesellschaftlichen Bereichen noch nicht kapitulieren. Zwar fällt es schwer, an einheitliche Aktionen in demokratisch oder auch revolutionär klimatisierten Zirkeln zu denken. Aber wer kann schon wissen, ob nicht schon übermorgen was in Gang kommt. Es könnte ein Wunder geschehen und sich der Zorn frustrierter Menschen nicht immer bloß zugunsten der Rechten entladen. Es gibt ja Wunder. Kap Verde hat Spanien ein Nullnull abgetrotzt. Da war anscheinend auf dem rechten wie auf dem linken Flügel einiges in Unordnung geraten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende meines heutigen Wetterberichts will ich einen naiven Gedanken absondern, meinetwegen soll er im ausgetrockneten Gras verdunsten: Bei allen Richtungsstreitereien, bei allen ideologischen Grabenkämpfen, bei aller gottverdammten Parteiblindheit und Vereinsmeierei könnte sich doch irgendwo eine Horte Unnachgiebiger zum Kriegsrat treffen und die Frage erörtern:<em> Was – noch – tun gegen rechts?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr wahrscheinlich zwar, dass sich dann etliche antifaschistisch befeuchtete Köpfe in ihren klimatisierten Kabinen aufplustern, den Finger ausstrecken und sagen: Nein, mit denen nicht, mit den andern auch nicht, und mit allen zusammen erst recht nicht. Und dann reden wir wieder übers Wetter und hoffen, dass ein Blitz einschlägt und sich links der Himmel und rechts die Hölle öffnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Wochenendausgabe der linken Zeitung „nd“ habe ich neulich einen schönen Artikel gelesen, der unter der Überschrift „Arschtritt für Vampire und Hexen“ mit diesen Zeilen eingeleitet wird: „Mit ,Der Tag, an dem die Hölle siegte’ ist Band 2500 der Heftromanserie <em>Geisterjäger John Sinclair </em>erschienen. Wer die Faxen dicke hat von intellektuellen Literatur-Ergüssen, der ist hier genau richtig.“ Trotz teuflischer Hitze ging ich schnurstracks zum Kiosk, kaufte mir das Geisterjäger-Heftchen und las den ersten Satz: „Zu behaupten, alles war wie immer, wäre eine glatte Lüge gewesen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ging mir runter wie eine Eisbombe bei 50 Grad im Schatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Netzwerk Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie: </em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Donnerstag, 2. Juli 2026<br>Württembergischer Kunstverein<br>Beginn 19.30 Uhr</strong><br>Podiumsgespräch und Diskussion<br>über die Gefahren der Haushaltspolitik:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WOFÜR HAT<br>STUTTGART NOCH GELD?</strong><br>&nbsp;<br>Auf sinkende Gewerbesteuereinnahmen reagiert die Stadt mit finanziellen Kürzungen, die auch den sozialen und kulturellen Bereich Stuttgarts hart treffen. Wirtschaftliche Verunsicherung und Verlustängste kommen dem gefährlichen Rechtsruck in der Politik zugute. Wie bedroht sind demokratische Errungenschaften in unserem gesellschaftlichen Leben? Darüber sprechen wir mir Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Gemeinderat:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alexander Kotz,</strong> CDU<br><strong>Petra Rühle,</strong> Bündnis 90/Die Grünen<br><strong>Jasmin Meergans, </strong>SPD<br><strong>Hannes Rockenbauch</strong>, SÖS Die Linke Plus<br>Moderation: <strong>Jan Sellner, </strong>Journalist, StZ/StN</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2598. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/06/18/2598-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 09:04:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher. Auch die nächste Homepage-Kolumne wird bald kommen, zuletzt war es etwas war es schwierig, Zeit dafür zu finden. Liegt nicht am Fußball. Aus dem Team der Prüf-Demos bin ich jetzt ausgestiegen. Seit November hatte ich mich in allen möglichen Bereichen darum gekümmert, die Sache in Stuttgart in Gang zu bringen, immer unter dem<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher. Auch die nächste Homepage-Kolumne wird bald kommen, zuletzt war es etwas war es schwierig, Zeit dafür zu finden. Liegt nicht am Fußball. <br>Aus dem Team der Prüf-Demos bin ich jetzt ausgestiegen. Seit November hatte ich mich in allen möglichen Bereichen darum gekümmert, die Sache in Stuttgart in Gang zu bringen, immer unter dem Gesichtspunkt: Zu diesen Veranstaltungen gegen rechts kommen auch Menschen, die sonst zu keiner Kundgebung gehen würden. Und wir sind in einer Situation, in der man demokratische Aktivitäten ohne große Rücksicht auf eigene Vorstellungen oder gar seinen Privatgeschmack unterstützen muss. Und jetzt wieder zu anderen Dingen: </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Veranstaltung von <strong><a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Netzwerk Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Donnerstag, 2. Juli 2026<br>Württembergischer Kunstverein<br>Beginn 19.30 Uhr</strong><br>Podiumsgespräch und Diskussion<br>über die Gefahren der Haushaltspolitik:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WOFÜR HAT<br>STUTTGART NOCH GELD?