Bauers Depeschen


Sonntag, 25. Mai 2014, 1291. Depesche


Permalink zu dieser Depesche: www.flaneursalon.de/de/depeschen.php?sel=20140525

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RESTKARTEN FÜR

DEN FLANEURSALON IM LAB

Am Mittwoch, 28. Mai, ist es so weit: Der Flaneursalon gastiert nach 15 Jahren seines Bestehens zum ersten Mal im LABORATORIUM, in Stuttgarts ältestem Live-Club. Auf die Bühne gehen Stefan Hiss & Freunde, Dacia Bridges, Roland Baisch. Beginn ist um 20.30 Uhr. Es gibt noch Restkarten: 07 11 / 6 49 39 26.



NÄCHSTER FLANEURSALON: THEATERHAUS

Am Montag, 13. Oktober, ist der Flaneursalon im Theaterhaus. Mit der Liedermacherin/Kabarettistin UTA KÖBERNICK, die auch durch den Abend führt. Mit Toba Borke & Pheel, Zam Helga und Ella Estrella Tischa. Der Vorverkauf läuft bereits.



MEINE STN-GLOSSE ZU DEN WAHLEN findet man auf der Depschenseite vom 24. MAI



Der Klick zum

LIED DES TAGES



BETR.: SCHMUDDEL-BANKETT

IN DER ALTSTADT

Unser Fest am vergangenen Samstag in der Leonhardstraße, das von einer Handvoll Leuten veranstaltete Schmuddel-Bankett, lief äußerst angenehm. Eine Hommage mitten auf dem Straßenstrich an ein historisches Stadtquartiert, das die Politik seit Jahrzehnten bewusst ignoriert, seinen Niedergang befördert. Eine solche Veranstaltung organisiert man übrigens ganz prima ohne die Wichtigtuerei irgendwelcher Event- und Marketing-Typen (und mithilfe guter Freunde mit etwas Lebenserfahrung: herzlichen Dank an das Theaterhaus und die Theaterhaus-Gastronomie PS für die Unterstützung bei der Ausstattung). - Entspannte Atmosphäre bei frühsommerlichem Wetter, freundliche, aufgeschlossene Besucherinnen und Besucher, gutes Essen, guter Sound. Es spielten die Band Anjabelle mit Anja Binder, Jens-Peter Abele, Marquis de Shoelch, das Duo Steve & Michael aus dem Kongo, die Sängerin/Songschreiberin Ginger Redcliff aus der Leonhardstraße, der Stuttgarter Rapper Toba Borke und der Beatboxer Pheel. Der Kabarettist und Aktivist Peter Grohmann glänzte mit einem poetisch-politischen Beitrag über den vor 50 Jahren in der Leonhardstraße beheimateten Club Voltaire. Die Resonanz war gut, eine Fortsetzung ist möglich. - Ein kleines Video über das Fest hat mir dankenswerterweise der Filmemacher Vaclav Reischl zur Verfügung gestellt (man findet es unten auf dieser Seite). - Unsereins sagte beim Straßenfest etwas zur Situation im Viertel:



BEGRÜSSUNGSREDE

beim Schmuddel-Bankett am vergangenen Samstag in der Altstadt:



Schönen guten Tag, liebe Gäste, im Leonhardsviertel, in der Altstadt, im Stuttgarter Städtle,

meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie beim 1. Stuttgarter Schmuddel-Bankett, dem Straßenfest zu Ehren eines Stadtquartiers, in dem es auch andere Dinge gibt als Elend und Prostitution.

In diesem Viertel wohnen und arbeiten nämlich nach wie vor Menschen, die stolz sind auf ihren kleinen Kiez, die ihn lieben und ihn verteidigen.

Wir befinden uns hier im historischen Kern der Stadt, im Zentrum von Alt-Stuttgart, in der vergessenen City.

Wenn die Rathaus-Politiker heute aus gebührender Distanz über die Huren und die Freier diskutieren, erwähnen sie nicht mal ansatzweise ihr jahrzehntelanges stadtplanerisches Desaster in diesem Viertel. Dann kommen unfreiwillig komische Sätze wie der des Ordnungsbürgermeisters: „Wir müssen die Abwärtsspirale der Prostitution stoppen.“ Auch die Sozialbürgermeisterin hat eine Floskel über das Leonharsdviertel beizusteuern: „Die Frauen müssen ihre Menschenwürde zu Grabe tragen.“

