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	<title>Joe Bauers Flaneursalon</title>
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	<description>Die Lieder- und Geschichtenshow</description>
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	<title>Joe Bauers Flaneursalon</title>
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		<title>2611. Depesche</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 07:16:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Flaneursalon: Vorverkauf hat begonnen Liebe Treue, der nächste und letzte Flaneursalon in diesem Jahr ist unter Dach und Fach: Sonntag, 8. November, Tangoloft, 19.30 Uhr. Der Veranstaltungsort in der Hackstraße, direkt an der Stadtbahnhaltestelle, bietet eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre – wie geschaffen für die intime Lieder- und Geschichtenshow. Musik machen diesmal Eric Gauthier und Cemre Yilmaz, die<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flaneursalon: Vorverkauf hat begonnen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Treue, der nächste und letzte <strong>Flaneursalon</strong> in diesem Jahr ist unter Dach und Fach: <strong>Sonntag, 8. November, <a href="https://www.tangostuttgart.de/">Tangoloft</a>, 19.30 Uhr</strong>. Der <a href="https://www.tangostuttgart.de/">Veranstaltungsort</a> in der Hackstraße, direkt an der Stadtbahnhaltestelle, bietet eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre – wie geschaffen für die intime Lieder- und Geschichtenshow. Musik machen diesmal <strong>Eric Gauthier</strong> und <strong>Cemre Yilmaz</strong>, die Schauspielerin <strong>Charis Hager</strong> vom Theater der Altstadt wird erstmals als gewitzte Lyrik-Interpretin im Flaneursalon auftreten. Hier geht’s zum <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/loftaffairs-joe-bauers-flaneursalon-sonntag-08-november-2026.html">Vorverkauf</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch der Feiertag: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em><br>DER SMOMBIE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein komisches Gefühl, auf einem Bürostuhl zu sitzen und aufzuschreiben, was mir draußen auf der Straße beim Gehen durch den Kopf gegangen ist. Gehen, habe ich mal gelesen, sollte ein produktiver Akt der Zerstreuung sein. Und dann gehst du nach Hause, ziehst deine Schuhe aus, schaltest deinen Computer an und versuchst, die Überbleibsel deiner Zerstreuung zu sortieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich längst ein Ritual. Bin mir todsicher, dass es beim Aufschreiben darauf ankommt, die richtige Mütze und die richtige Halskette zu tragen, vor allem aber unverhältnismäßig dicke Socken, um das Hirn von den Füßen her zu wärmen. Es macht nun mal einen mentalen Unterschied, ob man am Bildschirm eine Baseballkappe oder eine Pudelmütze trägt, ein Lederband mit Totenkopf oder eine Silberkette mit Anker. Von den Weihnachtsstrümpfen zu schweigen. Du brauchst die richtige Montur. Keine Frage, dass ich mich selbst zum Narren machen muss, wenn ich noch ernsthaft was zustande bringen will im Angesicht der herrschenden Absurditäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute, da ich diese Zeilen in meinen Rechner tippe, ist der 3. Oktober 2026, der sogenannte <em>Tag der deutschen Einheit</em>. 1990 wurde er als Feiertag eingeführt. Man spricht von der deutschen Wiedervereinigung oder gar vom „Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland“. Das klingt lustig: Schönen guten Tag, hier spricht die Deutsche Demokratische Republik, wir würden gern der Bundesrepublik Deutschland beitreten, Wie hoch ist denn die monatliche Beitragsgebühr?<br>Einigkeit und Recht und Freibier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fraglos kann man heute, 36 Jahre und etwa eine Generation später, wenigstens in einem Fall von deutscher Einheit reden: 90 Prozent der Bevölkerung im vereinten Land beurteilen ihren gemeinsamen Kanzler ziemlich gleich. Hundert Prozent dieser neunzig Prozent sind der Meinung, dass er nichts taugt. Doch trotz dieser überwältigenden Übereinstimmung denken viele Menschen in Ost und West grundverschieden. Kein Wunder: Ihre unterschiedliche Geschichte reicht weit hinter die Existenz zweier unterschiedlicher deutscher Staaten zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als im November 1989 die Berliner Mauer fiel und die Trabis aus dem Osten zwecks BRD-Beitritt Richtung Westen tuckerten, war ich als Journalist noch kein berufsmäßiger Stadtspaziergänger. Doch immerhin zu Fuß am Tatort. Am 10. November, am Morgen nach der eher versehentlichen Öffnung der DDR-Grenzen, war ich kurzentschlossen per Flugzeug nach Berlin gereist. Westberlin. Am Abend zuvor hatte ich mir im Stuttgarter Neckarstadion das DFB-Pokalspiel zwischen dem VfB und Bayern München angeschaut und mich wie alle andern gewundert, warum die Partie mit reichlich Verspätung angepfiffen wurde. Irgendwann sprach sich herum, dass die „Tagesschau“ ihre übliche Sendezeit überzogen habe, weil irgendwas mit der Berliner Mauer nicht stimme – und deshalb die Übertragung des Spiels nicht beginnen könne. Davon habe ich früher schon erzählt und inzwischen einiges vergessen. Nicht allerdings, dass der VfB gegen Bayern 3:1 gewonnen hat, was mir wurscht sein kann, weil ich Anhänger der Stuttgarter Kickers bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gedächtnis habe ich auch noch, wie die Menschenmasse aus der DDR jenseits der Jubelfeiern an der Mauer schweigend, wie paralysiert über den Kurfürstendamm zog. Da wussten sie noch nicht, welche blühenden Landschaften ihnen im Kapitalismus blühten. Ich erinnere mich an bedrückende Bilder, an ein Szenario der Depression im Glanz der Schaufenster. Und ich ahnte seinerzeit, dass da gerade was zusammenkommt, was nicht zusammengehört. Ein paar Monate später fiel mir das wieder auf, als ich während der Berliner Filmfestspiele mit einem Kollegen versehentlich in einen falschen Bus stieg und statt zum Zoo in den Osten der Stadt fuhr. Die Gesichter der Leute im Bus waren anders als gewohnt, und ich bin keiner, der sich leicht irritieren lässt von seltsamen Dingen in einer Stadt. Als ich in den Achtzigern erstmals als Touri nach New York kam, sagte mir ein Einheimischer: Wir gehen jetzt in eine Bar, und wenn du dort einen siehst mit einer Lanze im Arsch, dann wundere dich nicht. Tu so, als ob du es nicht siehst. Das ist hier eben so. Dieser Hinweis war symbolisch gemeint, und ich habe ihn mir gemerkt. Heute spüre ich hin und wieder selbst die Lanze im Hinterbacken. Aber das ist nur ein entzündeter Nerv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Lanze im Po hatte ich auch schon früh von der „Mauer im Kopf“ gehört. Dieses Bild stammt aus Peter Schneiders 1982 erschienenem Buch „Der Mauerspringer“; mit diesem Berliner Schriftsteller habe ich mich ein paar Mal unterhalten, und ich erwähne ihn, weil mich die aberwitzige Geschichte des Mauerspringers, diesem Hüpfer von Ost nach West und umgekehrt, dazu gebracht hat, mich immer wieder mit dem abstrusen Berliner Stadtmöbel zu beschäftigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Mauer war für mich immer ein geheimnisvolles Ding, mehr als nur ein obskures, verstörendes, faszinierendes Grenzmonster voller Graffiti zwischen etwas, was sie Sozialismus nannten, und etwas, das sie Demokratie nennen, von der aber viele in der Demokratie bis heute nicht wissen, was genau das sein soll. Dass nur halbwegs aufrecht gehen kann, wer seine Rechte kennt und sie verteidigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1997 habe ich begonnen, die eigene Stadt als Fußgänger zu erkunden, sie mit gutem Recht heimzusuchen. Die Stadt gehört dir und mir, und ihre Erforschung ist auch in einer nicht gerade urban geprägten Gemeinde wie Stuttgart eine interessante, manchmal im Wortsinn spannende Sache. Je tiefer du in die Stadt eindringst, desto weiter führt sie dich aus ihr heraus. Wie schnell bist du bei dem Nachfahren eines vor den Nazis geflüchteten Juden in den USA. Und erfährst: Dieser Mann hat heute etwas zu sagen über soziale Ungerechtigkeit und die fatale Steuerpolitik gegenüber den Reichen, zu denen er selbst gehört. Sein Großvater betrieb eine Bettfedernfabrik in Cannstatt. Den Enkel sehe ich manchmal auf Facebook. Er heißt Nick Hanauer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und am Rand der Stadt, in einem Flecken namens Muckensturm, findest du einen kleinen Weg, der nach dem Großvater benannt ist und liest irgendwo, dass dieser Mann ein Förderer der Stuttgarter Kickers war. Dann wird deine kleine Welt auf einmal groß, es sind nur noch ein paar Meter über den Atlantik. Und als ich diese Zeilen über Dinge aus der Vergangenheit tippe, weil ich sie gern im Flaneursalon vorlesen würde, haben die Stuttgarter Kickers gerade im Spitzenspiel der vierten Liga die Offenbacher Kickers zweinull besiegt. Auch diese Nachricht muss hinaus in die Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Dinge haben sich geändert in meinem Leben als Stadtspaziergänger. Wenn ich heute durch die Straßen spaziere, kann Zerstreuung zur Zerstörung führen. Das beginnt schon, wenn ich das Haus verlasse. Wenn du dir nicht eingeprägt hast, dich vor dem ersten Schritt auf den Bordstein umzuschauen, wird dich ein lautloser E-Scooter rammen. Oder ein Fahrrad. Oder ein Hund. Manche Leute führen Hunde durch die Stadt, die du nur deshalb nicht von einem Rennpferd unterscheiden kannst, weil sie nicht wiehern. Und die schönste intensivste Erfahrung des Spaziergängers, die Gedankenverlorenheit, kann tödlich sein. Aber ich will es nicht übertreiben: Man muss halt aufpassen, wo man hintritt. In Hundekacke, in Pferdeäpfel oder ins Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Buch eines britischen Literaturwissenschaftlers, das darf ich nicht vergessen, habe ich vor Jahren von den „Smombies“ gelesen. Dieses Kofferwort steht für Smartphone-Zombies, die in ihr Telefon versunken durch die Stadt stolpern. Und nicht nur im Kopf gegen Mauern prallen. Einige sterben. Der Gang eines Menschen, lehrt uns die Wissenschaft des Gehens, verrät mehr über ihn als ein Gesicht. Den Gang über den Ku’damm hab ich noch vor Augen. Und würde ich mich nicht ab und zu auf meinen Bürostuhl setzen und aufschreiben, wie es mir mit dem Gehen geht, wäre mir womöglich nicht bewusst, dass ich oft genug selbst einer dieser Taschentelefontrottel bin. Jawohl, ich bin ein Smombie. Auf der Flucht. Da gehe ich mit mir einig.</p>
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		<title>2610. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/10/02/2610-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 08:13:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Flaneursalon: Vorverkauf hat begonnen Liebe Treue, der nächste und letzte Flaneursalon in diesem Jahr ist unter Dach und Fach: Sonntag, 8. November, Tangoloft, 19.30 Uhr. Der Veranstaltungsort in der Hackstraße, direkt an der Stadtbahnhaltestelle, bietet eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre – wie geschaffen für die intime Lieder- und Geschichtenshow. Musik machen diesmal Eric Gauthier und Cemre Yilmaz, die<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flaneursalon: Vorverkauf hat begonnen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Treue, der nächste und letzte <strong>Flaneursalon </strong>in diesem Jahr ist unter Dach und Fach: <strong>Sonntag, 8. November, <a href="https://www.tangostuttgart.de/">Tangoloft</a>, 19.30 Uhr</strong>. Der<a href="https://www.tangostuttgart.de/"> Veranstaltungsort</a> in der Hackstraße, direkt an der Stadtbahnhaltestelle, bietet eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre – wie geschaffen für die intime Lieder- und Geschichtenshow. Musik machen diesmal <strong>Eric Gauthier</strong> und<strong> Cemre Yilmaz</strong>, die Schauspielerin <strong>Charis Hager</strong> vom Theater der Altstadt wird erstmals als gewitzte Lyrik-Interpretin im Flaneursalon auftreten. Hier geht&#8217;s zum <a href="https://www.tangostuttgart.de/detailseite-events/loftaffairs-joe-bauers-flaneursalon-sonntag-08-november-2026.html">Vorverkauf </a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info"><strong>Netzwerk Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach unserer jüngsten Veranstaltung habe ich diesen <em>Newsletter </em>verfasst, war mir ein Bedürfnis:<br><strong>Rückblick</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe alle,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">unsere Aktion „Was können wir – noch – tun gegen rechts“ am 27. September im Württembergischen Kunstverein haben wir bewusst umfangreicher gestaltet als unsere sonstigen Veranstaltungen. Dass sie mehr Zeit in Anspruch nahm, war geplant und hatte keineswegs mit Überlängen in den Beiträgen der Mitwirkenden zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Intention war, mitten im zunehmenden Rechtsruck Institutionen, Initiativen, Menschen vorzustellen, die sich gegen die rechtsextreme Bewegung engagieren. Unser Ziel ist es, Mitstreitenden unserer Sache zu eigenen Aktivitäten zu motivieren und anderen zu helfen, falls sie es nicht schon tun. Wir danken euch allen für euren Besuch und die Unterstützung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es nach einer solchen Veranstaltung kaum Resonanz gibt, keine offen und direkt an uns gerichtete Kommentare und keinerlei Mails, möchten wir in diesem Newsletter ein wenig über die Praxis informieren. Das mag etwas ungewöhnlich erscheinen, weil innere Abläufe nicht sonderlich interessieren. Beispielsweise ging es diesmal darum, einer Wissenschaftlerin vom Institut für Rechtsextremismusforschung der Universität Tübingen (IRex), Katja Sternberger, die Gelegenheit zu geben, auf die Arbeit ihrer noch jungen, staatlich geförderten Einrichtung aufmerksam zu machen. Das Gleiche gilt für die Leuchtlinie, die ebenfalls staatlich geförderte Stuttgarter Beratungsstellung für die Opfer von rechtsextremer Gewalt in BW, vertreten durch Kerstin Müller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Unternehmung wie unser zurückliegender „Ratschlag“ erfordert einigen Aufwand. Neben unseren fünf festen Netzwerk-Mitgliedern waren sechs Mitwirkende mit Wortbeiträgen