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# 2971 | 21.10.2018 22:59:46 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Der Chef als Cascadeur… immer wieder überraschend, immer wieder neue Talente! Das „betreute Spaßmachen“ im „Jubiläums-Salon“ im Gustav-Siegle-Haus – war ich, glaube ich, auch noch nie - hat wieder rundum Spaß gemacht. Oder genauer: Einwandfrei!

# 2970 | 21.10.2018 18:16:50 | Wilfried Harthan schrieb:
@ #2969

Lieber Uwe,
wieder mal hast du alles gegeben, und dann dies: 2:4 gegen einen ein Spiel- und Gesangverein. An dir hat es jedenfalls nicht gelegen. Möge das schwarzgelbe 4:0 gegen die Lampen dem Salon ein Trost sein. Zum Schluss noch - das Einverständnis des Chefs einfach mal unterstellt - eine kleine Schleichwerbung, Christoph Ruf: Fieberwahn - Wie der Fußball seine Basis verkauft. Hier wird sehr prägnant auf den Punkt gebracht, was einem als Fan so alles schwer im Magen liegt. Sehr Lesenswert.

# 2969 | 19.10.2018 14:56:07 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
„Ein Name, so geisterhaft, nachtflügelig und fledermäusig!“ (1)

Ein Omen zweifellos. Aber wie will es sich recht deuten. Das Unbehagen, das sich, wie immer, grummelnd meldet, wird nicht geringer, wenn wir dem Fortgang wagend folgen:

„Als du sehend wurdest, prangte um dich her ein Frucht- und Gartenland, ein Land der wohltätigen Sonne, wiewohl damals noch nicht so reich und fruchtbar wie später, doch zum Paradiese geschaffen wie kein anderes, wenn die Menschen wollten ein wenig unschuldiger und paradiesischer sein! Deine Heimat ist das Kernstück des Landes, durch das der Neckar in schimmerndem Bogen läuft, die goldene Mitte des Herzogtums Württemberg.“(2)

Das Paradies? Am Neckar? Wie nun dieses?

Die Rede hier ist selbstverständlich von Johann Friedrich Flattich (1713-1797), evangelischer Geistlicher, Verfasser einschlägiger und im pietistischen Schwaben einflussreicher „Hausregeln“ und Mittelpunkt wenn auch offenkundig weitgehend ahistorischer Anekdoten. Einschlägiges, auch zu Carl Eugen und das Perückenmehl-Problem in seinem Verhältnis zur Spätzleszubereitung im Internet leicht auffindbar, etwa auf der Seite der schönen Stadt Korntal-Münchingen.

Johann Friedrich Flattich nun wurde „sehend“ in Beihingen, heute ein Ortsteil von Freiberg am Neckar, desselbigen Freibergs, dessen „Sport- und Gesangverein“ zu empfangen wir auf dem Kickersplatz morgen die Ehre haben. Ob der Sport oder der Gesang im Mittelpunkt stehen werden, dieses wissen wir heute noch nicht. Es kommt auf den B-Block an, der auch diesmal freilich wieder am G-Punkt wird hängen müssen.

Wir sind, was die Auspizien des morgigen Spiels betrifft, jedoch noch nicht am Ende. Eben jener Georg Schwarz (1902-1991), dem wir die biografischen Skizzen zu Flattich verdanken, in Nürtingen gebürtig, Mitarbeiter des berühmten „Simplicissimus“ in den späten 20er und 30er-Jahren, spielt – möglicherweise – noch so seine Rolle: nämlich als Lektor der Romans „Die Reise nach Waldprechting“ von Johannes Freumbichler (3). Ob beide Georg Schwarzens tatsächlich identisch sind, konnte ich auf die Schnelle nicht feststellen, jedoch mag einiges darauf hinweisen. Freumbichlers Roman erschien 1942 im Verlag Eugen Händle zu Mühlacker, in dem zuvor auch Schwarzens Roman „Der Pfeffer von Stetten“ erschienen ist. An Zufall ist hier, auch in Hinblick auf die Waldau knapp 80 Jahre später, schwer zu glauben.