</strong><br>&nbsp;<br>Auf sinkende Gewerbesteuereinnahmen reagiert die Stadt mit finanziellen Kürzungen, die auch den sozialen und kulturellen Bereich Stuttgarts hart treffen. Wirtschaftliche Verunsicherung und Verlustängste kommen dem gefährlichen Rechtsruck in der Politik zugute. Wie bedroht sind demokratische Errungenschaften in unserem gesellschaftlichen Leben? Darüber sprechen wir mir Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Gemeinderat:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alexander Kotz,</strong> CDU<br><strong>Petra Rühle,</strong> Bündnis 90/Die Grünen<br><strong>Jasmin Meergans, </strong>SPD<br><strong>Hannes Rockenbauch</strong>, SÖS Die Linke Plus<br>Moderation: <strong>Jan Sellner, </strong>Journalist, StZ/StN</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>2597. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/06/14/2597-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 04:12:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei der 4. Stuttgarter Prüf-Kundgebung am Samstag, 13. Juni, im Oberen Schlossgarten vor den Staatstheatern hat der professionelle Sport-Ereignis-Moderator Jens Zimmermann eine engagierte Rede über sein Metier gehalten. Jens und ich haben uns vor Jahrzehnten über die Stuttgarter Kickers kennengelernt. Heute moderiert er große Veranstaltungen, er war bei mehreren Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Hier seine Rede: Liebe Mitbürgerinnen<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Bei der 4. Stuttgarter Prüf-Kundgebung am Samstag, 13. Juni, im Oberen Schlossgarten vor den Staatstheatern hat der professionelle Sport-Ereignis-Moderator </em><strong>Jens Zimmermann </strong><em>eine engagierte Rede über sein Metier gehalten. Jens und ich haben uns vor Jahrzehnten über die Stuttgarter Kickers kennengelernt.</em> <em>Heute moderiert er große Veranstaltungen, er war bei mehreren Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Hier seine Rede:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Demokratinnen und Demokraten,<br>wenn wir über den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land sprechen, dann müssen wir auch über den Sport sprechen. Ich bin hier heute <em>nicht</em> als Vorstandsmitglied eines Sportverbandes oder Vorstand eines Bürgervereins, sondern als Bürger dieser Stadt und unseres Landes.<br>Papst Leo XIV. schreibt aktuell einen Satz, der mich tief bewegt:  „Es gibt Situationen, in denen wir, um menschlich zu bleiben, unser Zögern ablegen und Stellung beziehen müssen. Es gibt Konflikte, bei denen es nicht richtig ist, neutral zu bleiben.“<br>Ich spreche also heute zu euch als selbständiger Moderator. Als jemand, der eigentlich gut beraten wäre, sich politisch möglichst neutral zu verhalten, um keine Aufträge zu verlieren.<br>Aber kann ich das wirklich?<br>Kann ich so tun, als ginge mich diese Entwicklung nichts an?<br>Nein.<br>Ich sehe es als meine Pflicht, heute hier zu sein und mich dagegen zu wehren, dass rechtsextreme Parteien in Deutschland wieder so viel Macht bekommen.<br>Ich möchte sagen können: „Ich habe etwas getan.“ Und nicht nur gehofft, dass andere das Problem schon lösen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich als Sportfan und -Moderator besorgt: Auch der Sport bleibt von diesem Rechtsrutsch nicht verschont. In vielen Jahren habe ich unzählige Spiele begleitet. In großen Arenen und auf kleinen Sportplätzen. Ich kenne Vereine, die von Ehrenamtlichen getragen werden. Menschen, die ihre Freizeit opfern, um Kindern und Jugendlichen ein sportliches Zuhause zu geben. Menschen, die Woche für Woche dafür sorgen, dass Gemeinschaft entsteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sport und unsere Vereine sind weit mehr als nur Freizeit oder Unterhaltung. Sie sind wichtige Orte unseres Miteinanders. Hier begegnen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, Religion, politischer