beteiligt, außerdem der hervorragende Musiker Ekkehard Rössle, der mit seinem Auftritt im Kunstverein unsere Verbindung zur künstlerischen Arbeit signalisierte. Es ist nicht einfach, so kompetente Leute für einen gemeinsamen Termin zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist uns nicht unbekannt, dass jede Art Ehrenamtlichkeit organisatorische Leistungen erfordert, die in der Regel nicht gesehen werden. Dennoch wollen wir das mal anschaulich machen. Für diese Veranstaltung musste etwa ein zusätzliches Stuhlkontingent und ein entsprechender Lkw besorgt werden. Wir brauchten eigenes qualifizierter Thekenpersonal und entsprechende Einkäufe, außerdem geschulte Helfer:innen im Security-Bereich. Die AfD hatte im Vorfeld in einer Pressemitteilung gegen die Teilnahme unserer Wissenschaftlerin gestänkert mit der Behauptung, Wissenschaft und Aktivismus seien unvereinbar. Dass wissenschaftliche Arbeit für jede seriösen politische Arbeit unverzichtbar und der Demokratiebeförderung verpflichtet ist und nichts mit Aktivismus zu tun hat, kann im Denken der AfD keinen Platz finden. Die kommt mit Lügenpropaganda aus und fordert, das IRex aufzulösen.Angesichts dieser Vorzeichen waren wir im Interesse der Mitwirkenden verpflichtet, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, u. a. eine dafür zuständige Organisation und auch die Polizei zu informieren – was die Polizei für richtig hält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Dinge müssen wir erledigen, um eine gute Veranstaltung zu garantieren. Aus Erfahrung wissen wir, dass bei Aktionen mit unterschiedlichen Inhalten und Mitwirkenden oft weniger die Zusammenhänge beachtet, als vielmehr einzelne Beiträge nach persönlichem Gefallen bewertet werden. Das läuft so ähnlich auch bei nicht politischen Unterhaltungs-Events mit gemischten Programmen: Bei der Betrachtung einzelner Auftritte dominiert der Privatgeschmack der Besucher:innen, das große Ganze rückt in den Hintergrund. Logisch deshalb, dass eine dynamisch, wortstark und und gewitzt vorgetragenen Motivationsrede eines professionellen Regisseurs und Schauspielers wie Volker Lösch mehr Leuten gefällt als ein wissenschaftlicher Beitrag mit wichtigen Informationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht ganz so schön, dass einige nach Volker Löschs Vortrag die Pause nutzten, um sich zu verabschieden, nachdem sie gewissermaßen ihren „Star des Tages“ gehört hatten. Schade, weil deshalb der eigens aus Zwickau/Sachsen angereiste Autor und Aktivist Jakob Springfeld – ein mutiger, unermüdlicher, hochtalentierter junger Mann, nicht mehr die Aufmerksamkeit des vollen Saales hatte. Zuvor hatten wie noch die jungen Aktiven Alicia (antifaschistische Bewegung) und Karimael (Legal Café, Cannstatt) im Gespräch über ihren Einsatz berichten lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Argument, eine Veranstaltung wie diese sei „zu lang“, erscheint uns etwas simpel: Politisches Engagement sollte nicht nur kurzweiliges Dienstleistung auf Spendenbasis für Unterhaltungsbedürfnisse sein. (Nebenbei: Umgerechnet wandern – trotz etlicher großzügiger Beträge – im Schnitt drei Euro pro Kopf in die Sammelbüchse.) Wir befinden uns in einer politischen Entwicklung, in der wir uns verdammt anstrengen sollten, um das Schlimmste zu verhindern. Das ist nicht immer ein Vergnügen. Engagement braucht auch Kraft, Hartnäckigkeit und Geduld. Dann geht es uns besser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All diese hier angesprochenen Dinge kann man selbstverständlich unterschiedlich sehen und diskutieren. Was wir vermissen, sind Auseinandersetzungen und Reaktionen, wohl wissend, dass viele unter uns genügend anderes zu tun haben und entsprechend in den Alltag eingespannt sind. Dennoch müssen wir uns überlegen, wie der Austausch intensiviert, wie Dialoge generell zwischen Veranstalter und Publikum inspirierend geführt werden können. Wie wir Kontakte und Vernetzung im Blick auf neue Aktivitäten verbessern können.<br>In der Hoffnung, mit diesem Newsletter für Anregungen zu sorgen, jetzt noch ein kurzer Ausblick:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am Mittwoch, 17. November (19 Uhr),</strong> spricht für uns der Hamburger Sozialwissenschaftler Journalist <strong>Sebastian Friedrich </strong>(„Panorama“/NDR, „Der Freitag“ etc.) im Württembergischen Kunstverein zum Thema:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Was erhofft sich die Wirtschaft von der AfD?</strong></em><br>Eine Veranstaltung in Kooperation mit de Rosa-Luxemburg-Stiftung BW</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Herzliche Grüße</em><br><em>Netz-Team</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Video</strong> von Eberhard Linckh über unsere Veranstaltung (die Auftritte von Katja Sternberger und Kerstin Müller haben wir aus Sicherheitsgründen nicht gefilmt):<a href="https://www.youtube.com/watch?v=oRY-42zweNo"> Link zu Youtube</a> <br><strong>Buchhinweis: </strong>Jakob Springfeld: „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist“<br><strong>Volker Löschs Rede</strong> in der 2609. Depesche <br></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>2609. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/09/28/2609-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 06:35:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Treue, so ganz nebenbei darf ich heute darauf hinweisen, dass der einstige Grund für die Einrichtung dieser Homepage vor zwanzig Jahren immer noch exisitiert: der Flaneursalon, meine Lieder- und Geschichtenshow. Am Sonntag, 8. November, gibt es wieder einen, noch einmal im Tangoloft in der Stuttgarter Hackstraße: wie geschaffen für unsere kleine Mixed Show. Musik machen diesmal<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Treue, so ganz nebenbei darf ich heute darauf hinweisen, dass der einstige Grund für die Einrichtung dieser Homepage vor zwanzig Jahren immer noch exisitiert: der <strong>Flaneursalon</strong>, meine Lieder- und Geschichtenshow. Am Sonntag, 8. November, gibt es wieder einen, noch einmal im <strong><a href="https://www.tangostuttgart.de/">Tangoloft</a> </strong>in der Stuttgarter Hackstraße: wie geschaffen für unsere kleine Mixed Show. Musik machen diesmal <strong>Eric Gauthier</strong> und <strong>Cemre Yilmaz</strong>, neu im Aufgebot ist eine Schauspielerin, die uns Lyrik vortragen wird. Näheres demnächst.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Netzwerk Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie:</a></strong><br><br>Unsere Veranstaltung &#8222;Was &#8211; noch &#8211; tun gegen rechts?&#8220; am Sonntag, 27. September, im Württembergischen Kunstverein war sehr gut besucht (wir danken dem Theaterhaus und unserem Freund Gerold Mayer für die Lieferung zusätzlicher Stühle). Eine viel beachtete Rede hielt der in Berlin lebende Theaterregisseur Volker Lösch &#8211; mit seinen 20 Anleitungen zum alltäglichen Aktivismus; heute, 28. September, spricht er auf der Montagsdemo gegen S 21 auf dem Schlossplatz. 18 Uhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WAS TUN GEGEN RECHTS?!</strong><br><strong><em>Von Volker Lösch</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Anwesende <strong>&#8211;</strong> Was tun gegen rechts? Das ist keine theoretische Frage für die Zukunft. Das ist eine heutige, existenzielle, brennende Frage &#8211; die letzten Wahlergebnisse machen sie nur noch dringlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe durch meine Theater- und Recherchearbeiten seit mehr als 30 Jahren tiefe Einblicke in rechtsradikale Kreise und Strukturen bekommen. Mit dem &#8222;Freischütz&#8220; an der Oper Bonn habe ich vor kurzem eine Anti-AfD-Arbeit auf die Bühne gebracht. In Dresden, wo ich seit 2001 kontinuierlich am Staatsschauspiel arbeite, hatte ich in der Pegida-Zeit eine &#8222;mit Rechten reden&#8220; &#8211; Phase. Ich war in Kneipen, habe Nazis zum Diskutieren ins Theater eingeladen, versucht, in argumentativen Kontakt zu kommen. Das Ergebnis: mit überzeugten Faschisten kann man nicht reden. Die muss man bekämpfen. Ich rede nicht von denen, die schwanken, die heute links, morgen die AfD und übermorgen gar nicht wählen. Ich spreche von rechtsextrem gefestigten Rassist*innen, Sexist*innen, Ausländerhasser*innen, Antisemit*innen, völkischen Nationalist*innen, Demokratie- und Menschenfeind*innen. Gegen die müssen wir konsequent vorgehen, weil sie als laute Minderheit die Werte einer zu passiven Mehrheit zerstören können. Und nichts anderes haben sie vor, als die demokratischen Strukturen zu vernichten. Dagegen müssen wir uns wehren – vehement, intensiv und vor allem: zahlreich! Denn die Mehrheit ist zu inaktiv und zu unpräsent. Die Mehrheit hat die Gefahr noch nicht erkannt: uns bleibt keine Zeit mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe jetzt eine gute und und eine schlechte Nachricht. Die Gute: es gibt Hoffnung, wir können es schaffen. Noch sind wir eine Mehrheit. Vor allem viele der Jüngeren sind stabil antifaschistisch. Die Schlechte: es ist Arbeit. Verdammt viel Arbeit. Und: es gibt kein einfaches Rezept gegen rechtsradikal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde gerne 2 Themenfelder ansprechen: unsere gesellschaftliche Organisation und ihr Verhältnis zum Rechtsradikalismus, und konkrete Aktionen, die jede und jeder machen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen, die AfD wählen, haben das Gefühl, man habe ihnen etwas weggenommen. Die Philosophin Eva von Redecker beschreibt den Rechtsradikalismus als die Verteidigung von etwas, das den Verteidigenden eigentlich gar nicht gehört, als ein tiefes Gefühl des Bestohlenseins.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dieses Gefühl ist nicht einfach eingebildet. Die Menschen erleben ja reale Verluste: steigende Mieten und Lebenshaltungskosten, Reallohnverluste, unsichere Arbeitsverhältnisse, den Abbau öffentlicher Infrastruktur, eine immer größer werdende Ungleichheit und stärkere Konzentration von Vermögen. Sicherheit, Wohlstand, Kontrolle und Zukunftsperspektiven werden für viele Menschen prekärer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Probleme sind also real. Falsch ist nicht die Wahrnehmung des Verlusts, sondern seine Erklärung. Und genau hier setzt die AfD an. Wo das Versprechen „Wenn du hart arbeitest, kannst du es schaffen“ zunehmend unglaubwürdig wird, bietet sie eine andere Erklärung: Nicht die gesellschaftliche Ordnung ist das Problem, sondern diejenigen, die angeblich etwas „wegnehmen“, die etwas &#8222;stehlen&#8220; – Migrant*innen, Minderheiten, Eliten oder andere vermeintliche Außenseiter. Aus einem realen sozialen Verlust wird ein Kampf um ein vermeintlich bedrohtes „Wir“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wird der soziale Konflikt umgeleitet. Menschen spüren, dass sie weniger Kontrolle über ihr Leben haben, aber statt die ökonomischen Strukturen zu hinterfragen, sollen sie glauben, ihre Kontrolle ließe sich zurückgewinnen, indem man andere ausschließt. Aus Klassenkonflikt wird Kulturkampf. Aus materieller Unsicherheit wird Nationalismus. Aus Ohnmacht wird Ressentiment.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die politische Funktion des Rechtsradikalismus im Kapitalismus ist also: Er kann reale Widersprüche aufnehmen, ohne ihre ökonomischen Ursachen anzugreifen. Die AfD verspricht eine Rückkehr zu Sicherheit, Ordnung und Besitz, ohne die Eigentums- und Machtverhältnisse anzutasten, die diese Sicherheit für viele Menschen überhaupt erst unerreichbar machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kapitalistische Gesellschaft produziert also Probleme, die sie selbst aber nicht lösen kann. Sie kann nicht Arbeitskraft möglichst billig halten und gleichzeitig allen ein sicheres und steigendes Einkommen garantieren. Sie kann nicht Wohnraum als Ware behandeln und gleichzeitg dafür sorgen, dass alle sicher und bezahlbar wohnen. Sie kann nicht Vermögen immer stärker konzentrieren und gleichzeitig allen Menschen gleiche materielle Teilhabe ermöglichen. Sie kann nicht Konkurrenz zum zentralen gesellschaftlichen Prinzip machen und gleichzeitig allen Menschen dauerhaft Sicherheit und soziale Anerkennung garantieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Widersprüche sind nicht bloß politische Fehler, die sich mit einer besseren Regierung beheben ließen. Sie entstehen aus der Funktionsweise des Systems selbst: Eigentum muss sich verwerten, Unternehmen müssen konkurrieren, Arbeitskraft muss sich verkaufen, und gesellschaftliche Bedürfnisse werden der Logik von Profit und Markt untergeordnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kapitalismus kann die Probleme, die den Rechtsradikalismus groß machen, nicht lösen. Er kann ihre Symptome verwalten, abmildern oder verschieben. Er kann Sozialleistungen erhöhen, Mieten regulieren, Mindestlöhne anheben oder Integrationsprogramme finanzieren. Aber die grundlegenden Erfahrungen von Abhängigkeit, Konkurrenz und Kontrollverlust bleiben bestehen, solange die gesellschaftlichen Lebensbedingungen selbst Waren und Eigentum sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und hier kann man das zentrale Problem auf den Punkt bringen: Der Kapitalismus verteidigt genau die gesellschaftliche Ordnung, in der die sozialen Widersprüche entstehen, aus denen die extreme Rechte politisches Kapital schlägt. Die AfD ist deshalb nicht das Gegenteil der kapitalistischen Logik. Sie ist in zentralen Punkten ihre politische Zuspitzung: Konkurrenz, soziale Hierarchie, Ausschluss, Verwertbarkeit und das Recht des Stärkeren werden nicht überwunden, sondern national, rassistisch und autoritär aufgeladen und organisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet nicht, dass Kapitalismus und Faschismus dasselbe sind. Aber es bedeutet, dass der Rechtsradikalismus auf Widersprüche zurückgreifen kann, die der Kapitalismus selbst produziert und nicht grundsätzlich auflösen kann. Wer nur die rassistische Oberfläche bekämpft, ohne die materielle Grundlage des Ressentiments zu verändern, bekämpft deshalb immer wieder die Symptome eines Problems, dessen Ursachen bestehen bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antifaschismus muss deshalb mehr sein als die Verteidigung des Bestehenden. Er muss eine gesellschaftliche Alternative formulieren. Eine Gesellschaft, in der Wohnen kein Mittel zur Vermögensbildung, Arbeit nicht primär Ware, und Sicherheit nicht von privatem Eigentum abhängt. Eine Gesellschaft, in der Menschen nicht gegeneinander um die Bedingungen ihrer Existenz konkurrieren müssen, sondern gemeinsam über diese Bedingungen verfügen. Denn solange der Kapitalismus für eine Mehrheit Probleme produziert, die innerhalb seiner eigenen Logik nicht lösbar sind, wird die extreme Rechte immer wieder ein politisches Angebot machen können: Sie nimmt die reale Ohnmacht, gibt ihr einen Schuldigen und verspricht die Wiederherstellung einer verlorenen Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rechtsradikalismus lässt sich nicht besiegen, indem man die kapitalistische Ordnung gegen ihre radikalste politische Form, eben diesen Rechtsradikalismus, verteidigt. Man muss die Bedingungen verändern, die diese Form immer wieder hervorbringt. Antifaschismus muss deshalb antikapitalistisch sein.