Johannes Freumbichler aber ist, wie wir alle seit den einschlägigen autobiographischen Romanen seines Enkels wissen, der – hochverehrte - Großvater von Thomas Bernhard.

Weht also, und welches Omen ist nun wieder dieses, der Geist des großen Thomas Bernhard morgen über der Waldau? Und zu wessen Frommen? Oder Schaden? Die Waldau im Herbst wird es weisen:

Stuttgarter Kickers vs. Sport- und Gesangverein Freiberg
20.10. 2018, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

1) Georg Schwarz: Tage und Stunden aus dem Leben eines leutseligen, gottfröhlichen Menschenfreundes, der Johann Friedrich Flattich hieß. Tübingen 1940. Zit. nach http://gutenberg.spiegel.de/buch/-7807/2
zu Georg Schwarz. Neben Wikipedias, etwa auch: Steffen Seischab, Der innere Emigrant. In: Nürtinger Zeitung v. 21.2. 2015
Schwarz ist etwa auch als Verfasser der Romanbiografie „Jerg Ratgeb“ hervorgetreten, womit wir im Bauernkrieg auch noch gelandet wären.
2) a.a.O.
3) vgl. Bernhard Judex, Der Schriftsteller Johannes Freumbichler 1881-1949. Wien-Köln-Weimar 2006, passim

# 2968 | 16.10.2018 19:16:49 | Rudolf Reinhardt schrieb:
Depesche „Rummel der Rührung“ vom 11. 10. 18

Ich habe das historische Volksfest auch besucht und war hellauf begeistert. Schön wäre es, wenn das jedes Jahr stattfinden würde. Mitten in der Stadt, nicht auf dem Wasen. Auf dem Wasen würde ich diese Veranstaltung sicher nicht besuchen.

# 2967 | 05.10.2018 22:10:45 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Dass in diesem Falle allerhand Kalauer auf der Zunge liegen, liegt auf der Hand. Wobei es dahingestellt bleiben mag, wie etwas, was auf der Zunge liegt, zugleich auf der Hand liegen kann (düstere Bilder drängen sich auf…). Denn selbstverständlich meide ich jedweden Kalauer und jegliches Wortspiel, auf dass der Bannstrahl des Chefs mich nicht treffe.

Wie stets halten wir uns streng an die Fakten: Linx liegt rechts des Rheins und verfügt, Wikipedia weiß auch dieses, über „zwei Bushaltestellen, die von der SWEG-Linien (sic!) 301 bedient werden“. Nach Straßburg sind es, ich verwende den Falk-Routenplaner, 14,53 Kilometer, nach Sessenheim 27,04 Kilometer, nach Meißenheim 47,60 Kilometer. Wir befinden uns damit eindeutig auf Goethe-Gebiet, selbst dessen eingedenk, dass Goethe im Verlaufe seines langen Lebens ohnehin überall war. Eine Spur, die aufhorchen lässt und die zu verfolgen sich lohnen möchte.

Als Goethe seine nachmalige Liebste Friederike Brion in Sessenheim erstmals traf, trug diese „ein kurzes, weißes, rundes Röckchen“, dazu „ein knappes weißes Mieder und eine schwarze Taffetschürze“(1). Später, wir sind noch in der Einführungssituation, heißt es: „Ihre bläßlichen Wangen hatten sich mit dem schönsten Rosenrote gefärbt“(2).
Schwarz, Weiß und Rot: Die Übereinstimmung der Farben mit Heim- bzw. Auswärtstrikots des SV Linx sind dem Kenner augenfällig. Beileibe gehe ich nicht so weit, dass Friederike Anhängerin des SV Linx gewesen sein könnte, dieses scheint für die damalige Zeit ausgeschlossen. Jedoch wird am Rande von einem jüngeren Bruder Friederikes berichtet, der alle Manieren des klassischen Ultras aufweist („Außerdem gab er wenig acht auf die Gesellschaft, auch kaum, wenn er widersprach“ – (3)). Goethe, als talentierter Schlittschuhläufer ausgewiesener Sportanhänger, wiederum studierte zu jener Zeit eher schlecht als recht in Straßburg. Zieht man nun in Erwägung, dass die jeweiligen Vorläuferclubs von Racing Strasbourg und SV Linx in der damaligen Oberliga Elsass-Baden-Rheintal spielten, tun sich mit einem Male so erschreckende wie erhellende literaturhistorische und psychobiographische Erkenntnisse auf.
Eine Fatalität, die wir heute noch kennen: Friederike, hin- und hergerissen zwischen familiärer Pflicht (Linx!) und ungestümer Neigung (Straßburg!), musste in einen Konflikt geraten, den auch stärkere Naturen kaum gewachsen sind (weh dem Dortmunder, dessen ungeratene Tochter, der Liebe folgend, nach Schalke konvertiert). Friederike Brion starb, lebenslang unverheiratet, in Meißenheim, 32,4 Kilometer vor Straßburg, wo ein Grabstein heute noch an sie erinnert.