Überzeugung und sozialer Hintergründe. Hier lernen junge Menschen Respekt, Fairness, Teamgeist. Hier entstehen Freundschaften, Gemeinschaft und Zusammenhalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei denke nicht nur an Profivereine, sondern vor allem die vielen kleinen Klubs vor Ort: den Turnverein, den TSV, die Spielvereinigung um die Ecke, die Fußballer in der A-Liga, den Handball-Verein in der Bezirksliga. Diese Vereine sind eine Stütze unserer Gesellschaft. Genau deshalb geraten sie in den Fokus rechtsextremer Gruppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade während und nach der Corona-Pandemie haben wir erlebt, wie sich Verschwörungs – und demokratiefeindliche Erzählungen verbreitet haben. So sind Netzwerke entstanden, die gezielt versuchen, Einfluss auf Vereine und ehrenamtliche Strukturen zu gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sport mit seiner enormen Reichweite ist für Rechtsextreme ein attraktives Ziel. Wer Menschen erreichen will, der sucht die Orte auf, an denen Menschen zusammenkommen. In Fußballstadien, Vereinsheimen und auf Sportplätzen versuchen immer öfter Rechtsextreme, Einfluss zu gewinnen. Rassistische Gesänge, antisemitische Schmierereien, rechtsextreme Symbole, menschenfeindliche Parolen – all das passiert mitten unter uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verfassungsschutz spricht inzwischen von einer „rechtsextremen Erlebniskultur“, die sich beim Fußball und in anderen Freizeitbereichen organisiert. Deshalb dürfen wir nicht so tun, als beträfe uns diese Entwicklung nicht. Und deshalb stehen wir heute hier. Weil wir uns Sorgen machen. Sorgen um unser Land, um unsere Demokratie. Sorgen um den Zusammenhalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen Demokratie jeden Tag verteidigen. In Parlamenten. In Schulen. In Vereinen. Auf dem Sportplatz. Im Stadion. Auf der Arbeit. Überall. Denn die Normalisierung rechter Positionen schreitet voran. Was gestern noch unsagbar war, ist jetzt diskutierbar. Und genau das stärkt die Feinde der Demokratie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade deshalb dürfen wir jetzt nicht schweigen! Un deshalb macht dieser heutige Tag Hoffnung. Wir sind nicht allein &#8211; und wir sind nicht wenige. Gerade jetzt kommt es darauf an, dass Menschen zusammenkommen und sagen: So geht es nicht weiter. Dass wir einander Mut machen &#8211; dass wir Haltung zeigen &#8211; dass wir laut bleiben. Wenn einer den Anfang macht, traut sich vielleicht auch die Nachbarin. Vielleicht der Kollege &#8211; vielleicht die Freundin. Und deshalb müssen wir uns immer wieder sagen:<br>Wir sind nicht wenige &#8211; und auch im Sport sind wir mehr!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sport bringt Menschen zusammen, die sonst nicht miteinander ins Gespräch kommen würden. Auf dem Sportplatz, in der Turnhalle oder im Vereinsheim spielt es keine Rolle, wo jemand geboren wurde, welchen Beruf er hat oder woran er glaubt. Entscheidend ist, dass man gemeinsam etwas erreichen will. Deshalb sind Sportvereine Orte der Begegnung, der Integration und der Demokratie. Deshalb tragen Vereine eine besondere Verantwortung. Nicht nur die Profiklubs, sondern gerade auch unser TSV. Die Amateure. Denn dort wird jeden Tag gelebt, was unsere Demokratie ausmacht:<br>Respekt – Fairness – Verantwortung &#8211; Zusammenhalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau diese Werte stehen im Gegensatz zu Hass, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Deshalb gilt auch hier: Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus haben keinen Platz in unserer Gesellschaft – auch nicht im Sport. Wenn wir zulassen, dass diejenigen stärker werden, die Menschen gegeneinander aufbringen wollen, dann verlieren wir weit mehr als nur ein Spiel. Dann verlieren wir das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt nicht von Sonntagsreden – oder wie heute von Samstagsreden. Sie lebt von Menschen, die sie verteidigen. Und deshalb stehen wir heute hier. Nicht aus Angst &#8211; sondern aus Verantwortung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stehen heute hier mit einer klaren Forderung: Parteien, die als rechtsextremer Verdachtsfall gelten, müssen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden. Und zwar jetzt! Unsere Demokratie muss sich gegen diejenigen wehren, die sie abschaffen wollen. Demokratie und Werte im Sport bedeuten:<br><strong>Vielfalt – Freiheit &#8211; Menschenwürde.