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiss, das ist für viele hier schmerzhaft, Stuttgart ist definitiv keine Hochburg der Antikapitalist*innen. Aber wir können die AfD nur von links bekämpfen, und wir müssen ihr die Basis entziehen. Und da heißt konkret, wir müssen anfangen, antikapitalistisch zu denken. Ganz nebenbei ist das natürlich auch der Schalter, den man gegen die Klimakatastrophe umlegen kann. Nun wird der Kapitalismus nicht morgen weg sein, selbst wenn wir uns alle dafür einsetzen würden. Aber wir können anfangen, ihn in Frage zu stellen. Wir müssen anfangen, über andere Modelle der gesellschaftlichen Organisation nachzudenken. Konkret: wir müssen endlich richtig wählen. Ja, ihr habt richtig gehört: Wählt endlich richtig! Wählt nur Parteien, die es wirklich ernst meinen mit Klimaschutz, mit Umverteilung, mit Menschenrechten. Da gibts nicht viele, das gebe ich zu &#8211; aber ihr findet schon eine!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ok. Daran arbeiten wir jetzt. Ist ja nicht so einfach &#8211; antikapitalistisch zu werden. Und das im Schwabenland! Aber was machen wir so lange, bis es soweit ist? Nach dem &#8222;Antikapitalisitsch-Werden&#8220; kommt die zweite Maßnahme gegen rechts, die mir essentiell scheint: es müssen viel mehr Menschen politsch aktiv werden, also auch Sie. Das einfache Dagegen-Sein reicht nicht mehr aus. Ein kollektives politsches Engagement für den Erhalt der Demokratie ist die Basis unserer Gemeinschaft. Und ich meine wirklich alle. Und ich meine wirkliches Engagement, nicht einmal im Jahr zu einer Veranstaltung &#8222;gegen rechts&#8220; in den Kunstverein gehen, sondern konstantes Engagement. Engagiertes Engament! Das meinte ich vorhin mit Arbeit &#8211; ja, es ist Arbeit, aber wann, wenn nicht jetzt, sollten wir diese kollektive Anstrengung leisten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich haue euch jetzt mal ein paar Vorschläge um die Ohren, die jede und jeder sofort umsetzen kann. 20 Möglichkeiten, wie man gegen rechts aktiv werden kann. Nein, 21 Vorschläge, und der letzte ist der wichtigste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1. Geh auf Demos! Je mehr Öffentlichkeit gegen rechtsextrem, desto besser. Unsere Demokratie verteidigt sich nicht von allein. Wir alle sind gefragt, sie dort zu verteidigen, wo der beste Ort dafür ist – auf der Straße.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. Informiere dich! Dauernd und ständig! Damit du argumentieren kannst! Über die Dimensionen der Ungleichheit! Deutschland ist inzwischen keine Leistungsgesellschaft mehr, sie ist eine Erbengesellschaft. Von ca. 400 Milliarden vererbten Euro im Jahr 2023 wurden nur 9 Milliarden Steuern fällig! Die mangelnden Steuern, die oben nicht erhoben werden, tragen zum Verfall öffentlicher Strukturen bei. Argumentiere das! Informiere Dich über die zunehmende Chancenungleichheit, ungleiche Einkommensentwicklung, die Marginalisierung und den Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen von Wohlstand, sinkende soziale Mobilität. Und erkläre, wo auch immer Du bist, dass wirtschaftlicher Abstieg meistens nicht selbstverschuldet ist, sondern systemimmanent! Erkläre, dass es nicht um die Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländer*innen geht, sondern um den Großkonflikt zwischen Oben und Unten! Zwischen Demokraten und Antidemokraten! Zwischen Arm und Überreich! Werde sachkundig und kompetent in politischen Fragen. Hilf mit, den gesellschatftspolitischen Diskurs wieder nach links zu schieben! Entwickle eine Recherchekompetenz. Suche Primärquellen! Lies Wahlprogramme tatsächlich! Betrachte Aussagen immer im Kontext! Prüfe Statistiken auf Quelle, Zeitraum und Definition! Baue eine persönliche Sammlung belastbarer Quellen auf!</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. Leiste noch mehr diskursive Arbeit. Widerspreche im Freundes- und Familienkreis! Arbeite mit Zahlen, Fakten, Zitaten. Schreib Dir Dinge auf, die Du recherchierst! Mach zum Beispiel Frauen darauf aufmerksam, wie frauenfeindlich die AfD ist. Mach sozial Schwache darauf aufmerksam, dass es ihnen mit der AfD noch schlechter gehen wird. Erzähle von deren Wissenschaftsfeindlichkeit! Hör nicht auf damit, menschenfeindlichen Positionen vehement und überall entgegenzutreten! Und bleib immer klar beim Argumentieren. Mach deutlich, dass es sich bei der AfD um eine Partei handelt, die die Demokratie abschaffen will. Immer wieder, und relativiere das nie!</p>



<p class="wp-block-paragraph">4. Wenn du eine Partei des linken Spektrums unterstützen willst &#8211; mache bei Haustürgesprächen mit. Rechte Parteien machen keine, was sollen Sie auch erzählen. Das ist ein extrem gutes Mittel, um mit Menschen in direkten Kontakt zu kommen. Frag nach, höre zu, sei empathisch. Und bekämpfe den Normalisierungsanspruch der Nazis, sag immer wieder: das sind keine normalen Politiker*innen, das sind Antidemokraten!</p>



<p class="wp-block-paragraph">5. Argumentiere, dass es die Brandmauer mehr denn je braucht. Um unsere demokratischen Institutionen zu schützen. Denn die Politik der AfD zielt darauf ab, das Grundgesetz zu entkernen, indem sie die Unantastbarkeit der Menschenwürde ebenso wie Demokratie- und Rechtsstaatsprinzip aufgegeben werden. Auch wenn Wahlsiege der AfD, ihre Präsenz in Parlamenten und Talkshows uns etwas anderes vormachen: Die <a href="https://www.campact.de/blog/2025/02/afd-demokratische-partei-wahl/">AfD ist keine demokratische Partei</a>!</p>



<p class="wp-block-paragraph">6. Positioniere Dich im öffentlichen Raum. Setz Dich ein für Menschenrechte, für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft und für ein demokratisches Miteinander.&nbsp;In einem lokalen <a href="https://www.campact.de/blog/2026/06/lamsa-mund-auf-gegen-rassismus/">Verein</a>, in Nachbarschaftsinitiativen – Demokratie lebt von unten. Stärke die Arbeit von Initiativen vor Ort, es gibt schon so viele! Häng Dich einfach dran. Und werde selbst aktiv. Im Sportverein, Elternbeirat, in der Freiwilligen Feuerwehr, solidarischen Nachbarschaften: überall dort, wo Demokratie täglich gelebt wird.&nbsp;Eine langfristige Unterstützung, insbesondere im ländlichen Raum, wirkt extremistischen Vereinnahmungen entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">7. Baue eine digitale Gegenöffentlichkeit auf. Nicht nur einzelne Posts teilen. Bau ein lokales Medienprojekt auf. Erkläre kommunalpolitische Entscheidungen, visualisiere Zahlen, dokumentiere AfD-Anträge, überprüfe Aussagen, stelle lokale Initiativen vor, lass Betroffene zu Wort kommen, kündige Veranstaltungen an, produziere kurze Videos. Damit entsteht über Monate und Jahre eine eigene demokratische Informationsinfrastruktur. In der neuesten Wochen-TAZ steht ein bemerkenswerter Artikel eines Netzaktivisten, seine These: &#8222;Die AfD ist das Trash TV der Politik. Der Faschismus gewinnt, weil er unterhaltsamer ist.&#8220; Verstehe: Es gibt keine Wahlkämpfe mehr, es ist immer Wahlkampf! Veröffentliche mehrere Videos pro Tag, berichte über jede noch so kleine Sache, so wie Zoran Mamdani, der Bürgermeister von New York. Fasse dich kurz, formuliere verständlich, mach es unterhaltsam, spitze zu und setze auf Masse! Versuche auf Insta und Tiktok immer alle zu erreichen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">8. Fordere wirtschaftliche Verantwortung. Motiviere Unternehmen und Konsument*innen, Position gegen Rechtsextremismus zu beziehen und Vielfalt zu fördern. Boykottiere Unternehmen wie Müllermilch von Theo Müller &#8211; das ist der mit den mit AfD-Kontakten. Lass einfach kein Geld bei Nazis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">9. Baue solidarische Gegenstrukturen auf. So entziehst Du den Rechten das wichtigste Werkzeug: die Instrumentalisierung der Abstiegsangst. Rechtsradikalismus gedeiht dort, wo der Staat sich zurückzieht und Menschen sich isoliert fühlen. Werden diese Lücken durch solidarische Netzwerke gefüllt, verliert die AfD ihre Basis. Engagiere Dich bei kulturellen Organisationen, bei NGOs, bei zivilgesellschaftlichen Institutionen jedweder Art. &#8222;Zusammen gegen rechts&#8220; vernetzt alle. Stärke den Interkulturellen Dialog. Fördere Austausch und Begegnungen, um Vorurteile abzubauen und gemeinsame Kräfte gegen Rechtsextremismus zu bündeln. Bearbeite soziale Probleme konkret. Sorge dafür, dass Menschen praktische Solidarität erfahren: durch Mietberatung, Sozialberatung, Hilfe bei Behörden, Sprachcafés, Hausaufgabenhilfe, Tafeln und Lebensmittelverteilung, Nachbarschaftshilfe, Unterstützung von Geflüchteten, Jugendclubs, Rechtshilfe, Begleitung älterer Menschen, gemeinsame Kinderbetreuung, lokale Genossenschaften, solidarische Landwirtschaft usw.Überall da, wo Du eine Expertise hast und Du dich einbringen kannst, verändert sich der politische Raum: Menschen erleben Demokratie und Solidarität nicht als abstrakte Werte, sondern als etwas, das ihnen konkret hilft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">10. Engagiere dich für ein AfD-Verbotsverfahren! Aufgrund der inzwischen über Tausend gesammelten verfassungsfeindlichen Zitate und Schriften aus dem Umfeld der AfD &#8211; schaut euch einfach nur die website &#8222;afd-verbot.de&#8220; mit über 5.600 Beweisen von Verfassungsfeindlichkeit an &#8211; ist das Nicht-Prüfen eine Gefährdung der Demokratie. Von verschieden Gerichten ist bestätigt worden, dass die AfD die Demokratie vernichten will &#8211; Verbotsverfahren jetzt, die Verfassung verlangt es!</p>



<p class="wp-block-paragraph">11. Spende Geld! In Sachsen-Anhalt will die AfD Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus kaputtsparen: Ihr 100-Tage-Programm sieht vor, die Landesmittel für diese Stellen zu streichen. Das bedeutet: Für Demokratieprojekte, Beratungsstellen oder Jugendzentren vor Ort wird es deutlich schwerer, an Geld zu kommen. Ende 2026 verlieren 200 Demokratie-Projekte ihre Förderung aus dem <a href="https://www.campact.de/blog/2026/04/was-steckt-hinter-dem-bundesprogramm-demokratie-leben/">Bundesprogramm „Demokratie leben!”</a>. Mit Deiner Spende machst Du diese Arbeit aber möglich! Und das geht vor allem hier. Gerade im Schwabenland liegt soviel Geld auf Konten herum oder unter den Kopfkissen. Und spende regelmäßig! Jeder noch so kleine Betrag hilft!</p>



<p class="wp-block-paragraph">12. Organisiere den zivilgesellschaftlichen Druck. Schreib Petitionen, Bürgerinitiativen und offene Briefe – insbesondere auf kommunaler Ebene, wo konkrete Entscheidungen beeinflusst werden können. Beobachte die Kommunalpolitik: besuche Sitzungen, lese Anträge, schreibe Abgeordnete an, stelle Anfragen und dokumentiere öffentlich, wie Parteien bei konkreten Abstimmungen votieren. Organisiere öffentliche Veranstaltungen: Podiumsdiskussionen, Lesungen, Filmabende, Vorträge, Ausstellungen oder politische Kneipen. Baue lokale Bündnisse auf: Gewerkschaften, Kirchen, Vereine, migrantische Organisationen, Jugendverbände, Kulturinitiativen. Konfrontiere Abgeordnetenbüros mit Bürger*innenanliegen: nicht nur online kommentieren, sondern regelmäßig persönlich den Kontakt suchen. Es schafft dauerhafte lokale Strukturen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">13. Schaffe Räume für Jugendliche. Hilf ihnen, politisch handlungsfähig zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstütze Jugendparlamente, Schüler*innenvertretungen, politische Workshops, ihre Medienkompetenz, antifaschistische und demokratische Bildungsarbeit, Jugendzentren, Musik-, Kunst- und Kulturprojekte. Schaffe kostenlose Räume für Jugendliche. Das ist langfristiger als eine einzelne Kampagne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">14. Verteidige die Demokratie dort, wo man arbeitet. Gründe oder unterstütze einen Betriebsrat. Tritt einer Gewerkschaft bei. Beziehe im Betrieb Stellung gegen rassistische und menschenfeindliche Äußerungen. Unterstütze Kolleg*innen, die wegen Herkunft, Religion, Geschlecht angegriffen werden. Mache in der Ausbildung oder Hochschule politische Bildungsarbeit. Arbeitswelt und Gewerkschaften können sehr große soziale Räume erreichen, die klassische politische Aktivist*innen nicht erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">15. Begreife Kultur als politischen Raum. Organisiere oder unterstützeKonzerte gegen Rechts, Theater, Lesungen, Poetry Slams, Dokumentarfilmabende, Ausstellungen, lokale Geschichtsprojekte, Gedenkveranstaltungen, antifaschistische Kunst, Podcasts, unabhängige Medienprojekte. Mit Zeit, Geld oder durch Mitwirkung. Und: schließe eine Abo für ein Qualitätsmedium ab! Unterstütze den Journalismus, der gegen rechtsextrem arbeitet. Vor allem mit Geld. Auch hier: regelmäßig!</p>



