Bauers Depeschen


Samstag, 06. Dezember 2014, 1391. Depesche


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HEIMSIEG in Reutlingen: Stuttgarter Kickers - SV Wehen-Wiesbaden 2:1



LIEBE GÄSTE,

jeden Tag gibt es ein paar Karten weniger für Die Nacht der Lieder, die Benefiz-Show zugunsten der Aktion Weihnachten am 9./10. Dezember im Thaterhaus. Es sind aber immer noch einige Tickets greifbar, etwas hinten - und Dabeisein ist bekanntlich alles.

KARTEN: THEATERHAUS. Telefon: 07 11 / 4 02 07 20.

Siehe unser kurzes VIDEO ZUR NACHT DER LIEDER

Für den FLANEURSALON am Dienstag. 16. Dezember, im Schlesinger gibt es nur noch ganz wenige Karten am Tresen.



Der Klick zum

LIED DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



VON MENSCHEN UND STRASSEN

Es ist nie hell in der Stadt in diesen vernieselten Dezembertagen, immer düster. Lichtmangel verändert das Leben. Das ­Sehen, das Hören, das Verstehen. Die Lichter des Weihnachtsmarkts und des Weihnachts­geschäfts verklären die Realität, man muss aufpassen, die Dinge richtig zu sehen.

Das gilt selbstverständlich nicht für ­Menschen, die ihre Zeit in Sitzungssälen verbringen, zwischen Mauern, die selten natürliches Licht zulassen, die das Gemüt und den Geist beeinflussen. Diese Leute leiden oft chronisch an demokratischer Unterbelichtung, merken es aber nicht mehr. Die Schatten des Lebens nisten sich ein in ihren Seelen, wecken Sehnsüchte nach Helligkeit. So fordern die Protagonisten der dunklen Mächte von den Bürgern eine Art Ordnung, die sie im Zwielicht ihres eigenen Daseins nicht kennen.

Darum gibt es unter anderem das Amt des Ordnungsbürgermeisters, eine Art göttliche Instanz, die Ordnung definiert, verfügt und überwacht. Der Ordnungsbürgermeister Schairer (CDU) kämpfte, unterstützt vom grünen OB Kuhn, juristisch vehement – und erfolglos – gegen die 250. Montagsdemonstration der S-21-Gegner vor dem Bahnhof. Sollen sie woanders auf die Straße, bloß nicht vor dem zerstörten Bahnhof, dem Symbol des Immobilienhai-Geschäfts.

Im Bewusstsein von Politikern wie Schairer und ihrer Untertanen herrscht die Auffassung, die in der Verfassung garantierte Versammlungsfreiheit dürfe nur in Kraft treten, wenn sie keinen von ihnen stört. Dieser Standpunkt gilt ihnen auch für die Meinungsfreiheit und das Streikrecht, wie uns jüngst die aggressiven Angriffe auf den Gewerkschaftschef der Lokführer gezeigt haben. Längst hat man vergessen, dass das demokratische Recht auf Versammlungsfreiheit vor allem die Meinung von Minderheiten schützt. Und nicht etwa die miese Straßenverkehrsordnung in Deutschlands Autostau-Stadt Nummer eins.

Als S-21-Gegner hat man wenig Lobby, weil die „zielführende“ Marketing-Politik „erfolgs- und ergebnisorientierter“ Parteien nicht den Gedanken zulässt, ein Bürger dürfe und müsse auch dann seine Meinung sagen, wenn sein Kampf verloren scheint. Hinzu kommt die Häme Außenstehender, die S-21-Gegner pauschal, ohne die Realitätskenntnis beurteilen, wonach sich in jedem Haufen Dicke und Dünne, Dumme und Kluge bewegen. Das gilt für den Fußballplatz, den Weihnachtsmarkt und die Demo. Den Spott auf das denkwürdige, bittere „Jubiläum“ der bevorstehenden 250. Montagsdemo kenne ich auch von Leuten, die unfähig sind, die Feier zu Onkel Pauls 80. Geburtstag oder gar eine politische Aktion zu organisieren. In ihrem Fall hilft auch die Versammlungsfreiheit nicht.

Wenn es mir zu dunkel wird im Kessel, gehe ich hinaus an die schönen Ränder. Mit der Stadtbahn zur Haltestelle Borsigstraße, weiter ins türkische Viertel von Feuerbach. Ein gutes Abendessen in der Restauranthalle Dedemoglu. Mit seinen roten Stühlen und langen Theken erinnert mich der Laden an ein amerikanisches Diner. Die Preise sind reell, die Urlaubserinnerungen gut, das Sütlac-Dessert schmeckt wie in Istanbul, wenn ich das mal so sagen darf, als Tourist vom Land auf Ferien in Feuerbach.

Das Türkenquartier liegt an der Mauserstraße. Im Sommer habe ich in einer Kolumne darauf hingewiesen, dass die Nazis diese Straße 1937 nach den Gründern der Waffenfabrik in Oberndorf am Neckar benannt haben, nach den Brüdern Wilhelm (1834 bis 1882) und Paul Mauser (1883 bis 1914). Bis heute hat das keinen unserer ordnungsstrammen Bürgermeister gestört. Die Waffenfabrik Mauser hatte großen Anteil an der Aufrüstung der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Bei der Produktion für die Ausrüstung von Hitlers Armee beutete sie Kriegsgefangene aus. Gut die Hälfte der 6000 Beschäftigen bei Mauser waren Zwangsarbeiter.

Die Fraktionsgemeinschaft der SÖS­-Linke-Plus im Gemeinderat hat jetzt den Antrag gestellt, die Mauserstraße (vor 1937 hieß sie Fabrikstraße) umzubenennen. Sie schlägt vor, ihr den Namen des holländischen Zwangsarbeiters Bram Slaager zu geben. Von 1943 bis 1945 hatte er als Kriegsgefangener bei Mauser Dienst leisten müssen. Nach seiner Befreiung durch die Franzosen setzte sich Bram Slaager zeit seines Lebens für die Erinnerung der in deutschen Arbeitslagern umgekommenen Kriegsgefangenen ein. Anfang der fünfziger Jahre kehrte er in die kleine Stadt im Schwarzwald zurück, nahm Kontakt mit Bürgern und ehemaligen Leidensgenossen auf, recherchierte das Schicksal von Zwangsarbeitern in der Nazi-Diktatur. Oberndorfs Altbürgermeister Klaus Laufer ehrte ihn zu seinem 90. Geburtstag als „Galionsfigur“ bei der Aufarbeitung dieses Kapitels deutscher Geschichte. 2012 ist Bram Slaager mit 91 Jahren gestorben.

Mal sehen, wie lange es noch seine amtliche Ordnung hat, dass die Mauserstraße heißt, wie die Nazis sie vor 77 Jahren getauft haben.



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