</strong> Und diese Grundsätze werden wir<strong> </strong>niemals kampflos aufgeben. Vielen Dank.<br><strong>&#8212;&#8212;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Direkt zuvor hatte ich bei der Prüf-Demo, die ich mitorganiserte, diese Rede vorgetragen:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schönen guten Tag im Schlossgarten,<br>gut, dass ihr da seid. Die etwas Älteren von euch, die sich noch an unsere vorherigen Veranstaltungen erinnern können, wissen, was jetzt kommt. Nämlich die traditionelle Prüfung für alle ABC-Schützen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gebt mir ein P<br>Gebt mir ein R<br>Gebt mir ein Ü<br>Gebt mir ein F</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und damit, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, zum seriösen Teil unserer 4. Prüf-Festspiele:<br>Der parlamentarische Arm der rechtsextremen Bewegung würde laut Umfragen derzeit auf Bundesebene fast 30 Prozent einfahren. Und es interessiert vermutlich fast niemanden in dieser verantwortungslosen Gefolgschaft, was neulich ein ehemaliger baden-württembergischer Abgeordneter enthüllt hat:Selbst Leute innerhalb dieser Partei würden mit fanatischem Hass verfolgt, mit Goebbels-Methoden, und es herrsche dort skrupellose Selbstbedienung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dennoch halte ich es für sinnlos, immer wieder auf die Abgründe dieses Demokratie-zerstörerischen Haufens hinzuweisen. Jede Äußerung darüber ist in etwas so erhellend wie die medizinische Erkenntnis, dass eine abgeschossene Atomrakete unserer Gesundheit schadet. Denn selbst wenn wir alles über die miesen Machenschaften des Gegners wissen, haben wir noch keine Strategie, uns dagegen zu wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb unsere Forderung an unsere neue Landesregierung: Geht mit gutem Beispiel voran und beantragt im Bundesrat, als rechtsextrem eingestufte Parteien vom Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen. Und zwar jetzt. Morgen kann es zu spät sein. Das muss noch drin sein, nachdem ihr euch gerade die Diäten für Abgeordnete erhöht habt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz schlimm ist, wenn einige sagen: Ach, lass die Rechten mal machen, die werden an der Regierung eh scheitern. Was für ein fahrlässiger Unsinn. Und niemand soll bitte mehr sagen: Die Rechtsextremen und ihr Anhang hätten aus der Geschichte nichts gelernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Köpfe der Demokratiefeinde von heute haben eine Menge aus der Geschichte gelernt. Und die Goebbels-Methoden verinnerlicht. Sie wissen genau, was sie tun. Da ist es ganz in ihrem Sinne, wenn jetzt Bildungs- und Aufklärungsangebote, wenn soziale Programme zusammengestrichen und abgeschafft werden. Während die Ausgaben für die militärische Aufrüstung astronomisch steigen und kaum noch diskutiert werden, werden Sozialproteste deshalb für uns immer wichtiger. &#8211; In diesem Zusammenhang grüße ich das Stuttgarter Bündnis für Kultur, Bildung und Soziales – und alle, die sie gewerkschaftlich unterstützen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Freundinnen und Freunde, seit jeher ist es möglich, die Demokratie mit demokratischen Mitteln zu zerstören. Und eines muss uns klar sein: Faschismus funktioniert leichter und schneller als Demokratie. Und endet für viele womöglich im Elend oder tödlich. <br><br>Nicht wenige denken, das Übel unserer Tage sei allein eine Partei, deren verlogenen Namen ich erst gar nicht ausspreche. Antifaschistisch betrachtet ist dieses A-Wort absolut für’n Arsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wir dürfen den Blick nicht nur auf eine Partei richten, sondern müssen mehr denn je prüfen, was wir selbst tun können. Etwa die Regierenden auffordern, endlich eine Politik zu machen, die denen etwas gibt, die nicht viel haben. Und sie sollen einen Ton wählen, der die Menschen in ihre Verunsicherung nicht noch weiter erniedrigt. Dem Regierungschef sollten wir klarmachen, dass der Beruf des Kanzlers nicht darin besteht, andere abzukanzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich Menschen über andere Menschen erheben, ist dies das Ende der Menschlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch haben wir kein Patentrezept, wie wir die rechtsextreme Welle stoppen können. Aber das Zusammenstehen demokratisch gesinnter Menschen wie heute ist ein Lichtblick. Demokratie, habe ich neulich bei einem französischen Autor gelesen, Demokratie ist ein