<p class="wp-block-paragraph">16. Mach nicht alles alleine. Organisiere dich politisch auch in Gruppen. Eine organisierte Gruppe kann Räume mieten, Veranstaltungen durchführen, Spenden sammeln, Rechtshilfe organisieren, Medienarbeit machen, Wahlbeobachtung durchführen, neue Aktivist*innen ausbilden, kommunalpolitisch arbeiten, langfristige Kampagnen führen. Tritt in Gewerkschaften, Parteien, Vereine, Bürgerinitiativen, antifaschistische und demokratische Bündnisse, Wohlfahrtsverbände, migrantische Organisationen, Jugendorganisationen und lokale Kulturvereine ein. Es gibt immer eine Gruppe in Deiner Nähe, die Unterstützung braucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">17. Übe zivilen Ungehorsam. Das können symbolische Sitzaktionen, Mahnwachen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besetzungen von öffentlichen Orten oder Parteiveranstaltungen, „Die-ins“, Menschenketten, massenhafte öffentliche Briefe oder Protestanrufe, Flashmobs, künstlerische Protestaktionen, Sitzblockaden oder andere Verweigerungsaktionen sein &#8211; bewusste Regelüberschreitungen jedweder Art. Stelle Dich Faschist*innen in den Weg, blockiere AfD-Veranstaltungen. Bleibe dabei gewaltfrei. Erfinde selber Aktionen, motiviere andere, mitzumachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">18. Bereite Dich auf den Ernstfall vor. Tausche Dich aus, baue langfristige Netzwerke auf. Frag Initiativen vor Ort, was sie benötigen oder wie du unterstützen kann. Bereite Dich auf potenzielle Bedrohungsszenarien – z.B. unter einer rechtsextremen Landesregierung – vor, um handlungsfähig zu bleiben.&nbsp;Teile dein Wissen und mach Dich krisenfest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">19. Pass auf andere auf. Engagement hilft, Ohnmachtsgefühle abzubauen. Du hast Freund*innnen oder Bekannte in Sachsen-Anhalt? Dann melde Dich bei ihnen. Frag, was sie brauchen. Lass diejenigen nicht allein, die von rechtsextremen Strukturen umgeben sind. Mache Mut, gib Kraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">20. Schütze Menschen, die besonders exponiert sind. Begleite bedrohte Kommunalpolitiker*innen. Unterstütze Journalist*innen. Unterstütze Beratungsstellen. Begleite Menschen, die rassistische Angriffe erlebt haben. Dokumentiere rechtsextreme Aktivitäten, melde Bedrohungen und Übergriffe, unterstütze Betroffene. Schalte bei konkreten Straftaten Polizei bzw. zuständige Stellen ein. Sichere Kommunikationskanäle, stelle gegenseitige Notfallkontakte her. Gehe nicht allein zu Veranstaltungen, wenn eine konkrete Bedrohungslage besteht. Demokratische Arbeit gegen rechtsextrem darf nicht bedeuten, dass einige wenige Menschen sich dauerhaft aufreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a></a> 21. Betrachte dieses Maßnahmen als Startrampe. Ich komme zum Anfang zurück: werde Antikapitalist*in! <strong>Rechtsradikalismus lässt sich im Kapitalismus langfristig nicht bekämpfen. Denn der Kapitalismus produziert seine Bedingungen. Man muss diese Bedingungen verändern. Antifaschismus muss antikapitalistisch sein!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Anwesende,es gibt nicht die eine Maßnahme gegen rechts, die funktioniert. Die Summe machts! Deshalb ist das Engagement jeder und jedes Einzelnen mit allen möglichen Mitteln auf allen möglichen Ebenen so wichtig. Irgendetwas tun, und wenn es noch so klein ist. Je verschiedener die Menschen und Institutionen sind, die sich beteiligen, desto wirkungsvoller ist der Widerstand gegen antidemokratische Kräfte, gegen Nazis, gegen Faschist*innen, gegen die Afd!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und es gehört das Bewusstsein dazu, dass es in nächster Zeit um alles geht. Um freie Meinungsäußerung, um Menschenrechte, um die Gleichberechtigugung aller, die hier leben, um vieles andere mehr &#8211; es geht um das Leben, welches wir bisher gelebt haben. Und jetzt verknote ich das Ganze mit Worten meiner Freundin und Mitstreiterin Marlene Engelhorn, aus ihrem Schlussmonolog der Theater-Produktion &#8222;Geld ist Klasse&#8220;:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ok, nehmen wir mal an, wir tun jetzt alle etwas. Aber das ist anstregend. Und es nervt auch, weil soviele unterschiedlicher Meinung sind. Und dann will man nicht mehr, macht sich Vorwürfe, weil man wieder keine Zeit hat. Und dann droht das burnout, es frustriert, dass sich so schnell nichts ändert. Aber wir machen trotzdem weiter. Wir machen es ja nicht für uns allein. Allein hat niemand eine Chance. Niemals alleine, immer gemeinsam! Soziale Bewegung ist Arbeit, viel Arbeit. Und es dauert. Wir werden die Ergebnisse vielleicht nicht einmal erleben. Aber so geht es jeder Bewegung, und es ist nichts entschieden! Alles ist möglich. Es ist nicht 1933! Wir wissen: es ist einfacher, für die Demokratie zu kämpfen, solange es sie noch gibt. Und wir stehen auf den Schultern all jener, die sich vor uns für Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt haben. Und deswegen vielleicht erschossen worden sind, die bis zum Schluss gekämpft haben. Und wir werden die nächsten Schultern sein! Und je mehr wir werden, umso besser kriegen wir das hin.Denn es ist die verdammte Mühe wert! </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2608. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/09/20/2608-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 10:40:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Treue, am Samstagnachmittag, ich kam gerade aus der Stadt, war mir auf einmal danach, ein paar Zeilen zu schreiben. Ich hatte so etwas wie ein schlechtes Gewissen, und deshalb wieder hier und heute: Meine kleine Website StoryEIN FRESSEN FÜR DIE GEIER Seit einiger Zeit, was immer das heißt, hab ich keinen Text mehr getippt, der nicht<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Treue, am Samstagnachmittag, ich kam gerade aus der Stadt, war mir auf einmal danach, ein paar Zeilen zu schreiben. Ich hatte so etwas wie ein schlechtes Gewissen, und deshalb wieder hier und heute:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>EIN FRESSEN FÜR DIE GEIER</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit einiger Zeit, was immer das heißt, hab ich keinen Text mehr getippt, der nicht irgendwie als Bekanntmachung diente. Als Ankündigung von Veranstaltungen, meistens politischen. Mehr und mehr bin ich zu einer Verlautbarungsmaschine geworden. Und weil ich immer wieder politische Sachen organisiere oder an der Organisation dieser Sachen beteiligt bin, ist mein Hirn womöglich auf Amtsblattformat zusammengeschrumpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nicht besonders lustig, wo es doch eigentlich darum gehen müsste, über die milliardenschwere Sanierung der Stuttgarter Staatsoper zu diskutieren, während dem deutschen Verteidigungsminister in Texas ein brandneuer Kampfjet vom Typ F-35A aus einer milliardenschwere Flotte übergeben wird. Der SPD-Minister Pistorius, in Fachkreisen als Pistolius bekannt, sagte anlässlich dieses feierlichen Akts im Dienste des Weltfriedens, der sagenhafte Flugkörper sei wegen seiner besonderen Fähigkeiten „Sensor und Schaltzentrale im Luftkrieg von morgen“. Voll Top Gun.<br>Da im Fall der F35-A auch was mit Atomwaffen geht, wird der morgige Luftkrieg nicht allzu lange dauern. Weshalb es umso unsinniger erscheint, sich vroher noch über Umbau, Neubau und Ersatzbau eines Opernhauses zu streiten. Angesichts der Weltlage klänge es ziemlich operettenhaft, sich über Dreh- und Kreuzbühnen zu unterhalten, während die letzte Messe in der Luft gesungen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Absurde nimmt in diesen Zeitenwende-Zeiten überhand, und umso absurder kommt es mir gelegentlich vor, etwas dagegen zu tun. Gerade so, als könnte man beim Joggen im Wald dem Tod davonrennen. Auffällig ist, dass zurzeit Jogging-Formationen in Armeestärke mitten in der Stadt erschreckend zunehmen. Manchmal machen sie so viel krachenden Lärm, dass du unweigerlich in Deckung gehst, weil du mit einem Luftangriff rechnest. In Wahrheit sitzt ein DJ im Lastenrad. Der Lauf in der Menge hat weniger mit der Angst zu tun, sich allein auf die Straße zu trauen, als mit der Verlockung, Rudel-Joggen könne Kontaktbörsen und Dating Apps ersetzen. Dem Vernehmen nach rechnet man bei diesen Massenbewegungen in der Innenstadt mit nachhaltigen erotischen Zusammenstößen. Road to Love. Highway to Hell. Das erinnert an die Möhre, die man dem Esel vors Maul hält, damit er ergeben vor sich hin trottet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Esel in der Hoffnung, im Vorwärtsgang was zu schnappen, war ich selbst jahrelang. Man hielt mir zwar keine Möhre vor die Nase, immerhin aber trieb mich die Aussicht vorwärts, irgendwo auf der Strecke etwas Verwertbares aufzuschnappen. Etwas, das sich – gut durchgekaut – zu einer Zeitungskolumne in meinem Dasein als berufsmäßiger Stadtspaziergänger verarbeiten ließe. In all den Jahren ist es mir insofern gelungen, als ich dafür ein Gehalt erhielt, der so hoch war, dass ich heute von meiner Rente leben kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen allerdings fällt es mir schwer, wie früher unterwegs die Gedanken fliegen zu lassen oder gar vor lauter Gedankensprüngen die Balance zu verlieren. Das liegt nicht an meinem Alter, eher an diesen lebensermüdenden Dingen im Kopf, die ich für lebenswichtig halte. Dinge, die mit organisatorischem Krempel zu tun haben. Die den Nerv der Fantasie töten und einen daran hindern, sich wie Münchhausen auf eine Kanonenkugel zu setzen. Warum ich auf den Lügenbaron komme? Wegen Pistorius? Nein, weil ich Münchhausen neulich im Filmpark Babelsberg begegnet bin. Die Filmstudios stehen übrigens nur deshalb auf dem Land in Babelsberg, weil die Feuerwehr Anfang des 20. Jahrhunderts die Bosse bat, das Geschäft der bewegten Bilder nicht länger in der Berliner Chausseestraße zu betreiben. Seinerzeit verwendete man <em>Nitrafilm</em><strong><em> </em>(</strong>Celluloid auf Nitrozellulose-Basis), dieses Zeug war extrem leicht brennbar und janz Berlin deshalb in Feuergefahr. Brandschutz ist keine linksgrünversiffte Erfindung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schon sind wir wieder bei diesem politischen Kram, den ich eingangs erwähnt habe. Tatsächlich sagt mir mein Gewissen, von dessen Beweggründen ich nicht viel weiß, es sei meine Pflicht, zu tun, was man tun muss. Dummerweise weiß niemand genau, was das sein soll. Sicher ist nur, dass ich denke, dass das Nichtstun allen Arschlöchern dieser Welt erlaubt, alles zu tun, was sie wollen. Nun habe ich nur wenige historische Anhaltspunkte, dies ließe sich tunlichst verhindern. Denn niemand wird mir eine F35-A übergeben, nicht mal dann, wenn ich in Texas als Soze vom Schlag Pistolius durchginge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute bin ich zwar immer noch Tag für Tag einige Kilometer zu Fuß in der Stadt unterwegs, aber eher wie ein routinierter Schrittmacher am Rande des Gewimmels, weniger wie ein Suchender oder Hanns Guck-in-die-Luft. Vor der Staatsoper steht ein Werbeschild mit der Aufschrift „Der Abend gehört den Neugierigen“. Als ich das lese, schmerzt mich die Botschaft, weil ich weiß, dass sich meine Neugier mittlerweile in Grenzen hält. Ein Grund dafür könnte sein, dass mir gegenwärtig das Offensichtliche gefährlich genug erscheint. Da braucht es für den nächsten Kick keine Geheimnisse, die mit Neugier zu lüften wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Kapitalismus angefressen ist beziehungsweise sich selbst und seine Opfer ein Stück weit aufgefressen hat, dann wird es ungemütlich. Dann werden Menschen, die so gut wie nichts vom großen Fressen abbekommen haben, wütend und zornig, dann wittern die Rechten von ganz rechts Morgenluft und tun so, als seien sie das Allheilmittel gegen das Gefressenwerden. Diese Nummer funktioniert ziemlich einfach, weil es nicht schwer ist, den Angefressenen mit einer Moped-Ausfahrt, einem Grill voll Gratiswürsten und einem Sack voll Hetze mit breitem Grinsen ins Gesicht zu sagen: Na, hast du es jetzt gefressen? Ja, sagen die, und hauen dem nächstbesten Noch-mehr-Angefressenen in die Fresse, weil sie die wirklich großen Fresser ja gar nicht kennen. Ihnen nie begegnet sind. So einfach ist das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Parole „Gegen rechts“ ist sicher nicht falsch, nimmt aber meist nur die eine Partei ins Visier, die sich das Fressen für die Geier ergaunert. Nun weiß niemand genau, mit welchen Mitteln diese Pest erfolgreich zu bekämpfen wäre, und so bleibt uns Losern nur der Appell, und zusammenzutun. Um zusammen was zu tun. Diese Allerweltsweisheit vor Augen, geht die Organisiererei schon wieder los. Dann orgelst du auf der Orga-Tastatur herum und hoffst, irgendwo zwischen den vielen arglosen und dummen Nichtstuern ein paar gescheite und brave Tu-was-Tuer zu finden, die noch nicht bis zum Abwinken von Wut und Zorn oder Unbedarftheit und Gedankenlosigkeit durchgeorgelt wurden. Das ist nicht unbedingt die große Oper in einem Leben, das endlich ist.<br>Noch aber ist die Messe nicht gesungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt zu einer bevorstehenden Veranstaltung, die mir sehr wichtig ist:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info"><strong>Netzwerk Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie:</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sonntag, 27. September 2026<br>Württembergischer Kunstverein Stuttgart<br>Beginn: 17 Uhr</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Öffentliches Treffen: Der Ratschlag</strong><br><strong><em>Was können wir – NOCH – tun gegen rechts?</em></strong><br>Eintritt frei</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit:<br><strong>Jakob Springfeld,</strong> <strong>junger</strong> <strong>Aktivist</strong> und Autor aus Zwickau/Sachsen, der u. a. den Bestseller „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ veröffentlicht hat. Untertitel des Buchs: „Warum das Erstarken der Rechten für uns alle eine Bedrohung ist“.<br><strong>Katja Sternberger,</strong> Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen (Irex).<br><strong>Volker Lösch</strong>, Regisseur und Aktivist, lange am Staatstheater Stuttgart tätig und vielen noch als wortgewaltiger Aktivist gegen Stuttgart 21 bekannt.<br><strong>Kerstin Müller,</strong> Leuchtlinie<a href="https://www.leuchtlinie.de/">,</a> Fach- und Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Baden-Württemberg. Sitz in Stuttgart.<br><strong>Karimael Buledi,</strong>Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Legal Café Cannstatt<br>Musik: <strong>Ekkehard Rössle</strong> (Saxophon)<br><strong>Auch das Publikum kommt zu Wort</strong><br>In Kooperation mit der <em>Kontext Wochenzeitung</em> und der Initiative <em>Die AnStifter</em>  </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2607. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/09/13/2607-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 11:21:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucher/in, es ist einige Tage her, dass ich mich auf der Depeschenseite gemeldet habe. Hatte zwei Gründe: Erstens war einiges zu organisieren in den vergangene Wochen, zweitens war ich acht Tage unterwegs. Meine Stationen hießen Potsdam, Magdeburg, Berlin. In Magdeburg habe ich einen Tag vor der Wahl das Demokratie-Festival auf dem Domplatz besucht, und in Berlin<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucher/in,</p>



