Bauers Depeschen


Samstag, 02. Februar 2013, 1051. Depesche


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DERBY: Stuttgarter Kickers - VfB Stuttgart II 3:0



IM MAI IN DER RAMPE:

DIE FLANEURSALON-FAMILIEN-BANDE

Für Freitag, 17. Mai, ist die Flaneursalon-Familiensaga im THEATER RAMPE geplant: Roland Baisch tritt mit seinem Sohn Sam Baisch auf, Zam Helga mit seiner Tochter Ella Estrella Tischa. Dazu haben wir den Rapper Toba Borke und seinen Beatboxer Pheel im Programm. Talkin' 'bout my generation ... Der Vorverkauf hat begonnen.



SIGNIERTE BÜCHER BEI RATZER

Es gibt wieder signierte Exemplare meines Buchs im Plattencafé Ratzer Records am Leonhardsplatz.

Von dem Berliner Kabarettisten ARNULF RATING erhielt ich gestern diese Post zum Buch:



Lieber Joe,

heute morgen, stressgeplagt, doch bevor ich noch den ersten Fuß in den Tag gesetzt hatte, greife ich mir Dein Buch vom Nachttisch und lese abermals die ersten Seiten von der Kunst des Müßiggangs. Und jetzt sehe ich es erst als das, was es ist: ein grandioses Manifest fürs Wandeln im Wortsinne, starke Worte für den freien Lauf von Beinen und Gedanken (das Gegenteil von Steinbrücks "Beinfreiheit"). Die Entdeckung des nur sich sich selbst gehorchenden, autonomen "Herumstiefelknechtes".

Die Applikation des Jahres: heraus aus der Zweidimensionalität des Displays in den Raum mit Licht und Wittterung. Sich selber Beine machen - ein großartiger Vorschlag aus der Autometropole. Wunderbar. Danke dafür!

Arnulf



SOUNDTRACK DES TAGES



Die aktuelle StN-Kolumne:



IM HIMBEERREICH

Ein gutes Theater, heißt es, erkenne man an seiner Lust und Fähigkeit, in eine Stadt hineinzuwirken, ihr Leben widerzuspiegeln, Teil von ihr zu sein. Aus eher grotesken Gründen, man könnte auch ­sagen: aufgrund skandalöser Umstände gelingt dieses Spiel dem Stuttgarter Schauspiel seit geraumer Zeit ganz hervorragend.

Es ist ein kleines Abenteuer, die aktuelle Staatstheater-Bühne mit der Bahn und zu Fuß anzusteuern, auf­regender, als das Stammhaus am Eckensee im Schlossgarten aufzusuchen. Weil das Schauspielhaus ­immer noch ­umgebaut wird, fährt der Theatergänger hinaus zur Ersatzbühne Nord, Löwentorstraße 68.

In der Nähe die Pragstraße; die Schwer­verkehrsader verbindet den Kern von Bad Cannstatt mit dem Pragsattel in Feuerbach. An der Pragstraße stehen die Gebäude still­gelegter Fabriken. Zigtausend Menschen haben hier noch lange in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gearbeitet.

Auf dem Weg zum Ausweichquartier ­Nord gehe ich in der Löwentorstraße am Glas- und Betonkomplex der Sparkassenversicherung vorbei. Die Bauten im Einheitsdrill deutscher Büroarchitektur stehen herum, als hätte man sie eigens für Andres Veiels Drama „Himbeerreich“ hingestellt. Wäre es Sommer, würde man sich in dieser Umgebung eine Open-Air-Aufführung wünschen.

Der als Dokumentarfilmer bekannt geworden ­ Regisseur hat sein Stück selbst inszeniert. Nach Recherchen mit zahlreichen Interviews im Bankermilieu arbeitet er die Machenschaften der Finanzwelt auf. Das Publikum sitzt im Casino Brutal.

In der Stuttgarter Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin gibt uns der Berliner Bühnenstar Ulrich Matthes Unterricht in der Kunst, Monologe so präzise zu halten, bis man die Fäuste zur Deckung hochnimmt. Das liegt weniger an der Schärfe der Sätze als am aufkommenden Verdacht, da wisse einer noch mehr, als ihm der Autor auf­geschrieben hat.

Der Rest der Vorstellung ist weniger auf­regend als der Blick vom Treppenaufgang des Theaters in die nächtliche Löwentor-Landschaft. Man geht am Polizeirevier in der Nachbarschaft vorbei im selt­samen Gefühl, in einem fremden Stadtteil herumzuirren, in einer unwirtlichen Gegend, in der vor nicht langer Zeit eine Industriewelt unterging.

Vom Löwentor braucht ein guter Läufer nicht sehr lange bis zum ­Rosensteinpark, wo man provisorische ­Brücken für Bauarbeiten erstellt und Rohre für das Grundwasser­management legt, um die Zerstörung der Parklandschaft vorzubereiten. Über Stuttgart 21 wird ­unverändert gestritten, und der Streit wird noch heftiger werden, weil im September Bundestags­wahlen sind. Alles, was die Politiker jetzt sagen, jede Drohung und Beschwichtigung, muss dem Wahlkampf dienen. Längst ist Stuttgart 21 ein politisches Projekt, ein teurer Spielball der Macht. Es geht um immer mehr Geld im Himbeerreich der Immo­bilien, wo gezockt wird ohne Rücksicht auf Verluste.

Seit bald zwanzig Jahren verbreiten ­Betreiber und Befürworter des Milliardendeals die Propaganda von der „Machbarkeit“, und man möchte sie ­ ­hinausführen zur Ersatzbühne Nord und ihnen die Wahrheit über die politisch Verantwortlichen und ihre Bauten erzählen. Seit August 2010 wird das Schauspielhaus ­umgebaut, 2011 hätte es fertig sein sollen. Die Auftrag­geber, ihre unfehlbaren Ingenieure und Handwerker ­haben gemurkst auf Teufel komm raus. Eine Farce, ein kleines Stück. Symptomatisch.

Im „Himbeerreich“ am Löwentor geht der Schauspieler Ulrich Matthes an die Rampe und fragt, nachdem er die Raubzüge um Renditen und die menschenverachtenden Methoden der Euro-Zocker dar­gelegt hat: „Warum wird da keiner ­wütend?“

Im Publikum klatschen einige an dieser Stelle, wohl wissend, dass das Himbeerreich gegenwärtig ist, weil der Bankenwahnsinn überall Methode hat.

Die Stuttgarter BW-Bank-Filialen werben zurzeit auf Postern mit zwei Sprechblasen: „Sag mal was Schönes.“ – „Rendite.“

Das ist der Dialog der Gegenwart. Es ist schön im Theater der Stadt.



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