Kein Zweifel, das morgige Spiel gewinnt im Lichte dieser Überlegungen überragende Bedeutung:

Stuttgarter Kickers vs. SV Linx
Samstag, 06.10, 14 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

(1) Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit, Augsburg 2003, S. 430 (= Zweiter Teil, Zehntes Buch)
(2) ebd., S. 440
(3) ebd., S. 443
Joe:Nix verwexeln. Der Feind steht rechts!

# 2966 | 02.10.2018 13:45:40 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
@GRENZSTATION v. 02.10. 2018

BGB? Unbedingt! Eine „Philosophie der Bahnhofswirtschaft“ ist das Desiderat der Stunde, und das zu erstellende Bahnhofsgaststättenbuch unersetzliche Grundlagenforschung, so lange diese überhaupt als Feld- bzw. Raumforschung noch möglich ist.

Zu bearbeiten wäre insbesondere die Dialektik von, Lessing paraphrasierend, der Transitorik dienenden Zweckausrichtung einerseits (das Kunstwerk des Aufenthalts vollendet sich und verschwindet zugleich mit der Zahlung des Deckels) und der Einübung ins transzendental Über- oder Ohne-Zeitliche andererseits, worin der Deckel stets sich ändert, doch immer bleibt. Denn in der Tat dürfte diese Form der Behaustheit, die sich ja an sich an die Restauration des Unbehausten und Unsteten richtet, über weitaus mehr an Stammgästen („Immobilia“) verfügen, als jede andere Form zeitgenössischer Wirtschaft.

Mit Freunden konzipierte ich bereits Mitte/Ende der 90er Jahre die Dokumentation „Die Bahnhofsgaststätten von Besigheim bis Plochingen“. Wegen häufiger und dem Prinzip der Nachhaltigkeit folgend jeweils nicht allzu kurzer Aufenthalte in der damaligen Bahnhofsgaststätte Feuerbach (die mittlerweile, glaube ich, einen unangemessen eleganten Namen trägt) musste die Realisierung des Projekts leider zurückstehen, dieses wiederum freilich eine der Bahnhofsgastätte vollständig würdige Verlaufsform zeitgenössischer Projektkultur.
Joe:Ich kenne weit und breit nur einen Mann, der BGB schreiben kann. Er heißt Uwe H. Pfeifer.

# 2965 | 20.09.2018 17:48:51 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Blau, kein Zweifel. Vielleicht ein wenig dunkler als erinnerlich, aber das mag am Stand der Sonne liegen, die um diese Jahreszeit die Farben anders zum Leuchten bringt, wie sollte es anders sein. Dazwischen blitzt aber das reinste Salzweiss, wie es sich gehört. Und da wir auswärts sind, darf als farbliche Vervollkommnung das Grau unserer Auswärtstrikots nicht fehlen, wenn die Sonne hinter den verblüffend grünen Bäumen verschwindet.
Die Rede ist natürlich von der Adria, die an die apulische Küste rollt, während ich dies ins Telefon tippe.
Die Hoffnungen und Wünsche und Träume gehen aber natürlich in den Norden auf die Waldau:

Stuttgarter Kickers vs. CfR Pforzheim
21.9.18, 19 Uhr, Kickersplatz auf der Waldau

Das Bier heißt hier "Nostro azzuro"