<p class="wp-block-paragraph">es ist einige Tage her, dass ich mich auf der Depeschenseite gemeldet habe. Hatte zwei Gründe: Erstens war einiges zu organisieren in den vergangene Wochen, zweitens war ich acht Tage unterwegs. Meine Stationen hießen Potsdam, Magdeburg, Berlin. In Magdeburg habe ich einen Tag vor der Wahl das Demokratie-Festival auf dem Domplatz besucht, und in Berlin hielten Annette Ohme-Reinicke und ich einen Vortrag über die Geschichte von Stuttgart 21. Das kleine Theater<em> Vierte Welt </em>am Kottbusser Tor hatte uns eingeladen, im Rahmen einer Themenreihe über verbrannte Steuergelder zu sprechen und mit dem Publikum zu diskutieren. War eine schöne Sache mit angenehmen Menschen. In der Vierten Welt hatte gerade das Musical &#8222;Was kostet unser Gas&#8220; Premiere: eine originelle, informative Show über die Absurditäten und Profite des Energiegeschäfts. Ein Beispiel, wie man sich künstlerisch auf präzise Weise, mit Humor und multimedialen Effekten mit komplexen Themen auseinandersetzen kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und kurz nach der Rückkehr musste die 6. Stuttgarter <em><strong>Prüf-Kundg</strong></em><strong><em>ebung</em> </strong>durchgezogen werden, die baden-württembergische Version der bundesweiten Demo-Reihe zur Forderung eines Prüfverfahrens gegen rechtsextreme Parteien vor dem Bundesverfassungsgericht. Wegen Ferien und Personalmangels wollte das Stuttgarter Prüf-Team im September eigentlich auf eine Kundgebung verzichten. Ausgerechnet im Monat der Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Geht nicht, sagte ich mir, und habe die Veranstaltung mehr oder weniger im Ein-Mann-Unternehmen für Samstag, 12. September, vorbereitet. Wurde dann am Samstag, 12. Setember, eine nach meinem Empfinden gute, gehaltvolle Kundgebung mit starken Reden, erstklassiger Live-Musik und politischem Kabarett. Es gelang, unterschiedliche politischen Perspektiven auf einer Bühne zusammenzubringen. Es sprachen Paula Weil von Fridays for Future, Alicia von der antifaschistischen Bewegung, der Schriftsteller Woilfgang Schorlau und unsereiner. Stephan Moos (Schauspieler, Theaterhaus) &amp; Karimael Buledi (Aktivistin, Legal Café Cannstatt) moderierten. Den satirischen Part übernahm der Kabarettist Thomas Schreckenberger, Musik machten die Maslband und Fola Dada &amp; Joscha Glass. 3000 Teilnehmer/innen waren im Schlossgarten &#8211; bei guter Stimmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am selben Tag veranstaltete das Stuttgarter<em> Bündnis für Demokratie und Menschenrechte</em> auf dem Schlossplatz die Kundgebung &#8222;Mut statt Wut&#8220;. Dieses Bündnis, das zahlreiche Organisationen aus Politik, Wirtschaft und Sport zusammenführt (und bisher eher selten in Aktion getreten ist), hatte seine Veranstaltung vorbereitet, ohne andere Initiativen rechtzeitig zu informieren. So erfuhr ich von der Sache erst, als ich das Programm der Prüf-Demo schon komplett geplant hatte. Eine Zusammenlegung hätte jeden zeitlichen und dramaturgischen Rahmen gesprengt. Also hab ich dem Bündnis spontan vorgeschlagen, seine Veranstaltung von 15 Uhr auf 16 Uhr zu verlegen, so dass wir im Anschluss an unsere für 14 Uhr vorgesehene Kundgebung mit einer Marching-Band vom Schlossgarten zum Schlossplatz marschieren können. Das hat in bestem Einvernehmen tadellos funktioniert, und so wurde die Bündnis-Aktion von einer Menge Menschen der Prüf-Bewegung unterstützt. Motto: Alle zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der <strong>Prüf-Kundgebung</strong> habe ich diese <strong>Eingangsrede </strong>vorgetragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Einen wunderschönen guten Tag im Schlossgarten,</em><br>großen Dank an euch, dass ihr bereit seid, etwas zu tun, um den Rechtsstaat zu verteidigen. Sicher habt ihr alle von der neuen, verheerenden Pisa-Studie gehört. Und deshalb ist es auch heute wieder meine Aufgabe, die alphabetischen Kenntnisse zu prüfen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Gebt mir ein Peee<br>Gebt mir ein Errr<br>Gebt mir ein Üüüü<br>Gebt mir ein Efff</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schon sind wir mittendrin: Es ist eine Schande, wie das Bildungssystem in diesem immer noch reichen Land von der Politik heruntergewirtschaftet wurde. Wie die Chancengleichheit, die Bildungsgerechtigkeit für junge Menschen immer mieser geworden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wer jetzt erschüttert nach Sachsen-Anhalt schaut, der sollte seinen Blick am besten auch auf das Leben in unserer Umgebung richten. Es wäre völlig falsch, sich in dieser Republik im Westen über den Osten zu erheben. Gar zu glauben, der rechtsextreme Flächenbrand sei ein regionales Problem.<br>Vor der Wahl war ich in Magdeburg beim Demokratie-Festival mit über 10.000 Menschen auf dem Domplatz, auch einige von euch waren dort. Meinen allergrößten Respekt vor dem unermüdlichen, durchaus gefährlichen Widerstand im Osten. Am Ende dieser mit Courage und Können organisierten Aktion trat der junge Aktivist und Autor Jakob Springfeld aus Sachsen auf. Der hat 2024 ein erfolgreiches Buch mit dem Titel veröffentlicht: „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“. Zwei Jahre später sage ich mir: Verdammt, viele von uns Westen haben nicht mal eine Ahnung, was hier im Westen passiert.<br>Das gilt auch für etliche in der Bundespolitik. Der fortschreitende Abbau des Sozialstaats, die Angriffe auf hart erkämpfte Arbeitsrechte, die Unsummen in die Aufrüstung werden auch hier den Rechtsextremen immer mehr Zulauf bescheren. Was die Rechtsextremen mit Rüstungsprodukten, also Waffen und Munition, vorhaben, hat ihr Anführer ja gerade gesagt: Sie sollen bei ihrer Remigrations- und Abschiebeoffensive eingesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wir kennen inzwischen den Umgang von oben mit Menschen da unten. Da ist was faul. Und das sind nicht wir!<br>Niemand erwartet, dass ein Bundeskanzler Bier und Würste verteilt, Moped-Ausfahren organisiert und sich wie der Parteiführer von Sachsen-Anhalt ein Dauerdeppengrinsen aufsetzt. Aber mit seinem arrogantem Ton verspielt er jedes Vertrauen, bei uns könnte sich was zum Guten ändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Kanzler jetzt damit ankommt, seine Reformen müssten nur emotional besser verkauft werden, dann packt mich der Zorn. Ich kann das Gerede von der besseren Erzählung nicht mehr hören. Der Begriff Erzählung steht für die verbale Verpackung des Nichtstuns. Für die Verschleierung der Unfähigkeit, den Rechtsextremen eine politische Strategie entgegenzusetzen. Einer Partei, denen die neuen US-amerikanischen Tech-Faschisten zur Wahl gratulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wahren Ursachen für wirtschaftliche Probleme sind nicht Migranten und Bürgergeld-Bezieher:innen, ganz sicher auch nicht die Kosten für Bildungseinrichtungen und demokratische Initiativen, deren staatliche Unterstützung jetzt gekürzt wird. Die Ursache ist auch nicht der Kanzler allein, es sind ebenso Politiker:innen und Medienleute, die Forderungen und Sprache der Rechtsextremen übernehmen und salonfähig machen.<br>Viele Menschen bei uns haben Existenz- und vor allem Verlustängste. Horrende Mieten, steigende alltägliche Kosten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und nicht nur die sogenannten Abgehängten wählen die rechtsextreme Partei. Auch in Gegenden, wo es wirtschaftlich gut geht, wie etwa in Hohenlohe, ist der Stimmenanteil für die Rechtsextremen viel zu hoch. Unsere demokratischen Errungenschaften können wir nur verteidigen mit einer neuen Verteilung in diesem Land, mit einer Umverteilung von oben nach unten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem fehlt der klare Kurs gegen die Feinde der Demokratie. Die Bundesregierung müsste doch schon jetzt ein Notfall-Programm für die bedrohten Menschen im deutschen Osten auflegen. Um für den Tag gerüstet zu sein, wenn Schulen, Justiz, Medien und ehrenamtliche Organisationen angegriffen werden. Und wer von uns kann, sollte spenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt zu unserem Kern: Angesichts der vom Grundgesetz vorgesehenen juristischen Prüfung des parlamentarischen Arms der Rechtsextremen wird von der Politik viel zu viel herumgedruckst. Sie muss endlich ihre verdammt Pflicht tun, nämlich das Grundgesetz und den Rechtsstaat verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Täglich melden jetzt Medien, dass auch aus der bürgerlichen Politik immer mehr Forderungen zur Prüfung eines Partei-Verbots laut werden. Unsere Prüf-Bewegung hat mitgeholfen, das Thema in der Öffentlichkeit zu positionieren. Aber die zuständige Politik versucht, sich zu drücken. So wird von einem CDU-Ministerpräsidenten vorgeschlagen, die Gründung eines Prüf-Gremiums zur Prüfung einer Verbots-Prüfung zu prüfen. Als wollten sie sich zu Tode prüfen, bevor sie unseren Rechtsstaat mit einem Parteiverbot retten. Nebenbei: Es ist auch nicht sinnvoll, wie hier im Land nur ein Verbot für die völkische Abteilung der Partei zu fordern. Das klingt, als wolle man aus einem vergifteten Glas Wasser das Gift mit dem Teesieb fischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt zu uns: Unsere Prüf-Demos reduzieren sich nicht darauf, unsere Landesregierung aufzufordern, im Bundesrat ihre Stimmen für ein juristisches Prüf-Verfahren abzugeben. Unsere Versammlungen hier haben auch Menschen mobilisiert, die sonst nicht an Aktionen gegen den Rechtsextremismus teilgenommen hätten. Ein gutes Zeichen! Es genügt nicht, auf Social Media zu behaupten: &#8222;Wir sind mehr&#8220;. Noch sind wir das vielleicht bei Wahlen, aber sicher nicht, wenn wir die Zahl der aktiven Demokratinnen betrachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen jetzt so viele Menschen wie möglich dazu bringen, Initiativen, Organisationen, Gewerkschaften, Beratungsstellen zu unterstützen, die sich in der Praxis für unsere demokratischen Errungenschaften einsetzen, die Opfern rechtsextremer Umtriebe helfen. Die sich für den Erhalt unserer demokratischen Lebenskultur engagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bringt nichts, uns weiterhin nur mit den Machenschaften einer Partei voller Neonazis und Krimineller zu beschäftigen. Die kennen wir, wir wissen zur Genüge, welche Alternative dieses Syndikat der Abgründe verkörpert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Mitstreiter:innen, wir müssen unser <em>eigenes</em> Ding machen. Für eine <em>bessere</em> Demokratie. In einer Demokratie geht es nicht um die Dominanz der Mehrheit, sondern darum, auch Minderheiten zu schützen. Und wir dürfen uns bei Demos nicht der Selbstberuhigung hingeben. Wir müssen uns vernetzen, Kontakte aufbauen, heute und hier, wir müssen uns mit antifaschistischen Gleichgesinnten zusammentun – ohne Vereinsmeierei, ohne Scheuklappen, ohne Parteisoldatentum.<br><br>Ihr kennt das Motto: Wir können hoffen, solange wir handeln. Und wenn wir handeln, können wird hoffen.<br>Und zum Schluss zurück zum Alphabet:<br>Meine Devise lautet: Wer A sagt, muss auch P sagen. AAA und Pppeee!! Und das bedeutet:<br>Aufstehen und Prüfen! Und zwar jetzt!<br><em>Vielen Dank.  </em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und damit zu einer bevorstehenden  Veranstaltung, die mir sehr wichtig ist:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info"><strong> Netzwerk Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie:</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sonntag, 27. September 2026<br>Württembergischer Kunstverein Stuttgart<br>Beginn: 17 Uhr</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Öffentliches Treffen: Der Ratschlag</strong><br><strong><em>Was können wir – NOCH – tun gegen rechts?</em></strong><br>Eintritt frei</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit:<br><strong>Jakob Springfeld,</strong> <strong>junger</strong> <strong>Aktivist</strong> und Autor aus Zwickau/Sachsen, der u. a. den Bestseller „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ veröffentlicht hat. Untertitel des Buchs: „Warum das Erstarken der Rechten für uns alle eine Bedrohung ist“.<br><strong>Katja Sternberger,</strong> Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen (Irex).<br><strong>Volker Lösch</strong>, Regisseur und Aktivist, lange am Staatstheater Stuttgart tätig und vielen noch als wortgewaltiger Aktivist gegen Stuttgart 21 bekannt.<br><strong>Kerstin Müller,</strong> Leuchtlinie<a href="https://www.leuchtlinie.de/">,</a> Fach- und Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Baden-Württemberg. Sitz in Stuttgart.<br><strong>Karimael Buledi,</strong>Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Legal Café Cannstatt<br>Musik: <strong>Ekkehard Rössle</strong> (Saxophon)<br><strong>Auch das Publikum kommt zu Wort </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kooperation mit der <em>Kontext Wochenzeitung</em> und der Initiative <em>Die AnStifter</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2606. