Bauers Depeschen


Dienstag, 09. Dezember 2014, 1392. Depesche


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HEUTE UND MORGEN:

DIE NACHT DER LIEDER

Liebe Gäste, für die "Die Nacht der Lieder", die Benefiz-Shows zu Gunsten der Aktion Weihnachten, an diesem Dienstag und Mittwoch im Theaterhaus gibt es noch Restkarten. Abendkasse oder Telefon: 07 11/402 720. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

Nebenbei: Die Veranstaltung organisiere ich seit jeher im Ein-Mann-Unternehmen.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



ALLES IM FLUSS

Von der Brücke hinunter zum Neckar, wo die Lichter leuchten und ein Stück Welt sich im Wasser spiegelt. Das Weltweihnachtscircus-Zelt steht wieder für ein paar Wochen am Ufer des Flusses. Die Kathedrale dieses einzigartigen Zirkus mit zwei C, der die Menschen der Gedankenlosigkeit überführt, wenn sie vom Unzulänglichen, vom Unkontrollierten reden: „Mach keinen Zirkus!“, sagen sie, ohne einen Schimmer, was es bedeutet, einen Zirkus zu machen, der einer ist.

Die Manege verändert sich ständig, die Helden bewegen sich immer temporeicher, geschmeidiger, eleganter. Das Herz aber behält seinen Rhythmus. Im Circus mit zwei C spielt nach wie vor die famose Kapelle hoch über den Köpfen des Publikums. Man hat die Musiker nicht aus Kostengründen gestrichen wie vor geraumer Zeit im armen Stuttgarter Varieté, wo jetzt Elvis an seinem 80. Geburtstag zur Begleitmusik aus der Konserve singen muss. Das raubt der kleinen Zirkusbühne Varieté ein Stück seiner Seele, und das ist bitter, weil es auch der beste Magier nicht schafft, einem nackten Mann das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Verteiler des großen Geldes sind als Menschen oft schrecklich nackt. Hätten die Politiker, die weit vorne bei der Zirkus-Premiere Hof halten, tatsächlich ein Verhältnis zu den Zirkuswundern, würden sie im wahren Leben weniger verlogene Rollen spielen.

Der Weltweihnachtscircus ist eine große, eine glamouröse Nummer für alle, und ich versuche, ihn als einzige große Nummer zu begreifen. Der Mensch neigt auch angesichts der Manege dazu, die Dinge abzuwägen, sie einzeln zu bewerten, sie zu vergleichen, auch wenn sie unvergleichbar sind. Dann dient, wie so oft, der sogenannte Geschmack als Maßstab, dann wird der Zirkus zur Messe, zum Leistungswett­bewerb, zur Contest-Show, wie wir sie aus dem ­Fernsehen kennen.

Im zeitgenössischen Zirkus spielt alles zusammen, und was wäre diese globale Show ohne die Nummern, die uns aus privaten Wahrnehmungsgründen nicht gefallen, die es uns aber möglich machen, den nächsten Act der Artisten-Revue umso mehr zu genießen. Jeder und jede in diesem 22. Weltweihnachtscircus auf dem Wasen kann unglaubliche Dinge. Zum Unglaublichsten für unsereins, den ewigen, nie angetretenen Zauberlehrling, gehört das kanadisch­holländische Duo Scott und Muriel, der Illusionist und seine Assistentin, von der man anfangs nicht weiß, ob sie eine Puppe ist oder eine Frau. Dieser Mr. Scott ist ein Slapstick-Freak, der die Säge kaputt macht, bevor sie sägen kann. Der ständig an der Tücke des Objekts zu scheitern scheint, bevor die eigentlich platt gemachte Muriel mitten im Publikum auftaucht, während sie noch ihre Füße in rosa Chucks unter einer Treppe in der Manege zu bewegen scheint.

Das ist alte Magie und wirkt so frisch wie der Clown Fumagalli, der Mann mit der schärfsten Borstenpinsel-Frisur aller ­Zeiten. Mit seinem Partner Daris und den Fumaboys gibt er uns die Lektionen der klassischen Komikerschule. Erwachsene und Kinder sind hin und weg, wenn diese Typen mit ihren Kaiser-Wilhelm-Bärten aus Turnvater Jahns Kiste steigen. Diese Männer haben Gesichter, und sie können damit umgehen. Sie sind die tollkühnen Komödianten des eisernen Schweigens.

Diese Art lustiger Varieté-Poesie trifft auf die Jahr für Jahr steigerbare Hochleistungsakrobatik fliegender Menschen aus Asien. Und wir erleben die überaus komische Pferdenummer der Berliner Tiertrainerin Rosi Hochegger. Sie führt uns den charmantesten Gaul vor, seit „Mr. Ed – Das sprechende Pferd“ das Fernsehen der sechziger Jahre intellektuell bereicherte. Frau Hochegger, auch mit einer originellen Hunde-Nummer zugange, kommt daher als waschechte, schnoddrige Berlin-Figur, als Botschafterin der Hauptstadt der coolen Artisten. Diese professionelle Verspieltheit gehört in den Tempel der Träume wie der vierfache Salto-Flug aus Korea und die betörend knisternde Erotik der wage­mutigen russischen Luftakrobatin Anastasia Makeeva.

Grundverschiedene Disziplinen vereinen sich bei fairer Betrachtung als selbstverständliches Neben- und Miteinander im Zirkus der Emotionen. Scheinbar militaristische Kraftmeierei, etwa die archaischen „Ikarischen Spiele“ aus China, relativieren sich bei dem Gedanken, wonach auch klassisches Ballett und soldatischer Parade-Drill viel gemeinsam haben, ohne dass man kriegerische Motive hinter den Tanz-Kompanien der Theater vermuten müsste.

Vor allem der Tanz hat dem Zirkus trotz des Sensationsbewusstseins eine neue Leichtigkeit gegeben. Alle in der Manege sind dauernd in Bewegung, alles ist im Fluss. Und man muss ein wenig an sich selbst arbeiten, die vielen unfassbaren Dinge im Zirkus als Einheit, als inszeniertes Großes und Ganzes zu betrachten.

Der Weltweihnachtscircus hat die Kraft des Atmosphärischen, die alle Kontraste überbrückt. Von diesem Circus mit zwei C kann man lernen: Die Show beginnt an der ­Eingangstür. Schon im Vorzelt wird einem warm ums Herz am Neckarufer.



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