Gespräch zwischen zivilisierten Menschen. Dafür sind Prüf-Demos da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dummerweise leben in der Zivilisation nicht nur zivilisierte Menschen. Also müssen wir uns mit all denen zusammentun, die bereit sind für das Gespräch und den Einsatz gegen die Rechtsextreme. Wir sollten Tag für Tag prüfen, was uns möglich ist. Auf der richtigen Seite zu stehen, ist noch lange nicht genug. Entscheidend ist unser Handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schauspieler Matthias Brandt hat ein kleines Buch mit dem Titel „Nein sagen“ veröffentlicht. Aus der Perspektive der Distanz, nach langem öffentlichen Schweigen hat er sich in die Materie des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur vertieft, und seine Schlüsse daraus haben mich buchstäblich bewegt. Er schreibt: „Die Atmosphäre zwischen den Demokraten ist oft so vergiftet, dass Verständigung kaum noch möglich scheint. Eigentlich sollten wir uns schämen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch haben wir die Möglichkeit, uns vom Gift zu befreien, damit wir uns nicht schämen müssen. Unsere Forderung, endlich die Verfassungsfeindlichkeit der Rechtsextremen zu prüfen, ist deshalb absolut richtig. Gleichzeitig müssen wir uns organisieren und vernetzen, so gut wir das können. Wer mehr Zeit hat und Möglichkeiten als andere, die existenzielle Probleme haben, muss mehr tun. Und sich auch mal einen Tritt geben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und falls heute jemand sagt: Wir sind zu wenige im Schlossgarten, dann kann ich nur antworten: Dann müssen wir eben alle zusammen und jeder und jede einzelne besser werden, dann werden wir auch mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich muss eine politische Aktion wie heute auch Freude machen. Gleichzeitig aber müssen wir bereit sein, über unseren Schatten zu springen. Voreingenommenheiten abschaffen. Besser zusammenarbeiten, über die Grenzen von Parteien und Organisationen hinweg. Falsche Prinzipien und Grundsätze müssen wir vergessen. Nicht jedes Mitglied einer vielleicht ungeliebten Partei leidet an Parteigehorsam, in jeder demokratischen Organisation gibt es individuelle Köpfe, die den aufrechten Gang gehen. Angesichts dringend notwendiger Kooperationen darf es keine Eitelkeiten mehr geben. Weg mit Parteisoldatentum und der verdammten deutschen Vereinsmeierei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sache ist doch relativ einfach: Rein statistisch gesehen, kann es unter 100 Klub-Mitgliedern, sofern es sich nicht um einen Nazi-Klub handelt, keine 100 Arschlöcher geben. Also müssen auf die fünf oder zehn oder fünfzehn zugehen, die keine sind. Und uns gemeinsam aufraffen zum Aufstand der Anständigen.<br>Und so schließe ich auch heute mit der Devise:<br><em>Wir können hoffen, solange wir handeln.</em><br>Vielen Dank.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2596. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/06/13/2596-depesche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Jun 2026 07:03:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://joebauer.de/?p=3563</guid>

					<description><![CDATA[Am Freitagabend ging ein außergewöhnlich schöner Flaneursalon im Ratze-Garten auf den Hügeln über die Bühne. Am Ende stehender Applaus. Und heute geht es für mich weiter: 4. PRÜF-Kundgebungin Stuttgart für Baden-WürttembergSamstag, 13. Juni 2026Oberer Schlossgarten, vor dem Schauspielhaus der StaatstheaterBeginn: 12 UhrMitwirkend sind u. a. der Stuttgarter Dance-Company-Chef Eric Gauthier mit einer Tanz-Aktion, der Freiburger Kabarettist Jess Jochimsen,<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am Freitagabend ging ein außergewöhnlich schöner <strong>Flaneursalon </strong>im Ratze-Garten auf den Hügeln über die Bühne. Am Ende stehender Applaus. Und heute geht es für mich weiter: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4. PRÜF-Kundgebung</strong><br><strong>in Stuttgart für Baden-Württemberg<br>Samstag, 13. Juni 2026<br>Oberer Schlossgarten, vor dem Schauspielhaus der Staatstheater<br>Beginn: 12 Uhr</strong><br>Mitwirkend sind u. a. der Stuttgarter Dance-Company-Chef Eric Gauthier mit einer Tanz-Aktion, der Freiburger Kabarettist Jess Jochimsen, der Musiker Patrick Bopp &amp; Ensemble, die Sängerin Hajnal, Joe Bauer (Wortbeitrag), Jens Zimmermann (Worte zum Sport) u. a.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
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