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/08/24/2606-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2026 13:23:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Gästinnen und Gäste, tatsächlich handelt es sich bei &#8222;Gästinnen&#8220; weniger um ein gegendertes Wort als um ein vergessenes: Es stand schon im Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm. Sei&#8217;s drum. Heute, nach extrem hohen Temperaturen und viel organisatorischem Kram, der neue Newsletter unseres Netzwerks Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie: Liebe Mitstreiter:innen, nach<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gästinnen und Gäste, tatsächlich handelt es sich bei &#8222;Gästinnen&#8220; weniger um ein gegendertes Wort als um ein vergessenes: Es stand schon im Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm. Sei&#8217;s drum. Heute, nach extrem hohen Temperaturen und viel organisatorischem Kram, der neue Newsletter unseres Netzwerks <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie:</a>  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe Mitstreiter:innen,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">nach der Hitze ist vor der Hitze, und wir müssen kühlen Kopf bewahren. Der meteorologische und der politische Klimawandel, die eng zusammenhängen und sich ständig verschärfen, dulden kein Nichtstun. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt und am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, und wir sollten nicht denken, die erschreckende Zustimmung für die AfD in den neuen Bundesländern sei nur ein „Ost-Problem“. Vielmehr sollten wir damit rechnen und uns dagegen wappnen, dass trotz der unterschiedlichen Historie und politischen Entwicklung auch bei uns im sogenannten Westen schon bald möglich sein kann, was im Osten bereits gang und gäbe ist: die Dominanz einer rechtsextremen Bewegung mit ihrem parlamentarischen Arm, die unsere demokratischen Errungenschaften zerstören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Zwickau in Sachsen hat schon 2024 den Bestseller „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ veröffentlicht. Der Untertitel des Buchs sagt uns, was immer noch unterschätzt wird: „Warum das Erstarken der Rechten für uns alle eine Bedrohung ist“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jakob Springfeld ist viel unterwegs und hat Erfahrung. Am Sonntag, 27. September, tritt er bei unserer Netzwerk-Veranstaltung im Württembergischen Kunstverein auf. Thema: „Was können wir – NOCH – tun gegen rechts?“ Mit ihm kommt der Regisseur <strong>Volker Lösch</strong>, lange am Staatstheater Stuttgart tätig und vielen als wortgewaltiger Aktivist gegen Stuttgart 21 bekannt, zu unserem offenen Treffen. Beginn: 17 Uhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als mitwirkende Gäste erwarten wir außerdem:<br><strong>Katja Starnberger, </strong>Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen (IRex).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kerstin Müller,</strong> <a href="https://www.leuchtlinie.de">Leuchtlinie,</a> Fach- und Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Baden-Württemberg. Sitz in Stuttgart, Reinsburgstraße. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Wort kommen wird auch das Publikum. Uns geht es darum, praktische Vorschläge für das Engagement gegen rechts zu erarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Treffen nennen wir Der<em> Ratschlag</em>, unterstützt wird das Ganze von der <a href="https://www.kontextwochenzeitung.de">Kontext Wochenzeitung</a> als Kooperationspartnerin und der Initiative AnStifter. Das Programm ist noch nicht vollständig. Wir sind an der Arbeit und hoffen auf engagierte Beteiligung am Sonntag, 27. September, wenn die Wahlen im Osten gelaufen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PRÜF-Kundgebung Spezial</strong><br><strong>Samstag, 12. September</strong><br><strong>Stuttgarter Schlossgarten. Achtung: Beginn 14 Uhr</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil Ferien sind und die Personaldecke beim Stuttgarter Prüf-Team ziemlich dünn, haben wir uns als Netzwerk noch einmal für eine Kundgebung eingesetzt und sie mitorganisiert. Angesichts der Wahlen trägt die 6. Folge den Untertitel „Spezial“. Sie beginnt um 14 Uhr, die Bühne steht wie gewohnt vor dem Schauspielhaus. Am Ende gibt es einen Demo-Zug zum Schlossplatz, wo zum Thema Ost-Wahlen die Kundgebung des Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte um 16 Uhr beginnt. Die Zusammenlegung beider Veranstaltungen am selben Ort wäre zu umfangreich ausgefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und hier die Mitwirkenden auf der Bühne der Prüf-Kundgebung im Schlossgarten:<br>Wortbeiträge:<br><strong>Wolfgang Schorlau,</strong> Schriftsteller<br><strong>Thomas Schreckenberger,</strong> Kabarettist<br><strong>Paula Weil, </strong>Fridays for Future<br><strong>Joe Bauer,</strong> Autor</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moderation:<br><strong>Karimael Buledi</strong> (Aktivistin, Moderatorin) &amp; <strong>Stephan Moos </strong>(Schauspieler)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musik:<br><strong>Maslband</strong> (Frauen-Trio, Balkan-Sounds, Klezmer)<br><strong>Fola Dada</strong> (Jazz- und Soulsängerin) &amp; Joscha Glass (Jazzmusiker)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schön und absolut wichtig wäre, wenn möglichst viele Organisationen/Initiativen/Aktive/Neueinsteiger dabei wären. Wir müssen endlich über unseren eigenen Schatten springen und die viel beschworene wehrhafte Demokratie als STREITBARE DEMOKRATIE verstehen – und trotz aller unterschiedlicher Meinungen zusammenfinden und was tun. Ohne Scheuklappen, ohne Vereinsmeierei. Ein frommer Wunsch, aber unsere einzige Chance. Wie immer schließen wir mit unserem Motto: Hoffen heißt handeln und handeln heißt hoffen. Und da gibt’s keine Ferien &#8230;<br><br><em>Herzliche Grüße<br>Euer Netz-Team</em></p>



<pre class="wp-block-preformatted"></pre>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>2605. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/08/10/2605-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 11:25:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe alle und wenige, in der Trägheit der Monsterhitze eine kurze Homepage-Kolumne: Meine kleine Website StoryAM MEER Aus der Straßenbahn stieg ein Mann mit Wanderhut und Spazierstock. Der Stock hatte eine Metallspitze, die der Mann bei jedem Schritt so heftig auf den steinernen Boden stieß, dass es lauter und gefährlicher klackte, als es Nordic Walker hinbekommen. Mir<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe alle und wenige, in der Trägheit der Monsterhitze eine kurze Homepage-Kolumne:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>AM MEER</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Straßenbahn stieg ein Mann mit Wanderhut und Spazierstock. Der Stock hatte eine Metallspitze, die der Mann bei jedem Schritt so heftig auf den steinernen Boden stieß, dass es lauter und gefährlicher klackte, als es Nordic Walker hinbekommen. Mir schien, als wollte der Mann gehört oder erhört werden, bevor er die Welt mit dem Spazierstock angreifen wird. Auf seinem T-Shirt prangten die Buchstaben „Es ist vollbracht“. Dieses Zitat aus dem Johannesevangelium, sagt mir Gooogle, handelt von dem Moment, in dem Jesus sein Werk auf Erden vollendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag war es wie sehr oft in diesem Sommer so heiß, dass ich die Botschaft „Es ist vollbracht“ persönlich nehmen musste. Es roch nach Ende. Es ist nicht mehr der Winter, der vom Finale des Lebens erzählt. Es ist der Sommer, und die Klimaleugner und Umweltsäue können die Hitzetoten zählen und auf ihr T-Shirt schmieren: „Es ist vollbracht“. Bald wird uns nur noch die Nachricht trösten, dass die Menschheit untergeht. Es könnte ja schlimmer kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war nie ein Freund des Sommers, auch nicht, als ich den Begriff Klimakatastrophe noch nicht gekannt habe und noch nicht so viele Wälder brannten. Schon immer war ich ein Freund des Herbsts. Er ist ein Harlekin, ein Kerl im Flickengewand auf Tour. Und schon der Gedanke an den nächsten Sommer ist heute blanker Horror.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Stadtpalais, dem „Museum für Stuttgart“, haben sie sie ein ziemlich großes Planschbecken für Kinder aufgebaut und ein Schild daneben gestellt: „Stuttgart am Meer“. Die örtlichen Zeitungen meldete umgehend „Mittelmeer-Feeling“. Was für ein berauschendes Gefühl. Laut dem EU-Klimadienst Copernicus heizen sich zurzeit die Weltmeere auf Rekordniveau auf. Am Strand von Mallorca kannst du dir heiße Würstchen im Salzwasser zubereiten. In Zukunft werden wir also noch viel mehr Typen begegnen, die zu heiß gebadet haben. Auch die sind wahlberechtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass bei uns mit Blick auf ein Wasserbecken „Mittelmeer-Feeling“ ausgerufen wird, entspricht dem Geist der Stadt. Da erzählt der Oberbürgermeister auf dem CDU-Parteitag, Stuttgart sei das „deutsche San Francisco“. Wenn sich irgendwo ein Haus ein paar Meter über den Keller erhebt, verstrahlt es das Lebensgefühl New Yorks. Und wenn zwei Kneipen in einer Straße nebeneinander geöffnet haben, ist das wie in Berlin. Und so wähnt man sich beim Blick auf eine Pfütze am Mittelmeer. Den Soundtrack des Meeresrauschens liefert die Stadtautobahn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über das Verhältnis der städtischen Politik zu ihrem Wasser habe ich mich oft genug ausgelassen. Stuttgart am Meer ist seit Jahrzehnten zu dumm und zu ignorant, den Menschen den Neckar vor ihrer Haustür zugänglich zu machen. Stuttgart hat auch drei große Mineralbäder mit Wasser aus zahlreichen fantastischen Quellen und müsste eigentlich Bad Stuttgart heißen. Als während der Corona-Pandemie der Lockdown herrschte und der Kulturbetrieb ruhte, wurde mir klar, was ich einzig und allein vermisste in der Stadt: das Mineralbad, in meinem Fall das Bad Berg. Sich zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter in die Sauna zu setzen, um dann als Glühwurm ins kalte Mineralwasser zu tauchen und alles hinter sich zu lassen, ist das Beste, was diese Stadt zu bieten hat. Aber die weiß mit ihren einzigartigen Ressourcen nicht viel anzufangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bad Berg ist nach einem Rohrbruch und der Überschwemmung der Technik seit Mitte Mai geschlossen. Wie lange noch, weiß niemand genau. Kann passieren in einem Bad, das zwischen 2016 und 2020 für 35 Millionen Euro umgebaut und saniert wurde. Wie damals gehe ich jetzt ins Ausweichquartier Solebad Cannstatt, eine ebenfalls schöne Anstalt, mir angenehmer als die Nummer drei, das große Leuze mit seinen labyrinthischen Wegen und seiner Hajek-Kunst. Allerdings wird die komplette Saunalandschaft des Solebads im zweiten Obergeschoss zum Jahresende aus Spargründen an das Reha-Unternehmen Nanz medico vermietet werden. Damit ist die lebenswichtige Kombination Heiß &amp; Kalt zerstört und das Bad für unsereinen nichts mehr wert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es Pläne, in Cannstatt einen neuen Saunabereich neben dem Innenbecken zu bauen. Laut Bäderamt soll dort eine sogenannte Textilsauna eingerichtet werden. Man darf dann nur noch in Badekleidung schwitzen. Textilsaunen liegen bei uns im Trend. Anscheinend wäre eine solche Einrichtung in Cannstatt am einfachsten zu betreuen: für alle offen, ohne elektronische Schranke, freier Blick aufs Mittelmeer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum hatte ich im Bad beiläufig davon erzählt, gab es schon die ersten Schreie der Entrüstung: Alles nur wegen der Muslime! Deutschland wird endgültig islamisiert! Ich habe keine Zweifel, dass die Hetze richtig losgehen wird, wenn unsere Kartoffeln nicht mehr mit nacktem Arsch und bloßen Eiern auf ihrem Frottélappen sitzen dürfen. Und wieder haben sie einen Grund, die Rechtsextremen zu wählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nebenbei: Bedeckungspflicht für primäre/sekundäre Geschlechtsmerkmale in Saunen gibt es traditionell in typisch islamischen und muslimischen Saaten wie Frankreich, Italien, Dänemark, Spanien, Großbritannien, USA. Bei uns wünschen sich vor allem junge Besucherinnen und Besucher und Neulinge im Schwitzkasten Badeklamotten in der Sauna. Ein Grund dafür sind auch Gaffer. Sei’s drum. Ein Tigertanga in der Sauna wird mich nicht umbringen, zweifellos aber der Verzicht auf den Aufguss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings muss ich damit rechnen, dass irgendwann einer mit Wanderhut in die Sauna kommt, den Erstbesten in Badehose mit seinem Spazierstock aufspießt und weit hinaus aufs Mittelmeer brüllt: Es ist vollbracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>PRÜF-Demo-Bewegung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen der ursprünglichen Planungen des Stuttgarter Teams wird jetzt doch für <strong>Samstag, 12. September</strong>, eine <strong>PRÜF-Kundgebung</strong> für Baden-Württemberg im Stuttgarter Schlossgarten oragnisiert. <strong>Beginn: 14 Uhr. </strong>Bühne wie gewohnt vor dem Schauspielhaus. Im September finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern statt. Da kann man nicht einfach nichts machen. Bei den bundesweiten Prüf-Veranstaltungen werden die Landesregierungen aufgefordert, ihre Stimmen im Bundesrat dafür abzugeben, den parlamentarischen Arm der Rechtsextremen endlich vom Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen. Bei der vergleichswiese etwas kleineren September-Kundgebung spricht u. a. der Schriftsteller <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Schorlau">Wolfgang Schorlau.</a> </strong>Musik machen die <strong><a href="https://maslband.bandarena.com/">Maslband </a></strong>mit ihren treibenden Balkan-Sounds &#8211; und die Jazz- und Popsängerin <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fola_Dada">Fola Dada</a></strong>.<strong><a href="https://maslband.bandarena.com/"> </a></strong>Es gibt also Gründe, zahlreich zu kommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NETZWERK <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Im Gespräch sind wir bereits mit <strong>Katja Sternberger</strong>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Rechtsextremismus mit den Schwerpunkten Politische und kulturelle Bildung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>2604. Depeche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/08/03/2604-depeche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Aug 2026 05:30:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit im Sommer 2022 erstmals Zwergfledermäuse durch gekippte Fenster in meine Wohnung eingedrungen sind, besuchen mich diese Tiere Jahr für Jahr. Hier aus aktuellem Anlass eine Erinnerung: Meine kleine Website StoryVAMPIRE Überall in den Straße rieche ich verbrannte Erde. Womöglich hat es in diesem K.