Es sind in Wahrheit aber die Politiker und die Behörden, meine Damen und Herren, die den Menschen die Würde nehmen, nämlich indem sie dieses Viertel hier verkommen lassen und Stadtgeschichte beerdigen. Den Rathaus-Politikern fällt zur Rettung des Leonhardsviertels nichts Besseres ein als frühere Schließzeiten für Lokale, die medizinische Überwachung der Dirnen und die Kondompflicht für Freier. Wenn die Beamten in Zukunft die Einhaltung ihres Gummi-Paragrafen kontrollieren, wird uns dies an eine alte schwäbische Weisheit erinnern: „Man steckt halt net drin.“

Die Elendsprostitution in der Altstadt konnte sich ja nur ausbreiten, weil die Verweigerung einer vernünftigen Stadtplanung den Nährboden für das Elend bereitet hat. Ein sozial angeschlagenes Revier befriedet man nicht mit Verordnungen. Schon in den achtziger Jahren hatte OB Rommel den Befehl gegeben, das Leonhardsviertel „auszutrocknen“. In Wahrheit aber hat die Stadtverwaltung Zuhälterei und Menschenhandel mit ominösen Immobilienverkäufen unterstützt.

Was wir heute brauchen, ist eine urbane, eine kulturelle Aufwertung des Quartiers. Wichtig wäre, im Leonhardsviertel auf eine gute Mischung aus Milieu-Schuppen und seriöser Bars zu achten. Wir sollten nicht vergessen: Noch vor 15 Jahren gab es hier Geschäfte und Handwerksbetriebe, ein buntes nachbarschaftliches Leben mitten im Milieu.

Die aktuelle Entwicklung, meine Damen und Herren, ist sehr schade, in Wahrheit ein Skandal. Im Leonhardsviertel gibt es seltene historische Bausubstanz, Architektur, die bis ins Barockzeitalter zurückreicht und geschützt werden muss. Diese Gegend hat eine demokratische Geschichte. Vor 500 Jahren ließ der Herzog Ulrich drüben auf dem Wilhelmsplatz dem Stuttgart Bauernkrieger Legelin-Jörg und dessen Freunden den Kopf abhacken. Die Männer hatten geplant, den Aufständischen vom Armen Konrad die Stadttore zu öffnen. - Gleich hier um die Ecke in der Jakobstraße 6, im Haus der Jakobstube, wurde 1807 der berühmte Historiker, Dichter, Pfarrer und demokratische Abgeordnete Wilhelm Zimmermann geboren. Und hier in der Leonhardstraße 8 wurde 1965 der Club Voltaire eröffnet.

Es gibt hier attraktive Orte, die mehr Publikum anziehen würden, wenn sie bekannter wären. Wenn die Bürger mehr von diesem Viertel kennen würden als das unsinnige Gerücht, hier herrschten nur Gewalt, Wahn und Untergang. Es gibt ein anderes Leben. Das Sieglehaus mit dem Bix Jazzclub, das Plattencafé Ratzer-Records, den Live-Club Kiste, die originelle Jakob-Stube, die gewitzte Uhu-Bar, die schicke Bar Fou Fou, das gehobene Restaurant Fröhlich, den urigen Brunnenwirt mit seinem Imbiss und seiner reellen schwäbischen Küche, den Metzer-Imbiss Ergenzinger – um nur einige Anlaufstellen zu nennen. Auch die Leonhardskirche mit ihrem Platz hin zum Sieglehaus bietet Möglichkeiten für kulturelle Aktionen. Das Sieglehaus aber, wo einst Bands wie AC/DC auftraten, ist so gut wie tot, wird nicht öffentlich bespielt.

Meine Damen und Herren, die kleine Bürgerinitiative Unsere Altstadt hat sich zusammengefunden, um das Leonhardsviertel wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Um für einen fairen Umgang mit diesem Quartier zu plädieren, um ein Stück Heimat wiederzubeleben.

Die Gefahr ist groß, dass irgendwann die Bagger der Investoren kommen. Dann werden hier womöglich unbezahlbare Wohnungen und überflüssige Büros gebaut, und das Ganze heißt dann nicht mehr Städtle, sondern Leonhardshöfe. Die Altstadt darf nicht vor die Hunde gehen!

Liebe Gäste, wir wünschen Ihnen, wir wünschen euch einen unterhaltsamen Nachmittag im schönsten Schmuddel der Stadt. Wir wünschen euch einen erregenden Frühsommertag mit gutem Essen, mit aufschlussreichen Gesprächen, mit bewegender Musik von unseren großartigen Künstlern, die ohne erwähnenswerte Gage auftreten. In diesem Sinne: Wir lassen uns den Spaß in diesem Viertel nicht verderben. Lang lebe das Leonhardsviertel! Lang lebe das Städtle!  

VIDEO SCHMUDDEL-BANKETT



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