# 2964 | 20.09.2018 14:32:26 | rebstock schrieb:
Zur Kolumne vom 18. 9. 2018
"Die Tatsache, dass einer überwiegend blonden Jugend in Schwaben eine überwiegende Zahl dunkelhaariger Erwachsener gegenübersteht, ist nicht auf Rasse, sondern auf die Einflüsse der südlichen Landschaft zurückzuführen." /August Lämmle: DAs Deutschlandbuch, 1935)

# 2963 | 04.09.2018 17:02:16 | Wilfried Harthan schrieb:
@ #2962

Chapeau, lieber Uwe, wieder mal hast du ein schlichtes Oberligaspiel der Blauen zum Anlass genommen, den Salon auf einen erquicklichen Ausflug ins Reich der Ostalb und der Staufer mitzunehmen. Mir fällt dazu lediglich ein Gedicht von Ludwig Uhland ein.

Der wackere Schwabe
Als Kaiser Rotbart lobesam
zum heil'gen Land gezogen kam,
da musst er mit dem frommen Heer
durch ein Gebirge wüst und leer.
Daselbst erhub sich große Not,
viel Steine gabs und wenig Brot ...

Und damit soll es jetzt gut sein, denn im weiteren Verlauf wird das Gedicht ziemlich blutrünstig und chauvinistisch, vor allem aber hatte dieses fromme Heer, wie man weiß, jede Menge Dreck am Stecken. Grund genug, seinen Nachfahren aus Schwäbisch Nazareth am Mittwoch eine klare Kante zu zeigen. Auf die Blaue!

# 2962 | 04.09.2018 14:43:30 | Uwe Horst Pfeifer schrieb:
Friedrich II., „stupor mundi“, heiratete – oder wurde, dem Brauch der Zeit gemäß, verheiratet mit derselben - Konstanze, die Tochter des sizilianischen Königs Roger II. Zuvor schon, 1181, weilte Friedrichs des Zweiten Großvater Barbarossa auf dem Hohenstaufen, der einen weiten Blick in die Sonderbarkeiten des ostälbischen Landes gewährt, das zu durchstreifen auch heute noch nur unter Beobachtung strengster Vorsichtsmaßnahmen ratsam ist.
Vollkommen rätselhaft wird die Geschichte, wenn wir dem Forschungsergebnis von Marian Weiß folgen: „Und ein Gesang ebendieser Art wird in Richtung des Westens, zum Beispiel in Normannia, gewöhnlich gesungen von Mädchen und Jungen zur Zierde von Festen und großen Gelagen“ (1).

Eine Gemengelage, ohne Zweifel. Gmünd rühmt sich seiner staufischen Vergangenheit, Sizilien, das an die Staufer gefallen, stand zu jener Zeit unter normannischer Herrschaft. Rechnet man die unverbrüchliche Neigung des ostälbischen Menschen zu „großen Gelagen“ jedweder Art ein – Herr Vincent Klink betrieb vordem seine Wirtschaft daselbst -, ergibt sich bündig, dass der ortsansässige Fußballverein, derzeit Oberligist, den Namen „Normannia Gmünd“ (Patenverein: Stuttgarter Kickers – (2) ) als einzig treffend ansehen musste.

Drohen morgen auf der Waldau sizilianische Verhältnisse? Eine sizilianische Falle gar, wie sie das Schach angeblich kennt? Oder sollte alles in einem „großen Gelage“ enden? Liebhaber des gepflegten Niedergangs sollten in jedem Fall auf ihre Kosten kommen. Der Pate: Stuttgarter Kickers vs. Normannia Gmünd (Das Staunen der Ostalb)
Mittwoch, 05. 09., 19:00 Uhr
Kickersplatz auf der Waldau

(1) Marian Weiß: Der Begriff Normannia bei Johannes der Grocheio in: Frank Hentschel (Hrsg.): ‚Nationes“-Begriff im mittelalterlichen Musikschrifttum. Berlin/Boston 2016, S. 103

(2) vgl. www.fc-normannia.de/verein/historie „Als Patenverein zählen die Stuttgarter Kickers, die am 24. September 1904 als erster Verein in Gmünd antraten und dort mit 13:0 gewannen“.
(Das hätte man sich auch sparen können, d.V.)

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