-o.-Schweißtropfen-Sommer noch weniger Sinn als sonst, sich an seinen Computer zu setzen und etwas<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Seit im Sommer 2022 erstmals Zwergfledermäuse durch gekippte Fenster in meine Wohnung eingedrungen sind, besuchen mich diese Tiere Jahr für Jahr. Hier aus aktuellem Anlass eine Erinnerung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>VAMPIRE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Überall in den Straße rieche ich verbrannte Erde. Womöglich hat es in diesem K.-o.-Schweißtropfen-Sommer noch weniger Sinn als sonst, sich an seinen Computer zu setzen und etwas aufzuschreiben. „&#8230; im Sommer hat ein Mensch mit einer minimalen Restsensibilität sowieso kaum eine Überlebenschance“, notierte der Schriftsteller Franz Dobler in einer Story mit dem richtungsweisenden Titel „Doof“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich will nicht ganz so weit gehen wie der Franz, der in seiner Geschichte bereits beim Blick auf einen Biergarten an Mord und Selbstmord denkt. Auch wenn ich dazu mehr Recht hätte als er. Als er „Doof“ geschrieben hat, gab es weder Corona noch den Krieg in der Ukraine und wahrscheinlich noch nicht mal so viele neue Nazis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsache aber ist, dass auch meine Überlebenschance in diesem Sommer des Jahres 2022 sinken, womit ich nicht großkotzig behaupten will, über eine minimale Restsensibilität zu verfügen. Es ist drei Uhr morgens, als mich wildes Geraschel in meinem Schlafzimmervorhang weckt. Scheiße, sage ich, ihr doofen Nachtfalter werdet immer doofer und fetter. Das beeindruckt sie aber nicht, weshalb ich mich aus dem Bett quäle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sommer meines Lebens ist längst vorbei, und an Geistergeschichten und gefährliche Begegnungen habe ich mich gewöhnt. Von dem Philosophen Charles Pépin habe ich gelernt, dass in dem Wort „Begegnung“ das Wörtchen „gegen“ steckt, es deute, sagt er, auf die Kollision mit einer „Andersheit“ hin. Dieses Aufeinanderprallen kann alles Mögliche auslösen, oft sogar Liebe, aber an diese Art Begegnung denke ich nicht, als mein Vorhang raschelt. Vermutlich ist nach dem Biergartenbesuch ein Mörder durch mein Fenster eingedrungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Fenster sind einladend gekippt, ich will die da draußen nicht ausgrenzen. Ich schalte die Deckenstrahler ein. Eine dumme Idee, denn augenblicklich schwirrt ein Geschwader mir unbekannter Kampfflugkörper durch mein Schlafzimmer, so schnell, dass ich nicht mal die Chance habe, sie zu zählen. Es sind verdammt viele, mit beängstigender Eleganz kreisen sie knapp über meinem Kopf, aggressiver als Hitchcocks Vögel. Einige scheren aus und zischen in mein Wohnzimmer, weil ja kein anständiger Single nachts seine Schlafzimmertür schließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltsamerweise versetzt mich diese Begegnung mit der Andersheit in eine Art Kältestarre, als hätte ich meine letzte Restsensibilität verloren. Mir fällt ein, wie mir vor Jahren eine Freundin von einer Fledermausplage im Süden der Stadt berichtete. Eine Fledermaus habe sie im Schlaf unsittlich gestreift und traumatisiert. Ich habe diese Geistergeschichte damals als sexuelle Fantasien Freud`scher Prägung abgetan, wurde aber bei meinen Ermittlungen eines Besseren belehrt. Tatsächlich waren Heerscharen von Fledermäusen in Wohnungen unserer Stadt eingedrungen. Was mich nicht wunderte. Stuttgart ist seit jeher ein Fressen für Vampire; die meisten dieser Spezies sind allerdings nicht den Fledermäusen, sondern den Immobilienhaien zuzurechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls sagt mir die Erinnerung an die alte Geschichte, dass ich es mit Fledermäusen zu tun habe, zum ersten Mal in meinem Leben. Ich denke nach, während die Geschosse fliegen. Dann habe ich eine Erleuchtung und hole sehr lässig eine LP von Black Sabbath aus dem Regal. Ich drehe „Paranoid“ voll auf und brülle in die Nacht: Hört mal zu, ihr verfickten Drecksmäuse, hier steht Ozzy Osbourne. Ich bin bereit für einen bestialischen Mord. Doch kein Flederschwein zieht das Genick ein. Die Eindringlinge sind anscheinend doof. Haben trotz ihrer phänomenalen Ohren nie davon gehört, dass Ozzy mal mitten im Konzert einer Fledermaus den Kopf abgebissen hat. Eine kulturelle Einverleibung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine häusliche Flugshow geht weiter. Vor Jahren habe ich mal eine Fliegenklatsche mit einem abgebildeten Fußball auf dem Lappen geschenkt bekommen und sie in einen Stiefelschaft gestellt. Ich finde sie und bringe mich in Stellung. Ich ziele präzise und schlage hart, produziere aber nur heiße Luftlöcher. So muss sich King Kong gefühlt haben, als er auf dem Empire State Building versuchte, die angreifenden Kampfflieger vom Himmel zu holen. Ich bin noch erfolgloser als King Kong. Meine Überlebenschance in diesem Sommer sinkt auf Null, gut dreißig Grad unter der Zimmertemperatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setze mich aufs Sofa und denke nach. Dieser Krieg ist nur digital zu gewinnen, auch wenn die technische Überlegenheit von Armeen immer wieder sträflich überschätzt wird. Was zählt, ist nicht der Computer, sondern die Kampfmoral. Und ich habe keine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich greife zum Taschentelefon, beim Googeln erfahre ich, dass Fledermäuse vorzugsweise in großen Formationen in Wohnungen einfallen. Ein gekipptes Fenster reicht. Aber es interessiert sie einen Dreck, wenn du deine Fenster sperrangelweit öffnest, um sie loszuwerden. Offensichtlich habe ich es mit Zwergfledermäusen zu tun, in puncto Geschmeidigkeit sind sie unschlagbar. Es gibt für den Angegriffenen allerdings eine strategische Finte, auf die er nicht selber kommen kann, in einem Sommer, in dem dir beim Anblick eines Biergartens das Messer in der Tasche aufgeht, selbst wenn du keins hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Google muss ich das Licht löschen. Ein merkwürdiger Rat. Warum soll die Fledermaussippe zurück in die Nacht fliegen, wo sie doch aus der Nacht gekommen ist, auf der Suche nach einem besseren Leben in meinem weltoffenen Schlafzimmer. Und sie muss ja bemerkt haben, dass ich unfähig bin für einen Pushback. Inzwischen spiele ich sogar mit dem Gedanken, den Tieren meine Wohnung zu überlassen, selbst wenn es in der Stadt der Immobilienhaie unmöglich ist, eine neue zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fledermäuse verstehen etwas vom Überleben. Seit 50 Millionen Jahren herrschen sie über den Luftraum. Irgendwann haben sie ihre Aktionen vom Tag in die Nacht verlegt, um ihren Feinden aus dem Weg zu gehen. Die Fledermaus wird vierzig Jahre alt und schafft sechzig Kilometer in der Stunde. In meiner Schnarchbude sogar hundertachtzig. Zwar hat sie heute ein kleines Kopfproblem mit den Windrädern. Doch auch diese Gefahr wird sie eines Tages umsegeln. Und dann glaubt ein geistiger Flattermann wie unsereiner, er könne diese verflucht wandlungsfähigen Säugetiere mit der Fliegenklatsche stoppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu sagen bleibt, dass ich in der Nacht der Vampire nach langen Google-Studien so hoffnungslos das Licht ausknipste, als wäre es mein Leben. Die Fledermäuse flogen grußlos hinaus in die Welt, und ich begann zu singen: I am the Batman …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Tage später kaufe ich mir in einem türkischen Allzweckladen einen kleinen Rollkoffer. Ich habe nicht vor zu fliegen, aber ich werde mein Leben ändern, vor allem nachts. Ich werde fliehen. Zu lange war ich zu doof zu begreifen, dass selbst im eigenen Bett das Leben lebensgefährlich ist in diesen verfluchten Zeiten. Wir müssen Banden der Sensibilität und des Widerstands bilden, um zu überleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, verehrte Leser:innen, eine Fledermaus-Ballade bringt keine Klicks im blutigen Kolumnen- und Meinungsgeschäft. „Alle Geschichten“ aber, schreibt James Sallis in seinem Roman „Sarah Jane“, „sind Geistergeschichten, über verlorene Dinge, verlorene Menschen, Erinnerungen, Heimat, Leidenschaft, Jugend, über Dinge, die darum ringen, von den Lebenden gesehen und anerkannt zu werden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünsche allseits eine gute Nacht, bevor man uns den Kopf abbeißt. Inzwischen trage ich eine Silver Bullet an einer Silberkette um den Hals. Sie schützt mich vor Dämonen. Aber nicht vor Fledermäusen..</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Prüf-Demo-Bewegung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entgegen der ursprünglichen Planungen des Stuttgarter Teams wird jetzt doch für <strong>Samstag, 12. September</strong>, eine <strong>PRÜF-Kundgebung</strong> für Baden-Württemberg im Stuttgarter Schlossgarten oragnisiert. Im September finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern statt. Bei den bundesweiten Prüf-Veranstaltungen werden die Landesregierungen aufgefordert, ihre Stimmen im Bundesrat dafür abzugeben, den parlamentarischen Arm der Rechtsextremen endlich vom Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen.  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>NETZWERK <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Im Gespräch sind wir bereits mit <strong>Katja Sternberger</strong>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Rechtsextremismus mit den Schwerpunkten Politische und kulturelle Bildung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>2603. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/07/25/2603-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jul 2026 07:18:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://joebauer.de/?p=3607</guid>

					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, Zeit für eine neue Homepage-Kolumne: Meine kleine Website StoryÜBERHAUPT NICHTS Vor zehn Jahren hat Lauren Elkin ihr Buch „Flâneuse. Frauen erobern die Stadt“ veröffentlicht. Die in New York geborene Essayistin, lese ich, sei „immer ausgestattet mit Papier und Stift“.Das bin ich auch, seit einiger Zeit allerdings sind die Blätter meines kleinen Notizbuchs immer<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, Zeit für eine neue Homepage-Kolumne: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Meine kleine Website Story</em></strong><br><strong>ÜBERHAUPT NICHTS</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor zehn Jahren hat Lauren Elkin ihr Buch „Flâneuse. Frauen erobern die Stadt“ veröffentlicht. Die in New York geborene Essayistin, lese ich, sei „immer ausgestattet mit Papier und Stift“.<br>Das bin ich auch, seit einiger Zeit allerdings sind die Blätter meines kleinen Notizbuchs immer leer, und der Stift taugt nur noch dazu, darauf herumzukauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich durch die Stadt gehe, wird daraus nicht wie einst ein Beutezug, sieht man davon ab, dass ich unterwegs oft überflüssigen Kram einkaufe, der hier nicht näher beleuchtet werden soll. Ich gehöre zu den Menschen, die immer einen Haufen Socken und Unterhosen zu viel im Schrank haben, immerhin frische. Jetzt also Homepage-Skizzen aus der Leere eines Mannes, der nichts auf dem Zettel hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lauren Elkin notierte in Paris: „Was sieht man von einer Revolution, nachdem sie vorbei ist? Vielleicht eine bessere Welt. Ein paar Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur. Aber nicht immer – manchmal verändert sich überhaupt nichts.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beruhigend. So muss ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich zurzeit keine Revolution plane, auch wenn sie dringend nötig wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren“, hat Goebbels 1928 gesagt, vier Jahre vor der Machtübergabe an die Nazis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">98 Jahre später, im Sommer 2026, sieht es endgültig so aus, als ob nur noch ein Verbot des parlamentarischen Arms der Rechtsextremen in der Bundesrepublik die faschistisch beeinflusste Revolutionierung des Zustands von heute verhindern könne. Dummerweise aber sieht es überhaupt nicht so aus, als sei die herrschende Politik zurzeit gewillt, diese Partei mit einem juristischen Prüfverfahren gegen die Verfassungsfeindlichkeit an der Machtübernahme zu hindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bundesweit gibt es seit Ende vergangenen Jahres die sogenannten <em>Prüf-Demos</em> mit der Forderung an die Landesregierungen, im Bundesrat ihre Stimmen für entsprechende Maßnahmen abzugeben. Bisher hat das noch keine Landesregierung gemacht. Und die Prüf-Veranstaltungen, vom Hamburger Satiriker Nico Semsrott initiiert, werden bisher nicht massenhaft besucht, was allerdings nicht viel bedeutet: Soziale Bewegungen sind immer Phänomene, unberechenbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis vor Kurzem habe ich mich in Stuttgart, wo mein Notizbuch seit einiger Zeit leer bleibt, daran beteiligt, diese Art Kundgebungen mit ihrer Feelgood-Stimmung in Gang zu bringen und zu etablieren. Dass ich seit Jahren bei politischen Aktionen mitmache, hat dazu beigetragen, Papier und Stift zu oft im Sack zu lassen. Zum Schreiben braucht man gelegentlich einen freien Kopf, erst recht auf der eher finalen Strecke eines alternden Spaziergängers. Organisationskram gepaart mit inhaltlichen Überlegungen nimmt einem Schreiber-Hirn die Bewegungsfreiheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lauren Elkins Erkenntnis „… manchmal verändert sich überhaupt nichts“ zerstört aber keineswegs die Hoffnung. Das Umstandswort „manchmal“ lässt Spielraum. Und manchmal läuft es auch anders, sofern man etwas tut: sich zusammen mit andern engagiert. Hoffnung ist nur dann naiv, wenn du nicht handelst. Handeln ohne Hoffnung wiederum mag zynisch sein, ist mir aber sympathischer als etwa das modische Worthülsen-Geplapper, das der liebliche Zuversichts-Aktivismus den gewinnorientierten Motivationsabteilungen der Wirtschaft entlehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer als Greenhorn im richtigen Kino saß, hat gelernt: Ein Mann reitet in die Stadt, und dann tut sich was. Das steht auf einer vergilbten Seite meines Notizbuchs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufforderung „etwas tun“ lässt sich leicht hinschreiben. Niemand weiß, welches Tun in diesen Tagen tatsächlich etwas verändern könnte – außer einem Parteiverbot. Von der Bundesregierung können wir nicht erwarten, dass sie irgendwann doch noch eine Politik macht, die nicht der Partei zugute kommt, die verboten werden müsste. Ich muss hier nicht die Scherben des Sozialstaats zusammenkehren, es reicht ein Satz des Armutsforschers Christoph Butterwegge: „Die Politik tut so, als ginge es den Armen zu gut und den Reichen zu schlecht.“ Und über die brandgefährliche Militarisierung mit ihren Wahnsinnskosten hierzulande wird in weiten Kreisen der Bevölkerung erst gar nicht gesprochen. Überhaupt nicht. Der Russe ist gesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neulich war ich ein paar Tage am Schluchsee im Schwarzwald. Die Anfahrt mit der Bahn wäre für einige sicherlich Grund genug gewesen, die rechtsextreme Partei zu wählen. Ich wunderte mich dagegen, wie es nach zwei schicksalhaften Vorfällen (Entgleisung eines Güterzugs auf der Strecke vor uns, später nicht befahrbare Gleise wegen Geröllschlags) per Ersatzbahn und Bus erstaunlich zügig weiterging. Und die Wettervorhersagen auf meiner Taschentelefon-App, am Schluchsee würde es pissen, blitzen und donnern, waren falsch. Ich hatte schöne Tage, der See war warm und klar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlockend an diesem kurzen Ausflug war der Gedanke, den Rest meines Lebens auf Ausflügen zu verbringen: Raus aus der Stadt, die sich nicht verändert, solange die Revolution nicht begonnen hat. Und die Stadt ist noch lange nicht das größte Problem. In Gegenden, die noch mehr dem „ländlichen Raum“ zugerechnet werden als Stuttgart selbst, sind mehr Rechtsextreme unterwegs als vor der Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich diese Zeilen aufgeschrieben hab, hörte ich mir am frühen Morgen eine Seite von Ringo Starrs neuem Album „Long Long Road“ an. An dieser Platte mit Country-Songs war maßgeblich T. Bone Burnett beteiligt, schon deshalb kann daran nichts falsch sein. Im ersten Song, „Returning Without Tears“, singt der Trommler:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tell me a story</em><em>. / And I don&#8217;t care if it&#8217;s true. / Just tell me everything I want to hear.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit lässt sich gut leben, solange das Notizbuch leer ist. Und keine Angst: Ringo Starr gibt mir mehr Kampfkraft als Danger Dan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lauren Elkin schreibt in ihrem Buch „Flâneuse“: „Wenn ich in den Straßen von Paris nach Spuren der Zeit suche, nach Narben von Revolutionen und Umbrüchen, suche ich nach Beweisen dafür, dass die Pariser gegen das angekämpft haben, was ihnen aufgezwungen wurde, und nicht nur versuchten, ein möglichst ungestörtes Leben zu führen. Zwischen 1789 und 1871 erlebten diese Menschen etwa alle zwanzig Jahr einen Aufstand.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anscheinend schon eine ganze Weile her, aber nicht mehr als heutzutage zwei übliche Menschenleben. Jetzt lege ich noch die zweite Seite von „Long Long Road“ auf und denke darüber nach, wie ich mein scheinbar ungestörtes Leben stören kann. Wenn ich dann aufstehe, ist das noch kein Aufstand. Womöglich aber Zeit, meinen Arsch zu bewegen. Auf der Straße sind die Spuren. Und wie vor hundert Jahren riechen sie nach einem kotzüblen Gemisch aus Bösartigkeit und Dummheit..</p>



<p class="wp-block-paragraph">NETZWERK <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit bereiten wir, mit Unterstützung der Initiative <em>Die AnStifter</em> und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>, ein Netzwerk-Treffen für demokratisch Engagierte und all jene vor, die es werden wollen. Der Termin steht bereits fest, über den Ort sind wir uns noch nicht ganz schlüssig. Sicher ist, dass am <strong>Sonntag, </strong><strong>27. September</strong>, ab <strong>17 Uhr </strong>in größerem Kreis über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>WAS KÖNNEN WIR – noch – TUN GEGEN RECHTS?</strong></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist. Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Im Gespräch sind wir bereits mit <strong>Katja Sternberger</strong>, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Rechtsextremismus mit den Schwerpunkten Politische und kulturelle Bildung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex), Universität Tübingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend fest: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte.</p>
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		<title>2602. Depesche</title>
		<link>https://joebauer.de/2026/07/17/2602-depesche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Bauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jul 2026 06:45:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Willkommen! Liebe Besucherin, lieber Besucher, bei der 5. Stuttgarter Prüf-Kundgebung am Samstag, 11. Juli, im Schlossgarten habe ich in einem kurzen Gespräch mit dem Moderations-Duo auf der Bühne noch einmal etwas über die Notwendigkeit eines Parteiverbots des parlamentarischen Arms der rechtsextremen Bewegung gesagt &#8211; und daran erinnert, wie wir uns in Stuttgart schon 2023 mit dem Thema auseinandersetzten.Im<span class="excerpt-hellip"> […]</span>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Willkommen!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Besucherin, lieber Besucher, bei der 5. Stuttgarter Prüf-Kundgebung am Samstag, 11. Juli, im Schlossgarten habe ich in einem kurzen Gespräch mit dem Moderations-Duo auf der Bühne noch einmal etwas über die Notwendigkeit eines Parteiverbots des parlamentarischen Arms der rechtsextremen Bewegung gesagt &#8211; und daran erinnert, wie wir uns in Stuttgart schon 2023 mit dem Thema auseinandersetzten.<br>Im Dezember vergangenen Jahres besuchte ich in München eine Prüf-Kundgebung, anschließend begann ich auf Wunsch des Hamburger Teams um den Satiriker und Prüf-Initiator Nico Semsrott, Kundgebungen auch bei uns zu organisieren. Dazu trommelte ich im Januar Leute für ein Stuttgarter Prüf-Team zusammen. Mithilfe unseres <em>Netzwerks Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</em> stellten wir dann im Februar die erste Veranstaltung in der Königstraße auf die Beine. <br>Inzwischen, nach sieben Monaten Mitwirkung in allen möglichen Bereichen, bin ich aus dem sog. Kernteam der Stuttgarter Prüf-Demos ausgestiegen, um mich wieder mehr auf andere Dinge zu konzentrieren (siehe unten auf dieser Seite). Nach meiner Auffassung müssten die Inhalte der Prüf-Demos mit ihrem Feeldgood-Charakter dringend diskutiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kurzes Gespräch am 11. Juli, Prüf-Kungebung, Schlossgarten: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>Frage:</em></strong><em> Joe, kannst du uns kurz mitnehmen, wie das mit </em>Prüf<em> in Stuttgart angefangen hat?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das geht schon alles verdammt lang, eigentlich zu lang. Die Forderung, den parlamentarischen Arm der rechtsextremen Bewegung juristisch zu prüfen, haben wir in Stuttgart schon Ende 2023 diskutiert. Ich bin ja Mitglied des Netzwerks <em>Gemeinsam gegen rechts – für eine bessere Demokratie, </em>und wir konnten damals den CDU-Bundestags-Abgeordneten <strong>Marco Wanderwitz</strong> für eine Veranstaltung zu diesem Thema zu gewinnen – die fand im Theater Rampe statt. Wanderwitz ist Jurist und war u. a. Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Er hatte im Bundestag mit großer Courage eine Initiative für ein Prüfverfahren gegen die extrem rechte Partei gestartet. Bei uns in Stuttgart saß auch der Landtagsabgeordnete Oliver Hildenbrand von den Grünen als Wanderwitz-Unterstützer mit auf dem Podium. Er ist inzwischen Sozialminister. 113 Abgeordnete des Bundestages aus verschiedenen Fraktionen haben seinerzeit einen Antrag auf eine Prüfung zwecks Parteiverbot unterschrieben. Das war zu wenig. Wanderwitz lebte mit seiner Familie in Sachsen und war üblen Bedrohungen ausgesetzt. Er wurde von Rechtsextremen regelrecht terrorisiert. 2025 kandidierte er nicht mehr, er sagte, er müsse er sich und seine Familie „körperlich und seelisch schützen“. Das sagt uns, wie gefährlich und mächtig die Partei der Rechtsextremen längst ist. Zweieinhalb Jahre sind seit unserer Veranstaltung vergangen – zum Glück gibt es heute immerhin die Prüf-Demos.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wo siehst du aktuell die größten Herausforderungen für unser Engagement um ein Prüfverfahren?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen Druck auf die Landesregierung machen – das können wir, wenn wir über die Grenzen von Parteien, Organisationen und Institutionen hinweg zur Zusammenarbeit und zur Abwehr der rechtsextremen Bewegung und deren Partei aufrufen. Wir müssen aus der Geschichte des deutschen Widerstands lernen und Demokratinnen, Demokraten ohne Rücksicht auf Parteisoldatentum und Vereinsmeierei mobilisieren. Und wir müssen Unentschlossenen aus der sogenannten Mitte immer wieder klarmachen, dass eine demokratisch gewählte Partei noch lange keine demokratische Partei ist. Vielmehr kann sie mit den Mitteln der Demokratie den Rechtsstaat kaputtmachen. Das hat Goebbels schon mit der NSDAP verbrochen. Und das müssen wir verhindern. Es steht jetzt alles auf dem Spiel, das wird von vielen verdrängt. Nicht allein Mehrheiten zählen in einer Demokratie, sondern die Gesetze des Rechtsstaats. Vor allem angesichts der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September müssen wir deutlich machen, wie groß die Gefahr der Zerstörung demokratischer Errungenschaften inzwischen ist &#8211; das gilt selbstverständlich nicht nur für den Osten, sondern auch für uns. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht scheuen, auch über die sozialen, die politischen Ursachen für den Rechtsruck zu reden. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat neulich gesagt, die Bundesregierung mache eine Politik, als ginge es den Reichen zu schlecht und den Armen zu gut. Zu oft wird im Sinne der Rechtsextremen geredet und Politik gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wie schätzt du die Chancen ein, die Landesregierung von Baden-Württemberg noch rechtzeitig von einer Prüfung zu überzeugen?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin kein Prophet, aber Hoffnung ist immer dann berechtigt, wenn wir handeln. Wenn wir aktiv sind. Es gibt auch in unserem Landesparlament demokratisch überzeugte Politikerinnen und Politiker, die bereit sind zu handeln. Nicht die Parteiapparate zählen jetzt, sondern das Bewusstsein einzelner in diesen Parteien. Im Moment sieht es so aus, dass die baden-württembergische Koalition beim Prüfverfahren nicht bundesweit vorpreschen will. Aber offensichtlich wäre sie bereit, sich einer Initiative in einem anderen Bundesland anzuschließen. Jetzt müssen wir darauf drängen, dass einzelne Landesregierungen miteinander verhandeln, damit eine den ersten Schritt macht. Und wir als Zivilgesellschaft müssen alles tun, um die absolute Notwendigkeit eines baldigen Prüfverfahrens ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Wir müssen so vielen wie möglich klarmachen, dass dieser Schritt womöglich unsere letzte Chance ist, die Demokratie zu retten. Zu wenige haben auf dem Schirm, was uns blüht, wenn eine Partei mit Nazis, Völkischen, Rassisten in ihren Reihen Regierungsmacht bekommt. Worauf die Rechtsextremen dann Zugriff haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>VORSCHAU:</em></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EIN TREFFEN ALS GROßER RATSCHLAG:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurzeit organisieren wir als Netzwerk <a href="https://www.netzwerk-gegen-rechts.info">Gemeinsam gegen rechts &#8211; für eine bessere Demokratie</a> ein offenes Treffen für Engagierte und all jene, die es werden wollen. Unterstützt wird die Sache von der Initiative <em>Die AnStifte</em>r und der <em>Kontext:Wochenzeitung</em>. Der Termin steht bereit: <strong>Sonntag, 27. September</strong>, <strong>Württembergischer Kunstverein, ab <strong>17 Uhr</strong>. </strong>In größerem Kreis soll über dieses Thema gesprochen, diskutiert und beraten werden:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WAS KÖNNEN WIR – <em>noch</em> – TUN GEGEN RECHTS?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen dürfte es nicht mehr nötig sein, ständig zu erklären, wer mit „rechts“ gemeint ist.<br>Unsere Veranstaltung wird voraussichtlich in zwei Teilen über die Bühne gehen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ersten Hälfte wird eine Referentin über die aktuelle politische Situation und Entwicklung berichten und Fragen beantworten. Mit entsprechenden Expertinnen sind wir im Gespräch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besetzung für den zweiten Teil steht unterdessen weitgehend: Der in Berlin lebende Theaterregisseur und Aktivist <strong>Volker Lösch</strong> sowie der junge Autor und Aktivist <strong>Jakob Springfeld</strong> aus Sachsen informieren uns über Erfahrungen im Einsatz gegen Rechtsextreme. Volker Lösch ist vielen von uns aus seiner Stuttgarter Theaterzeit und von seinem Engagement gegen das Immobilienprojekt-Desaster <em>Stuttgart 21</em> bekannt. Jakob Springfeld, 2002 in Zwickau geboren und dort aufgewachsen, hat unter anderem die Bestseller „Unter Nazis“ und „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ geschrieben. In Stuttgart wurde er mit der Theodor-Heuss-Medaille für besonderes Engagement für Demokratie und Bürgerrechte ausgezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>SONG:</strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64&amp;list=RDGg-SCpXba64&amp;start_radio=1">Danger Dan</a></p>



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